In meinem Lieblingsspiel date ich erst Sukkubi, bevor ich sie dann töte

In meinem Lieblingsspiel date ich erst Sukkubi, bevor ich sie dann töte

Hobby-Dämon Cortyn hat ein neues Lieblingsspiel mit Sukkubi. Die werden dort nach Strich und Faden ausgebeutet und dann hingerichtet.

„Hey Cortyn, ich hab wieder ein Spiel für dich gefunden!“
„Du weißt, wie groß mein Pile of Shame schon ist.“
„Es hat Sukkubi, ist dramatisch und ziemlich finster.“
„Gekauft.“

Ja, manchmal kriegt man meine Aufmerksamkeit recht schnell und so langsam wissen meine Freunde auch, womit sie mich ködern können. Immerhin war meine letzte Erfahrung mit einem Sukkubus-Spiel das verstörendste Gaming-Erlebnis, das ich je hatte.

Aber weil der Trailer von „My Lovely Wife“ mich auch sofort in seinen Bann gezogen hat, habe ich dem Spiel eine Chance gegeben.

Lasst es mich so sagen: Das war ein ziemlich wilder Ritt. Doppeldeutigkeit beabsichtigt.

Aber fangen wir mal ganz vorne an und beginnen mit der Triggerwarnung, die auch für das Spiel gilt:

Eine tote Frau und der Nutzen von Lustessenz

„My Lovely Wife“ beginnt recht ruhig und simpel. Man spielt als Jake, der als Privatlehrer einer jungen Dame namens Luna eingestellt wurde und künftig ihr Leben anleitet. Er begleitet sie zu verschiedenen Kursen, sorgt für ihre Etikette und gesellschaftliche Verpflichtungen. Im Laufe der Jahre verlieben sich die beiden ineinander und entscheiden sich letztendlich zur Heirat.

Weil das aber natürlich viel zu simpel wäre, wird Luna eines Tages umgebracht. Die genauen Umstände ihres Todes werden nicht erklärt, doch Jake stürzt das in ein Loch. Luna war die große Liebe seines Lebens und ohne sie kann er sich eine Zukunft einfach nicht mehr vorstellen.

Luna, die große Liebe, wird ermordet.

Inmitten seiner Trauer bekommt Jake dann Besuch von einem adrett gekleideten Mann, der ihm offenbart, an einer Lösung für sein Problem zu arbeiten: Die Wiederbelebung. Er selbst würde ein ganz ähnliches Ziel verfolgen und braucht dafür Jakes Hilfe.

Um Lunas Wiederbelebung zu ermöglichen, muss Jake große Mengen an „Carnal Essence“ sammeln – im Deutschen ein wenig direkter „Lustessenz“. Die steckt in jedem Menschen, aber ist leider so unglaublich schwer zu extrahieren.

Doch der Fremde hat auch dafür eine Lösung: Wir müssen einfach einen Sukkubus beschwören, der für uns die Lustessenz ernten geht. Und, vorausschauend wie der Kerl ist, hat er uns natürlich auch ein paar Materialien zur Dämonenbeschwörung mitgebracht.

Jake hadert ein bisschen mit sich, entscheidet sich letztlich aber dafür. Immerhin will er wieder mit seiner Luna vereint sein. Dämonen sind zwar unheimlich und sie auszubeuten fühlt sich falsch an – aber sammeln Sukkubi nicht ohnehin den ganzen Tag Lustessenz? Die machen also doch nur das, was sie eh tun würden.

Die erste Beschwörung – ein voller Erfolg.

Sukkubus-Manager oder „Frauen-Ausbeutung: The Game“

Damit beginnt dann der typische Gameplay-Loop. Ein neuer Tag beginnt und ich muss entscheiden, wie ich meinen beschworenen Sukkubus einsetze.

  • Ich kann sie, wie man sicher schon erahnt hat, einfach ins Bordell schicken und dort arbeiten lassen. Dabei sammelt sie Lustessenz, während sie gleichzeitig ein paar Goldmünzen für mich verdient.
  • Alternativ kann ich sie aber auch ins Hotel schicken, um dort bei „besonderen Aufführungen“ aufzutreten und mit anderen Künsten zu überzeugen. Dabei sammelt sie deutlich weniger Lustessenz, aber viel mehr Gold.
  • Wenn sie genug Lustessenz gesammelt hat, kann ich sie auch zu dem mysteriösen Typen schicken, der die Essenz aus ihr extrahiert und somit die Forschung vorantreibt.

Wenn ich mit der Leistung meiner Sukkubus nicht zufrieden bin, kann ich auch erst ihre Fähigkeiten steigern und habe dazu wieder mehrere Optionen:

  • In der „Charmeschule“ kann ich meinem Dämon mehr Etikette beibringen und so ihren Charme-Wert steigern. Der Wert bestimmt, wie gut sie bei verschiedenen Vorführungen ist und damit, wie viel Gold sie im Bordell oder dem Hotel verdient.
  • Alternativ schicke ich die Sukkubus auf die „Akademie Noire“ zu ganz speziellen Kursen, die ihren Flair-Wert erhöht. Flair bestimmt, wie viel Lustessenz der Sukkubus bei verschiedenen Aktivitäten ansammeln kann.

