Firma bringt Steam-Hit als Brettspiel: Will nun 28.842 Kickstarter-Unterstützer zwingen, ein 2. Mal zu zahlen – „Das ist Erpressung“

Firma bringt Steam-Hit als Brettspiel: Will nun 28.842 Kickstarter-Unterstützer zwingen, ein 2. Mal zu zahlen – „Das ist Erpressung“

Das Rollenspiel Darkest Dungeon hat tausende Spieler auf Steam. Eine Firma hat über ein Kickstarter-Projekt nun eine sehr erfolgreiche Brettspiel-Version geplant, die bald erscheinen wird. Durch Komplikationen fallen aber Mehrkosten an, für die nun die Unterstützer aufkommen sollen, die schon gezahlt haben.

Das ist der Streit:

  • Mythic Games hat einen offiziellen Brettspiel-Ableger vom Abenteuer-RPG Darkest Dungeon angeboten.
  • Das Spiel kommt nicht in die Läden, sondern ist rein über Kickstarter zu erhalten, wenn man die Entwicklung unterstützt.
  • Nach einer sehr erfolgreichen Kampagne verlangen die Macher nun aber mehr Geld von den Unterstützern. Die fühlen sich „bei helllichtem Tage ausgeraubt“ oder „erpresst“.

Kickstarter funktioniert per „Crowdfunding“, das durchaus auch schiefgehen kann, wie 4 gefloppte MMORPGs zeigen:

4 Crowdfunding MMORPGs, die so richtig gefloppt sind

Was ist das für ein Projekt? Darkest Dungeon: The Board Game bringt das beliebte RPG auf den heimischen Tisch. Das kooperative Brettspiel ist für 1-4 Spieler ausgelegt und soll ähnlich funktionieren wie das Videospiel.

Ihr helft dem Erben eines alten Anwesens dabei, seinen Familiensitz wieder aufzubauen und müsst dazu Monster bekämpfen und Bösewichte beseitigen. Das Spiel ist ein klassischer Dungeon Crawler und kommt mit Miniaturen der Helden aus dem Videospiel, Karten und sogar Erweiterungen.

Das ursprüngliche Ziel der Kickstarter-Kampagne waren lediglich 300.000 US-Dollar (etwa 293.700 Euro). 28.842 Unterstützer sorgten aber dafür, dass fast 4,9 Millionen Euro zusammenkamen. Nun sollen sie aber nochmal in die Tasche greifen.

Brettspiele sind für viele eine willkommene Abwechslung zu kooperativen Videospielen:

Gaming ohne Internet: Die besten Koop-Spiele überhaupt könnt ihr mit Freunden am Tisch spielen

Entwickler klagen über erhebliche Mehrkosten in der Herstellung und im Versand

Warum fallen Mehrkosten an? Wie Mythic Games in einem Statement erklärt, seien die Preise für Rohstoffe und Versandt seit Start der Kampagne deutlich gestiegen – bis zu 600 % heißt es. Grund seien Covid-19 und auch der Ukraine-Krieg.

Es fallen umgerechnet über 1,7 Millionen Euro an Mehrkosten an. Die Hälfte davon will Mythic Games selbst in Zusammenarbeit mit Darkest-Dungeon-Erschaffer Red Hook stellen. Die andere Hälfte sollen die Unterstützer beitragen.

Dabei sei die Menge der Beteiligung abhängig von der Größe des gekauften Sets. Wer nur das Kern-Set gekauft hat, soll umgerechnet 17,62 Euro draufzahlen. Hat man einige Zusatz-Optionen gewählt, fallen etwa umgerechnet 28,39 Euro an.

