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Guild Wars 1: Darum schwärmen MMO-Veteranen noch heute vom Spiel

Guild Wars 1: Darum schwärmen MMO-Veteranen noch heute vom Spiel

Das erste Guild Wars löst bei vielen Spielern ein warmes Gefühl aus, sie sehnen sich nach den Zeiten damals. So geht’s auch unserem Autor Jürgen. Er erzählt von Guild Wars, seiner ersten großen Online-Spiele-Liebe, und was Coop-RPG so besonders gemacht.

Für viele MMORPG-Spieler war Guild Wars 1 damals eine willkommene Alternative zu World of Warcraft. Das Online-Rollenspiel von ArenaNet ging schon damals radikal andere Wege und überzeugte mit anderen Spielkonzepten als die Konkurrenz.

Was hat Guild Wars 1 so besonders gemacht hat und wo lebt es noch heute im Nachfolger Guild Wars 2 weiter?

Viele Spieler haben nach wie vor einen ganz besonderen Fleck in ihrem Herzen für ein Spiel reserviert: Guild Wars! Das erste Spiel der Reihe kam 2005 heraus und war in vielen Aspekte anders als die damals üblichen MMORPGs wie World of Warcraft.

Daher hatte Guild Wars schon damals viele Fans, die das Spiel auch heute noch zocken und beständig nach einem HD-Remake rufen. Doch was genau war an Guild Wars 1 so besonders?

Guild Wars – Das waren die Besonderheiten des MMOs

Guild Wars 1 machte vieles anders als die Konkurrenz. Beispielsweise war es eher ein Coop-RPG als ein MMO, kostete keine Abo-Gebühren und hatte ein Skill-System, das eher von Magic: The Gathering als von D&D inspiriert war.

Guild Wars – Eher ein Coop-RPG als ein MMORPG

Eine der Besonderheiten von Guild Wars 1 war, dass viele Spieler es gar nicht als MMORPG sahen. Denn im Gegensatz zu World of Warcraft und Co. saht ihr andere Spieler nur in den so genannten „Hubs“. Das waren meist Städte, Dörfer oder Außenposten, wo keine Monster herumliefen. Dort gab es Quests und man konnte Handeln und mit anderen Spielern interagieren.Guild-Wars-2-Ventari

Wenn man aber wieder zurück in die Wildnis ging, war man alleine, wenn man vorher nicht andere Spieler eingeladen hatte. Alternativ konntet ihr aber NSC-Gefolgsleute und später etwas mächtigere Helden-Charaktere aus der Story mitnehmen. Da jede Zone in der Spielwelt streng instanziiert war, konnten ihr nur auf die Spieler treffen, die ihr auch eingeladen hattet.

Es schnappte euch also niemand Loot oder Kills vor der Nase weg und solange ihr die Zone nicht verlassen hattet, gab es auch keinen Monster Respawn. Man konnte also nach Herzenslust die Region erkunden und was tot oder geplündert war, blieb auch weg. Das sorgte für eine außerordentlich dichte Atmosphäre, vor allem, da in späteren Addons bestimmte Regionen in verschiedenen Stadien verfügbar waren. Das richtete sich nach dem Stand der Story: beispielsweise vor und nach dem Angriff der feindlichen Armee.

Guild Wars – Skillsystem á la Magic: The Gathering

Das Skillsystem von Guild Wars war damals ebenfalls einzigartig. Anstatt Dutzender gleichzeitig nutzbarer Fähigkeiten und Skillbäume gab es nur acht Slots, die ihr aus einem Fundus von knapp 1.000 Skills auswählen konntet. Die Wirksamkeit dieser Fähigkeiten wurde durch Punkte in der jeweiligen Skill-Kategorie bestimmt und ihr konntet zusätzlich zu eurer gewählten Klasse eine weitere Klasse wählen, deren Skills ihr dann (mit Ausnahmen) ebenfalls ausrüsten durftet.

Durch das strenge Limit auf acht gleichzeitig nutzbare Skills musste man gut abwägen, was man einpackte. Skillwechsel war nämlich nur in den Quest-Hubs möglich. Doch gerade diese Limitierung sorgte dafür, dass man besonders ausgefallene und effektive Builds baute. Beispielsweise der legendäre 55HP-Mönch-Build, der durch zahlreiche Effekte seine maximalen Lebenspunkte auf 55 senkte.

GuildWars2-Raid-05Mittels eines Skills, der jeden erlittenen Schaden auf maximal 10 Prozent der vollen Hitpoints reduzierte, bekam dieser Charakter immer nur 5 Schaden aus allen Angriffen, die er leicht gegenheilen konnte. Solch ein Held war nur sehr schwer zu besiegen und ideal zum Tanken oder Farmen. Im Gegensatz zu Guild Wars 2 hattet ihr die volle Freiheit bei der Skill-Auswahl und wart nicht auf feste Slots für Waffenskills oder Support-Fähigkeiten angewiesen.

Guild Wars  – Keine Abokosten und epische Addons

Während heute die meisten MMORPGs Free2play sind, hatten damals die meisten Online-Rollenspiele noch Abo-Modelle. Guild Wars war hingegen ein Buy2Play-Spiel, das man einmal kaufen und dann so lange zocken konnte, wie man wollte.

