ESO geht mit LGBTQ+ so um, wie es auch die echte Welt tun sollte

Das MMORPG The Elder Scrolls Online (ESO) hat eine wunderbare Art, mit dem Thema LGBTQ+ umzugehen, findet zumindest MeinMMO-Autorin Larissa Then. Sie verrät euch, was ihr daran so gut gefällt.

Was bedeutet LGBTQ+? Bei LGBTQ+ handelt es sich um eine Community rund um lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, queere und weitere Personen.

Gerade jetzt im Pride-Month wird wieder viel über die Gleichstellung verschiedenster Formen der Liebe und Geschlechter diskutiert und das ist auch gut so. Es ist eine in meinen Augen längst überfällige Maßnahme. Wir von MeinMMO sowie GameStar und GamePro positionieren uns hier ganz klar.

Wieso interessiert mich das? Ich, MeinMMO-Autorin Larissa Then, bin selbst Teil der Community, auch wenn ich momentan in einer heterosexuellen Partnerschaft lebe. Daher bin ich nur noch selten das Opfer von Anfeindungen, bekomme es aber in meinem engsten Freundeskreis mit. Die Welt ist leider immer noch sehr rückständig gegenüber allem, was nicht der Norm in ihren Köpfen entspricht.

Und was hat das mit ESO zu tun? Umso positiver überrascht bin ich stets, wenn ich in The Elder Scrolls Online über einen LGBTQ+-Charakter stolpere. In Tamriel, der Welt von ESO, spielt in Sachen Liebe das Geschlecht nämlich fast keine Rolle. Das sieht man unter anderem an einigen Quests und NPCs.

Was ist der Pride-Month? Innerhalb des Pride-Month gedenken Anhänger des Gay-Pride und auch viele andere Menschen den Stonewall-Unruhen. In New York City wurde am 28. Juni 1969 erneut eine Razzia auf das Stonewall Inn durchgeführt, das für sein homo- und transsexuelles Publikum bekannt war. Offen ausgelebte Homosexualität galt damals als anstößiges Verhalten und wurde unter Strafe gestellt.
Bei dem Einsatz in 1969 kam es zum ersten Mal vor, dass sich viele Menschen der Verhaftung widersetzten. Dieses Ereignis galt als ein erster Aufschrei für Gleichberechtigung und wird jährlich durch die „Christopher Street Day“-Paraden oder eben den Pride-Month gewürdigt.

Eine Quest mit bleibendem Eindruck

Was ist das für eine Quest? Ich teile immer gerne meine Lieblingsquests mit euch. Eine meiner eindrucksvollsten Erfahrungen in die Richtung LGBTQ+ in ESO war eine kleine Quest in Grünherz namens „Die Blume der Jugend“. Dort stolpert man über den Bosmer Hartmin, der neben seinem sterbenden Eheman Mirilir steht.

Die beiden sind an den Ort ihrer Jugend zurückgekehrt. Dorthin haben sie sich immer geschlichen, als sie frisch verliebt waren. Es gab an dieser Stelle wunderschöne Blumen, jedoch sind diese jetzt verschwunden.

Da Hartmin zu alt ist, die Blumen selbst zu besorgen, bittet er die Spieler, Samen der Pflanze zu sammeln. Der weitere Verlauf der Story ist durch einen Spoilerkasten zensiert, den ihr bei Interesse jedoch anklicken könnt.

Kommt ihr mit euren beiden Questgegenständen zu Hartmin zurück, ist Mirilir leider tot. Dennoch ist Hartmin glücklich über die Samen und pflanzt sie um sich und den Leichnam. Er sagt, alles was zählen würde, ist, dass sie bis zuletzt zusammen waren.

Was mag ich daran so? Die Quest erzählt eine herzzerreißende Geschichte über zwei Männer, die ihr gesamtes Leben miteinander verbracht haben. Auch wenn es nur kleine Fragmente sind, kann man die Liebe förmlich durch den Bildschirm spüren.

