Zerstört die „Häppchen-Story“ von WoW den Warcraft-Flair?

Die Erzählweise der Handlung von World of Warcraft sorgt für Probleme. Die Art und Weise ist unbefriedigend und neue Features sind kontraproduktiv für die Story, meint Cortyn.

Nachdem ich vor einigen Tagen den Artikel „WoW: Selbst der „Red Shirt Guy“ hasst die Story von Patch 8.1“ veröffentlicht hatte, gab es darauf einen schönen Kommentar von unserem Nutzer Myusca. Die Kernaussage war, dass das Problem der Story von World of Warcraft nicht sei, was erzählt wird, sondern wie es erzählt wird.

Warcraft 3 Night Elf Tyrande

Ein Perspektivwechsel ist schuld: Ein Grund für die veränderte Wahrnehmung könnte auch schlicht der Perspektivwechsel sein, der zwischen Warcraft 3 und WoW stattgefunden hat. Während wir in Warcraft 3 im Verlauf von zehn oder mehr Missionen ein und demselben Helden folgten, der eine epische Kampagne erlebt, ist das in World of Warcraft anders.

Wir sind ein Abenteurer, der nicht permanent König Anduin oder Tyrande folgt, sondern quer durch die Weltgeschichte bummelt. Mal hilft man wichtigen Adligen, dann wieder einfachen Bauern und das bei ganz unterschiedlichen Problemen. Alleine durch die Vielfalt und Größe der Spielwelt kommt ein einziger, roter Handlungsfaden schon nicht zustande.

Gleichzeitig muss man aber auch sagen, dass die MMORPG-Spielerschaft eine lange Story mit gleichbleibenden Feinden nicht mag. Während der Erweiterung Legion gab es mehrmals Kritik, dass man „das Grün einfach nicht mehr sehen kann“ und dass „die Dämonen einem zum Hals raushängen.“

WoW Legion Dreadlord
Grüne Dämonen hingen den meisten zum Hals raus.

Das führt zu Problemen im Storytelling. Wer etwa auf eine spannende Entwicklung in der Geschichte der Blutelfen wartet, der schaut in die Röhre – bei denen ist seit Jahren Stillstand, ähnlich wie bei den Gnomen. Wirklich voran geht es nur bei ein oder zwei Völkern, die im Fokus einer Erweiterung stehen.

Stillstand in neuen Features

Besonders kritisch zu betrachten sind auch einige neue Features, allen voran die Kriegsfronten. Diese sind für viele Spieler zwar spannend gemacht, allerdings in einem endlosen Kontinuum gefangen, das niemals zu einem Ergebnis und einem Voranschreiten der Story führt.

World of Warcraft WoW Turalyon Argus

Schlimmer noch: In den Kriegsfronten finden sich wechselnde Champions, die von uns getötet wurden. Haben die Helden der Horde und Allianz tatsächlich die großen Helden Turalyon, Muradin, Rokhan und Etrigg erschlagen?

In anderen Inhalten ist das eindeutig: Wenn wir einen Raid oder Dungeon abschließen können, dann ist (nachträgliche Story-Änderungen ausgenommen) recht klar, wer stirbt und wer überlebt. Es ist eindeutig, dass Gul’dan am Ende der Nachtfestung sein Ende gefunden hat. Es ist klar, dass Kil’jaeden mit dem Abschluss des „Grabmals des Sargeras“ bezwungen wurde.

Bei den Kriegsfronten ist das unklar: Sind die Kriegsfronten und ihre Akteure tatsächlich Teil der Lore? Oder ist das „reines Gameplay“ in das man einfach beliebte und mächtige Charaktere gesetzt hat, um dem Ganzen etwas mehr Coolness zu verleihen?

WoW BfA Stromgarde Storming The Keep Warfront

Genau den Eindruck vermitteln sie leider und sind damit ein fast schon störendes Element in der Geschichte, die World of Warcraft erzählen will. Viel schlimmer ist, dass man gar nicht mehr so genau weiß, was die Kriegsfront denn wirklich erzählt und was nur noch reines Gameplay ist. Das funktioniert bei namenlosen Anführern in Schlachtfeldern wie der Insel der Eroberung, aber nicht in einer Kriegsfront mit Dialogen und großen Helden.