Mit dem verdienten Gold kann ich Jakes Wohnung ausbauen, sodass er mehr Sukkubi gleichzeitig beherbergen kann – oder ich kaufe mir teure Beschwörungsmaterialien, um andere Sukkubi-Spezies mit besseren Werten zu beschwören.

Es dauert nicht lange, da manage ich den Tag von 5 Sukkubi gleichzeitig, denen ich alle verschiedene Aufgaben zuteile. Während ich Ida und Marie im Bordel Lustessenz sammeln lasse, schicke ich Louise ins Hotel, um Gold für mich zu scheffeln. Mollie und Maude schicke ich beide in die verschiedenen Schulen, damit ihr Charme- und Flair-Wert steigt und sie den anderen bald behilflich sein können.

Im Bordell kann man die Sukkubi Lustessenz sammeln lassen.

Sukkubi als Dating-Material

Bis hierhin ist My Lovely Wife „nur“ eine Art etwas abgedrehtes Simulatorspiel, bei dem ich meine „Heldentruppe“ in Gestalt verschiedener Sukkubi manage und ihren Tagesablauf plane. Manchmal gibt es kleine Pop-Ups und Events, etwa einen besonderen Vorfall im Hotel oder eine meiner Dämoninnen bekommt einen neuen Perk – positive wie negative.

Doch jetzt kommt auch noch ein Schuss Dating-Sim hinzu. Wie es sich sonst eher für typische Visual Novels gehört, kann ich mit den Sukkubi nämlich auch Gespräche führen und sie zuhause in ihrem Zimmern besuchen. Ich frage sie nach ihrem Tag, höre mir ihre Geschichten an oder lasse mich von ihnen beleidigen, weil das halt gerade so ihr Ding ist. Die wollen immerhin schnell wieder nach Hause zu ihrem geliebten Meister, dem König der Dämonen.

Jeden Tag gibt es ein bisschen mehr Story, einen oder zwei Dialoge mehr – und dann eine Barriere.

Die Dialoge mit den Sukkubi sind manchmal tiefgründig, manchmal albern – aber immer interessant.

Denn plötzlich fallen Jake keine Worte mehr ein. Er findet keine Erwiderung mehr auf das, was die Dämonen sagen und die Antwortmöglichkeiten sind ausgegraut.

Natürlich kommt genau dann auch der mysteriöse Kerl vorbei und fragt mich exakt danach. „Mr. Jake, ist ihnen schonmal aufgefallen, wie es Menschen manchmal schwer fällt, mit Dämonen zu reden und etwas zu antworten?“ Ja, danke. Hab‘ ich bemerkt.

Doch auch dafür gibt es eine Lösung. Ich muss die im Sukkubus angesammelte Lustessenz extrahieren und für mich selbst nutzen. Und das macht man wie? Richtig geraten: Man tötet den Dämon mit einem rituellen Dolchstoß ins Herz.

Mit einem Dolch muss Jake die Sukkubi töten, wenn er mehr Talente haben will.

Die angesammelte Essenz geht dann auf Jake über und dient quasi als Erfahrungspunkte, die ich in Talente stecken kann. Talente ermöglichen nicht nur mehr Antwortmöglichkeiten, sondern erhöhen auch etwa die maximale Lustessenz neu beschworener Sukkubi, deren Einkommen in Hotel und Bordell oder die Rate, mit der sie Neues in den Schulen lernen.

Als wäre das nicht schon finster genug, verrät man mir noch mehr. Ich kann deutlich mehr Essenz und sogar seltene Beschwörungsmaterialien aus dem Töten gewinnen, wenn ich im Vorfeld dafür sorge, dass der Sukkubus mich liebt. Schaffe ich es sogar, die Sukkubus dazu zu bringen, für immer an meiner Seite bleiben zu wollen, bringt das Ermorden nochmal einen Bonus.

Spätestens jetzt ist „My Lovely Wife“ an einem Punkt angelangt, der vor richtig beklemmende Fragen stellt. Es ist irgendeine finstere Mischung geworden aus Jake, der mit allen Mitteln versucht, die Liebe seines Lebens zurückzugewinnen und Jake, der Sukkubi in schlimmster „Pick-Up-Artist“-Manier für sich ausbeutet und dann fallen lässt, wenn sie sich auf ihn einlassen.

„Consummate Love“ – Den Sukkubus ins eigene Bett bringen und dann hinrichten.