Rückerstattung problematisch – Kickstarter warnt vor Risiken

So reagieren die Unterstützer: Fans, die bereits bezahlt haben, sind empört über das Vorgehen. Sie fühlen sich „ausgeraubt“, wie es in einem Kommentar heißt. Die Praxis sei „schäbig“, meinen andere. Ein Nutzer auf reddit kann nicht verstehen, wieso Käufer die Kosten tragen sollten:

In jedem anderen Gewerbe, das mir in den Sinn kommt, geht das Finanzrisiko vom Unternehmen aus, welches das Produkt anbietet. Dieses Risiko wird gegen den potentiellen finanziellen Gewinn aufgewogen, das Produkt auf den Markt zu bringen.

Meist läuft dies zugunsten der Firma […] aber manchmal eben nicht. Ich verstehe nicht, warum die zusätzlichen Kosten mein Problem sein sollten. Jedem tut [die Situation] gerade weh.

Doc_Serious auf reddit

Es gibt allerdings auch durchaus Stimmen, welche zu Mythic Gams stehen und die Mehrkosten gerne tragen, um ihr Spiel zu erhalten. Zugleich versuchen einige Leute, ihr Geld zurück zu bekommen – was jedoch nicht so leicht ist.

Das sagt Kickstarter dazu: In den offiziellen Regeln von Kickstarter sind Anbieter lediglich dazu verpflichtet, die Arbeit wie versprochen abzuliefern und auf Bedenken einzugehen. Unterstützer werden allerdings ebenfalls in die Pflicht genommen.

Sie werden dazu ermahnt, dass sie beim Kickstart eines Projekts ein Risiko eingehen: „Kickstarter ist kein Laden. Wenn ihr ein Projekt unterstützt, helft ihr dabei, etwas neues zu erschaffen – ihr kauft nicht etwas, das schon existiert.“

Da Kickstarter keine Rückerstattungen anbiete, solle man sich vorher gut überlegen und gut recherchieren, was das für Projekte sind, in die man investiert.

Probleme mit Spielen und Refunds gibt es auch an anderen Stellen:

Über 200.000 Spieler wollen ihr Geld von Battlefield 2042 zurück – „Wir wurden belogen!“

Quelle(n): PCGamer
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Anonymus

[Mod Edit] Man hat das Risiko beinahe wie bei einer Risikoinvestition auf Komplettverlust wenn es schief geht und im besten Fall darf man vielleicht ein Produkt vergünstigt kaufen. Üblicherweise wenn man in so riskante Projekte und Firmen riskiert erhält man Anteile an den Firmen die potenziell sehr stark an Wert gewinnen können. Wenn man dann die Wertentwicklung von Firmen wie Oculus betrachtet…

T.M.P.

Keine Ahnung was die da treiben…
Wenn ich das richtig lese kostet die ein Container aus China angeblich ~24000 Dollar mit Versicherung und Anfahrt.

Hier redet man von 9092 Dollar reine Frachtkosten.
https://www.chemietechnik.de/markt/aktuelle-preisentwicklung-fuer-container-schiffstransporte-127.html
Im Oktober 2020, zur Kickstarter Kampagne war man bei 2590 Dollar, also 6500 Dollar Unterschied.
Im Juli 2021 war es schon teurer als jetzt, da hätte man vielleicht schon mal reagieren können.

Passt alles nicht ganz zusammen.
Anders gesehen kann man einfach sagen, dass jedes Spiel jetzt 48,54 Dollar mehr Porto kostet als vorher. Man soll jetzt 107,48 Dollar Porto zahlen.
Wie verkaufen denn andere Spielehersteller ihre Spiele für 30, 40, 50 Euro? Kommen die per Brieftaube hierher?

T.M.P.

EDIT: Ist sogar noch mehr Porto. 3207 Backer sind 1 Dollar Backer und bekommen gar kein Spiel. Dann sind wir bei 121 Dollar Porto pro Spiel.
Zum Vergleich:
DHL berechnet für Deutschland nach China für ein 120*60*60 Paket bis 10 kg 59 Euro. Und das für Privatkunden und inklusive Versicherung.