Das macht es schwierig, der Handlung zu folgen und wirklich zu verstehen, wie sich der namensgebende Krieg um Azeroth eigentlich entfaltet. Denn wenn mehr und mehr Kriegsfronten auftauchen, die im immerwährenden Konflikt sind, ohne dass jemals einer davon gelöst wird, herrscht Stillstand.

Aber nun kommen wir zu euch: Findet ihr, dass sich die Erzählweise der Lore verändert hat und sie damit an Wert verliert? Oder ist das einfach nur dem Medium „MMORPG“ geschuldet, das nicht lange auf den gleichen Story-Fokus setzen kann?

Vielleicht liefert die BlizzCon 2018 ja neue Informationen…

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Scaver

WoW ist eine Welt, in der mehr als nur “eine” Story passiert.
Es gibt viele Storys von und mit vielen Charakteren.

In Warcraft haben wir immer nur die Story EINES Charakters erlebt, bis diese durch war.

In der lebendigen Welt WoW ist das nun mal anders. Wie im echten Leben.
Es ist also gut so wie es ist!

Damian

Sehr interessanter Artikel. Tatsächlich muss ich sagen, dass mich die Story in WoW bereits seit BC eigentlich nicht interessiert, gerade weil sie so dramaturgisch unzusammenhängend erzählt wird. Aber ähnlich geht es mir auch mit Spielen wie Skyrim, weil die Story keinen wirklichen Spannungsbogen entwickelt. In WoW habe ich tausende völlig unbedeutende Quests absolviert, wo ich Häschen gesucht, Ziegen gemelkt, Enten von Öl gereinigt habe, ohne dass dies in irgendeiner Beziehung zur Main-Story steht.
SW-ToR oder auch ESO machen es besser, da auch aufgrund der Vertonung eine größere erzählerische Dichte entsteht und man damit der Main-Story deutlich besser folgen kann.

Dazu kommt bei WoW natürlich noch das Prinzip der kontinuierlichen Wiederholungen, die ohnehin nur Mittel zum Zweck darstellen (die Spieler bis zum nächsten Addon zu beschäftigen!). Warum muss ich einen Boss unzählige Male erneut besiegen? Wie wird das erzählerisch erklärt? An dieser Stelle streckt jedes Storytelling alle Viere von sich.

Leuchtkraft

MMORPG’s haben immer das Problem mit dem Storytelling und der Lore. Man hat im Grunde nur zwei Möglichkeiten. Entweder der Spieler wird direkt eingebunden als Held und Mittelpunkt der Geschichte, wie in Guild Wars 2 oder auch WoW eigentlich seid WoD (möglicherweise auch Pandaria, das habe ich nicht gespielt). Dann passt das Rollenspieltechnisch eigentlich schon nicht mehr sobald man mit einem anderen Spieler zusammentrifft. Zu Wotlk war man eher einer von vielen, eine Art Zeitzeuge der Geschehnisse. Das passt eher zum Rollenspiel, man ist aber nunmal eher Zuschauer als Akteur.

SecondSense

Exakt, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Keupi

Also ich habe WoW nie wegen der Story gespielt. So kleine Geschichten mit den Quests vermittelt, das mag ich viel lieber als diese großartig inszenierten Geschichten. Die reißen mich eher aus dem Spielfluss. Ich bin aber auch eher der Typ Entdecker.

Alex Lein

Das Problem bei WoW war schon immer, das erst das Gameplay kommt, danach die Story.
Und das tut natürlich der Story nicht so gut.

Dennoch empfinde ich die BfA Story bisher mit die spannendste Story die WoW je geliefert hat.
Einfach weil man in diesem Addon mit vielen Fragen beworfen wird und man keine Antworten bekommt.

– Wer ist nun wirklich der Endboss/Bösewicht? Ist es Nzoth? Oder irgend jemand anderes aus dem Schattenreich, der mit Sylvanas kooperiert?
– Was passiert mit der Horde? Was wird aus Sylvanas? Wird es ein Garrosh 2.0 oder bekommen wir einen Plot der auf einmal alles ändert?
USW…

All diese Fragen und wie Blizzard das mit den Warbringers und den anderen Cinematics gemacht hat, dass gibt mir so ein leichtes Game of Thrones feeling.

