Die Comedy-Sitcom The Big Bang Theory warf einst die Frage auf, ob der Diebstahl von Ingame-Inhalten wirklich ein Diebstahl ist. Ein britisches Gericht lieferte jetzt anhand von Old School RuneScape die Antwort.
Was ist das für ein Fall? Einem ehemaligen Mitarbeiter von Jagex, der als Inhalts-Entwickler an dem MMORPG Old School RuneScape gearbeitet hat, wird vorgeworfen, dass er sich unautorisiert Zugriff auf die Konten von 68 Spielern verschafft habe, die große Mengen der Ingame-Währung „Gold“ besaßen.
Der Angeklagte soll dann über 705 Milliarden Gold mit einem realen Handelswert von rund 626.000 Euro von den Spielern entwendet und anschließend über Drittanbieter unter anderem für Bitcoin verkauft haben. Daraufhin sah er sich einer Anklage in 5 Punkten gegenüber, darunter:
- Erlangung unbefugten Zugriffs auf Computermaterial mit der Absicht, eine Straftat zu begehen.
- Diebstahl, mit der Begründung, dass „er zwischen dem 17. März 2018 und dem 29. Juli 2028 eine Menge Goldstücke aus dem Online-Spiel Old School Runescape […] gestohlen hat, die Jagex gehören.“
- Drei Anklagepunkte in Bezug auf Geldwäsche-Delikte, weil der Angeklagte unter anderem das Gold zu Bitcoin umgewandelt habe.
Ein untergeordnetes Gericht in Großbritannien hatte die Anklage zunächst mit der Begründung abgewiesen, dass das Gold kein Eigentum darstelle, da es „unendlich vermehrbar“ und bloße Information sei. Daraufhin legte die Staatsanwaltschaft Berufung ein. Das neue Urteil ist das Ergebnis der Berufung.
Auch der Diebstahl von Ingame-Währung ist Diebstahl
So urteilt das Gericht: Das Gericht entschied, dass das Entwenden des Goldes sehr wohl als Diebstahl gewertet werden kann (via nationalarchives.gov). Dieses Urteil wurde von drei Richtern gefällt. Der vorsitzende Richter begründete das Urteil wie folgt:
„Goldstücke in Runescape können im Sinne der normalen Sprachverwendung als etwas beschrieben werden, das gestohlen werden kann. Sie fallen unter keine der festgelegten Ausnahmen. Sie sind kein ‚reines Wissen‘: Funktional existieren sie als identifizierbare Vermögenswerte, die sich von dem Code, aus dem sie hervorgehen, unterscheiden und außerhalb des menschlichen Verstandes liegen.“
Das Gericht stellt fest, dass die Goldstücke Vermögenswerte seien, „die einen feststellbaren Geldwert haben und sowohl innerhalb als auch außerhalb des Spiels gegen diesen Wert eingetauscht werden können.“
- „Innerhalb der Spielregeln stellen sie einen Geldwert dar, der aus dem Kauf einer Anleihe resultiert.“
- „Außerhalb des Spiels werden sie regelmäßig gegen Geld eingetauscht.“
- „Sie können Gegenstand unehrlicher Geschäfte sein, die ihren Besitzer ihrer Verwendung und ihres Wertes berauben.“
Außerdem ist in dem Urteil zu lesen, dass das Gericht es als „überraschend und unbefriedigend“ empfände, wenn solche unehrlichen Geschäfte nicht den Straftatbestand des Diebstahls erfüllen würden.
So geht es für den Angeklagten jetzt weiter: Durch das Urteil des Gerichts wurde der Weg für einen strafrechtlichen Prozess freigemacht. Wie es für den Angeklagten nach dem Urteil jetzt weitergeht, ist noch unklar. Der Prozess, der über eine mögliche Strafe entscheidet, steht noch aus.
Fest steht, dass der Angeklagte folglich nicht mehr behaupten kann, dass der Diebstahl des Goldes kein echter Diebstahl sei. Ihm droht also weiterhin eine Strafe für Diebstahl und gegebenenfalls sogar für Geldwäsche.
RuneScape wird 2026 schon 25 Jahre alt. Zur Feier des Jubiläums haben die Entwickler einiges geplant. Erst vor wenigen Tagen haben sie die Roadmap für das laufende Jahr vorgestellt. Mehr dazu erfahrt ihr auf MeinMMO: RuneScape präsentiert neue Roadmap für 2026, schmeißt sofort Pay2Win raus
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Na ich hoffe den Entscheidungsträgen im ersten Gericht wurden danach auch die Konten gepfändet, da es laut eigenem Urteil nur digitale Informationen sind, die man beliebig vermehren kann, sollte das ja auch keinen stören.