ESO Quest LGBTW Waldelfen
Das Gespräch mit Hartmin

Das liegt vor allem an den Dialogen. Es ist etwas theatralisch, aber ich habe den beiden ihre Geschichte und ihre Gefühle durchaus abgenommen und konnte mitfühlen. Das Beste ist jedoch: Die beiden verliebten Männer stehen und liegen bei ESO einfach an der Ecke, als wäre es das normalste der Welt – danke.

In der realen Welt sehe ich so gut wie nie ältere gleichgeschlechtliche Pärchen. Das mag auch an der Stadt leben, in der ich wohne. Ich hoffe, dass in 30 oder 40 Jahren, wenn ich selbst alt bin, die Parkbänke voll sind mit den buntesten Konstellationen.

Da steckt noch mehr in ESO

Die Quest um die beiden Waldelfen ist nicht die einzige Quest, in der LGBTQ+-Charaktere eine Rolle spielen. Vor einigen Jahren hat ESO sogar einen Preis für eine Transgender-Quest gewonnen.

Was ist das für eine Quest? Hierbei handelt es sich um „Das Herrenhaus der Masken“ aus dem Sommersend-Addon. Ihr sollt hier für Rinyde ihren Bruder Larydel finden. Eine weitere Schlüsselfigur der Quest ist eine Frau namens Alchemie.

Die Magierin Alchemie mit ihrer Maske

Für diese beiden müsst ihr einige Zwischenschritte erledigen und bekommt letztendlich ein Tagebuch von Rinyde, in dem einiges zum Leben mit ihrem Bruder geschrieben steht.

Dort steht, er würde sich immer mehr abkapseln und sie sei besorgt um ihn. Eines Nachts kam er nach Hause, roch nach Parfüm und war mit Lippenstift verschmiert. Als eine Schauspieltruppe in ihre Stadt kommt, verschwindet ihr Bruder ganz und gar. Wie die Suche weiter abläuft, packe ich euch in einen Spoilerkasten.

Bei der Quest sucht ihr weiter nach dem Bruder und lernt einige Künstler kennen. Letztendlich landet ihr wieder bei Alchemie, die euch fragt, ob ihr überhaupt mal daran gedacht hättet, was denn Larydel, der Bruder, möchte.

Sie erzählt euch, dass Larydel seinen eigenen Weg gewählt hat und kein Magier sein will. Seine Schwester solle das bitte akzeptieren. Nach einigem hin und her kommt heraus, dass Alchemie eigentlich Larydel ist und ihrer Schwester Rinyde nicht im Weg stehen wollte.

Die beiden versöhnen sich am Ende und Rinyde möchte nur, dass ihr Bruder Larydel oder jetzt ihre Schwester Alchemie glücklich ist.

Was mag ich daran so? Die Geschichte steckt voller Zweifel einer transsexuellen Person, in die ich mich gar nicht wage, hineinzuversetzen. Jedoch baut ESO die Story sehr schön auf. Die Tagebucheinträge zeigen eine nachvollziehbare Außensicht auf das Geschehen.

Außerdem sind da die Dialoge, die auch die Seite des Bruders aufzeigen. Er will seinen eigenen Weg gehen, dabei aber niemanden verletzen und einfach akzeptiert werden.

Letztendlich wird sein Weg von seiner Schwester akzeptiert. Sie will nur, dass ihr Bruder glücklich ist. Davon könnten sich einige Menschen eine Scheibe abschneiden.

ESO Herrenhaus der Masken Haus der Träumereien
Die Künstler in dieser Quest verstecken sich alle hinter solchen Masken

Und wie ist das mit der Ehe in ESO? Ihr könnt in ESO als Spieler heiraten und dabei Vorteile abstauben. Beispielsweise gibt es 10% Erfahrung obendrauf, wenn ihr mit eurem Partner zusammen spielt.

Welches Geschlecht und welche Rasse ihr beiden seid, ist dabei absolut egal. Heiraten kann in ESO jeder jeden. Alle haben die gleichen Rechte und Pflichten – schöne Vorstellung, oder? Aber immerhin in Sachen Ehe sind wir in der realen Welt ein ganzes Stück weiter gekommen im letzten Jahr.

