MMORPGs wie WoW waren früher besser, weil sie uns alle gleichgemacht haben

MMORPGs wie WoW waren früher besser, weil sie uns alle gleichgemacht haben

Waren MMORPGs früher wirklich besser? Ja, findet MeinMMO-Dämon Cortyn, denn damals war jeder im Spiel gleich – und heute nicht mehr.

Immer mal wieder hört man die Diskussion, dass MMORPGs ja früher besser waren. Die Spiele von damals haben mehr Spaß gemacht, hatten mehr zu bieten, waren irgendwie sozialer, nicht so „casualisiert“ und die Entwickler waren noch mit Herzblut bei der Sache.

Heute ist das natürlich ganz anders. Es macht keinen Spaß, es gibt nichts zu tun, alle benehmen sich wie die Axt im Walde, alles ist superleicht und die Entwickler sind alles gierige Profit-Monster, denen nur noch ihr Götter namens „Aktionäre“ wichtig sind.

Ihr kennt dieses Gelaber. Darauf gebe ich nicht sonderlich viel, weil es sich nicht mit meiner Wahrnehmung deckt und oft einfach viel Bitterkeit der Auslöser ist.

Aber trotzdem gibt es für mich einen Aspekt, der damals sehr bedeutend für Spiele wie World of Warcraft war und heute verloren gegangen ist. Etwas Essenzielles, das neue Spiele im Grunde gar nicht mehr haben. Und das hat mit Mikro-Transaktionen und jeder Menge realem Geld zu tun.

Ich weiß, ich weiß. Das könnte jetzt ganz leicht in ein „Früher war alles besser“ abdriften, wo ich mit dem Krückstock wütend den Kids mit ihren Pre-Order-Season-Pass-Premium-Deluxe-Mount hinterherrenne. Aber das will ich gar nicht.

Ich habe mir einfach mal ein bisschen Zeit genommen und nachgedacht, warum ich heute spiele und warum ich es damals getan habe.

Mein Hauptbeispiel ist hier World of Warcraft, weil mich das seit fast 2 Jahrzehnten begleitet, aber was mir aufgefallen ist, betrifft auch die meisten anderen Spiele.

13 € machten damals alle in WoW gleich

Als ich damals auf dem Realm „Die Ewige Wacht“ in meine erste Raidgruppe kam, war es auch das erste Mal, dass ich mit so vielen unterschiedlichen, fremden Leuten im TeamSpeak war. Eine bunte Truppe von über 40 Leuten, durch alle sozialen Schichten hinweg, aus allen möglichen Lebenslagen und aus allen Altersklassen.

Und doch waren wir alle gleich.

Diese Gleichheit kostete etwas – genau 13 Euro im Monat für ein Abonnement.

  • 13 Euro machten aus einem gestressten Familienvater unseren zuverlässigen Nachtelfen-Tank.
  • 13 Euro machten aus aus fleißigen Informatik-Studenten unseren etwas zu energischen Feuer-Magier.
  • 13 Euro machten aus dem extrovertieren Arbeitslosengeld-Empfänger den freundlichen Druiden-Heiler, der alle Fähigkeiten mit RP-Makros belegt hat.
  • 13 Euro machten aus dem Abteilungsleiter den etwas verpeilten Zwergen-Priester, der nie den Furcht-Schutz richtig setzt.
  • 13 Euro machten aus dem leicht bekifften Millionärssohn einen (noch immer leicht bekifften) Gnom-Schurken, der immer aus Versehen pullen musste.

Für 13 Euro im Monat waren wir ein Team. Für 13 Euro konnte jeder sein reales Leben zurücklassen und in die Spielwelt fliehen, um für ein paar Stunden pro Abend exakt gleichbedeutend mit allen anderen zu sein.

WoW Humans fmale male mage warrior unite title
Eine bunte, irre Truppe. Und alle waren gleich – zumindest im Spiel.

Egal wie erfolgreich wir im Beruf waren – im Spiel waren wir gleich

Mir ist vollkommen bewusst, dass es natürlich keine reale Gleichheit im Spiel gab – immerhin hatten verschiedene Menschen unterschiedlich viel Zeit, die sie in das Spiel investieren konnten. Aber jeder war exakt das, was er oder sie sich im Spiel verdient hatte. Es war ein eigener, abgeschiedener Kosmos.

Und das war ein wunderbarer Ort. Wir waren Spieler:innen aus allen Schichten der Gesellschaft. Es war egal, was wir im „echten Leben“ waren und wie erfolgreich wir dort waren, welchen Beruf wir hatten oder welche Kleidung wir uns leisten konnten. Denn im Spiel zählte nur das, was es im Spiel zu tun gab. Es war losgelöst von der realen Welt.

