Das Highlight von World of Warcraft Midnight ist ein kompletter Reinfall. WoW-Dämon Cortyn lässt kein gutes Horn an der neuen Spezialisierung.
Es sollte eines der Highlights der Erweiterung „Midnight“ werden. Zwar keine neue Klasse, aber zumindest eine neue Spezialisierung für die Dämonenjäger. Der Verschlinger klingt dabei vom Konzept her extrem cool. Er nutzt die Leerenenergie, um seine Feinde mit verheerenden Angriffen zu vernichten. Passend zur Thematik der Erweiterung Midnight und endlich eine 3. Spezialisierung für den Dämonenjäger.
Doch Blizzard ist mit dieser Einführung gescheitert und das nicht nur „ein bisschen“, sondern phänomenal und katastrophal. Die neue Spezialisierung wirkt in ihrer Einführung undurchdacht, inkonsequent und vor allem unfertig. Sie entspricht nicht der Qualität von anderen Features (wie etwa dem Housing) oder dem neuen Transmog-System. Sie wirkt wie ein frühes Beta-Konzept, das noch viel Feinschliff braucht.
Aber fangen wir mal von vorne an.
Eine Klasse, die nie den Höhepunkt erreicht
Die allermeisten Klassen und Spezialisierungen haben in World of Warcraft etwas, das ich mal einen „Peak“-Zustand nenne. Das ist der Moment, wo alle großen Cooldowns aktiv sind und man ein wahres Effekt- und Schadensfeuerwerk auf Feinde niederregnen lässt. Beim Schattenpriester ist das etwa die Leereneruption mit aktivem Leerenstrom und Seele der Macht, woraufhin man mit Schatten-Effekten nur so um sich wirft und zahllose todbringende Geister auf alle Feinde zu fliegen.
Beim Feuermagier ist das, wenn Einäscherung aktiv und jeder Zauber ein kritischer Treffer ist – denn dann kann man im Grunde Pyroschläge spammen und Feinde wissen gar nicht, wie ihnen geschieht.
Der Verschlinger-Dämonenjäger hat einen solchen Zustand auch – vor allem aber theoretisch. Denn der Zauber „Kollabierender Stern“ kann nur während der Metamorphose benutzt werden. Im Grunde ist das ein Rennen gegen die Zeit, denn man muss während der Metamorphose genügend Ressourcen aufbauen, um den Stern wirken zu können.
Doch das in der Praxis zu erreichen, ist aktuell gar nicht so einfach. Denn wenn man auch nur einen Moment zu lange einer Fähigkeit ausweichen muss, reicht die Zeit nicht mehr. Noch ärgerlicher, wenn der Feind stirbt, während man den Stern beschwört – denn dann bricht dieser auch ab und hat keinen Effekt.
Kein Wunder also, dass man im Subreddit von WoW die Spezialisierung belächelt und zynisch sagt: „Endlich eine Spezialisierung, die die Fantasie von ‚Blue Balls‘ erfüllt“. Eine Spezialisierung, die unendlich mit dem Aufbauen beschäftigt ist, aber niemals den erfüllenden Höhepunkt erreicht.
Das ist vielleicht ein klein bisschen vulgär beschrieben – aber es trifft den Nagel auf den Kopf.
Verstärkt wird diese Problematik noch dadurch, dass man beim Verschlinger im Grunde nur eine Fähigkeit durchgehend spammt, um dann hoffentlich mal den großen Finisher benutzen zu dürfen (was in der Regel aber nie passiert). Alles fühlt sich zäh und monoton an. Denn der Verschlinger ist erst mit den Talenten aus Midnight vollständig.
Das ist ja nur die Spitze des Eisbergs und nur ein kleiner Aspekt dessen, warum sich die neue Spezialisierung nicht rund anfühlt.
Keine Waffen, keine Freude
Noch schlimmer ist es beim Leveln der Klasse, denn da kommen noch weitere Probleme zusammen.
Verheerender ist auch die Waffenauswahl des Dämonenjägers. Denn ein Dämonenjäger in der Verheerung-Spezialisierung kann Gleven, Schwerter und Äxte verwenden. Er braucht solche Waffen allerdings mit Intelligenz.
Versucht mal während der Level-Phase solche Waffen mit Intelligenz zu finden – das ist die absolute Ausnahme.
Das führt dazu, dass Dämoenjäger oft 20, 30 oder gar 40 Stufen aufsteigen müssen und dabei so schlechte Waffen tragen, dass sie gar nicht den notwendigen Schaden aufbringen können, um mehr als zwei Mobs gleichzeitig zu bekämpfen.
Besonders „amüsant“ ist das dann, wenn sich die Dämonenjäger für Zeitwanderungs-Dungeons anmelden und die Tanks plötzlich Blizzard anflehen, den armen Verschlingern doch zu helfen, weil die Tanks alleine mehr Schaden als alle 3 Verschlinger in der Gruppen gemeinsam machen.
