Dungeons & Dragons ist die bekannteste Rollenspiel-Marke der Welt, aber zuletzt kriselt es gehörig. Wichtige Leute gehen, die Konkurrenz wächst stetig. Die Firma hinter D&D, Hasbro, hat eine schwierige Zeit hinter sich. MeinMMO-Redakteur Benedict Grothaus schaut sich genauer an, was da eigentlich los ist – und wie es mit Hasbro weitergeht.
Hasbro hat viele bekannte Marken eurer Kindheit und Jugend unter sich versammelt, darunter Monopoly, Play-Doh, Beyblade oder NERF. Der zumindest unter Gamern bekannteste Teil von Hasbro dürften aber Wizards of the Coast und dessen Marken Dungeons & Dragons und Magic: The Gathering sein, das komplexeste Spiel der Welt.
Gerade bei D&D gibt es aber in letzter Zeit immer wieder schlechte Nachrichten, zuletzt den Weggang zweier großer Geister, die jetzt für die Konkurrenz arbeiten. Critical Role, die bekannteste Truppe zu Dungeons & Dragons, haben nun ihr eigenes Rollenspiel veröffentlicht. Und Larian, die D&D mit Baldur’s Gate 3 weltweit noch bekannter gemacht haben, kehren dem Franchise vorerst den Rücken.
Obwohl ich eher beim deutschen Konkurrenten DSA zu Hause bin, interessiert mich hier natürlich doch: Was bedeuten solche schwierigen Zeiten für das wohl größte Rollenspiel der Welt?
Ich habe die Finanzberichte verschiedener Firmen seit 2020 ausgewertet und geschaut, welche Pläne die aktuellen Chefs so verfolgen. Das Ergebnis ist vielleicht überraschend: Hasbro geht es gar nicht so schlecht, wie man denken mag. Aber die Situation ist prekär.
Filme und Entertainment haben Hasbro viel Geld gekostet.
Nach der Corona-Pandemie ab 2019 hat Hasbro, wie fast alle Firmen, einen Rückgang der Umsätze verzeichnet. Allerdings hatte das Unternehmen 2021 eines der stärksten Jahre überhaupt, zumindest auf dem Papier.
Mit einem Netto-Umsatz von 6,42 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn von 995 Millionen Dollar war 2021 das mit Abstand stärkste Jahr in der letzten Zeit (Zahlen aus dem Jahresbericht 2021 von Hasbro).
Den Gewinn hat die Firma vor allem dem Kauf von Entertainment One, kurz eOne, zu verdanken, einer Firma für Filme und Serien, mit denen Hasbro neue Bereiche erschließen wollte. Das hat aber nicht geklappt:
- Ende 2019 hat Hasbro eOne laut Hasbro selbst für rund 4 Milliarden US-Dollar gekauft.
- 2021 wurde die Firma schließlich vollständig integriert, heißt: Gewinne im Teilbereich zählten zu Hasbros Gesamtgewinnen.
- Eines der großen Prestige-Projekte war der D&D-Film Honor Among Thieves, der jedoch finanziell floppte.
- 2023 hat Hasbro eOne schließlich wieder in Teilen verkauft an die kanadische Firma Lionsgate – allerdings nur noch für 500 Millionen Dollar (Quelle: Hasbro). Die Musik-Sparte von eOne hatte man bereits 2 Jahre zuvor für 385 Millionen Dollar abgestoßen.
Zusätzlich zu dem großen Verlust durch den Film-Sektor, hat Hasbro in den letzten Jahren und insbesondere 2022 und 2023 Verluste im Retail-Bereich zu verzeichnen, heißt: Es wurden weniger Spielzeuge physisch verkauft (aus dem Finanzbericht 2022 und dem Finanzbericht 2023).
Grund waren unter anderem die großen Lagerbestände bei Retail-Händlern. Nach Corona und dem 2022 beginnenden Ukraine-Krieg war das Konsumverhalten der Kunden nicht so sehr auf Spielzeug ausgelegt. Der Bedarf war geringer.
Wizards of the Coast hilft Hasbro durch die Krise, trotzdem werden Leute gefeuert
Der einzige Bereich, der in dieser Zeit stetig positiv verlaufen ist und Hasbro teilweise über die Hälfte der Gesamtgewinne eingespielt hat, war Wizards of the Coast: die Macher von Dungeons & Dragons und Magic.