Es ist nicht alles eitel Sonnenschein

Jetzt zu glauben, ESO sei eine perfekte Welt ohne Gewalt und Hass ist jedoch naiv. Gerade zwischen den Rassen herrschen viele Vorurteile. Es gibt Elfen mit Erziehungslagern für in ihren Augen „minderwertige Rassen“. Die Vampire werden von vornherein gehasst und im neusten Addon Greymoor versucht die Nord Lyris erst einmal, den helfenden Vampir zu töten.

Die Orks leben in patriarchalischen Verhältnissen und halten sich Harems aus verschiedenen Frauen. Nichts an der Lore-Welt in ESO ist perfekt. Es ist immer noch eine Welt im Krieg mit Strukturen, die zerbrochen werden müssen, damit alle frei leben können.

Der Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe oder transsexuellen Personen ist jedoch gut getroffen. Sie sind einfach da. Ganz normale Menschen an irgendwelchen Ecken, die halt nach ihrer Frau und nicht ihrem Mann suchen oder umgekehrt. Niemanden interessiert das und so würde ich es mir auch in der echten Welt wünschen.

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Schuhmann
12 Tage zuvor

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Culus
12 Tage zuvor

Wenn bald die AfD die Mehrheit hat ist vorbei mit LGBTQ. In Polen, Ungarn, USA, Türkei werden die Kriminalisiert…. Der Mensch hat angst vor Änderungen und neue Sichtweisen.

Starthilfer
12 Tage zuvor

Es ist eigentlich komplett egal ob sich jemand Vegan ernährt, aktiv Tiere und Umwelt schützt oder halt eben kein Hetero ist. Was mir auf den Senkel geht ist das ständige Hausieren mit seiner Gesinnung. Es interessiert mich halt nicht die Bohne. Leben und leben lassen.
Genau so sehe ich das mit dem Bekenntnis von MEINMMO und Game Star als komplett unnötig. Es hat hier mMn einfach nichts verloren, genau so wenige, wie sich jetzt alle zu BLM Bewegung bekennen müssen. Sowas will ich doch nicht lesen, wenn ich ne Runde Battlefield spielen möchte…(Ist tatsächlich eine Meldung von Dice/EA im Startmenu aufgeploppt)
Es interessiert mich nicht das einige Leute Pride Month feiern genau so wenig, wie es mich interessiert wann in Köln Fasching ist oder Heiri XY Geburtstag hat.
Man bekommt halt ständig und unglaublich penetrant diese „Hinweise“ vermittelt dass man halt nicht normal ist wenn man sich nicht für solche Themen interessiert oder noch viel schlimmer nicht der selben Meinung ist. Es grenzt teilweise schon fast an Gessinnungsterror, wenn man das so sagen kann. Und ich bin mir ziemlich sicher das sich wegen meines Kommentars auch gleich schon etliche Leute auf den Schlips getreten fühlen.
Im Endeffekt will doch einfach nur jeder seine ruhe haben.

lIIIllIIlllIIlII
12 Tage zuvor

Bis jetzt habe ich mich noch nicht terrorisiert gefühlt, obwohl ich nicht dazugehöre.
Was meinst du, wie kommt es dazu dass wir uns bei der gleichen Sache so unterschiedlichen fühlen.

Ich meine, es geht nicht darum ob wir etwas lecker finden oder nicht. Terror ist ein sehr starker begriff und wenn du dich Terrorisiert fühlst, muss das schon eine ziemlich starke Empfindung sein.

Wie erklärst du dir das?

Schuhmann
12 Tage zuvor

Man bekommt halt ständig und unglaublich penetrant diese „Hinweise“ vermittelt dass man halt nicht normal ist wenn man sich nicht für solche Themen interessiert oder noch viel schlimmer nicht der selben Meinung ist.

Findest du das echt penetrant? Wir behandeln solche Themen gefühlt so gut wie nie.

