Sauron ist der große Antagonist in den Büchern und Filmen von Herr der Ringe. Doch in frühen Versionen von Mittelerdes Mythologie trat er in ganz anderer Gestalt auf: in Form einer Katze.
Sauron ist sicherlich der bekannteste Bösewicht aus dem Werk von Tolkien, wenngleich sein Herrscher Morgoth, einst als Melkor bekannt, ihn noch übertrifft.
Dennoch ist Sauron eine erinnerungswürdige und komplexe Figur, die allerdings nicht immer der böse Nekromant und Feldherr war. In frühen Versionen, die der Autor J.R.R. Tolkien geschrieben hat, tritt die Figur in ganz anderer Gestalt auf und ist eine Katze.
Ja, richtig gelesen. Der Herr über Mordor war einst eine pelzige Miezekatze, die erst später von Tolkien umgeschrieben wurde. Die frühe Fassung, in der die Katze auftritt, stammt aus den Jahren 1917-1919 und kann heute in „Das Buch der verschollenen Geschichten Teil 2“ nachgelesen werden. Dieser Band gehört zur Reihe „Die Geschichte Mittelerdes“, basiert auf Texten von Tolkien und wurde von dessen Sohn Christopher herausgegeben.
Eine Katze, sie zu knechten …
Was ist das für eine Katze? In den besagten Texten wird Sauron noch Tevildo genannt und trägt den Titel „Herr der Katzen“. Er ist für eine Katze recht groß, pechschwarz und hat rot-grüne, stechende Augen. Um den Hals trägt er ein goldenes Band, das ihm böse Macht verleiht und verdächtig an einen gewissen Ring erinnert, der später in Mittelerde noch wichtig werden wird.
Tevildo lebt in einem Schloss namens „Angamandi“, die in späteren Versionen der Geschichte zu Tol-in-Gaurhoth, also der Festung von Sauron wurde. Gemeinsam haben die beiden, dass sie im Dienste von Melkor stehen, der damals jedoch auch einen leicht anderen Namen trug und schlicht Melko hieß.
Doch seine Rolle ist sehr ähnlich: Er herrscht mit großer Boshaftigkeit, und da passt Tevildo gut dazu. Auch die Katze ist zutiefst böse. Schon ihr Schnurren sorgt dafür, dass Feinde in die Flucht geschlagen wurden. Schwächere Kreaturen wie kleine Tiere werden sofort in Stein verwandelt.
Aus diesen Gründen fürchten viele Wesen die schwarze Katze und andere Völker sehen sie als klaren Feind. Darunter, ganz dem Klischee entsprechend, die Hunde. Ein besonders mächtiges Exemplar trat Tevildo mehrmals im Kampf gegenüber, und zumindest in Tolkiens Welt wurde so geklärt, welches der beiden Tiere die Nase vorn hat.
Hund gegen Katze – eine alte Diskussion
Um welchen Hund geht es? Huan ist ein Jagdhund, und als solcher ziemlich stark. Er trifft auf Tevildo, nachdem dieser den Menschen Beren in Gefangenschaft genommen hat. Beren muss sich einer Aufgabe der Katze stellen und dabei drei Mäuse fangen. Leider scheitert er, weil er bereits geschwächt ist und sorgt dafür, dass Tevildo immer wütender auf ihn wird.
Die Katze lässt seinen Gefangenen langsam, aber sicher dahinvegetieren. Erst als seine Frau Lúthien sich große Sorgen macht, bricht sie gemeinsam mit dem Hund Huan auf, um Beren zu retten. In einem Wald stellen sie der Katze Tevildo eine List: Huan täuscht vor, schwer verletzt zu sein.
So ergreift Tevildo die Chance: Die Katze hat schon früher einen Kampf gegen Huan verloren und möchte ihren Erzfeind nun ein für alle Mal erledigen. Sie sucht den vermeintlich geschwächten Hund auf, und lässt sich dabei von treuen Katzenkriegern begleiten.
Es kommt, wie es kommen muss: Huan springt auf und im Kampf schafft er es, die Verbündeten von Tevildo zu besiegen. Die überlebende Katze flieht auf einen Baum. Huan fordert die Freilassung von Beren, und dass Tevildo das Halsband ablegt, das ihm so große Macht verleiht.
Nur unter großem Widerwillen lässt sich Tevildo darauf ein. Huan selbst nimmt das Halsband und legt es sich an. Inzwischen erfährt auch Melkor von der Niederlage seines Katzenfürstes und entschließt in seinem Zorn, Tevildo und alle anderen seiner Art in die Verbannung zu schicken. Das Böse in den Katzen blieb aber bestehen.
Böse Zungen würden nun behaupten, dass in Tolkiens Fassung ein wahrer Kern steckt und Katzen seit jeher die etwas gemeineren Haustiere als Hunde sind. Spannend ist auf jeden Fall, wie aus Tevildo langsam Sauron wurde. In späteren Versionen verschwand die Katze nämlich und wurde durch einen Nekromanten ersetzt, der Thû hieß und über die Werwölfe herrschte.
All das mündete nach weiteren Überarbeitungen schließlich in der berühmten Figur Sauron, wie wir sie heute kennen. Übrig geblieben ist vor allem der böse Charakter und das Auge, das verdächtig an das einer Katze erinnert.
Sicherlich ist auch eine große Katze ein spannender Antagonist, in seiner späteren Form dürfte der dunkle Herrscher aber noch einmal für mehr Schrecken in Mittelerde gesorgt haben. Auch wenn er nicht der Mächtigste von allen war: Ein mächtiges Wesen aus Herr der Ringe war das, was Sauron gerne wäre – Es herrschte über ganz Mittelerde
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