Ein Film auf Disney+ hat zu Unrecht keinen Oscar bekommen, hat mich emotional gebrochen 

Ein Film auf Disney+ hat zu Unrecht keinen Oscar bekommen, hat mich emotional gebrochen 

Neben Star Wars, Marvel und anderen Franchises hat Disney+ auch einige Perlen, die große Kritikerlieblinge sind. Ein ganz besonderer Film beschäftigt sich mit der emotionalen Vergangenheit des Protagonisten, ohne dabei ungelenk auf die Tränendrüse zu drücken. MeinMMO-Redakteur Nikolas Hernes kann All of Us Strangers nur empfehlen.

Was ist All of Us Strangers? In All of Us Strangers ist Adam in einem schwierigen Zeitpunkt in seinem Leben. Er ist unglücklich, kann sich nicht auf andere Menschen einlassen und wohnt in einer Wohnung in einem scheinbar verlassenen Haus.

Plötzlich lernt er Harry kennen und dann begibt er sich zu seinem Elternhaus. In dem Haus findet er seine Eltern, die aber plötzlich jung sind, sichtbar jünger als er selbst. Adam nutzt jetzt die Chance, endlich mit seinen Eltern über seine Emotionen und die Vergangenheit zu sprechen, was dafür sorgt, dass er sich auf Harry einlassen kann.

Den englischen Trailer zum Film findet ihr hier:

Das Drehbuch ist genau auf dem Punkt

Die Geschichte von All of Us Strangers ist simpel, aber unglaublich effektiv. Eigentlich verfolgt man Adam, gespielt von Andrew Scott, wie er seinen Eltern einfach alles über sich selbst erzählen möchte. Dabei liegt der Fokus vor allem auf seiner Homosexualität. Als Jugendlicher hatte er keine Chance, sich vor seinen Eltern zu outen.

Als er es seiner Mutter erzählt, reagiert sie erstmal sehr unangenehm. Doch danach, als er mit seinem Vater darüber spricht, entstehen wirklich emotionale, aber auch überraschend positive Szenen. Ich war überrascht, mit wie viel Eleganz der Film an das Thema rangeht. Niemals wird etwas nur mit Musik ins Emotionale gedrängt. Im Fokus sind die Dialoge und die Charaktere.

Das ist auch ein Grund, warum der Film mich so berührt hat, obwohl ich selber keine solchen Erfahrungen gemacht habe. All of Us Strangers ist immer nuanciert und auf dem Punkt. Der Film bauscht nie etwas aus und drückt uns die Gefühle der Figuren ins Gesicht. Man fühlt mit, weil man sieht, wie sich die Charaktere fühlen, nicht weil man gesagt bekommt, wie man sich fühlen soll.

Auch die Eltern sind nicht nur eine Einstellung, sie zeigen mehrere Facetten. Sie versuchen, etwas zu verstehen, was sie aus ihrer Zeit und ihrer Umgebung nicht kennen. Die Liebe für das eigene Kind wird mir aber immer präsentiert und verständlich gemacht.

Einen weiteren Film mit Familienfokus findet ihr hier: Der schönste Film des Jahres ist eine Vater-Sohn-Geschichte in einer Welt voller Tiermenschen

Adam spricht mit seinen Eltern

Scott und Mescal sind grandios

Auch die Darsteller sind ein Highlight. Harry, gespielt von Paul Mescal, ist der andere Teil der Geschichte in All of Us Strangers. Er symbolisiert, wie sich Adam immer mehr öffnen kann, nachdem er mit seinen Eltern spricht. Die Chemie der beiden ist immer spürbar.

Das Tolle an dem Schauspiel beider ist, dass man immer eine gewisse Wehmut merkt, eine Trauer, die nur durch Mimik, nur durch ihre Augen gezeigt wird. Sie witzeln zwar herum, man merkt trotzdem, dass es beiden nicht unbedingt gut geht. Das ist eine wirklich beachtliche Leistung, da sie weniger durch den Dialog, mehr durch Körpersprache mit dem Zuschauer kommunizieren.

Dadurch entsteht nie Mitleid, sondern Mitgefühl. Wenn die beiden wehmütig in die Kamera schauen und über ihre emotionalen Hintergründe erzählen, dann berührte mich das einfach. Aber auch Adams Eltern, gespielt von Claire Foy und Jamie Bell, tragen das Grundthema Liebe nach Außen.

Alle Darsteller in All of Us Strangers zeigen, dass Liebe nicht nur positive Effekte hat, sondern aus mehreren komplexen Facetten besteht, die man nicht immer benennen kann.

Wie ist der Film technisch? Kamera und Ton sind der perfekte Rahmen für den Film. Musik wird nie als Manipulation benutzt, sondern nur als Ambiente der Szene. Auch die Kamera hat mich regelmäßig beeindruckt, denn trotz der wenigen Kulissen schafft es der Film durch Lichtstimmung und Perspektiven wirklich schöne Bilder zu erzeugen, die ich so schnell nicht vergessen werde.

All of Us Strangers kann ich nur jedem empfehlen, selbst wenn man mit dem Thema Outing nichts zu tun hat. Hier geht es nicht nur darum. Es geht um unterdrückte Emotionen und Einsamkeit und wie Liebe in all seinen Facetten einen Einfluss auf uns hat, auch wenn wir es manchmal nicht wahrhaben wollen. Wer danach noch mehr Emotionen erträgt, der kann sich auch diesen Film anschauen: Ein neuer Oscarkandidat hat mich gleichzeitig zu Tränen gerührt und laut lachen lassen

Quelle(n): IMDb
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