Mecker Mittwoch: Lügen und Intrigen

Wir haben wieder einen Wochenmittelpunkt erreicht, und während ich mich voller Vorfreude in die Tiefen des Rollenspiels geschmissen habe, ist mir mal wieder aufgefallen, wie wenig ich einige Menschen leiden kann. Also klickt entweder ganz schnell weg oder ertragt eine weitere Sitzung mit mir, in der ich mich ein wenig selbst behandele.

Achtung! Wer überhaupt kein Verständnis für RP und ein wenig Gefühlsduselei aufbringen kann, könnte hier Fehl am Platze sein. Kluge Schlaubi-Schlumpf-Sprüche sind jederzeit erwünscht, müssen aber bei Unfreundlichkeit mit der Bannkeule rechnen

Wenn sich IC und OOC vermischen …

Wohl jeder Rollenspieler kann ein Liedchen davon singen, wie schön das Gefühl ist, wenn man restlos in seinem eigenen Charakter aufgeht. Nichts ist wunderbarer als die Immersion, wenn ich meine Draenei/Sith/Aurin spiele und ihre Gefühlswelt erlebe. Eine traurige Szene im RP lässt das Herz meines Charakters bluten? Es ist wunderbar, einfach mitzuweinen! Der Avatar im Spiel freut sich riesig und man selbst kann vor dem PC vor Aufgewühltheit kaum still sitzen? Grandios!

WoW Aldor RP 2

Memo an mich: Neue Screenshots für RP-Beiträge erstellen.

Doch immer dann, wenn die emotionale Bindung so stark wird, kann es auch leicht geschehen, dass Spieler in ziemlich negative Folgen abdriften. Wenn mein Charakter nur noch etwas tut, weil ich als Spieler/in das gerade für mich als die befriedigendste Handlung empfinde (selbst wenn sie nicht zu meinem Charakter passt), vermischen sich sehr schnell die Grenzen von „In character“ und „out of character“ – also die Bedürfnisse des Charakters und des Spielers.

Eine goldene Regel: Dein Charakter darf lügen, du darfst es nicht!

Lügen und Intrigen gehören zum Rollenspiel fest dazu, sie sind nicht selten die treibenden Kräfte hinter den Geschichten und Erlebnissen, die noch Monate lang in den Gedächtnissen der Spieler bleiben. Doch der Spielspaß wird ruiniert, sobald die Gefühle für den eigenen Charakter (oder den eines Mitspielers) so stark werden, dass man in eine Art Kontrollsucht verfällt oder selbst zum notorischen Lügner wird – wohlgemerkt, nicht der Charakter, sondern der Spieler.

WoW Gnomes Screenshot RPBeim Nether, ich könnte Euch eine Menge Beispiele nennen, die sicher schon grenzweise in den Bereich des Cyberstalkings münden. Da erstellen sich Spieler Schurkencharaktere und leveln sie auf Stufe 100, nur um mit ihnen das RP von anderen belauschen zu können. Warum das Ganze? Nun, so kann man wunderbar überprüfen, ob der Charakter von Spieler XYZ denn auch wirklich treu ist oder gerne mal die Wahrheit verdreht.

Noch drastischer wird das Ganze nur, wenn man dann auch noch anfängt, einen (eigentlich sehr geschätzten) Mitspieler hinter dem Rücken von anderen schlecht zu machen. Frei nach dem Motto: Wenn andere Spieler meinen angebeteten Charakter meiden, dann hat die Person mehr Zeit für mich!

Umgekehrt funktioniert das Ganze dann natürlich auch: Wer „OOC“ Dinge über seinen Charakter behauptet und da felsenfest dran hängen bleibt, bis auch der letzte begriffen hat, dass das nicht der Wahrheit entsprechen kann, steht auch sehr bald alleine da.

Ja, Menschen sind manchmal schrecklich. Ja, in dieser Woche hatte ich echt viel von dem oben beschriebenen erlebt – von so ziemlich allen Seiten. Dabei will ich doch nur schönes Rollenspiel, um mich von der Arbeit abzuhalten. Ich will wieder Novizen in ihren Untergang führen und ein wenig dramatisch mit meiner Draenei auf das Meer blicken können – ohne nebenbei im Flüstern mitbekommen zu müssen, wer gerade wieder über wen ablästert, um seltsame Ansprüche im RP durchzusetzen. Ein bisschen mehr Ehrlichkeit unter den Spielern wäre wirklich wünschenswert. Daran darbt der Spielspaß doch sehr.

P.S.: Ja, „darbt“ habe ich nur benutzt, weil das Wort toll ist! Man sollte es viel häufiger verwenden.

WoW Aldor RPJetzt habe ich wieder viel um den heißen Brei drum herum geredet und man könnte das Ganze wohl gut mit einem #JustRolePlayThings beenden und mit einem Kopfnicken weitergehen. Ich frage aber trotzdem an die Spieler da draußen: Wie geht Ihr mit Lügen im virtuellen Raum um? Ist das für Euch ein genau so großer Vertrauensbruch wie im „realen“ Leben? Oder sind die Grenzen lockerer, weil ja ohnehin alles „nur virtuell und ein Spiel“ ist?

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