WoW: „Fühlt sich wie das Ende der Jugend an“ – Spieler verliert nach 10.000 Stunden sein MMORPG

WoW: „Fühlt sich wie das Ende der Jugend an“ – Spieler verliert nach 10.000 Stunden sein MMORPG

Man schätzt, dass im Januar etwa 100.000 Spieler in China den Zugang zu ihrem Lieblings-MMORPG World of Warcraft verloren haben, als die Vereinbarung von Blizzard mit dem dortigen Partner NetEase auslief. Für viele ist das ein gewaltiger Einschnitt in ihr Leben.

Das ist die Situation:

  • 2008 kam World of Warcraft nach China. Um in China ein Produkt zu vertreiben, brauchen westliche Firmen einen ortsansässigen Partner. So will das die Partei, die in China alles bestimmt. Von westlichen Firmen wird diese Praxis kritisiert.
  • 15 Jahre lang gab es so einen Deal zwischen Blizzard und NetEase. Doch am 23. Januar 2023 lief der Deal aus. Offenbar wollte sich Activision Blizzard nicht mehr langfristig an NetEase binden, plant man doch die Firma an Microsoft zu verkaufen. Daher gingen in China alle Blizzard-Spiele offline – außer Diablo Immortal.
  • Eine chinesische Seite schätzt, dass WoW in China noch etwa 100.000 tägliche Spieler hatte.

Das MMORPG hatte viele „Gelegenheits-Spieler“ eingebüßt, seit man 2018 eine Änderung im Bezahl-Modell vornahm: Vorher konnten Chinesen für umgerechnet 4 € 4.000 Minuten lang spielen – seitdem mussten sie 10 € für einen Monat zahlen. Das lohnte sich für viele Chinesen nicht, sie stiegen aus.

Wir waren mitten im Chaos, das den Release von WoW Dragonflight darstellt: „Ich kann hier nix annehmen“

Wie gehen die Spieler mit ihrem Verlust um? Die Seite „The World of Chinese” hat mit einem WoW-Spieler gesprochen, der seit 15 Jahren WoW spielte und damit nun abrupt aufhören musste.

Der 28-jähriger Büro-Arbeiter Hu aus Peking sagt: „Als die Server abgeschaltet wurden und du nicht mal mehr in den Einlog-Schirm mit all deinen Charakteren kamst, in dem Moment war ich schon ein bisschen traurig.“

Der Mann hat nicht mal Screenshots von den letzten Momenten genommen. Er sagte, er wolle gar nicht diese Traurigkeit spüren, wenn er noch mal auf die Bilder schaut.

Der Spieler schätzt, er hat etwa 10.000 Stunden damit verbracht, WoW zu spielen. Es fing alles damit an, dass sein Cousin sich 2008 für WoW begeisterte. Als der aber 2010 damit aufhörte, übernahm der heute 28-Jährige seinen Account und dann ging es so richtig los.

Als Erinnerung bleiben ihm eher die kleinen Sachen: Er sagt, als er mal eine Pause von dem Spiel nahm, so 2008 herum, habe ihm ein Freund ein pinkfarbenes T-Shirt genäht und es ihm per Ingame-Post geschickt. Der Spieler sagt: Das Shirt habe er behalten, bis die Server herunterfuhren:

„Natürlich gibt es das Gefühl, etwas verloren zu haben … so viele Erinnerungen und Erfahrungen.“

Was sagen andere Spieler? Ein anderer Spieler, der nach 2000 geboren wurde, hatte erst vor 5 Jahren mit WoW angefangen. Er sagt:

Am letzten Abend hatte ich meinen Charakter bereits durch das „Digitale Urnen“-System abgespeichert und hab mir einen neuen Charakter gemacht, um mich von der Welt und meinen Freunden zu verabschieden. Wie schade, in dem Moment fühlte es sich an, als wäre meine Jugend, die ich in dem Spiel verbracht habe, zu Ende gegangen.

Viele Chinesen geben Blizzard die Schuld

Wie sehen die Chinesen das? Wie die Seite „The World of Chinese” schreibt, ist man vor allem auf Blizzard sauer und nicht etwa auf die Staatsführung. Vor allem, dass Diablo Immortal weiterläuft, scheint man Blizzard übelzunehmen.

