Apex Legends: Entwickler erzählt verzweifelt von Stress, Überstunden, Burnout

Eine Job-Bewertung rund um Respawn, den Entwickler von Apex Legends, zeigt die aktuelle, angespannte Lage im Home-Office, in der das Team steckt. So berichtet ein Entwickler anonym, dass er kurz vorm Burnout stehe. Das ruft den Team-Chef auf den Plan.

Das ist aufgetaucht: Auf der Website von Glassdoor, einer Plattform, auf Mitarbeiter ihre Firma bewerten können, tauchte eine negative Bewertung zum Studio Respawn auf. Diese wurde auf reddit geteilt und sorgt dort gerade für viel Gesprächsstoff.

Auf Glassdoor meldet sich anonym ein Entwickler von Apex Legends, der über die aktuelle Lage im Home-Office spricht. So sagt er, dass er aktuell 12-13 Stunden pro Tag arbeitet und sich extrem ausgebrannt fühlt.

Keine verschobenen Deadlines und viel Stress

Das berichtet der Mitarbeiter: In seiner Bewertung gibt es zahlreiche Punkte, die er aufgreift. So sagt er:

  • Jede andere Firma, wie Epic, Activision oder Bungie, würden ihre Projekt-Deadlines verschieben, doch Respawn hält an ihren Fristen fest
  • Der Mitarbeiter würde jeden Tag 12-13 Stunden arbeiten und fühlt sich unheimlich ausgebrannt und gestresst, beim Versuch die Deadlines einzuhalten
  • Man wisse nicht genau, was man unter den aktuellen Umständen erreichen kann und die Planung sei deshalb schlecht
  • Es gebe keine Aufmerksamkeit für die Gesundheit der Mitarbeiter. So hätten sie nur zwei Mails bekommen, doch mehr sei nicht passiert
  • ohnehin sei das Team schlecht darin, ein „Live-Service“-Game zu entwickeln
  • Der Mitarbeiter stecke in einem Burnout und überlege die Firma zu verlassen, ohne einen nächsten Job an der Hand zu haben

Was kann man zu den Behauptungen sagen? Natürlich muss man hier erstmal mit Vorsicht rangehen. Immerhin kann man noch nicht mit voller Sicherheit sagen, dass es tatsächlich ein Mitarbeiter von Respawn ist, doch die Aussagen klingen sehr ernst.

Tatsächlich ist es so, dass zahlreiche große Spiele ihre neusten Projekte nach hinten verschoben hat. Das letzte Beispiel hierfür ist die Verschiebung des neusten DLCs in Destiny 2. Dieser erscheint erst im November, anstatt im September.

In Apex Legends erschien die Season 5 zwar auch mit einer Verzögerung, doch diese war nur wenige Tage lang.

Apex Legends Loba Titelbild
Die Season 5 brachte Apex Legends unter anderem die Heldin Loba.

Team-Chef gesteht ein, wie schwierig die Situation ist

Wie reagieren die Entwickler darauf? Respawn hat sich bereits zu Wort gemeldet und sich zu den Vorwürfen geäußert. So kommentierte unter anderem Chad Grenier, der Chef von Apex Legends, den reddit-Thread.

Er schreibt, dass der Wandel zum Home-Office tatsächlich eine große Herausforderung sei und sie sich alle auf einem unbekannten Terrain befinden würden.

Der plötzliche Wechsel zum Home-Office während einer Pandemie war in der Tat sehr hart für das Team, es war gewöhnungsbedürftig, und wir alle hatten das sicherlich noch nie zuvor durchgemacht, sodass wir uns alle auf unbekanntem Terrain befinden. Wir hatten sicherlich nicht die Werkzeuge, die Technik oder die Systeme, um einen reibungslosen Übergang von einem Team mit mehreren hundert Personen auf dem gleichen Campus in ein Home-Office zu schaffen. Während dieses Übergangs wusste ich, dass nicht nur die Arbeit schwieriger und weniger produktiv sein würde, sondern dass die Menschen auch mit einer beängstigenden globalen Pandemie zu kämpfen haben würden.

