China will Gaming einschränken – Zensur oder Kindeswohl?

Die chinesische Regierung wird Games in Zukunft wohl deutlich kritischer sehen. Offiziell möchte die Regierung gegen die Kurzsichtigkeit der Kinder vorgehen. Das wirkt sich auf die beiden chinesischen Gaming-Riesen Tencent und NetEase aus.

China will Kurzsichtigkeit bekämpfen: Die chinesische Regierung hat neue Edikte erlassen, die sich unter anderem gegen das Gaming richten (via chinesisches Erziehungs-Ministerium). Als Grund gibt man offiziell die „Kurzsichtigkeit“ an, die viele junge Chinesen früh befällt.

Die Behörden sagen: „Eltern sollten die Nutzung von elektronischen Geräten minimieren, wenn sie mit ihren Kindern zusammen sind. Der Einsatz von elektronischen Geräte für Zwecke, die nicht dem Lernen dienen, sollte 15 Minuten [am Stück] nicht überschreiten.“

Die Geräte sollten ferner nicht länger als eine Stunde am Tag genutzt werden

Auch der Präsident von China, Xi Jinping, hatte sich zu diesem Thema geäußert: Man müsse die Sehkraft der Kinder schützen.

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Weniger spielen, geht doch mal raus: Jetzt möchte die Regierung, dass die Kinder eher draußen spielen statt sich „elektronischen Produkten“ zu widmen.

Noch nicht klar, welche Auswirkungen das hat: Bis jetzt ist das nur ein Edikt, an dessen Umsetzung aber verschiedene Ministerien mitarbeiten sollen. Auch das Ministerium, das für Gaming in China zuständig ist.

Aber selbst wenn das jetzt noch Absichtserklärungen sind, haben sie schon Wirkung auf die Märkte. Denn seit Monaten sah man einen solchen „Anti-Gaming“-Schritt kommen.

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Politische Absicht vermutet: Gaming einschränken

Was steckt dahinter? Diese Maßnahmen zum Schutz des Augenlichts der Kinder werden von den Märkten so interpretiert, dass Gaming in China künftig deutlich stärker von der Regierung reguliert wird.

Seit einigen Monaten scheint sich die Haltung der chinesischen Regierung zum Gaming zu verändern.

All die Jahre hat man die chinesischen Gaming-Riesen mit ihren guten politischen Kontakten in einer Grauzone schalten und walten lassen. Während andere Medien zensiert wurden, konnte das Gaming in China blühen. Die Firma „Tencent“ ist mit einem Netzwerk um das Gaming und das Internet herum sogar zu einer der sieben größten Firmen der Welt aufgestiegen.

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Viele sahen das Ende der goldenen Zeit in Asien für Gaming-Riesen voraus

Doch in den letzten Monaten zeichnete sich ein Ende dieser goldenen Zeit ab. Die Regierung hat keine neuen Lizenzen für neue, ausländische Spiele erteilt. Deshalb musste etwa „Monster Hunter World“ zurückgezogen werden.

Es gab zudem eine politische Umstrukturierung hinter den Kulissen, wer Spiele freigibt und wer sie reglementiert. Beobachter vermuteten einen Machtkampf innerhalb der verschiedenen Behörden (via gamesindustry.biz).

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Wahnsinnig populär in China: Honor of Kings, eine Art „Mobile LoL.“

Da hatten Analysten schon befürchtet, die chinesische Regierung verschärfe ihre Einstellung zum Gaming, um eine grassierende Online-Sucht unter der Jugend des Landes zu unterbinden.

Denn die entspricht nicht dem politischen Willen der Führung.

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Schon 2017 gab es erste solche Maßnahmen gegen das Mobile-MOBA Honor of Kings. Nachdem eine regierungstreue chinesische Zeitung das Spiel kritisiert hatte, entschloss sich Publisher Tencent dazu, die Spielzeiten für Kinder und Jugendliche stark einzuschränken.

Das tat man wohl, um einem solchen Erlass zuvorzukommen, wie er jetzt erteilt wurde.

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Wie reagieren die Märkte?

Bloomberg berichtet, wie die Märkte auf die neue Entwicklung reagieren:

  • Netease fiel um 7,2 Prozent in New York
  • Tencent fiel um 5,3%

Aber auch japanische und koreanische Firmen, die viel Geld in China verdienen, sind betroffen:

  • Capcom fiel um 7,5%
  • Nexon fiel um 5,1%

tencent

So war es bisher: China war eine Art Paradies für die chinesische Gaming-Firmen. Vor allem die zwei Riesen Tencent (LoL, Honor of Kings) und NetEase (vertreiben Blizzard-Spiele in China) wuchsen in einem geschlossenen Markt. Wer in China Geld verdienen wollte, musste mit den Firmen eine Geschäftsbeziehung eingehen.

In China sind Mobile-Games gewaltig auf dem Vormarsch und setzen riesige Summen um. – in China gab es 2016 schon 503 Millionen Mobile-Gamer, 2021 sollen es 699 Millionen sein (via NPR).

Die Firmen konnten über lange Zeit da viel Geld verdienen. Die Regierung ließ sie weitestgehend in Ruhe.

Firmen wie Tencent verdienten ein Vermögen unter diesen Bedingungen und investierten ihr Geld in westliche Firmen wie Riot Games (LoL), Epic (Fortnite) oder Ubisoft.

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Aber schon in den letzten Jahre deutete sich an, dass die Regierung ein Problem damit bekommt, wie viel Zeit die chinesischen Kinder und Jugendliche mit Spielen wie „Honor of Kings“ verbringen.

Offenbar gab es da in den letzten Monate eine Kurs-Änderung, die sich jetzt in diesen Erlassen bemerkbar macht

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