In einer realen Welt, in der die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinander klafft, ist das natürlich ein schwacher Trost und behebt keine realen Probleme – das ist mir vollkommen klar. Aber alleine die Existenz eines Rückzugsortes, einem Ort der (gefühlten) Gleichheit, wo jeder die gleichen Chancen hatte … das war so unglaublich viel wert.

Wenn ich heute in die Nachrichten schaue, werde ich unzufrieden. Pandemie, Krieg, Inflation, zunehmender Rassismus, soziale Ungerechtigkeit, Klimawandel. Es ist erdrückend und es sind alles wichtige Themen, mit denen man sich früher oder später auseinandersetzen muss. Doch das geht nicht immerzu, das nimmt nur noch mit.

Da sehne ich mich mehr als je zuvor zurück nach einem Spiel, das uns alle „gleich“ gemacht hat in den Startvoraussetzungen. Ein Spiel, das Realitätsflucht anbietet, für Tausende Stunden begeistert und dabei nicht irgendwo noch zusätzlich zur Kasse bittet, sodass man der ganzen Welt mit funkelndem Sternenpony zeigen kann, dass man „im echten Leben“ mehr Geld auf dem Konto hat.

Ich hasse die Idee: Statt Gold im Spiel zu farmen, kann ich auch einfach arbeiten gehen und mir Gold kaufen

Ich bin – und das meine ich vollkommen ernst – nach wie vor der Meinung, dass World of Warcraft in seinem aktuellen Zustand nicht Pay2Win ist. Auch wenn man Echtgeld zu Gold und Gold wiederum zu Ausrüstung oder Boosting-Runs umtauschen kann, gehört noch immer eine Menge Können dazu, ein guter WoW-Spieler oder eine gute WoW-Spielerin zu sein.

Vielleicht bist du mit gekauftem Equipment der King of LFR, aber in Mythisch+15 oder heroischen Raids hilft dir dann doch nur Spielerfahrung und fleißiges Lernen der Mechaniken. Zumal der wirkliche „Win“ in World of Warcraft es auch ist, eine freundliche Gruppe zu haben, mit der man Spaß hat und nicht den dicksten Balken auf dem Damage-Meter (auch, wenn der manchmal gut tun kann)!

Dennoch verfluche ich, dass es diese Möglichkeit in World of Warcraft gibt, sich Gold für echtes Geld zu kaufen.

Selbst wenn ich mit einem zweistelligen Millionenbetrag so viel Gold besitze, dass ich wohl für die nächsten Erweiterungen ausgesorgt habe, hasse ich es.

Ich hasse es, dass es diesen Gedanken in meinem Kopf gibt: „Anstatt Gold im Spiel farmen zu gehen, kannst du auch einfach einen Artikel für MeinMMO schreiben und dir davon das Gold kaufen. Das geht viel schneller.“

Ich kauf mir kein Gold für echtes Geld, weil ich nicht muss und nicht will. Aber für Leute ohne Gold, ist dieser Gedanke verlockend. Und exakt das führt mich wieder zu dem ursprünglichen Problem zurück:

Das reale Geld hat eine Auswirkung auf das Spiel.

Diese Verbindung, selbst wenn ich sie nicht nutze, bricht für mich einen Teil der Immersion. Es führt ganz unweigerlich zu einer Verbindung, dass dein Kontostand im realen Leben Auswirkungen auf das haben wird, was du im Spiel bist.

WoW Gold Goblin in Bank titel title 1280x720

Spiele sollen in sich abgeschlossen sein – Es darf nichts von außen eindringen

Wenn ich ein Spiel spiele, dann will ich, dass das ein abgeschlossener Kosmos für sich ist. Ich will, dass nur Taten im Spiel Auswirkungen auf das Spiel haben. Ich will nicht, dass Bernd der Bankberater „mehr“ im Spiel sein kann, weil er Geld auf den Tisch knallt. Ich will nicht, dass Diablo-Dieter durch den Besitz eines ganz anderen Spiels wegen einer Cross-Promotion ein Pet bekommt, das es auf andere Weise nicht gibt. Und ich will nicht, dass PvP-Peter einen besonderen Titel hat, weil er auf YouTube ein Turnier verfolgt.

Ich will im Spiel nichts an Inhalten haben, die mich an jeder Ecke daran erinnern, dass es eine Welt außerhalb des Spiels gibt, in der ich Dinge tun und machen könnte, die mir dann im Spiel Vorteile oder Besonderheiten verschaffen.

Man stelle sich das mal bei Brettspielen vor.