Nicht selten habe ich in den letzten Tagen gelesen: „Ich glaube, der Verschlinger ist für mich nichts, ich bin beim Questen mehrfach gestorben“. Das kam nicht von Leuten, die absolute keine Ahnung von WoW haben – sondern von Mitspielerinnen und Mitspielern, mit denen ich sonst heroische Raids besuche. Ohnehin ist es schon fast eine Kunst, während der Level-Phase von WoW zu sterben, doch mit dem Verschlinger-Dämonenjäger ist das Alltag.
Keine Anpassungen, keine Mühe
Noch ein Aspekt betrifft vor allem die Leerenelfen-Dämonenjäger, denn bei denen hat Blizzard sich wirklich keine Mühe gegeben. Sie wirken schlampig implementiert, ohne auch nur einen Gedanken daran zu verschwenden. Denn: Sie haben exakt die gleichen Anpassungmöglichkeiten wie ihre blutelfischen Geschwister von der Horde.
Was auf den ersten Blick logisch wirkt – immerhin teilen sich Blutelfen und Leerenelfen die allermeisten Animationen und grafischen Anpassungen -, wird bescheuert, sobald man sich die Details anschaut.
Denn Dämonenjäger haben zum Beispiel spezielle Unterwäsche, die damals für die Nachtelfen und Blutelfen (die ersten möglichen Dämonenjäger) erstellt wurde. Bei den Blutelfen ist die Farbe der Unterwäsche rot – rot wie das Wappen von Silbermond, ihrer Hauptstadt.
Genau diese Unterwäsche tragen jetzt auch Leerenelfen-Dämonenjäger. Auch eigene Tätowierungen, die man ursprünglich versprochen (und dann aus dem Blog-Eintrag wieder gelöscht) hat, gibt es nicht.
Fast noch mehr regen mich die Augen auf. Denn Blizzard wurde nicht müde zu betonen, dass man sich viel Mühe gegeben hat, das teufelsgrüne Feuer („Fel“) überall durch das kosmische Blau der Leere zu ersetzen. Das ist auch überall gelungen – aber ausgerechnet nicht bei den Augen, dem wohl ikonischten Körperteil der Dämonenjäger, die immerhin regelmäßig die Fähigkeit „Augenstrahl“ verwenden.
Keine sinnvolle Story, keine Erklärung
Zu schlechter Letzt ergibt für mich die Existenz eines „Leeren-Dämonenjägers“ noch immer recht wenig Sinn. Auch nachdem ich die dazugehörige Quest gespielt habe, raffe ich es nicht vollständig. Denn der Kern-Aspekt eines Dämonenjägers ist in der Geschichte eben, dass man sich unter anderem die Augen aussticht und die Essenz eines Dämons in sich aufnimmt, mit dem man fortan immer in Konflikt steht.
Ich hatte wirklich gehofft, dass Blizzard hier ein wenig schlüssige Lore nachliefert. Denn grundsätzlich glaube ich, dass in WoW sehr viel möglich ist, wenn man sich die Mühe gibt, das auch geschichtlich stimmig und logisch zu erklären. Warum Verschlinger-Dämonenjäger aber überhaupt „Dämonenjäger“ sein sollten, hat sich für mich überhaupt nicht erschlossen. Das sind doch einfach nur „Leerenelfen mit Extraschritten“.
Mein Fazit ist entsprechend verheerend. Ich bin maßlos enttäuscht und sehe es wie die Community: Der Verschlinger suckt einfach. Das, was eines der Zugpferde von Midnight hätte werden sollen, wurde komplett vergeigt und durch eine unfertige und unüberlegte Implementierung schon vor dem Start der eigentlichen Erweiterung vollkommen unnötig gegen die Wand gefahren. Der Verschlinger-Dämonenjäger steht da wie eine unfertige Idee der Entwickler, die irgendwann einmal groß werden könnte, wenn man nur mehr Zeit und Ressourcen gehabt hätte.
Vergleicht man den Verschlinger mit sinnvollen, starken Features, wie dem Housing oder dem neuen Transmog-System, muss man einfach ganz klar sagen: Das war nix, Blizzard. Der Verschlinger-Dämonenjäger hat, ganz nach Illidans Vorbild, wirklich alles geopfert. Leider auch die Qualität.
Hoffen wir, dass kommende, neue Spezialisierungen besser durchdacht sind.



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Dafür, dass der gefloppt ist und sich spielt wie ein Sack Nüsse, laufen schei*viele Verschlinger rum grade, hab’ ich mir heute schon wieder gedacht. Mehr als 50% der im Event oder in Dornogal rumlaufenden oder -stehende Dämonenjäger sind gefühlt Verschlinger
Es gab vor 3 Tagen einen Buff der Spezialisierung. Ich schreibe gerade darüber. Der Artikel hier ist vom letzten Mittwoch.