Guild Wars 2 Scrapper Herat of Thorns

Neuer Content kam in großen Addons, die jeweils eine  neue Spielwelt boten, das an Asien angelehnte Cantha oder die von Afrika inspirierte Region Elona. Jedes Addon brachte auch neue Helden und Spielmechaniken, beispielsweise der coole Ritualist und die Fraktionskämpfe um Territorien in Guild Wars: Factions.

Guild Wars – Ruck-Zuck im Endgame

Ebenfalls cool an Guild Wars: Das Maximallevel war immer 20 und es wird nie erhöht. So war man schnell im Endgame angelangt, was eigentlich alles nach der Grundkampagne „Prophecies“ war. Alle Quests und Instanzen danach waren also „Endgame“ und gaben euch entsprechende Herausforderungen.

Guild Wars 2 Hot ErweiterungAußerdem gab es in Guild Wars kaum vertikale Progression. Ihr hattet bald ein Ausrüstungsset der besten Qualität und die nötigen Aufwertungen, um es optimal an euren Helden anzupassen. Es gab also kein Wettrüsten. Neue Items wurden nur um ihres coolen Aussehens Willen gefarmt und im Spiel selbst kam es viel mehr auf das Können der Spieler als auf die Ausrüstung an.

Guild Wars 1 vs. Guild Wars 2 – Das fehlt alles

Dies alles führte zu dem typischen Guild-Wars-Spielgefühl, das in vielen Aspekten nicht vom Nachfolger Guild Wars 2 übernommen wurde. Teil 2 setzt vielmehr auf eine offene MMO-Welt, in der viele Spieler gleichzeitig unterwegs sind und dynamische Events statt Quests erledigen. Gegner spawnen ständig nach und viele Herausforderungen sind nur möglich, wenn man gerade zufällig da ist und genug Leute mitmachen.

Guild Wars 2 Legendary 3

Nach wie vor wählt ihr aus einem Fundus eure aktiven Skills aus, doch die Skillauswahl ist viel geringer und viele Skills sind in Guild Wars 2 fest an eine Funktion gebunden. Skills 1 bis 5 sind beispielsweise immer von der Waffe abhängig und Skills Nummer 6 MUSS ein Unterstützungsskill sein. Wer frei mit seinem Build experimentieren wollte, hat in Guild Wars 2 nur wenig Freunde.

Guild Wars 1 in Guild Wars 2 – Ein Fest für Nostalgiker

Das Gameplay von Guild Wars 2 unterscheidet sich teils massiv vom Vorgänger, aber dennoch steckt viel von Guild Wars 1 im Nachfolger. Vor allem die coole Welt des Spiels existiert  – in veränderter Form – weiter und bietet viele Überschneidungen.

Es scheint sogar so, als ob mit jedem neuen Kapitel der Lebendigen Geschichte von Guild Wars 2 die Bezüge zum Vorgänger weiter zunehmen. Gerade die dritte Staffel der Story bezieht sich stark auf das erste Guild Wars, unter anderem in den folgenden Szenen:

  • Ihr kommt schon früh auf die bis dato nur aus GW1 bekannten Inseln des Feuerrings. Dort fand in der Prophecies-Kampagne der Endkampf gegen den Lich statt.
  • In Kryta erstarkt erneut der Weiße Mantel, ein fanatischer Kult, der euch weite Teile der Kampagne in GW1 Ärger machte.
  • Im Laufe der dritten Staffel beschwören die Kultisten sogar einen leibhaftigen Mursaat namens Lazarus, der ebenfalls schon in Guild Wars 1 einen Auftritt hatte.

Hinzu kommt noch, dass das nächste Addon zu Guild Wars 2 in der Kristallwüste und Elona spielen soll. Dort war die weiße Drachin Glint – Schöpferin der Flammensucher-Prophezeiungen – einst zuhause und in der Kristallwüste erlangten eure Helden damals die Erleuchtung. Da gerade über diesen göttlichen Zustand zuletzt öfter gesprochen wurde und noch dazu die Götter eine wichtige Rolle in der künftigen Story-Line spielen, dürfte auch in Zukunft viel Nostalgie-Content aus Guild Wars 1 in Guild Wars 2 auftauchen.Guild-Wars-2-Season3


Jürgen meint: Für mich war das erste Guild Wars damals mein erstes Online-Rollenspiel und ich war von Anfang an davon begeistert. Daher vermisse ich auch das freie Skillsystem und die instanziierten Regionen ein wenig. Doch auch der Nachfolger hat seine Vorteile, allem voran die coole, immer wieder weitergehende Story in der lebendigen Geschichte. Ich bin jedenfalls gespannt, wie es weitergeht und welche Geheimnisse aus Guild Wars 1 nochmal aufgegriffen werden.

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Jürgen Stöffel
Jürgen Stöffel begann seine Karriere als Spiele-Redakteur 2013 bei buffed und war danach Freelancer bei Gamestar, Online-Redakteur bei GIGA und dann für einige Zeit freiberuflicher MMORPG-Redakteur bei Gamestar. Als Mein-MMO dann zu Webedia kam, wurde Jürgen von Dawid mit ins Team geholt. Seit April 2017 ist Jürgen bei Mein-MMO fest dabei. Neben Online-Rollenspielen mag er vor allem taktische MMOs wie World of Tanks und MOBAs. Und zu einer Runde Borderlands oder Fortnite im Coop sagt er auch selten nein. Hauptsache, man spielt nicht alleine.
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