Da gibt’s bei „Dämon ärgere dich nicht“ dann nicht mehr nur die roten, gelben, grünen und schwarzen Figuren, sondern für die reiche Spielerin auch noch die Premium-Funkel-Glitzer-Deluxe-Figuren, die jede gewürfelte 6 bejubeln und blinken, wenn sie aufs Zielfeld treten.

Da gibt’s bei Monopoly (Auto ist die beste Figur, nur so am Rande) dann nicht mehr die den finanziellen Ruin bringende Schlossallee, sondern ein Spieler hat die Regenbogen-Disco-Schlossallee, die zwar spielerisch den gleichen Effekt hat, aber eine holografische Karte mit Laser-Projektion an die Decke ist, die immer am Himmel anzeigt, wie viel der arme Tropf bezahlen muss, der mit seinen vergilbten Papp-Karten von der Badstraße und dem Wasserwerk spielt.

Nichts davon macht das Spiel an sich unfairer und doch würde es das Gefühl von Ungleichheit verstärken.

Wenn ich also für mich zurückdenke, warum MMORPGs „früher besser waren“, dann ganz eindeutig, weil sie mir für einige Stunden eine vollkommene Flucht vor der Realität verschafft haben und dabei gleichzeitig soziale Kontakte boten, wenn man die denn wollte.

Noch heute kann ich für Stunden in solche Welten fliehen, aber der Zauber ist deutlich schwächer geworden, weil mir die Spielwelten an jeder Ecke sagen: Schau, die Magierin da vorne hat 60 € mehr bezahlt, und der Priester dahinten hat 40 € im Cash-Shop gelassen.

Ich will diese Welt zurück, in der allein die Abo-Gebühren uns alle gleich gemacht haben und eine perfekte Realitätsflucht ermöglichten. Und dass das niemals wieder kommen wird, ist vermutlich auch der Grund, warum mich das Thema traurig macht.

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Majora

Ich weiß nicht wie Alt der Autor ist, aber er oder sie verwechselt Gleich sein mit Gleichberechtigt und Gleichbedeutend, sprich Gleichwertigkeit. Der Gnom war ein Gnom der Nachtelf ein Nachtelf usw da ist nichts gleich. Aber ihr wart alle gleichermaßen wichtig in der Gruppe, in der ihr euch bewegt habt, hätte einer gefehlt hätte es nicht funktioniert. Es war keine Gruppe wo alle bis zum Hautton gleich waren.

Das Zweite Problem was ich mit dem Text habe ist, dass zu anfang alle Gründe und Argumente anderer Disqualifiziert werden und nur der eigene Grund gewicht über allen anderen Gründen erhielt. Abgesehen davon das Gleich und Gleichwertig in einen Topf landen, nach dem Motto Jeder Apfel ist Obst also ist alles Obst auch Apfel. Wird Nostalgisch der Gleichheit hinterher geträumt, während allein das Disqualifizieren der anderen Argumente signalisiert, dass es mit der Gleichheit wohl doch nicht so genau genommen wird.

Das Problem von MMORPG ist, dass sie mehr und mehr an Endgame Inhalten verloren haben oder aber in immer den „Gleichen“ abständen, neue Gebiete Releast haben was mit erhöhung des Lvls einherging und mit Entwertung von allem an Ausrüstung was man sich innerhalb des Endgames erarbeitet hat. Um so öfter das wiederholt wird, um so mehr leute sagen sich, wozu das ganze wenn ich es eh später wegwerfen kann weil das Gear das ich mir jetzt erarbeiten kann, mit dem neuen Update eh nicht mit dem Gear dann mithalten kann.
Also ist das Große Problem der Games Heute wie vor 10 Jahren, im Online bereich wohlgemerkt, dass sie immer Unfertig veröffentlicht werden, was es bei Konsolen Games nicht gegeben hat, da kam nach Final Fantasy 1 kein Update sondern Final Fantasy 2 dann 3 dann 4 usw. Man fühlte sich weniger Verarscht. Und Jetzt ist es normal das entwickler die Frechheit besitzen da noch Lootboxen oder Gacha Elemente einzubauen, wie etwa bei Genshin Impact, wo noch Druck durch Künstliche Zeitbegrenzung für Charaktere gibt, welche nochmal künstlicher verknappung unterliegen, wo niemand einen Verlust dadurch hätte, wenn die Chancen zumindest etwas besser stünden für die breite Masse. Ich weiß Genshin Impact ist kein MMORPG aber es ist ein Online Multiplayer Role Playing Game, welches im Grunde eine Solo Game ist was keinen Online Zwang benötigen würde, es aber mit dem Vorwand von einem an allen Ecken und enden beschnittenden Multiplayer Modus, von jedem Spieler vorraussetzt. Ergo ist es kein richtiges MMO und auch kein richtiges RPG. Ich spiele das spiel hin und wieder gerne, aber je länger man es spielt, um so weniger sinn macht es und um so mehr dinge fallen auf, die falsch laufen.