Wer sich davon „Terrorisiert fühlt“, dass dann von 800 Artikeln im Monat einer explizit um ein LGBTQ-Thema geht – weiß ich nicht. smile

Ich denke im Vergleich zu anderen Bereichen kommt das Thema im Gaming immer noch wahnsinnig selten vor und wenn dann oft in einem tragischen Zusammenhang, dass jemand im E-Sport deshalb ausgegrenzt wird oder so.

Cortyn
12 Tage zuvor

Ich find die Aufregung hier schwierig. Du wusstest doch schon beim Titelbild und der Regenbogenflagge, worum es in dem Artikel gehen wird. Es wäre ein leichtes gewesen, da schon festzustellen, dass das nicht dein Thema ist, da es dich nicht interessiert.

Wenn du den dann freiwillig anklickst, freiwillig liest und dann auch noch freiwillig kommentierst… ist das nicht Gesinnungsterror, sondern eher ein persönliches Problem.

Aber zu sagen „Hallo, ich möchte X hier und Y da nicht sehen, ich will doch nur Z“ … ist halt schwierig. Das ist halt genau das umgekehrte. Damit willst du ja gerade aufzwingen, was andere zeigen und behandeln dürfen oder eben nicht.

Artemis
12 Tage zuvor

Unter dem Artikel steht doch ganz dick:“ Deine Meinung? Diskutiere mit uns!„ diese hat er/sie/d gerade mitgeteilt. Daraus ein „aufzwingen“ abzuleiten, nur weil hier eine konträre Meinung geäußert wird -es wird ja sogar dazu aufgefordert- finde ich tatsächlich schwierig.

Hinzukommt, dass hier offensichtlich ein generalistisches Phänomen angesprochen wird und es wird sich nicht explizit und ausschließlich auf MeinMMO bezogen wie die aufgezeigten Beispiele verdeutlichen.

Im übrigen habe ich auch etwas gegen unauthentisches, aufgezwungenes Storywriting nur um einem Hype zu folgen.
Es gibt durchaus Beispiele guter Praxis für eine gelungene Umsetzung von LGBTQ Charakteren und Story (wie auch im Artikel beschrieben) als Beispiel „Prinz der Drachen“, Kipo, Walking Dead und so weiter.

Und dennoch ist das für viele so normal und selbstverständlich, dass es einfach nur noch nervt ständig über sowas zu stolpern.
Ich selbst möchte auch wenig Artikel dieser Art lesen und teile euch das als Leser mit. Nicht weil ich rückständig bin, nicht weil ich, wenn es mir nicht gefällt, doch nicht hätte klicken müssen. Sondern weil ich zum einen aufgefordert werde mitzudiskutieren und zum anderen, weil doch hier die Kultur herrscht, dass die Lesermeinung wichtig ist. Oder nicht?

Captain Bimmelsack
12 Tage zuvor

Im Endeffekt will doch einfach nur jeder seine ruhe haben.

Tja, und weil eben nicht alle ihre Ruhe haben, werden gewisse Themen „penetrant“ behandelt. Das ist so lange notwendig, solange es Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassenhass, usw. gibt. Das mag dir nicht passen, das ist dann aber tatsächlich ganz allein dein Problem. Diese Themen müssen so breit wie möglich gestreut werden und deshalb ist es sehr wohl notwendig, dass auch Onlinemagazine wie MeinMMO oder Gamestar darüber berichten.

Halbtaub
12 Tage zuvor

Vorweg ich bin selbst schwul und lebe mit mein Mann nun seit mehren Jahren zusammen erst als Lebenspartner als dann die schwulen Ehe erlaubt war als “ richtiger Mann“

Ich muss sagen das ich vieles nicht verstehe alleine die Überschrift ist schon komisch gewählt. Ich hatte wohl das Glück das ich noch nie doof angemacht wurde in meine Sexualität und selbst wenn wir Händchen oder uns geküsst haben in der Öffentlichkeit noch nie komisch angeguckt. Wir leben in eine Zeit wo schwule immer mehr Rechte bekommen und es wird immer angenommen. Ich finde was hier gemacht wird sogar schlimmer und auch ein Rückschritt. Dieses immer wieder wir müssen dafür eintreten und müssen die respektieren blabla nervt einfach. Und das. Kommt meist von hetro Leute ob wir schwach sind oder doch irgendwie was besonders sind es nervt einfach. Klar gib es Länder wo ich und mein Mann sicherlich nicht hin fahren aber in Deutschland hatten wir nie Probleme gehabt nur einmal mit gewissen Gruppen die in ihre Heimat es wohl nicht besser kennen.