Chad Grenier auf reddit

Grenier hätte den Mitarbeitern aber immer gesagt, dass sie nur so viel arbeiten sollen, wie sie auch tatsächlich können. „Viele haben Kinder zu Hause, da die Schulen geschlossen sind, oder vielleicht ist ihre Arbeitsumgebung nicht bequem, sie haben keinen geeigneten Heim-PC oder sie müssen sich um kranke Familienmitglieder kümmern.“

Der Chef betonte, dass Respawn und EA den Mitarbeitern viele Möglichkeiten bereitgestellt hätten. So gebe es unbegrenzt bezahlte freie Tage, wenn man sich geistig oder körperlich nicht fit fühle.

Dann sagte Grenier noch: „Wie eine kaputten Schallplatte bat ich die Leute ständig darum, mit ihren Managern zu sprechen, wenn sie nicht in der Lage sein werden, ihre Arbeit rechtzeitig zu erledigen, ohne Überstunden zu leisten.“ Verzögerungen seien in Ordnung, doch man müsse es vorher wissen.

Er spricht auch davon, dass es bereits zu Verschiebungen in Apex Legends gekommen ist: „Erinnern ihr euch noch an die Verzögerung von 2 Wochen, als die vierte Season enden sollte, und dann magischerweise zum Ende der Season weitere 2 Wochen hinzukamen, ohne wöchentliche Herausforderungen? Ja, das lag daran, dass ich Staffel 5 um 2 Wochen verschoben hatte.“

Abschließend sagt Grenier, dass er das Problem auch bei dem Ehrgeiz seiner Mitarbeiter sieht. Niemand wolle das Team oder die erwartungsvollen Fans enttäuschen. Die Projektleiter wurden deshalb angehalten genauer zu schauen, so der Chef von Apex Legends, man solle Probleme melden, wenn etwas nicht rechtzeitig fertig werden kann.

Das steckt dahinter: Wegen der Corona-Krise entstehen die meisten Spiele von Zuhause aus. Destiny ist beispielsweise schon Anfang März ins Home-Office gewechselt.

Hier stehen nicht die Mittel zur Verfügung, die man auch in den großen Büros besitzt. Allein die Kommunikation ist deutlich eingeschränkter. Nicht ohne Grund wurden schon einige Features nach hinten verschoben.

Ein Entwickler von CoD Modern Warfare und Warzone erklärte im Mai aber auch, dass die Arbeit im Home-Office Vorteile mit sich bringt. So verstehe man nun viel mehr die Bedürfnisse von Online-Gamern und weiß, was diese eigentlich wollen. Aber die Nachteile sind selbstverständlich ebenfalls gegeben.

Quelle(n): PCGamer, reddit
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Yami

Home Office ist der Inbegriff moderner Sklaverei

Leya Jankowski

Es gab kürzlich noch eine Umfrage, in der 2.500 Studios befragt wurden wie sich Corona auf die Mitarbeiter und Entwicklung ausgewirkt hat. Home Office war da natürlich ein großes Thema. Fast die Hälfte der Entwickler hat angegeben, dass die Arbeitszeit zugenommen hat und auch die Hälfte, dass die Leistung durch Home Office zurück gegangen sei. Da wurden dann kleine Indie-Studios, aber auch wohl größere befragt. Die stehen natürlich unter enormen Leistungsdruck mit harten Deadlines und haben teilweise im Home Office Probleme, die einzuhalten. Die Umfrage ist hier zu finden: https://reg.gdconf.com/soti-wfh-2020?kcode=SOTIPR

Viele haben aber Probleme einen Stopp im Home Office zu finden. Geht mir teilweise auch so, vor allem wenn das Arbeitsgerät (PC) dann auch für die abendliche Beschäftigung (Spielen, Lesen, Surfen) genutzt wird. Da muss man sich dann auch strenge Zeiten einteilen, in denen man dann aufhört und nicht mehr für die Arbeit zu erreichen ist. Aber ist dann nicht einfach, wenn man eh schon mit Verschiebungen zu kämpfen hat im Fall der Entwickler

Weizen

Home-Office würde ich nicht können, es wäre viel zu leicht mich abzulenken um meine Aufgaben zu erfüllen daher bewundere ich alle die es Problemlos schaffen.
Was ich mich aber frage ist wo bei Apex die masse an Arbeit herkommen soll, deren Spiel ist doch fertig und alles was die jetzt nur noch machen sind Cosmetics für die jeweiligen Seasons oder liege ich da falsch?
Kann mir nicht wirklich vorstellen dass das Spiel schwer zu entwickeln ist da es auf der Source Engine basiert welche sehr gut erforscht wurde und eine GIGANTISCHE Mod Community hat.