“Das Gericht stellt fest, dass die Goldstücke Vermögenswerte seien, „die einen feststellbaren Geldwert haben und sowohl innerhalb als auch außerhalb des Spiels gegen diesen Wert eingetauscht werden können.“ ”
Damit liese sich noch mehr anfangen. Zb wenn der Entwickler dein Konto permabanned könnte man auf Schadenersatz klagen. Das könnte lustig werden. 🙂
Wenn der Bann dann aber Gerechtfertigt ist fällt die klage instant denn dann MUSS der Richter hinweisen das man einen vertrag vereinbart hat und versprach sauber zu spielen, gegenteil ist ein Bann. Ist wie im RL begründet gefeuert zu werden, da bekommste auch keinen cent.
Vertrag ist gemeint das erwerben eines Keys und diesen aktiv zu nutzen indem man das Spiel Spielt. Denke eher man würde sich Peinlich machen nach einen bann zu klagen. Klar, es seie denn es war unrecht und du kannst es beweisen, was in den meisten fällen nicht der fall ist.
“Ist wie im RL begründet gefeuert zu werden, da bekommste auch keinen cent.”
Im Gegenteil, du bekommst das was du bis dahin gearbeitet hast als Rest Lohn.
Wenn der Arbeitgeber das einbehalten würde, dann holla die Waldfee.
Danke für dieses gute Beispiel 🙂
Kein Geld steht dir natürlich zu wenn du das selbst geklaut hast. Ansonsten, ein Arbeitnehmer der warum auch immer gekündigt wurde, sei es das er sich ungerechtfertigt verhalten hat, steht trotzdem sein Restlohn zu.
Wie gesagt wenn Gerichte das ingame Gold als Eigentum betrachten, solange man das irgendwo zu Echtgeld machen kann, reden wir hier von einer komplett anderer Rechtsbetrachtung als bisher gedacht.
Interessantes Urteil, da fragt man sich nur, wie weit das tatsächlich geht xD mir wäre das zwar für virtuelle Items oder Währungen zu anstrengend, aber könnte nun jemand, der in einem MMO von einem anderen Spieler betrogen oder bestohlen wurde nun Anzeige gegen Unbekannt erstatten? Wäre der Publisher dann dazu verpflichtet, der Polizei private Daten des “Diebes” herauszugeben?
Betrifft das nur Spiele-Währungen, das auch gegen echtes Geld gehandelt wird (siehe WoW-Marke/Gold) oder kann jeder Ninja-Looter angezeigt werden?
Was ist, wenn der Lootcouncil deiner Raidgilde nicht dir, sondern jemand anderen den Bossdrop zukommen lässt, obwohl du der Meinung bist, dass du ihn mehr verdient hättest? Oder ein Item, das versehentlich an jemand anderen ging und er ihn nicht zurückgeben will xD
Mal gucken wie lange es dauert, bis sich die toxic Gamer wegen sowas tatsächlich gegenseitig anzeigen 😂
Stimmt interessantes Urteil.
“zu anstrengend”
Kommt auf den Wert an würde ich mal sagen.
“Wäre der Publisher dann dazu verpflichtet, der Polizei private Daten des “Diebes” herauszugeben?”
Denke ja.
“Betrifft das nur Spiele-Währungen, das auch gegen echtes Geld gehandelt wird (siehe WoW-Marke/Gold)”
Ich geh mal davon aus das das kein offizieller Tausch bei Runescape ist? dann würde das immer gelten.
“kann jeder Ninja-Looter angezeigt werden?”
Ist kein Diebstahl, würfeln darf jeder wenn das Spiel das erlaubt. Weshalb ich immer sage personal Loot ist am besten.
“Was ist, wenn der Lootcouncil deiner Raidgilde nicht dir,”
Dann warst du noch nicht im Besitz des Items. Folglich kein Diebstahl.
“Mal gucken wie lange es dauert, bis sich die toxic Gamer wegen sowas tatsächlich gegenseitig anzeigen”
Wenns dein Recht ist ist es nicht toxic.
“Der Angeklagte soll dann über 705 Milliarden Gold mit einem realen Handelswert von rund 626.000 Euro”
Jetzt versteh ich endlich warum die Leute das spielen.
Mhhh der 29.Juli 2028???
Der hat vorsorglich schon in die Zukunft riengestohlen.
Schon krass, was entwickler so alles machen können 🙂
Steht so im Urteil. Warum sie da einen Tag in der Zukunft gewählt haben, kann ich dir aber nicht sagen. 😅