Das Selbe ist es doch auch bei WOW, ich hab es selbst bis Myst of Pandaria gespielt, als dann die nächste Erweiterung angekündigt wurde und ich noch im aufbau meines Charakters war, sagte ich mir einfach nein Danke! Ich zahle Monatlich um immer wieder von vorn anzufangen? Muss die Erweiterung dann noch mal zusätzlich bezahlen und komm da am ende eh nicht auf ein Niveau mit den anderen spielern, da kann ich mir auch Free to Play MMO’s suchen, denn da bezahl ich immerhin nicht dafür um nicht voran zu kommen.

Dann gings los mit Flyff, Nostale, Metin2, Blade and Soul, Grand Fantasia, Aura Kingdom usw. Einige Games waren ihr Geld echt wert (Lach). Nostale und Aura Kingdom spiele ich heute noch ab und zu, nur haben sich alle games in reinste Cash Monster verwandelt oder wurden mit Internationalen Servern gemergt, wo man keinen mehr kannte und sich mit schulenglisch durchgestottert hat, dass man das Spiel dann eher gemieden hat.

Heute Schau ich gerne Anime und bekomme mehr und mehr den Eindruck, das die meisten Anime nur dazu dienen, hinterher Gacha Games für Smartphones draus zu machen. Googleplay ist überschwemmt von Gacha klonen, dass man sich wenn man mal schauen will was es so neues gibt, echt überwinden muss, eine Nadel im Heuhaufen zu suchen. Das diese Games trotz ihrer überwältigenden Masse immer noch beliebt sind, ist der Beweis dafür, dass Wow nicht wegen den ganzen anderen MMORPG so unbeliebt wurde welche in Reaktion auf den Erfolg von WOW nach und nach zu uns kamen. Wäre dem so, wäre die Playstores oder Steam schon ausgestorben.

Kjtten

Ich weiß ja nicht… Ich kann deine Beschreibung schon nachfühlen, aber diese Ungleichheit gab es seit Anfang meiner WoW-Zeit schon immer, seien es die BlizzCon-Pets oder TCG-Mounts oder Collector’s Edition-Inhalte.

Vielleicht ist es am Ende doch nur verklärte Nostalgie, der nicht wiederzuerlangende Charme und Reiz des Neuen, der uns heute auf eine „so andere“ Zeit zurückblicken lässt, obwohl es rational betrachtet gar nicht so viele Differenzen gab.

lrxg

Ich kenne das Gefühl, was du beschreibst. Aber diese Zeiten werden definitiv nicht wieder kommen. Dafür braucht man zwingend ein Abo-Model.

Selbst wenn eine Entwicklerfirma ein faires MMO veröffentlichen will, wo garantiert ist, dass 100000 Spieler im ersten Monat ein 15 Euro Abo abschließen und mindestens ein halbes Jahr dabei bleiben: Wieviel Umsatz kann man damit im Vergleich zu einem Titel wie Diablo Immortal machen, der schon die 100 Mio. durchbrochen hat?

Solange Walfang lukrativer ist als ein faires Geschäftsmodell werden die Spiele auf Walfang optimiert. Das wird erst enden, wenn die Ingame Cashshops Regeln zur Suchtkontrolle erfüllen müssen, wo endloses Geldausgeben limitiert wird. Das wird aber so schnell nicht passieren. Zu lukrativ, zu viele Länder usw.

Daniel

Früher war das Erfolgserlebnis einfach größer wenn man etwas geschafft hat. Lag vielleicht daran dass alles noch neu und aufregend war oder weil man merkt daß die Entwickler noch mit Freude bei der Arbeit waren.
Wenn heute ein MMORPG raus kommt dann weiß man schon genau was zu tun ist und welche Belohnungen man bekommt und optisch ist alles gleich, egal wie innovativ es sein möchte.

Selbst denken fällt bei den meisten spielen auch flach weil einen alles vorgekaut wird, wo bleibt da der Reiz, wenn ich noch nicht einmal selbst Herausfinden darf wie ich meinen Charakter bewege.

WoW habe ich selbst nie gespielt, bei mir waren es Flyff, perfect world und auch Everquest. Flyff und PWI zocken ich auch heute noch immer wieder Mal und sie machen tatsächlich noch immer mehr Spaß als jedes moderne MMORPG.

