Darum wird Anthem kein „Destiny-Killer“

In den Foren und sozialen Medien wird eifrig darüber debattiert, ob Anthem denn nun endgültig der Sargnagel für Destiny 2 sein wird. Warum das abwegig ist, erklärt unser Autor Robert.

Worum geht es? Vermehrt tauchten in der jüngeren Vergangenheit Kommentare auf, die mit dem Release von Biowares Shooter Anthem ein unausweichliches Ende für Destiny 2 prophezeien.

Das kommt mir bekannt vor.

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Schon 2016 verkündeten viele Spieler, The Division werde jetzt Destiny ein Ende bereiten.

Im Jahre 2019 sollen dann eben Anthem und The Division 2 den Todesstoß für Destiny vollführen. Wirklich? Ich habe wie schon in der Vergangenheit große Zweifel an dieser Theorie.

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Wie steht Destiny 2 aktuell da? Laut der Seite destinytracker.com spielen aktuell 1,1 Millionen Spieler PvE-Aktivitäten, während sich immerhin noch 900.000 Hüter täglich im Schmelztiegel messen.

Das ist weit entfernt von den Spitzenwerten, die rund um das Release einer größeren Erweiterung erreicht werden, aber immer noch ordentlich.

Nach Meinung vieler Spieler werden diese Hüter im Februar nun komplett auf Anthem umschwenken – dauerhaft. Klingt komisch? Ist es auch. Das fängt schon mit der Definition „Destiny-Killer“ an.

Was bedeutet „tot“ für Online-Spiele?

Wann ist Destiny 2 wirklich tot? Wirklich tot wäre Destiny 2 erst, wenn Publisher Bungie verkündet, dass aufgrund der geringen Spieler-Population alle Arbeiten an Destiny 2 eingestellt werden. Zukünftige DLCs werden nicht fertiggestellt. Darüber hinaus werden die Server abgeschaltet, um Kosten zu sparen.

Diese (fiktive) Meldung soll allein aufgrund eines neuen Spiels ausgelöst werden? Ganz sicher nicht.

Das würde nämlich bedeuten,

  • dass die deutliche Mehrheit der Destiny 2-Spieler auf einmal nur noch dauerhaft Anthem spielt
  • keine neuen Spieler mehr mit Destiny 2 starten, sondern direkt mit Anthem

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Das bedeutet nicht weniger, als dass die Spielerbasis komplett wegbrechen müsste. Dabei laufen sogar noch die Server des Vorgängers Destiny 1 und Bungie hat bisher keinen Termin genannt, an dem die Server abgeschaltet werden sollen.

So oder so, die Vergangenheit hat gezeigt, dass Destiny nicht so leicht totzukriegen ist. Die Zukunft wird das ebenfalls beweisen.

Kurzfristig mag der Release von Anthem Auswirkungen auf die Population in Destiny 2 haben, der „harte“ Kern, also die Hardcore-Destiny-Spieler, werden „ihrem“ Spiel jedoch weiterhin die Treue halten.

Es gibt allerdings noch mehr Gründe, warum die Zukunft von Destiny 2 nicht von Anthem abhängen wird.

Anthem fehlt zum Start ein wichtiger Modus

Darum ist kompetitiver Mehrspielermodus so wichtig: Wenn alle Aktivitäten gegen computergesteuerte Gegner abgeschlossen sind und die letzte Waffe gefarmt ist, lebt ein Spiel vor allem von einem kompetitiven Mehrspielermodus.

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Richtig aufgezogen fühlen sich Mehrspieler-Partien stets frisch an und erhöhen die Wiederspielbarkeit eines Titels enorm. Darüber hinaus gilt die Suche nach einer Waffe mit dem perfekten Roll für den Schmelztiegel in Destiny 2 als eine wesentliche Beschäftigung der Hüter.

Diese ist in Anthem (zumindest zum Start) komplett obsolet. Ob und in welcher Form Anthem einen kompetitiven Mehrspielermodus erhalten wird, steht in den Sternen. Es ist jedoch alles andere als ausgeschlossen, dass viele Anthem-Spieler nach der Bewältigung der PvE-Inhalte zu Destiny 2 zurückkehren, lange bevor Anthem etwas ähnliches auf die Beine gestellt hat.

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Anthem wird zum Launch deutlich weniger Inhalte bieten als Destiny 2

Das spricht für Destiny 2: Wenn Anthem erscheinen wird, hat Destiny 2 bereits 17 Monate auf dem Buckel. In der Zwischenzeit sind zwei kleinere DLCs und eine große Erweiterung veröffentlicht worden, erste Inhalte aus dem Jahrespass sind dann ebenfalls schon verfügbar.

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Auch wenn der genaue Umfang von Anthem aktuell noch nicht quantifiziert werden kann, es wird wohl deutlich weniger zu tun geben als in Destiny 2. Die spannende Frage wird sein, ob es BioWare gelingen wird, zügig nach dem Launch neue Inhalte zu liefern bzw. Anreize zu schaffen, die gleichen Inhalte wieder und wieder zu spielen.

Weiß man überhaupt genug über Anthem? Niemand dürfte aktuell sagen können, dass die Langlebigkeit eines Anthem Destiny 2 ausstechen wird, dafür ist einfach zu wenig von Anthem bekannt – speziell zum Endgame.

Viele Destiny-Spieler haben Tausende Stunden in Bungies Werk verbracht, diese Hürde wird Anthem erst einmal nehmen müssen.

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Fazit – Nur einer kann Destiny 2 killen: Destiny 2

Kann Destiny 2 überhaupt gekillt werden? Ob und wie das möglich ist, wissen wir natürlich nicht. Es lässt sich jedoch ziemlich sicher sagen, dass es nicht Anthem sein wird. Zu viele Faktoren lassen zumindest vermuten, dass Anthem in Sachen Langlebigkeit nicht an Destiny vorbeikommen wird.

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Wesentlichen Einfluss auf die Zukunft der Destiny-Franchise kann und wird Bungie haben, nicht mehr und nicht weniger. Dass Destiny 2 einige fundamentale Probleme hat, ist bekannt. Bungies Entscheidungen in der jüngeren Zukunft werden maßgeblich dafür sein, ob die Hüter Destiny 2 den Rücken kehren werden – und nicht Anthem.

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Was haltet Ihr davon? Wird Anthem langfristig einen Großteil der Destiny-Spieler binden?

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