Eine neue Klasse muss vom ersten Tag an präsent sein, eher zu stark als zu schwach, jedes Herumgeschwurbel, es sei ja noch soooviel Zeit bis Midnight, ist Herausgerede, dass man es gewaltig vergeigt hat. Auch solche “Entschuldigungen” dass da ja noch Fähigkeiten fehlen, greifen nicht, denn wie soll man mit einer unfertigen Klasse leveln und sich mit ihr anfreunden können? Mit der Erweiterung ist es spät, da wollen die Leute dann schnell ins Endgame, und nicht erst wieder neu Üben, um dann vielleicht festzustellen, dass es immer noch Müll ist, und Blizzard dann wieder mit seinem berühmten Spruch kommt: “Wir hören zugehört, und in einem der nächsten Patche, bla, bla”…
Stimmt leider alles außer das mit der Lore.
Ich denke es gibt mehr Spieler in WoW denen Lore egal ist. Alleine schon wenn man die Threads sieht wo Leute fordern das endlich alle Völker alle Klassen können sollen (dem stimme ich auch zu).
Das uns nun die hingeworfene kurze Quest erklären soll wieso es nun Verschlinger gibt.. da war einem doch klar das sie das nicht tut. Das würde Zeit beanspruchen und liebe zum Detail. Etwas was Blizz schon laaaange verloren hat seit man nach dem brutalem minimal Prinzip Arbeitet.
Diese Lieblosigkeit hat nun ihren Höhepunkt gefunden, das leveln meines Leerenelfen DHs war echt hart. Nun auf 80 ist er kaum besser. Und ich habe nicht den Kollabierenden Stern geskillt. Bringt momentan nichts leider.
Liebe zum Detail gibt es in Midnight so viel. Silbermond und der Immersangwald ist absolut fantastisch, da trieft das aus jedem Winkel der Umgebung, daher kann ich dir da nicht generell zustimmen.
Sie arbeiten auch nicht nach dem “brutalen Minimalprinzip” – denn dann hätten wir sicher nicht so ein umfangreiches Housing bekommen.
Ja stimme ich voll zu, hab mein dh Charakter auch wieder gelöscht, nach paar Stunden Leveln, macht 0 Spaß der neue spec
Stimme da schon zu, nur sehe ich das nicht so kritisch der nc/hc Raid startet erst am 17. März und die M+ Season erst am 24. März, also noch fast 2 Monate um Feedback zu sammeln und Änderungen live zu bringen.
Klar wird er auch dann noch nicht “fertig” sein, aber sicher sehr gut spielbar und in der Beta in M+ mit “gutem” Gear konnte er sich gut im unteren A-Tier halten.
Ich hätte auch mehr von Blizzard erwartet, aber ich glaube es ist schwer in doch so kurzer Zeit einen weiteren Specc für eine bestehende Klasse zu entwickeln und dann zu integrieren, als eine komplett neue Klasse ins Spiel zu bringen.
Ja, aber das ist ja nicht die Idee. Du veröffentlichst ja keine neue Spezialisierung und dann ist im Grunde alles nicht durchdacht. Keine richtigen Anpassungen, keine Waffen während der Level-Phase, keinen vernünftigen Fähigkeits-Kreislauf. Da ist ja wirklich alles schief gegangen.
Ja, für gewerteten Content hat Blizzard noch Zeit – für ein “Release-Highlight” ist das aber einfach peinlich gelaufen.
Passt halt leider ins Bild davon, dass Blizzard immer häufiger bestimmte Inhalte einfach ohne jegliche Qualitätssicherung hinspuckt – Hauptsache sie haben Inhalte gebracht.
Ich habe vor einigen Wochen angefangen neue Twinks hochzuspielen und seit dem Prepatch und der Stats-Anpassung ist das einfach nur noch schrecklich. Je nach Klasse und Levelbereich schlägt man ewig auf Gegner drauf oder Onehittet sie. Bestimmte Inhalte wie Dungeons sind aufgrund dieser Balance-Probleme super anstrengend. Und wenn der Heiler ebenfalls von diesen gravierenden Problemen betroffen ist, dann gibts auch mal einen Wipe, weil niemand im Dungeon mehr in der Lage ist, sich mit Bufffood oder Heiltränken auszuhelfen, da die ja quasi aus dem Spiel gepatcht worden sind.
Ich hab echt nichts gegen kleinere Missgeschicke, die im Vorfeld einfach nicht vorhersehbar waren. Aber den Zustand von WoW empfinde ich in solchen Momenten immer häufiger als Unverschämtheit und hoffe wirklich, dass sie sich endlich mal Zeit nehmen, die Levelphase komplett zu überarbeiten oder wenigstens so konsequent sind, diese ganz abzuschaffen, wenn sie ihnen anscheinend so egal ist.