Ich weiß aber auch das die heutigen Ideen der Entwickler, durch die oberen, meist Aktionäre, ausgebremst werden.
Habe es selbst schon gemerkt daß der Chef hinter einem steht und fragt wann man fertig ist, weil Mister 20% Anteil morgen zum Essen kommt.
Und 5 Minuten später wird die Deadline von nächste Woche auf gestern verschoben. Und schon sind wieder 3 wichtige Funktionen gestrichen.
Dabei sind wir Entwickler am Code genau die Leute welche die besten Ideen haben weil wir uns Tag täglich damit befassen und den ganzen Umfang des Spiels im Kopf haben.

Ich bin eh kein Fan von Aktiengesellschaften, klar bringt es der Firma viel Geld aber die Kunden bekommen danke der Gierigen Aktionäre nur das minimalste vom minimalsten.

Aldalindo

hm eigentlich mag ich Deine Artikel sonst…hier wird mir etwas zu viel romantisiert und an der Realität des Menschseins vorbei gesehnsuchtet…warum funktioniert classic den nicht? Warum wird da geboostet zu Tode? sollte doch Deine „heile“ Welt sein, weil alle „bösen“ mechs ausgeschaltet sind …ist aber nicht so (selbst in Gilden nicht)…
und sorry dieser fast schon mystische Wunsch den Menschen irgendwo „gleich“ zu machen ist mir irgendwie schon immer recht fragwürdig und funktioniert eben höchstens mal zeitweise in einem ganz abgeschotteten Rahmen…
ich will diese Gleichmacherei nicht mal in einem Game und steh auch völlig dazu…dann hab ich halt das glitzer Pony, weil ich eben anders bin als du …na und? In FFXIV könnte ich mir auch tolle Mounts im Shop kaufen und würde es auch 😋, wenn mir eins gefiele…Flieg mit meinem erspielten Druideneinhorn rum…das ist halt Individualität und ich finde es prima…
Zurückwünschen in eine ach so „bessere“ Vergangenheit…ist auch nix für mich…wenn mir eines klar geworden ist: es gibt nichts besseres als stetige Verwandlung; auch in WOW (um mal vom Philosophischen wegzukommen) haben all die Versuche dazu geführt, dass wir mit 10.0 nun wirklich ein richtig ausgereiftes Wow bekommen…

Misterpanda

Habe genau die gleichen Erfahrungen gemacht. Wenn man in einer netten Gruppe im MMO ist, hat man eine Art Blase um sich rum, in der Einflüsse von außen eher stören. Gold hat mich noch nie interessiert, aber es ist offensichtlich alles angepasst worden an die heutige „Alles muss schnell gehen und schnell verfügbar sein“ Mentalität, die leider viel zu viele der mittlerweile Hauptzielgruppe Gamer entwickelt haben. Vielleicht sollten wir alten Motzer hier ne Gilde gründen und es einfach wieder wie früher machen 😅😏

Keupi

Oft haben wir unterschiedliche Meinungen. Heute aber möchte ich Dir vollkommen zustimmen. Ein MMORPG sollte in sich geschlossen funktionieren. Es braucht auch kein Weihnachten in MMORPGs. So ein Spiel sollte ein eigener Kosmos sein. Am meisten stören mich aber tief ins Spielgeschehen eingebaute Shops, Feste und Verbindungen zu Youtube inklusive Kosmetics aus anderen Spielen.

K

Also ich hab mir schon öfters ne Marke gekauft genau aus den Grund. Früher war ich Student und hab mir das Gold einfach gefarmt durch sammeln oder boost runs. Heute bin ich beruflich eingebunden und bin Familienvater. Meine Zeit ist stark begrenzt und ich bin meistens von 22 bis 24 Uhr on wenn Frau und Kind schlafen. Dann gehe ich mit fester Gruppe m+ oder wenn der raid raus ist auch Mal raiden.
Also bin durch Reparaturen/ Verzaubern/ leggy und buff food / flask eig immer Arm. Anfang des Saison brauche ich ca alle 6 Wochen eine Marke.
Für mich die Möglichkeit den content zu nutzen / zu spielen.

T.M.P.

Oder man könnte statt 7 tage die Woche zu raiden einfach mal 1-2 Stunden Dailies machen oder Kräuter für die Flasks sammeln, wie es bei MMORPG üblich ist. Wenn man denn mit den Drops aus den Dungeons nicht auskommt.
Oder ist WoW etwa so viel teurer geworden? Klar, das das AH teurer wird wenn alle gekauftes Gold verprassen wäre nicht verwunderlich. Hat Blizzard dann ja gut hinbekommen. Würde mich allerdings auch nicht stören, ich war immer Selbstversorger.

