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Final Fantasy XIV: Housing – Soziale Schere klafft auseinander

Haus - Statussymbol für einige oder Grundrecht für jedermann?

In Final Fantasy XIV treffen Weltanschauungen aufeinander. Es geht um Häuser und Besitz. Eine Werte-Debatte in einem MMORPG, die weit von der „heilen Welt“ weg ist, die Publisher gerne zeichnen.

Es sind erstaunliche Themen für ein MMORPG:

  • Sollte jeder Spieler ein Haus haben?
  • Oder sind Häuser nur etwas für die Super-Reichen?
  • Wen will ich in meiner Nachbarschaft: andere Super-Reiche oder auch Normalos?

Final Fantasy XIV: Status-Symbol Haus

Häuser in Final Fantasy XIV sind nicht notwendig, aber nett. Sie sind Statussymbole. Man kann sie dekorieren, Leute einladen und zeigen, was man hat, ein bisschen „Die Sims in Eorzea“ spielen. Gerade für Rollenspieler sind Häuser wichtig und für Menschen, die Wert darauf legen, dass es ihren Charakteren in einem MMORPG gut geht.

Aber diese Häuser gibt’s nicht kostenlos, sondern die sind relativ teuer. Man muss ackern, um sich eins leisten zu können.

Dazu kommt: Bei Final Fantasy XIV ist die Wohnsituation so vertrackt wie in München oder Köln. Der Bedarf an Wohnraum ist höher als das Angebot – gerade auf den populären Servern.

Mit Stormblood spitzt sich Wohnungsnot zu

Das ist schon lange so, durch eine Reihe von Zufällen ist der Konflikt nun hochgekocht. Denn durch die Erweiterung Stormblood waren die populären Server so überlaufen, dass Square Enix Gratis-Transfers auf kleinere Server angeboten hat.

Das nahmen dann einige an – auch mit der Idee „Hey, auf diesen unpopulären Servern sind ja noch Häuser zu haben!“ Aber auch da waren dann schnell die Häuser weg und Neuankömmlingen fanden sich obdachlos wieder. Dann fiel ihr Blick auf zwei Spieler, die gemeinsam 28 Häuser besitzen.

Die hatten sich schon vorher auf dem Server Mateus ihr eigenes Wohnviertel, ihre Nachbarschaft, zusammengekauft, um da ihrem Hobby nachzugehen: Häuser zu besitzen und zu dekorieren. Die machen das gerne.

An dieser Situation ist ein Konflikt entbrannt, der klar etwas Politisches hat.

Snobs vs. Faulenzer?

Die einen sagen: Das ist doch total egoistisch von Euch, Ihr nehmt da Leuten die Möglichkeit weg, ein Haus zu haben. Dabei zahlen sie dieselben 12€ im Monat wie Ihr. Ihr braucht doch nicht 28, gebt doch Häuser an die ab, die keins haben.

Die sagen jedoch: Wir haben für die 28 Häuser gearbeitet. Die sind uns. Ihr müsst akzeptieren, dass Ihr nicht alles haben könnt, was Ihr wollt. Wir sind extra auf diesen Server gekommen, weil der leer war und wir keinen stören. Ihr müsst akzeptieren, dass andere es mehr wollten als Ihr und daher härter dafür gearbeitet haben und es auch mehr verdienen.

Das halten die Gegner für eine total elitäre und snobistische Haltung: „Ihr wollt also keine Armen in Eurer Nachbarschaft!“

Die Hausbesitzer sagen: Wir haben keinem was weggenommen, diese Grundstücken waren auf Jahre leer. Außerdem: Nicht jeder kann alles haben. Wenn ich nicht raide, krieg ich auch keine Raid-Mounts. Das Hausbesitzer-Paar ist nicht bereit, sich von ihren Häusern zu trennen. Da hängen Erinnerungen dran, etwa an die wertvolle Zeit, die sie miteinander dort verbracht haben.

Interessen prallen auch in MMORPGs aufeinander

Eine politische Debatte wie aus dem Lehrbuch. Verschiedene Interessen prallen aufeinander.

Die US-Seite Kotaku berichtet über den Konflikt und hat auch Square Enix danach befragt. Die ziehen sich auf eine recht bequeme Position zurück: „Eigentlich ist es nur möglich, ein Haus pro Charakter zu besitzen“ – diese Limitierung scheint aber leicht umgangen werden zu können.

Langfristig will Square Enix dem Spiel weitere Wohnfläche hinzufügen, aber aktuell ist die Lage kritisch.

Weit weg von heile Welt

Mein MMO meint: Das ist weit weg von „heile Welt“ und „gemeinsam Abenteuer erleben“, dem Bild, das Square Enix gerne selbst von Final Fantasy XIV zeichnen würde.

Es ist interessant, welche Auswirkungen solche Design-Entscheidung auf lange Sicht haben. Sie prägen das Miteinander in einer Community.

Die Menschen, die MMOs spielen, bringen dieselben Konflikte und Probleme mit, die sie auch in der „echten Welt“ hätten. Wenn’s daran noch Zweifel gab, sollten die nach dieser Housing-Debatte beigelegt sein. Bittere Erkenntnis: Die soziale Schere zwischen denen, die haben, und denen, die nicht haben, klafft weiter auseinander.

Warum sollte es in MMORPGs anders sein als in der echten Welt? Es sind ja auch die gleichen Menschen.


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