Insbesondere 2022 und 2023 hat der Teilbereich enorm viel eingespielt, 2022 sogar mehr als Hasbro im Gesamten (WotC: 538 Millionen Dollar, Hasbro: 407 Millionen Dollar). Dazu ist zu sagen, dass im Finanzbericht Wizards of the Coast und digitale Produkte zusammengefasst werden. Gründe für den großen Erfolg sind entsprechend:
- die enorme Größe von Monopoly GO!, an dem Hasbro Lizenzgebühren erhält
- Baldur’s Gate 3, welches 2023 als ein absoluter Höhepunkt der Gaming-Geschichte gefeiert wurde
Dennoch hat Hasbro über die Jahre Tausende Mitarbeiter entlassen, auch bei Wizards of the Coast. Das Ziel: Das Unternehmen soll schlanker und effizienter werden. Mit den beiden Strategien „Blueprint 2.0“ und „Playing to Win“ will sich Hasbro neu ausrichten, mit kleineren Teams und einem Fokus auf weniger, dafür starken Marken und einen digitalen Markt. Übersetzt: Weniger Leute sollen effizienter an neuen Produkten wie Videospielen arbeiten.

Dem größten Gegenspieler geht es deutlich besser
Mattel gilt als größter Konkurrent zu Hasbro. Im gleichen Zeitraum hatte Mattel ähnliche Probleme wie die Monopoly-Macher, also Finanzkrisen, Epidemien und Kriege. Dennoch geht es Mattel im Moment deutlich besser.
Einer der Gründe ist der große Erfolg verschiedener Marken wie Barbie und Hot Wheels. Insbesondere Barbie konnte dort performen, wo es Hasbro nicht gelungen ist: Der Barbie-Film war ein absoluter Erfolg.
Seit 2021 hat Mattel ein stärkeres Gewinn-Wachstum als Hasbro. Interessanter Fakt: Die Aktie von Mattel kostet dennoch nur knapp ein Drittel von der von Hasbro (Stand 27. Juni). Investoren scheinen also weiterhin eher auf Hasbros Marken zu setzen.
Mattel steht den gleichen Schwierigkeiten gegenüber wie Hasbro, hat diese aber in der Vergangenheit besser überstanden.
Ganz anders geht es dagegen einigen Firmen aus Europa – etwa Games Workshop, die in den von Hasbro angestrebten Bereichen schon längst Expertise haben.
Die neue Konkurrenz kommt aus Europa
Seit 2020 kann Games Workshop ein stetiges Wachstum verzeichnen, auch wenn dieses in absoluten Zahlen nicht an Hasbro herankommen kann. Zum Vergleich: 2023 hatte Games Workshop einen Gesamtumsatz von umgerechnet 541,42 Millionen Euro (aus dem Finanzbericht von Games Workshop) – Hasbro dagegen hat umgerechnet 4,62 Milliarden Euro umgesetzt (aus dem Finanzbericht von Hasbro).
Games Workshop hat jedoch in genau den Bereichen, in denen Hasbro nun wachsen will, schon seit Jahren Expertise und ein stetiges Wachstum hinter sich – und ein konkurrierendes Franchise mit einer ähnlichen Zielgruppe.
Warhammer, das Produkt von Games Workshop, ist als Gaming-Marke bereits etabliert, Magic und Dungeons & Dragons noch nicht in diesem Umfang. Nach jahrelangem Trial-and-Error gibt es mittlerweile richtig gute Warhammer-Spiele, vor allem in den letzten 5 Jahren.
Der größte Erfolg ist das 2024 erschienene Space Marine 2, welches so groß ist, dass selbst der Warhammer-Chef sagt: So einen Erfolg gibt es so schnell wohl nicht noch einmal. Der Plan ist jedoch weiterhin, auf digitale Waren zu setzen.
Auch im kleineren Bereich gibt es aktuell aufsteigende Sterne: Der französische Verlag Asmodée Editions hat sich Anfang 2025 von Embracer freigekauft und mit Zombicide seine erste Akquise getätigt. Asmodée macht Spiele wie Frosthaven, das ebenfalls überraschend eine PC-Adaption auf Steam erhalten hat.
Hasbro hat einen guten Plan, aber die Konkurrenz ist schon weiter
Mit seinen neuen Strategien will Hasbro bis 2027 eine Milliarde Dollar einsparen und sich vollständig neu ausrichten – eben auf digitale Waren und Lizenzen. Dazu baut das Unternehmen die internen Strukturen um.
Das ist mit gewissen Risiken verbunden, wie die Finanz-Website AInvest erklärt. Dort heißt es: Hasbro könnte mit diesem Schritt seine Kunden und Investoren verschrecken. Zugleich seien personelle Veränderungen ein notwendiger Schritt, um Hasbro auf einen neuen Kurs zu bringen.
Bereits mit der Veräußerung von eOne hat sich Hasbro erst einmal von Plänen zu neuen Filmen und Serien verabschiedet – hier hatte Mattel ohnehin größere Erfolge. Die neue Ausrichtung mit dem Ziel, „Digital Gaming“ zu stärken, ist zukunftsträchtig, aber hier gibt es eben schon erfahrene Konkurrenz.
Gerade diese beiden Welten, Magic und Dungeons & Dragons, kommen aber schon jetzt mit Millionen Fans weltweit daher. Die müssen nur irgendwie aktiviert werden. Mit bestehenden Welten dieser Größe sollte es eigentlich nicht schwierig sein, die Franchises mit erfolgreichen Videospielen auszubauen.
