Kickstarter als Starthilfe? Klappt nur selten
Während hinter den östlichen Produktionen weiterhin oft große Publisher wie NCsoft, NetEase, Kakao Games oder Tencent stehen, mussten sich westliche Entwickler alternative Finanzierungsmöglichkeiten suchen. Viele nutzten dabei ab 2012 den Kickstarter-Hype, um via Crowdfunding Geld für das eigene MMORPG zu sammeln.
Teils kamen (und kommen bis heute) die Spiele von bekannten Branchen-Veteranen wie Richard Garriott (für Shroud of the Avatar), Raph Koster (ganz frisch: Stars Reach), Mark Jacobs (Camelot Unchained) oder Brad McQuaid (Pantheon: Rise of the Fallen), wodurch man zahlreiche Fans fürs jeweilige Crowdfunding begeistern konnte.
Ein klares Positivbeispiel kommt aus Deutschland, ist fast sieben Jahre alt und feierte 2024 Spielerrekorde: Albion Online. Sehr viel weniger erfolgreich war Shroud of the Avatar (2018), doch gab’s hier immerhin einen Release, und die Server sind weiterhin online. Gleiches gilt für Fractured Online (2024), das vor kurzem sogar einen neuen Besitzer gefunden hat und einen Relaunch plant.
Zwar gab’s mit Stars Reach erst im März 2025 eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für ein MMORPG-Projekt, doch ist das mittlerweile die Ausnahme von der Regel. Stattdessen setzen viele westliche Entwickler mittlerweile auf einen kostenpflichtigen Frühzugang, etwa via Early Access auf Steam.
Allein im vergangenen Jahr sind mit Pax Dei, Pantheon: Rise of the Fallen, The Quinfall und Brighter Shores vier spannende Projekte in den Early Access gestartet. 197 MMORPGs sollen sich auf Valves Vertriebsplattform aktuell im Early Access befinden (via Steam). Dazu kommen unter anderem Corepunk und Ashes of Creation, die abseits von Steam derzeit kostenpflichtige Testphasen anbieten.
So viel Glück hatte Crowfall nicht. Nach langer Entwicklungszeit kam es im Juli 2021 zwar zur Veröffentlichung, doch mussten die Server im November 2022 wieder offline gehen. Andere Projekte wie Camelot Unchained oder Chronicles of Elyria befinden sich seit vielen Jahren in der Entwicklungshölle und müssen sich immer mal wieder Scam-Vorwürfe gefallen lassen. Ausgang offen.
The Wagadu Chronicles? Noch vor dem offiziellen Release im Jahr 2024 gestorben. Pathfinder Online? Liegt schon seit 2021 auf dem Friedhof. City of Titans? Soll sich auch nach 12 Jahren weiterhin in der Pre-Alpha befinden. Greed Monger? Die Entwicklung wurde 3 Jahre nach der Kampagne 2012 eingestellt.
Unterm Strich sieht die Bilanz für Kickstarter-MMORPGs bislang also ziemlich katastrophal aus. Mit Pantheon: Rise of the Fallen (befindet sich mittlerweile im Early Access auf Steam), Ashes of Creation (derzeit läuft Phae 3 der Alpha Two) und Stars Reach (hatte seinen erfolgreichen Kickstarter erst im März 2025) gibt’s aber zumindest ein paar Projekte, die Hoffnung machen.
Ashes of Creation befindet sich derzeit in der Alpha Two, die zuletzt unter anderem die Schurken-Klasse und Knoten-Belagerungen bekommen hat:
Mobile-MMORPGs sind im Trend
In den vergangenen Dekaden ist der Mobile-Markt derart stark geworden, dass immer mehr MMORPG-Anbieter ihre Spiele ausschließlich oder zusätzlich für Android- und iOS-Geräte entwickeln. Kein Wunder.
Ein Publisher wie NCsoft macht schon seit einigen Jahren deutlich mehr Geld mit seinen Mobile-Hits Lineage M (2017), Lineage 2M (2021), Lineage W (2021) und Blade & Soul 2 (2021) – das mittlerweile recht angestaubte PC-Portfolio aus Lineage, Lineage 2, Aion, Blade & Soul sowie Guild Wars 2 schlägt sich wacker, kann da aber nicht mithalten.
Auch Online-RPGs wie Albion Online, Black Desert, Old School RuneScape, Tower of Fantasy (2021) oder EVE Echoes (2020) könnt ihr heute mobil erleben. Oder ODIN: Valhalla Rising, das am 29. April 2025 für PC und Mobile erschienen ist.
Das ist ein Trend, der nach 2015 ordentlich Fahrt aufgenommen hat und der das Genre sicherlich auch in Zukunft verstärkt begleiten wird. Vereinzelt rudern Publisher aber auch wieder zurück, weil sie sich von PC- und Konsolen-Fokus einen größeren Erfolg auf dem globalen Markt versprechen. Ein Beispiel dafür ist Aion 2, das ursprünglich nur für Mobile-Geräte erscheinen sollte, jetzt aber einen klaren PC-Fokus hat.
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Schöner Artikel
Schade, dass das deutsche Spiel Neocron immer unter dem Radar geschwebt ist und nur wenige sich daran erinnern können.
Das MMO hatte damals in den Nullerjahren Inhalte die ich in keinem anderen game jemals wieder gesehen habe.
Abgesehen davon hat WoW den Markt, meiner Meinung nach kaputt gemacht. Wo früher 1 Mio Spieler als Abonnenten gereicht haben, war nach dem WoW Launch alles zu klein, zu wenig und musste mind. in WoW Größen aufsteigen.
Das es auch anders und trotzdem erfolgreich geht, zeigt seit Jahren Eve Online.
Für jemanden der sogar schon in der Beta von WoW dabei war und auch in Meridian, ist der Artikel eine schöne Zeitreise. Danke dafür
WoW hat an sich den gesamten Gamingmarkt geändert. Jeder wollte ein Service-Game wie WoW haben, und das hat auch auf andere Genres und die Art der Monetarisierung Auswirkungen gehabt.
Das war meiner Meinung nach auch positiv. Zwischen geschätzt 2005 und 2012 konnten Studios bei der Suche nach einer MMORPG-Finanzierung immer auf WoW und die Zahlen dort verweisen. Das führte allerdings zu hohen Erwartungen, und wenn die nach dem Release nicht erfüllt worden, war das Licht schnell wieder aus.
Insgesamt ein schöner Artikel und ich hoffe ich kann in Zukunft Weitere dieser Art lesen.