Zox

Hmm also verstehe ich das richtig die wollten 300.000€ haben hatten dann Mehrkosten von 1,7Mio€ aber haben 4,9Mio€ eingenommen?
Also wenn ich mich an meinen Mathematikunterricht richtig erinnere sind das doch dann noch 2,9Mio € die sie Gewinn bereits in der Tasche haben, warum soll dann noch einer nachzahlen

René

Dein Denkfehler ist, dass die Differenz nicht direkt der Gewinn ist.
Die 300.000 sind ja keine Fixkosten, sondern das was die erstmal für die Umsetzung brauchen/wollen.
Für all das Geld was extra reinkommt muss ja auch ein Produkt geliefert werden wodurch die Gesamtkosten steigen.

mibbio

Das geht trotzdem nicht auf, da sie nun mal 300k als Finanzierungsziel angegeben haben. Was wäre denn passiert, wenn nur diese 300k zusammen gekommen wären? Hätten sie dann nur so lange dran gearbeitet, wie die 300k reichen, da das komplette Projekt scheinbar in Wirklichkeit mehr das 10-fache kostet?

Zuletzt bearbeitet vor 21 Tagen von mibbio
René

Laut Artikel sind halt die Produktionskosten unerwartet gestiegen.
Kann passieren.
Da ist jetzt keine höhere Mathematik hinter oder so.

Nobody11342

es sind die shipping Kosten, die hier speziell von mythic games Inc angesprochen werden:

Today, the shipping costs to get these games to you are $3.1M, which is $1.4M more than the $1.7 million paid by backers. On top of that, there was an additional $350,000 in manufacturing costs due to the increase in oil and raw materials. That’s a total of $1.75 million in additional costs to be paid.“

Problem 1:
Hier wird von „games“ gesprochen, also der Mehrzahl. Darkes Dungeon ist aber nur ein einzelnes Spiel. Wieso sollen also die Backer von Darkes Dungeon bitte die Shipping Kosten aller Spiele stemmen?

Problem 2:
Sie reden hier von 3,1 Millionen $ Shipping kosten + 650.000 $ für die Herstellung (Ich nehme das Grundziel von 300.000 + die oben genannten extra 350.000).
Das Spiel hat aber 4,9mil € eingebracht. Umgerechnet also ca. 5,2mil $. Wie zur Hölle, die auf 1,7 mil $ kommen, ist mir ein Rätsel.
Mathematisch gesehen sind ihre Unkosten damit immernoch niedriger, als das, was sie von den Backer bekommen haben. Wohlgemerkt, die gesamtkosten aller spiele und nicht nur von darkest dungeon.

Problem 3:
Es wurde nichts kommuniziert, sondern die Backer vor vollendeten Tatsachen gestellt.
Neben den klar falschen Klarstellungen von Mythic Games INC, gab es auch 0 Kommunikation davor. Stattdessen werden die Backer vor vollendeten Tatsachen gestellt. Kann ich persönlich 0 gutheißen.

also nein, es macht keinen Sinn. höhere Mathematik ist zwar nicht gefordert, aber nachrechnen ist immer klug. Besonders, wenn die Firma selbst so schön bereitwillig die Daten hergibt.

McPhil

Erst der Mist mit der Epic Exklusivität für Teil 2, wobei sie ohne Steam niemals so erfolgreich geworden wären, jetzt das…

artigkeitsbaer

zeitlimitierte exclusivität soweit ich weis oktober 2022 wurd ja glaub vermutet

MaSc

Ähm, es geht hier um ein Brettspiel, das in der Welt von DD spielt! Das hat absolut gar nichts mit Steam, Epic oder irgendetwas digitalem zu tun. Das sind zudem komplett andere Firmen.

Zuletzt bearbeitet vor 22 Tagen von MaSc
Moritoku

Eventuell solltest dir nochmal 5Minuten Zeit nehmen und es nochmal ganz langsam zu lesen + zu verstehen was die Kernaussage dahinter ist…

McPhil

Nein, ich meinte damit dass die Fans immer wieder enttäuscht werden, egal ob Videospiel oder Brettspiel.