Bereits an Universen wie Warhammer und Warcraft zeigt sich, dass eine gute Grundlage über Jahre hinweg für Videospiele sorgen kann, wobei ich hier für Warcraft vor allem die einzelnen WoW-Erweiterungen zähle. Für beide gilt: Die große Welt ist der Grund dafür, dass die Spiele glaubwürdig wirken und erfolgreich sind.
Hasbro fehlt aktuell das Händchen dafür, die richtigen Spiele zu entwickeln. Fehlschläge wie Dark Alliance oder Magic: Legends dämpfen die Lust auf mehr Games aus den Franchises und das, obwohl gerade D&D die Möglichkeit dazu hat, in vielen Genres zu funktionieren. Die Welt hatte allein zwei MMORPGs, die beide heute noch laufen.
Baldur’s Gate 3 war zuletzt ein richtiger Schritt, wirkte aber ein wenig wie ein Glückstreffer. Baut Hasbro darauf auf und wird nicht zu gierig, gibt es gute Chancen, zu einem führenden Publisher zu werden – trotz erfahrener und wachsender Konkurrenz. Zumal Baldur’s Gate nicht die einzige interessante Kanon-Welt in D&D ist: 7 Settings von Dungeons & Dragons, die mindestens genauso spannend sind wie die Schwertküste
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.
Schöner Artikel, danke dafür. Ist nur ein kleiner Fehler glaube ich an dieser Stelle: “Mit einem Netto-Umsatz von 6,42 Millionen US-Dollar und einem Gewinn von 995 Millionen Dollar”. Denke das soll 6,42 Milliarden heißen oder?
Äh ja, stimmt natürlich. Weiß nicht, wie mir das durchgerutscht ist. Ist behoben.
War ja auch nicht schlimm, fängt beides mit “M” an. 😉
So ist es nur besser vom Lesefluss, danke.
Du kannst Aktienpreise nicht einfach 1:1 vergleichen, daraus lässt sich nichts ableiten.
Denn jedes Unternehmen legt selbst fest, wie viele Aktien es ausgibt, dadurch entstehen ganz unterschiedliche Marktkapitalisierungen.
In diesem Fall einmal auf die drei erwähnten Unternehmen:
Mattel 6,44 Mrd USD, Preis einer Aktie 17,00 EUR
Habsro 10,62 Mrd USD, Preis einer Aktie 64,95 EUR
Games Workshop 5,33 Mrd GBP = 7,17 Mrd USD, Preis einer Aktie 187,80 EUR
Da ich nun auch nicht besonders bewandert darin bin, Finanzberichte zu lesen oder auszuwerten, lässt mich dieser Fehler aber die getroffenen Ableitungen im Artikel hinterfragen.
Der Kurs spiegelt erst einmal wider, als wie wertvoll Investoren und Marktteilnehmer ein Unternehmen einschätzen. Um mehr geht es hier auch gar nicht. Da vergleiche ich ja keinen Markterfolg oder sowas, dazu sind Umsätze und Co. da. Und da steht Hasbro, wie im Artikel zu lesen, auch deutlich über GW zum Beispiel.
Um von außen bewerten zu können, wie viel Potential in einem Unternehmen steckt, ist der Aktienkurs erst einmal eine gute Möglichkeit, insbesondere mit Blick auf den Verlauf.
Eben nicht. Der Wert des Unternehmens wird durch die Marktkapitalisierung angegeben. Nehmen wir mal als Beispiel das wertvollste Unternehmen der Welt: nvidia
Aktienkurs und damit Preis für eine Aktie: 146,90 EUR, Marktkapitalisierung 4,00 Bio. USD
und vergleichen es mit Meta (Facebook): Aktienkurs 620,70 EUR, Marktkapitalisierung 1,81 Bio. USD
So wie es im Artikel verglichen wird, wäre die Ableitung, dass Meta 4 mal so hoch bewertet werden würde wie nvidia. Das ist falsch.
Aus dem Aktienkurs eines Unternehmens alleine lassen sich keine Rückschlüsse ziehen um ihn mit dem Aktienkurs eines anderen Unternehmens zu vergleichen.
Danke für dein Feedback. Die Info mit dem Aktienwert war eigentlich nur als kleiner Bonus gedacht, für Leute, die sich weiter damit befassen wollen. Du hast Recht, dass dieser Wert alleine nicht reicht, um Unternehmen miteinander zu vergleichen, so war es aber eben auch nicht gedacht. Das war lediglich eine kleine Rand-Info mit weiterführenden Links.
Für eine ausführliche Erklärung mit den verschiedenen relevanten Metriken – ich müsste hier KGV und Co. erklären – ist der Artikel eigentlich gar nicht gedacht und das wäre auch zu umfangreich. Ich streiche den entsprechenden Absatz.