Meine Ansichten werden düsterer und effizienter. Ich merke, wie mir folgende Gedanken durch den Kopf laufen:

Heute schicke ich Mollie noch zum S&M-Unterricht an die Akademie Noire, dann pumpe ich sie morgen im Bordell mit Lustessenz voll, bevor ich sie übermorgen im Park mit Geschenken überschütte und am Tag darauf dann den Liebesakt mit ihr vollziehe, um sie zu töten und meine Talente zu verbessern.

Das wiederum löst allerdings einen Teufelskreis aus. Denn durch die neuen Talente wird Jake auch besser in der Beschwörung, was heißt: Künftige Sukkubi können viel höhere Charme- und Flair-Werte erreichen als die aktuell beschworenen Dämonen. Hatte man eben noch Mollie abgestochen, um endlich mit der angebeteten Louise reden zu können, ist Louise von Heute auf Morgen aus wirtschaftlicher Sicht total unwichtig geworden, weil sie so niedrige Werte hat, die mit den neuen Dämonen gar nicht mithalten können – und so dauert es auch nur drei weitere Tage, bis auch sie den Dolch im Herz stecken hat und der Kreislauf erneut beginnt.

My Lovely Wife Killing my Succubus

Kleine Anekdote am Rand: Als ich einen Screenshot von der Tötung machen wollte, hat das Spiel automatisch sofort gespeichert und ich habe meinen am meisten geliebten Sukkubus getötet, den ich bis zum Ende behalten wollte.

Düsterer Spaß, über den man nicht zu lange nachdenken sollte – aber es doch macht

Ganz ehrlich: Zu lange sollte man auch nicht darüber nachdenken, was man denn eigentlich da macht. Denn es wäre leicht, dem Spiel einfach den Stempel als „Ausbeutung von Frauen: The Game“ aufzudrücken oder es als den wahrgewordenen Traum aller Incel-Foren anzusehen.

Aber so einfach ist es nicht oder zumindest nicht für mich. Denn so düster die Entscheidungen auch sind, so schwer fallen sie mir dann noch. Jedes Mal, wenn ich die Animation sehe, wie Jake wieder ein Herz mit seinem Ritualdolch zerstört, löst das Unbehagen in mir aus. Jedes Mal, wenn das Namensschild auf dem Zimmer von „Lyneth“, „Ida“ oder „Bettevere“ auf „Leer“ wechselt, fühlt es sich an, als hätte ich etwas verloren, das ich nicht zurückbekommen kann.

Auch dauerhaft an der Seite eines Sukkubus zu bleiben, ist eine Option.

Und das mag ich. My Lovely Wife zwingt zu unschönen Entscheidungen. Es zwingt zu grausamer Effizienz und dazu, die Sukkubi als Werkzeuge zu sehen und nicht als eigenständige, fühlende Charaktere – während es gleichzeitig Dialoge mit ihnen bietet, die genau das Gegenteil davon aufdrängen.

Ich liebe es. Das Spiel ist zwar nicht perfekt und ein paar mehr detaillierte Zeichnungen, Animationen oder Abwechslung in den Sound-Effekten hätten dem Spiel sicher noch gut getan und die Erfahrung ein wenig abgerundet.

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Hinzu kommt, dass ich nur auf einen Teil der Möglichkeiten hier eingehen konnte. Es gibt nämlich auch die Option, einen Dämon wirklich zu lieben – und diesen Sukkubus anstelle von Luna zu wählen und das Spiel so zu einem Ende zu führen. Oder man sorgt dafür, dass ein Sukkubus durch wahre Liebe in einen Menschen verwandelt wird, um ihren Körper dann als Gefäß für Lunas Seele zu nehmen und den Dämon auszulöschen. Es gibt viele Optionen. Und alle davon sind finster.

Für knapp 15 € auf Steam hat mich My Lovely Wife ziemlich in seinen Bann gezogen und mir eine Menge interessanter Stunden voller Dilemmata und grausiger Entscheidungen beschert – und ganz nebenbei 20 Darstellungen von Sukkubi mit ihren kleinen Eigenheiten und unterhaltsamen Dialogen.

Und jetzt entschuldigt mich bitte, Mollie braucht noch eine Schachtel Schokolade, bevor ich sie dann absteche, damit ich endlich wieder mit Louise reden kann …

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80s-Gamer

Kaum bin ich aufgestanden, sehe ich schon wieder dicke Bommel und Bikinis. 😱
Ich muss auf irgend ner Gaming Seite gelandet sein. 😂

Ayvaza

allein zum titel… ja das mach ich auch gerne bei gta spielen 🙂

Andy

Hat mich überrascht dass man es sogar auf Deutsch spielen kann und nicht nur Englisch

T.M.P.

Ich seh ja, das ist quasi das Kernelement des Spiels, aber die 2 Bilder von Louise… das ist schon echt fies^^

CptnHero

Netter Artikel und recht interessant, muss ich sagen.
Am Ende dachte ich mir nur „Hach ja, was tut man nicht alles für die Liebe“ 😇

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