K

Jo genau. Jo hätte auch keinen Stress mit, wenn ich 7 Tage die Woche Zeit hab. Meistens sind es aber sonntags und Mittwoch ein Tag a 3 Stunden. Und da stimmen wir uns mit alten Freunden und Kollegen ab und gehen raiden und m+, weil das mir an wow am meisten Spaß macht.
Sind ca 6 flask pro Woche + verzaubern neues Gear + buff food. Das geht eigentlich mit den daily Truhen wenn ich Mal dazu komme.
Das schlimme sind die leggys für zwei Chars a zwei Specs. Wie soll man sich das als Spieler leisten?
Da bin ich immer Dauer pleite ohne Marken. Ist glaube ich aber auch gewollt so. 🙃

T.M.P.

Ah, dann hab ich dich falsch verstanden =)
Ich dachte mit „meistens“ meinst du fast jeden Tag^^
Das klingt in der Tat etwas stressig, aber den Druck macht ihr euch da anscheinend auch ein bisschen selbst.

N0ma

Seh ich genauso. Die Entwicklung ist leider bedauerlich. Änderungen seh ich da nur bei kommenden Indie MMO, aber auch nicht bei allen.

Sanco

So siehts aus!

justus

ganz schön naiv zu denken, dass damals die leute nicht schon reihenweise gold gekauft haben. es waren nie alle gleich, alles nur eine illusion.

Threepwood

Ist zwar weit hergeholt, weil Schwarzmarkt hast du in nahezu allen Bereichen des Lebens und würde Debatten über das eigentliche Thema grundlegend überflüssig machen.
In Classic wusste man ziemlich schnell wer RMT nutzte. Boosting erlebte seine Blüte durch offizielles RMT. Aber ja, das war und wird ein Problem im Genre bleiben. Gear allein regelt in den meisten MMORPGs aber nicht alles, daher ist das noch der harmloseste Punkt.

Die meisten Spiele fühlen sich heute erst (für den Moment) komplett an, wenn du alles mit 5 weiteren Accounts und Abos verknüpfst, am besten noch Promo von super gesundem Gamergesöff mitnimmst, Likes auf FB, Twitter und IG verteilt hast, während du nebenbei als afk-Zuschauer bei Twitch Minuten grindest.
Bis zum nächsten krassen Drop im nächsten Monat. Komplett irre. 😄

Alex

Omg der Artikel spricht mir so aus der Seele 🙁 deswegen spiele ich so gerne Classic, weil da ist das Gefühl noch da! Außer dieses doofe BC Mount aber das kann man grad noch übersehen…

Stilgar

Danke, Du hast den Nagel auf dem Kopf getroffen.

Das ist genau das was ich mit der Wowsierung meine, immer mehr mehr …

Das sieht man in grossen Firmen genauso. Chefs schauen immer nur bis zum nächsten Quartal / Jahresabschluss wenn Boni Zahltag ist – und wenn es dann nicht passt oder die Firma gegen die Wand fährt dann ziehen die Heuschrecken weiter..

Threepwood

Dankeschön für den tollen Artikel, lesenswert wie immer. Ich finds auch cool, dass du inklusiv schreibst.

Vor allem Vergleiche mit Brettspielen oder Pen&Paper machen deutlich, wie schräg sich MMORPGs finanzieren und sich vom Grundgedanken des gleichgestellten Miteinanders entfernen. Klar, sowas wie Warhammer Tabletop und weitere machen ebenfalls sehr deutlich, wer im RL mehr Geld hat, oder regelmäßig den lokalen Nerd-Laden und GW-Laster überfällt. In der Praxis hat das aber weniger Auswirkungen, als die unterschiedlich gefüllten Vitrinen und Regale vermuten lassen.

Dennoch merke ich nach über 20 Jahren MMORPGs auch, dass es dem Genre und den Spielen Pioniergeist und echter Nerd-Enthusiasmus gut getan hat. Die Studios und Devs selbst vermittelten Begeisterung, den Sprung von P&P und TT ins Digitale zu schaffen. Spiele hatten irgendwie Seele.
Es lässt sich heute nicht mehr weg- und schönreden, dass vor allem online und MP-Spiele, bis in teils tiefste Spielsysteme/ -konzepte hinein um einen Shop, um Umsatz herum designt und gebaut werden.
Jetzt kann man natürlich sagen, dass F2P an sich ebenfalls eine Gleichheit förderte, 13€ Abo haben auch Menschen ausgeschlossen – selbst Spiele-Sozialismus hat eben auch niedrigschwellige Grenzen.
Für das Genre und die Spiele (nicht die Konten!) war es aber ein schlechter Tausch, bloß, damit Spieler 10-20 MMORPGs auf der Platte haben und ihre Karriere als ungebundene Heuschrecke starten konnten.