Ich finde es persönlich und das höre ich auch in mein Umfeld wo auch andere lesbische, schwule Paare das es nervt. Ob wir was besonders sind und nein das sind wir nicht auch wir sind normale Menschen. Vielleicht liegt es aber daran das wir halt Glück hatten keine Ahnung

Erzkanzler
12 Tage zuvor

Tja, da fragt man sich ab und an halt auch ob eine Normalität entstehen kann, wenn ständig darauf hingewiesen werden muss, dass die sexuelle Ausrichtung Teil der Normalität sein sollte.

In meinen Augen ist die Unterhaltungsindustrie sowie auch ein Teil unserer Gesellschaft (oftmals gerade der, der sich als aufgeklärt aber nicht involviert betrachtet) aktuell hypersensibilisiert, an alles muss ein -Innen oder eine sonstige „Flagge“ geheftet werden, um zu zeigen dass man die Freiheit anderer Menschen respektiert. In meinen Augen und glücklicherweise auch im Großteil meines Umfeldes spielt die sexuelle Vorliebe anderer kaum eine Rolle und (vielleicht auch eine Frage des Alters) eigentlich niemand legt gesteigerten Wert darauf, dass sein Geschlecht oder seine sexuellen Vorlieben gesondert hervorgehoben werden müssten, leben und leben lassen.

Ob in Computerspielen grüne Echsenmenschen, Khajiit und Bretonen jetzt Eier legen, sich unter Wasser mit Gummidildos verprügeln oder gerne gleichgeschlechtlich zusammenleben wollen… ist mir ganz ehrlich völlig egal. Die krampfhafte Hervorhebung hingegen geht mir langsam auch etwas auf den Geist. Schaue ich z.B. einen Western im TV, lege ich kaum gesteigerten Wert darauf von jedem Charakter zu erfahren welche Liebespraktiken er bevorzugt, ob er sich vegan ernährt oder Wandtattoos für den oberkrassheißen Shit hält, wenn es für den Plot oder die Charakterentwicklung nicht von Belang ist… Ich möchte unterhalten werden und ähnlich empfinde ich es bei Computerspielen. Ich denke, wir sollten nicht den Fehler begehen an Unterhaltungsmedien die Anforderung zu stellen jede Minderheit vertreten zu müssen, das schadet dem Medium und ich wage zu bezweifeln, dass es viel für eine erhöhte Akzeptanz leistet. Eine Tolerante Erziehung kann und sollte nicht von Computerspielinhalten abhängen müssen. Ziel sollte doch sein, dass es niemandem auffällt, dass es in Unterhaltungsmedien alternative Lebens- und Liebesideen gibt, weil es eben nicht besonders bemerkenswert Außergewöhnliches ist. Aber… je nach Umfeld sind wir von dieser Leichtigkeit wohl noch weit entfernt. Ich bin mir nur unsicher, ob die forcierte Hervorhebung in Spielen nicht oft die Gräben vergrößert als Toleranz zu schaffen…

Dawid Hallmann
12 Tage zuvor

Das Ziel liegt mehr darin, dass man sich damit auseinandersetzt. Das ist ja nicht nur in Computerspielen so aktuell. Ich denke, dass diese teils von dir angesprochene überzeichnete Darstellung auch nicht ewig anhalten wird, aber es sorgt zumindest dafür, dass mehr darüber gesprochen und hier und da auch mehr darüber nachgedacht wird, was das bedeutet und warum dies geschieht.

