Was steckt wirklich hinter dem großen Nerf bei Destiny 2?

Bei Destiny 2 gibt es Aufregung um einen großen Nerf der exotischen Waffen vor der Season 7. Unter Autor Schuhmann sagt: Das kommt daher, weil Bungie auf einen Item-Reset verzichtet. Dadurch gibt es irre viele Waffen – aber das hat einen Preis, den die Hüter jetzt zahlen.

Was ist ein Item-Reset? Mit einem „Item-Reset“ meint man bei Loot-Spielen, dass Items mit einer neuen Erweiterung ausgetauscht werden müssen – meistens ist das ein „Soft-Reset“: Spieler behalten zwar die alten Waffen, aber sie sind nicht mehr so stark wie vorher.

Es gibt auch einen „Hard-Reset“: Den machten Spieler mit dem Start von Destiny 2 durch, als alle Items aus Destiny 1 weg waren und sie komplett neu anfangen mussten.

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Ghaul und die Kabale nahmen Spielern mit Destiny 2 alle Items weg.

So läuft ein Item-Reset bei World of Warcraft: Mit einer neuen Erweiterung im MMORPG World of Warcraft steigen Spieler auf neue Level-Stufen auf und all ihre „Super-Ausrüstung“ aus der letzten Erweiterung ist dann zu schwach. Spieler tauschen sie aus.

Erst werden die super hart erkämpften Waffen und Rüstungen durch läppische Quest-Belohnungen ersetzt, die man auf dem Weg zum neuen Maximallevel findet, später durch bessere Items. Nach spätestens 2 Jahren wiederholt sich das mit der nächsten Erweiterung.

So ist es ohne Item-Reset bei Destiny 2: Bei Destiny 2 gibt es keinen Item-Reset, denn man kann die Items aus einer Erweiterung mit in die nächste nehmen.

Durch eine Spiel-Mechanik ist es möglich, die alten Waffen und Rüstungen auf das neue Maximal-Niveau zu bringen. Man nennt das „Infundieren.“ Oder man findet alte Items einfach neu, dann mit der neuen Höchststufe.

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War das schon immer so? Tatsächlich gab es in im Dezember 2014 einen ersten Item-Reset in Destiny. Damals erschien der erste DLC, Dunkelheit lauert, und die legendäre Ausrüstung, die Spieler vorher gesammelt hatten, war nicht mehr die beste im Spiel.

Sie mussten sie austauschen.

Das war damals für viele Spieler, die mit Loot-Shootern neu begannen, ein Shock. Sie hatten über Monate für ihr Gear gearbeitet, gerade für die Raid-Rüstung, und das war jetzt nicht mehr das beste im Spiel? Für so manchen damals ein Sakrileg.

Mittlerweile ist das in Destiny 2 nicht mehr der Fall und man kann exotische oder andere Items, die man Ende 2017 fand, auch heute noch verwenden.

Wer seine Lieblingswaffe im September 2017 erwählt hat, der kann die auch im Mai 2019 noch spielen – etwa die Vestianische Dynastie.

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Bungie am selben Punkt wie bei Haus der Wölfe vor 4 Jahren

Das ist das Problem: Wenn es keinen Item-Reset gibt, führt das zu einem sogenannten „Power-Creep.“

Damit Spieler motiviert sind, neue Items zu wollen, müssen die „neuen Items“ stärker sein als die Items, die Hüter ohnehin schon haben, sonst haben Spieler keine Motivation, die neuen Items zu suchen.

Destiny: Wird Haus der Wölfe den Spielern schon langweilig?

Das passierte im 2. DLC von Destiny, „Haus der Wölfe“, dort konnten Spieler ihre „alten, starken“ Items behalten und hatten kein Bedürfnis nach neuen Items.

Die Spieler liefen in Haus der Wölfe plötzlich wieder mit Waffen herum wie der Schicksalsbringer, die sie schon in Vanilla-Destiny-1 ausgiebig gespielt hatten.

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Das war damals das Bild: Ihr könnt die Schicksalsbringer aufwerten.

Aber wie hätte Destiny im Mai 2015 eine Waffe bringen sollen, die so stark war, dass Spieler ihre geliebte Schicksalsbringer dafür im Tresor lassen würden? So eine Super-Waffe hätte alles in Destiny völlig trivialisiert.

Vor diesem Problem steht Bungie vier Jahre später, im Juni 2019 wieder, sagen sie: Sie können mit der Season 7 keine Waffen bringen, die stärker als die aktuell stärksten sind, also müssen sie die aktuell besten Waffen abschwächen.

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Lord der Wölfe: Schaden sinkt um 20% im PvE.

So reagiert Bungie jetzt: Bungie nimmt den Spielern jetzt nicht die alten Items weg, sondern schwächt die Spitzen ab, damit Platz für neue Items ist.

Das ärgert wiederum viele Spieler, hatte Bungie doch versprochen, dass sich Hüter mächtig fühlen sollen.

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Aber letztlich scheint die Situation für Bungie nicht anders lösbar zu sein. Wenn es über 2 Jahre keinen Item-Reset gibt und wir jetzt schon in die 6. Erweiterung von Destiny 2 gehen, schwillt der Item-Pool immer weiter an.

Hier noch eine Lösung zu finden, wird für Bungie immer schwerer.

Die Spieler fordern, Bungie sollte doch Bosse anders gestalten und sie anspruchsvoller machen. Aber das ist wohl für eine Mini-Erweiterung wie die Season 7 jetzt zu viel verlangt.

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Wispern des Wurms: Kann nicht mehr Power-Munition aus dem Nichts schaffen.

Das steckt dahinter: Offenbar will Bungie den Spielern ein möglichst breites Arsenal an Waffen zur Verfügung stellen und keine Waffe aus dem Spiel nehmen. Dadurch kommt es aber zu den geschilderten Problemen.

Man muss Spielern „neue starke Items“ als Belohnung versprechen, sonst hat man die „Haus der Wölfe“-Situation und Spielern fehlt die Loot-Motivation, die neuen Inhalte zu bestreiten.

Letztlich bleiben Bungie dann 3 Möglichkeiten:

  • entweder ein Item-Reset: Man nimmt den Spielern ihre „alten Spielzeuge“ weg, indem man es unmöglich macht, sie auf die Maximalstufe zu bringen
  • oder ein Nerf der „stärksten Waffe“, damit es Platz für neue gibt
  • oder man bringt noch stärkere Waffen und hat dann einen Power-Creep, der das Spiel jeder Herausforderung nimmt

Nachdem Bungie es schon mit einigen Alternativen versucht hat und damit gescheitert ist, entscheidet man sich jetzt für einen Nerf, auch wenn das früheren Aussagen widerspricht.

Das wird man in Seattle sicher wissen, aber zähneknirschend in Kauf nehmen. Hier zahlt man einen Preis für das Infundieren, eine 5 Jahre alte Idee.

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