Ich war immer Freund vom Abo und gegen F2P. Gern an die Gegenwart mit höheren Preisen angepasst, damit Studios auf Shops verzichten können und sie sollen auch Kohle machen. F2P hat im Westen ekelhafteste Wirtschaftspsychologie forciert, gefördert und schlussendlich die Tore für schamloses Ausnutzen menschlicher Schwächen geöffnet. Unregulierter Goldrausch. In regelmäßigen Abständen wird die Shop-Akzeptanz der Nutzer ein Stück weit verschoben. Neue Buzzwords wie Pay2Convinience als Gegenoffensive zum P2W in die Köpfe gehämmert. Und es funktioniert. Auch weil jüngere Spieler direkt mit diesem Schrott aufwachsen und es als normal empfinden. Kritik wird dann pauschal als „altes Gelaber“ abgetan.

Nahezu jedes Spiel ist mit weiteren Plattformen, extra Abos und Co verknüpft. Für weitere Extras, die eigentlich nur zeigen, was für ein Opfer derjenige ist. 😄
Die Spielemechaniken, Grafik und all das können heute so grandios und gleichzeitig so ätzend wie nie sein. Verrückt.

Threepwood

Ja sowas kenne ich auch noch aus der Allianz, in 2 von den 4 Gilden waren wir aber auch echt eng und sehr persönlich. Digitale Familie und Freunde im Kern.
Zusammenlegen im Forum fürs Abo, Graka irgendwo kaputt, wer hat noch eine…Samstag ist Raid!!11, selbst ein Laptop machte mal die Runde – war so semi…weil selbst auf dem Klo geraidet wurde. „Alter, was hallt das so bei dir?“ > „Keeeeine Ahnung?*piesel*“

Als ich anfing hatte ich kein Mikro und die Gilde hat mir dann ein Headset zugeschickt, als wir merkten, wir verstehen uns und wollen quatschen. Frisch ausgelernt, keine Kohle. Ich war völlig verwirrt von dieser Nettigkeit.
Sämtliche soziale Schichten waren vertreten und wären im RL unter Garantie nie miteinander in den Austausch gekommen. Irre Erfahrung.😄

Misterpanda

Sehr schön gesagt – Früher hatten Spiele irgendwie mehr Seele.

Huehuehue

Für weitere Extras, die eigentlich nur zeigen, was für ein Opfer derjenige ist

Eigentlich, soll es das Produkt über möglichst viele Kanäle möglichst vielen potentiellen Kunden attraktiv präsentiert werden (unter Anderem nach dem Prinzip:“Wo Tauben sind, fliegen Tauben zu“ – „wirkt“ das Spiel, als wäre es für viele attraktiv, dann wird es für viele attraktiv). Und eigentlich sollte jeder Kunde davon profitieren, denn es sorgt, in MMOs für eines, nein, für das allerwichtigste von allem: Mitspieler.

Kuba

Ich habe einen Kritikpunkt an dem Artikel:
Wir waren nie alle gleich aus einem Grund: manche hatten mehr, manche weniger Zeit zum investieren um weiter voranzukommen, Gear oder Skilltechnisch.
Ich will nicht damit sagen dass das schlecht ist, es ist aber einfach der grösste Faktor welcher für mich entscheidend ist dass nicht alle gleich sind und sein können.
Damit schliesse ich nicht aus dass eine der beiden Parteien mehr oder weniger Spass hatte am Spiel.

Zuletzt bearbeitet vor 15 Tagen von Kuba
Kuba

Oh entschuldige bitte, ich habe den Artikel wohl nicht ganz aufmerksam gelesen.
Du beziehst die Gleichheit auf den eigenen „Kosmos“.

Zuletzt bearbeitet vor 15 Tagen von Kuba
T.M.P.

Ja, mit „Gleichheit“ meint man ja eigentlich genau das. Willst du was erreichen musst du Zeit investieren und Talent haben um ein Skilllevel zu erreichen.

Wenn ich nur am Wochenende Darts spiele, dann spiele ich halt gegen andere auf Kneipenniveau um Spass zu haben. Das ist doch ok.
Muss ich mich denn bei einer Weltmeisterschaft „einkaufen“ indem ich für 10.000 Euro das Stück Extra-Darts dazukaufe? Klar könnte ich dann mit den Besten mithalten, sie sogar besiegen, aber hätte das irgendeinen Wert? Und würde es mehr Spass machen?
Das wäre doch nur Blendwerk, und eben nicht meinem Können entsprechend.

Ein Spiel sollte natürlich so designt werden, dass auch die Gelegenheitsspieler Spass haben können. Zum Beispiel mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden und ohne unfaires Open PvP bei dem man, ohne sinnvolles Gameplay, von viel Stärkeren eingestampft wird.
Aber sowas wird ja teilweise mit purer Absicht genau andersherum gehandhabt.