ratzeputz

Home-Office muss man einfach wollen und auch, so blöd es klingt, können.
Viele können nicht damit umgehen, sich auf einmal ohne der Fuchtel des Chefs selbst zu managen und da wird nebenbei einfach mal ein ablenkender Stream oder Utube laufen gelassen, der Geschirrspüler in Ruhe ausgeräumt, nach dem Mittagessen wird sich noch zusätzlich eine halbe Stunde bis Stunde aufs Ohr gehaut, etc.
Auch haben viele noch den Heimstress von schreienden Kindern, die unbedingt JETZT genau mit Papa oder Mama spielen wollen, einen uneinsichtigen Partner der mit dem Nudelholz hinter einem steht, dass man doch gefälligst jetzt Staubsaugen kann, weil man ist ja „eh den ganzen Tag zu Hause“, und so weiter.
Hier muss man sich eben abschotten und Lösungen finden.

Ja ich weiß, das ist teilweise zynisch und überspitzt, aber durchaus alles schon vorgekommen.
Selbst meine Frau musste erkennen, dass ich zwar zu Hause am Rechner sitze, aber da wirklich arbeite und eben gerade jetzt KEINE Zeit für ihre Eltern habe, die mich anrufen, ich sollte doch mal eben vorbei kommen und ihren SAT Receiver „reparieren“, weil ich bin ja eh zu Hause.
Ich persönlich habe der ganzen Coronascheisse, so makaber es auch klingen mag, auf jeden Fall das positivste abgewonnen … und das ist Home-Office und das die Unternehmen endlich auch dazu bereit sind, weil sie es mussten.
In keinem Büro war und bin ich je so produktiv, wie ich es im Home-Office bin … den Output, den ich zu Hause in meiner entspannten und ruhigen Umgebung schaffe, schaffe ich in 12 Stunden Bürozeit nicht.
Alleine schon das tägliche Pendeln mit entsprechendem Zeit und (vor allem) Nervenverlust wegen den ganzen Idioten, welches dadurch wegfällt ist ein regelrechter Segen. Ich muss nicht um 5 aufstehen, um um 7 im Büro zu sein, sondern kann mich mehr oder weniger bis halb 7 ausschlafen und bin gleich „im Büro“ und nicht so genervt, wesentlich fitter und viel konzentrierter.
Ich habe keine nervenden Kollegen, bei denen ich schon bei deren Anblick nur noch mit den Augen rolle und die mich mit irgendwelchen uninteressanten und völlig belanglosen Geschichten aus deren Leben zutexten.
Ich habe kein Großraumbüro wo alles durcheinander spricht und schreit, wo ständig irgend ein Telefon klingelt, wo sich permanent irgendwelche Kollegen räuspern, Papierknittern, mit dem Kuli am Tisch klopfen, weil sie glauben sie seien eine Reinkarnation von Neil Peart, aus dem Radio Helene Fischer zum 23240 Mal atemlos durch die Nacht wackelt und gerade DIE Kollegen mit einer Gesangsbegabung wie ein gehirnamputierter Brüllaffe mitsingen müssen … man könnte das endlos weiterspielen 😀

Summa summarum muss einem das aber eben liegen und meiner Erfahrung nach sind Menschen mit einem Hang zum Misanthropen (wo ich pers. definitiv einer davon bin) die besten und produktivsten im Home-Office.

Ich werte natürlich die Bewertung des vermeintlichen Mitarbeiters und seinem Wehklagen wegen Stress, Burnout und so weiter nicht ab … das gerade in der IT immer wieder Crunch-Zeiten auftauchen kennt man ja eh … nicht nur in der Gaming Industrie.
Viele Probleme sind aber wirklich auch selbst herbeigeführt. Ich glaube dem Mitarbeiter schon, dass er langsam aber sicher in ein Burn-Out rutscht … aber es kann durchaus auch sein, dass er einfach Mängel in der Selbstorganisation aufweist und dadurch in Stress und Mehrarbeit rutscht, weil er die straff gesetzten Deadlines eben einhalten muss.
Wenn man sich aber (nur als Beispiel) 2 Stunden für die Mittagspause nimmt, dauert der Arbeitstag eben schnell mal 11 oder 12 Stunden

Ähre

CoolStoryBob

Denis

leider überall so…

Zowser

schlimm 🙁

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