Mir ist dabei aufgefallen, dass ich mich in den letzten Monaten viel mehr über dieses Thema mit anderen unterhalten habe und viele unterschiedliche Perspektiven kennenlernen konnte, darunter auch einige, die für mich bisher weit weg waren, aber wichtige Denkanstöße gegeben haben. Von meiner Perspektive aus bin ich sehr tolerant und es ist für mich das Normalste der Welt, aber ich verstehe nun viel mehr, warum diese Sensibilisierung so wichtig ist und weshalb so viele Personen dafür einstehen. Wie du schon sagst, je nach Umfeld sind wir noch weit davon entfernt, dass es so natürlich ist, wie es bei dir oder anderen sein mag.

Erzkanzler
12 Tage zuvor

Sicher wird mehr darüber gesprochen, bleibt nur die Frage von wem. Ich denke der vorurteilbehaftete Teil, von dem man sich eine stärkere Toleranz wünschen würde, ist mit Quest-NPCs in Computerspielen wohl kaum zu erreichen.

Ich sehe solche Entwicklungen relativ kritisch, denn ganz abgesehen vom Themenbereich, führen solch diktierte Auseinandersetzungen nicht selten einfach zur strikten Ablehnung. Man denke nur an den hirnverbrannten Eklat über Frauen im fiktiven Weltkriegsszenario von BF5, ob das wohl zur Anerkennung starker weiblicher Vorbildern beigetragen hat… ich würd´s bezweifeln auch wenn „viel mehr darüber gesprochen wurde“.

Computerspiele sind ein fiktives Medium und in meinem Verständnis ähnlich wie Bücher eine wundervolle Bühne für Geschichten und Erzählungen, die nicht zwangsläufig besser werden, indem man versucht jede Form der politischen Korrektheit aufzugreifen. Natürlich kann und sollten alternative Lebens-, Glaubens-, Liebes- und Gesellschaftsformen Platz in der Popkultur finden dürfen. Als natürlicher Teil einer gesamtgesellschaftlichen Entwicklung aber eben nicht als „LGBTQ+ Inside“-Aufkleber auf der Spielebox. Wenn ein gesellschaftlicher Druck entsteht die sozialer Inklusion aller in Spielen umzusetzen, und darauf kann es relativ schnell hinauslaufen, führt das nicht zwangsläufig zu Toleranz oder besseren Spielen.

Ich sehe da weiterhin eher die Erziehung und nicht die Unterhaltungsindustrie in der führenden Rolle Werte zu vermitteln. Jedoch merke ich häufig selber, als aufgeschlossener Mensch in einer Großstadt ist diese Toleranz für mich wohl sehr viel alltäglicher als für viele andere Menschen in unserem als auch in vielen anderen Ländern. Und ich wünschte mir, ein transsexueller Computerspielcharakter würde das ändern können, ich denke aber, ganz so einfach wird´s nicht werden.

Dawid Hallmann
12 Tage zuvor

Wieso muss die Erziehung zu Hause und eine ergänzende Werte-Vermittlung bzw. Aufklärung durch Unterhaltungs-Medien ein Entweder-oder sein? Wenn man sich anschaut, wie viel Zeit heutzutage jeder und vor allem die Jugend mit Medien verbringt, dann finde ich es richtig, dass mittlerweile recht viele verantwortliche Personen sich Gedanken darüber machen, welchen Stellenwert ihre Serien, Filme oder auch Spiele bei der Vermittlung von Werten haben und was eine bestimmte, anregende Nachricht bewirken kann (das zeigt aber gleichzeitig auch die Gefahr, die durch die Möglichkeiten entstehen kann).

Ich habe mitbekommen, dass in Schulen dann auch viel über die Serie „Tote Mädchen lügen nicht“ und dessen Inhalt gesprochen wurde (ja, einiges war sicherlich übertrieben, aber auch hier: Es führt zu Diskussionen), weil es eben ein Medium ist, das sie täglich nutzen und du erreichst sie damit stärker. Das ist die Realität. Klar, die Erziehung zu Hause ist enorm wichtig, aber genauso sollte man sich dessen bewusst sein, welch großen Einfluss die Unterhaltungsmedien haben und das wird sich erstmal nicht mehr ändern.