Xpiya

Aber aus der Menge an Zeit die man investiert ergibt sich deine Spielgruppe und in der sind dann alle wieder relativ gleich.

der 24/7 Spieler, hat halt ne andere FL als der 3x die Woche 2-3h Feierabendspieler.

insofern hat er schon recht, es ist auch garnicht nötig das alle gleich sind, man braucht auch in WoW nur ~20Spieler um sich herum und die fand jeder.

T.M.P.

Dieses gleich sein wollen ist der Grund warum ich immer gegen den P2W Kram pöbel.^^
Die Mehrklassengesellschaft im realen Leben kann man kaum abschaffen, aber warum soll man sich so etwas in einem Spiel antun?

Gegen ein paar kaufbare Skins, Mounts oder Pets hab ich eigentlich gar nichts, wenn es denn Gleichwertiges auch ingame zu holen gibt. Allerdings sehe ich das eher als ein notwendiges Uebel von F2P-Spielen, die ich aus mehreren Gründen auch nicht wirklich leiden kann..
Das zum Beispiel WoW das macht, trotz Abo und teuren Addons, ist meiner Meinung nach einfach nur Profitgier.

Aber offensichtlich steht ja eine grosse Mehrheit auf MTX, Gacha und F2P-Schrott. Dagegen sehen die Einnahmen durch die Abos anscheinend mickrig aus, und so bekommen wir die deformierten Spiele, die wir verdienen. -_-

Grinsekatze

Aber offensichtlich steht ja eine grosse Mehrheit auf MTX, Gacha und F2P-Schrott. Dagegen sehen die Einnahmen durch die Abos anscheinend mickrig aus, und so bekommen wir die deformierten Spiele, die wir verdienen. -_-

Ich wage zu behaupten, dass diese Personen, egal wo sie wohnen, dafür einfach nicht sensibilisiert wurden. „Darauf stehen“ ist sicher ein weiterer Grund (schnell an Macht kommen, ich bin der / die Größte/r) – jedoch der Kleinere.

Unsere Tochter wird dahingehend auch erzogen werden, um das Für und Wider früh zu lernen.

Mithrandir

Ich sehe die Goldmarke durchaus kritisch. Dennich würde ich zwischen „Goldmarke“, „Gacha“ und „Direkt das Gear mit der Kreditkarte kaufen“ noch Unterschiede sehen.

Die Annahme, dass „jedere gleich“ ist ist zwar damals korrekter gewesen. Aber „Gleich“ hieß dann eben: „Wer gute Sachen im Auktionshaus kaufen will muss halt arbeitslos, Schüler, Student odr bestenfalls Teilzeitler sein“.

Die Entscheidung war also: „Macht man das Spiel auch für Menschen mit weniger Zeit“ atraktiver/gangbarer oder nicht. Und ich verstehe, wenn jemand das nicht mag. Und auch die Goldmarke kritisch sieht. Wenn ich aber zurückdenke, wie absurd viel zeit ich ins Farmen gesteckt hatte damals zu Studienzeiten und trotzdem nicht „entspannt“ vollgebufft, verzaubert oder auch nur „Gut ausgerüstet“ durchgehend war. Von demher ist: „Alle waren gleich“ zwar irgendwie richtig, führte aber eben auch zu: „Viele Spielinhalte kann man als Arbeitstätiger oder jemand mit anderen Hobbies halt kaum oder garnicht erleben“.

T.M.P.

Ich spiel halt nicht mehr, schon seit einigen Jahren. Aber nach kurzem Nachdenken bin ich ziemlich sicher, dass die Marke zu erheblicher Inflation geführt hat.
Ich habe nie übermässig farmen müssen, und ich war Progressraider, inklusive ein oder zwei Twinkraids. Das Einzige was einen wirklich ins Minus riss war wenn man am Abend 20-30mal an einem Boss rumdoktort, nur Kosten und kein Loot. Da musste man in der Flaute vor dem Release eines neuen Raid halt ein bisschen was auf der Bank bunkern.
Klar hab ich auch hin und wieder mal Dailies gemacht, ne Stunde Kraut gesammelt oder Steine gekloppt, aber für den Eigenbedarf war sowas überschaubar.
Ist das jetzt so viel anders?
Dann ist die Marke für mich die Lösung für ein Problem, dass sie selbst geschaffen hat.
Da hat Blizzard offensichtlich Spielqualität für eine Einnahmequelle geopfert. Ja, sollte man wohl kritisch sehen.

Abgesehen davon, welche Spieleinhalte sind denn in WoW unerreichbar? Das alte Naxxramas hätte ich gelten lassen, aber inzwischen gibt es doch für alles mehrere Schwierigkeitsgrade, oder nicht?

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