MaSc

Kickstarter ist kein Vorverkauf, sondern eine Investition in eine Idee. Die (seriösen) Firmen kalkulieren die Kosten nach bestem Wissen. Die aktuelle Krisen hat sicher niemand in dem Ausmaß vorhersehen können. Was soll Mythic Games denn jetzt tun, wenn sie die gestiegenen Kosten nicht kompensieren können? Entweder Konkurs anmelden und niemand bekommt die Spiele oder die Kosten umlegen und die Spiele ausliefern und weiter im Geschäft bleiben. Ich habe selber schon mal für das Assassins Creed Boardgame Versandkosten nachgezahlt, habe dafür aber Verständnis. Das Spiel war immer noch 40% Günstiger als jetzt im Geschäft. Die Alternative sehen wir jetzt bei CMON, die die Kosten schon während der Kiststarter mit 60-100$ angeben, was natürlich dafür sorgt, dass die Kampangen sehr schlecht laufen. Am Ende wird es dadurch jetzt für alle (sowohl im Geschäft als auch auf Kickstarter) weniger neue Spiele geben, weil man die nicht mehr wirtschaftlich produzieren kann bzw. es weniger umfangreiche Spiele geben wird.

N0ma

Tja die Kosten sind gestiegen, da haben sie Recht.
„warum die zusätzlichen Kosten mein Problem sein sollten“ weil Kickstarter kein Supermarkt ist, wird komischerweise immer wieder verwechselt. Ich halte deshalb von dem Konzept auch eher nichts.

Pixelrambo

Heißt ja auch „Kickstarter“ und nicht „InvestFullAndDouble“ Sehe ich genau so… Ich selbst bastle selbst an kleinen Games mit der Unity-Engine Und würde „Kickstarter“ nur nutzen, wen ich weiß das mein Basis-Spiel von mir komplett „Finanziell“ abgedeckt ist… und für Bonus-Inhalte DLCs(die natürlich kostenlos sind, auch für nicht Unterstützer) „Kickstarter“ nutzen…

sWiesl23

DAnn hast du mM das Konzept Kickstatrer nicht ganz verstanden. (No Hate)

Vllt bin auch einfach ich der blöde und hab das ganze immer falsch interpretiert…

Zuletzt bearbeitet vor 22 Tagen von sWiesl23
Harry Dresden

Er hat das Konzept sehr gut verstanden.
Die Frage ist, wie knapp kalkulierst Du. Du kannst extrem knapp kalkulieren, dann geht dir aber auch schnell das Geld aus. Du kannst aber auch sicher kalkulieren – im obigen Fall: du bist sicher, dass du das Spiel selber auch so liefern kannst. Lässt dir die Zusatz-DLCs finanzieren. Dann ist die Wahrscheinlichkeit, dass das Projekt scheitert, deutlich geringer.

Kurzfassung: Wenn jeder so denken würde, wie Pixelrambo, dann würden deutlich weniger Kickstarter-Projekte scheitern.

Je höher dein Eigenanteil, umso höher dein Risiko, aber umso besser für den Backer.
Edit: Kickstarter heißt ja bewusst „Anschieben“. Nicht komplett finanzieren. Leider ist es dort oft so, dass die Entwickler nahezu die ganze Entwicklung finanziert haben wollen und somit das komplette Risiko auf die Backer verlagern.

Zuletzt bearbeitet vor 22 Tagen von Harry Dresden
Kjtten

Es würden weniger Projekte scheitern, es gäbe aber auch deutlich weniger Projekte.

Pixelrambos Idee ist eigentlich eine Spendenkampagne, lässt sich in das Kickstarter-Korsett pressen, aber trifft nicht so wirklich den Grundgedanken der Plattform.

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