Erzkanzler
12 Tage zuvor

Sind wir uns einig, ich hatte auch kein Entweder-Oder-Szenario entwerfen wollen.
Nur ersetzt das Medium die Diskussion nicht, wir laufen Gefahr eben diesen wichtigen Schritt aus den Augen zu verlieren indem wir uns mit Stellvertretern in Unterhaltungsmedien aus der Affäre ziehen.

lIIIllIIlllIIlII
12 Tage zuvor

Der Versuch jemanden oder etwas über den durchschnitt oder das normale Maß hinaus zu „Beschützen“ führt nur zum herausstellen der Andersartigkeit und somit verhindert man, dass es zur Normalität wird.

Allerdings bedeutet die Feststellung: ich werde nicht diskriminiert nicht: es gibt keine Diskriminierung.

Es ist ganz einfach… überall da wo es funktioniert, ist es schön das es funktioniert.
Überall dort wo eine systematische Diskriminierung erfolgt, sollte diese minimiert werden. Und um eine Systematische zu minimieren bedarf es nun mal Maßnahmen über die Norm hinaus. Es ist nicht ideal, aber ggf. notwendig.

Nicht jede Diskriminierung ist eine systematische Diskriminierung. Die Reaktion sollte also angemessen sein. Es gibt genug Idioten und nur weil ein Idiot etwas Idiotisches macht, kann jedesmal die mediale und juristische Maschinerie anlaufen. Vor allem hat dieser Idiot nicht den geballten Zorn der Gesellschaft verdient. Er hat halt einen Fehler gemacht.. manchmal wird daraus direkt eine Hexenjagt. Wenn allerdings viele Idioten viele organisierte idiotische Dinge machen, dann ist es eben etwas anderes.

Schuhmann
12 Tage zuvor

Ja, das mag für deinen Fall sicher gelten. Aber wenn man sich anschaut, wie andere Teile der LGBTQ-Community behandelt werden, gerade Trans-Menschen, gilt das sicher nicht für jeden.

Wir hatten vor einigen Wochen einen Artikel über eine transsexuelle Streamerin, die dann in den Sicherheitsbeirat von Twitch gewählt wurde. Das hat in den Kommentaren dann keinen Spaß gemacht.

Bei Schwulen: Wir haben 2020, wir hatten einen schwulen Außenminister und Vize-Kanzler. Klar hat sich das geändert. Aber das ist ja nicht einfach so passiert. Ich denke, jeder, der älter als 30 ist, wird auch wissen, dass es da auch andere Zeiten gab, wo „schwul“ am Schulhof als Schimpfwort genutzt wurde.

Heute ist es ja auch noch einigen Ländern so, dass „schwul sein“ einfach verboten ist.

Ich finde es schon wichtig, dass man das Thema behandelt. Ich find’s wichtig Leute mit Sachen zu konfrontieren, die außerhalb ihrer Comfort Zone sind. So entsteht dann langsam ein Bewusstsein dafür und damit auch Akzeptanz. Wenn man Sachen einfach totschweigt und ausklammert – dann passiert nie was Gutes, glaube ich.

Wir behandeln auf MeinMMO diese Themen selten und wenn dann meist negativ. „Transsexuelle LoL-Spielerin stirbt mit Anfang 20 nach furchtbarem Drama“ – „Transsexuelle wird angefeindet“ – ich finde es da wichtig, das Thema auch mal anders aufzugreifen.

Ich kann total verstehen, wenn wer sagt: Das Thema sollte nicht explizit behandelt werden, weil es alltäglich sein sollte. Die Diskussion hatten wir in der Redaktion auch. Wir haben auch nur einen Artikel dazu und nicht wie ursprünglich angedacht mehrere, einfach auch, weil es in einigen anderen großen MMORPGs kaum LGBTQ-Figuren gibt.

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