Kla bin ich nicht 100% zufrieden. Mir geht es auf die Nerven, dass die momentan Sylvanas immer mehr in die “Böse, muss getötet werden” Schublade schieben.

Und trotzdem schaue ich jeden Tag ob es nicht neue leaks zur Story gibt und kann es nicht mehr erwarten herauszufinden, was noch alles passiert und wie es mit Sylvanas enden wird. Und so geht es vielen anderen auch. Sie haben definitiv sehr viel richtig mit BfA gemacht, nicht fehlerfrei, aber trotzdem besser als die Addons davor.

SecondSense

Ich glaube das Problem ist in BfA, dass plötzlich nicht mehr alle im Groben und Ganzen das gleiche Ziel verfolgen.

BC – Ilidan klatschen
WotLk – Lichkönig klatschen
Cata – Todesschwinge klatschen
MoP – Garrosh klatschen
WoD – die neue Horde klatschen
Legion – Legion klatschen
BfA – ?

Wer ist denn nun der Böse? Da kommt keiner mit klar irgendwie. Allein diese offene Frage ist das erste Mal seit Classic relevant. Und diesmal ist es nicht in der Historie begründet sondern in der aktuellen Situation. Vielleicht kommt ja noch, dass Tyrande richtig eskaliert. Dann kommen die Spieler garnicht mehr klar.
Trotzdem hast du natürlich Recht, Cortyn. Viele Features ergeben null Sinn in der Story. Aber Kriegsfronten sind für mich eher wie Arcade in Overwatch. Kommt bekannt vor, ist aber was eigenes.

Bodicore

Ich bin der böse… Aber pssssst…

SecondSense

“Bodicore – BfA Endboss” confirmed!

Phil

Also ich fasse es dann in der Liste von Second Chance zusammen:

BfA – Bodicore klatschen

Mh ab wann bist du auf dem Ptr? 😛

Rico

Sicherlich ein gutes Spiel, aber Story-Technisch haben sie es nicht drauf, geschweige den, eine richtig ins Spiel zu bringen. Schaut euch ESO, Blade & Soul, FF14, GW2, die können Story in einem MMO, Blizzard nicht!

Alex Lein

Sorry, so viele Fehler wie Blizzard auch macht bei der Story, so oft wie man sich da auch ärgert, ist WoW für mich immer noch das absolut einzige MMORPG wo ich überhaupt der Story zuhöre und mich wirklich dafür interessiere.

Da hält auch kein Eso oder GW2 mit. (und schon garnicht MMOs mit einer Anime Stereo 0815 Story wie Blade and Soul)
Die Vielfalt und tiefe der Warcraft Welt ist einfach viel zu groß und die Charaktere sind schon bei vielen seit der Warcraft Reihe fest in ihren Herzen verankert.
Da ist die Elder Scrolls reihe nichts als ein leiser Furz dagegen.

KohleStrahltNicht

Du scheinst die Elder Scrolls Lore nicht zu kennen.

Alex Lein

Ich kenne nur die Lore von Skyrim und Elder Scrolls Online.
Die ist definitiv gut. Aber verglichen zu der Warcraft Lore, finde ich es deutlich schwächer.

Momo

ich hab auch mal versucht der Lore zu folgen, aber ich finde keine in WoW. Ständig muss ich nur irgend welche Karten clearen die alle so belanglose Geschichten erzählen das ich sogut wie nichts gelesen habe und iergndwann damit aufgehört habe. das kann FF14 und GW2 mMn. wesentlich besser da hat man wenigstens ein Roten Faden den man folgt, bei WoW gibt es diese eine “Haupt” Story nicht und gefühlt habe ich nur neben Quest gemacht.

Koronus

Ehrlich gesagt BfA ist mittlerweile noch schlimmer als Cata für mich. Wirklich Interesse ist da nicht mehr ich logge mich nur noch für RP ein.

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