Man glaubt, Blizzard würde absichtlich den PC vernachlässigen und wäre heiß auf den boomenden und lukrativen Mobile-Markt in China.

Können die nicht einfach woanders weiterspielen? Ja, können sie. Die Seite schreibt, die chinesischen Foren seien voller Tipps, wie man auf anderen Servern neu mit WoW anfangen könne, etwa in Japan oder Korea. Man müsse sich einen PayPal-Account einrichten, sich eine Telefon-Nummer in Hongkong besorgen und „Booster“ für die Internet-Connection erwerben.

Manche Chinesen nehmen das auf sich und sagen dann, sie fühlten sich auf einem neuen Server wieder wie zu Hause.

Andere aber schreiben: Sie könnten das Gefühl nicht überwinden, alles in WoW verloren zu haben. Dann irgendwo bei 0 anfangen auf einem fremden Asia-Server und da neue Freunde zu finden, alle Quests noch mal zu machen – und das alles alleine. Das sei zu viel.

Der 28-Jährige mit den 10.000 Stunden jedenfalls sagt:

Wenn’s vorbei ist, ist es für mich vorbei. Was ich am meisten wertschätze, sind die Erinnerungen, die WoW mir gab, und die Freunde.

Im Gaming gibt es immer wieder bewegende Geschichten:

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Das Titelbild ist ein Symbolfoto: Foto von Wes Hicks auf Unsplash

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Maevenson

So will das die Partei, die in China alles bestimmt. 
Also “Die Partei” bestimmt hier nix aus Lust und Laune, in China gibt es eine sog (NPPA) The National Press and Publication Administration. Diese kümmern sich um das approval, um auf den chinesischen Markt zu kommen. China reglementiert seine Wirtschaft in vielerlei Hinsicht, um chinesischen Firmen eine bessere Chance zu ermöglichen auf dem Markt Fuß zu fassen, was bedeutet Chinesische Firmen haben Vorrang (macht ja auch Sinn man möchte möglichst viel Geld ins Land steuern und nicht raus). Im konkreten Fall bedeutet das, dass ca. 10% des Gaming Markts ausländischen Gaming-Firmen gehören darf. Ein weiterer Grund dieses NPPA ist die Überprüfung auf anstößigen und/oder wie wir sie nennen “Verfassungsfeindlichen” Inhalt. So was ähnliche wie PEGI, wobei PEGI nur Information für Eltern liefert und kein Riegel davor setzt; Im Endeffekt wie damals als Spiele bei uns auf den Index kamen, weil zu viel Blut und Gewalt.

So und jetzt möchte China eine chinesische Proxy Firma dazwischen haben um eben auf diese Richtlinien zu achten, aber auch um die westlichen Firmen zu schützen, im Falle von rechtlichen Problem wie Raubkopiererei etc.
Ich sehe keinen Unterschied zu unserem Konstrukt, wir haben auch Behörden die den Regularien der aktuellen Regierung entsprechen, welche Produkte im Falle von Verstoß zensieren.

Der springende Punkt ist, dass der chinesische Markt riesengroß ist, aber westliche Firmen an diese Torte nicht rankommen, weil China das erwirtschaftete Geld im Land behalten möchte und den digital-industriellen Komplex nicht als Offshore Bordel verhökert, macht übrigens Weißrussland genauso 😀

Vorher konnten Chinesen für umgerechnet 4 € 4.000 Minuten lang spielen – seitdem mussten sie 10 € für einen Monat zahlen. Das lohnte sich für viele Chinesen nicht, sie stiegen aus.
Hier wird wieder mal nicht erwähnt WESHALB, sondern, das ist einfach so….. Wenn man sich die Quelle durchliest, dann steht da, dass sich das ABO-Modell für die Chinesen nicht lohnt weil die meisten Casuals sind und nur für das bezahlen wollen was die tatsächlich “verzocken”. Ich bin 100% sicher, dass hier viele auch gerne so viel bezahlen würden, wie sie tatsächlich “verzockt” haben.

Zuletzt bearbeitet vor 11 Monaten von Maevenson
Niemand

Liegt wohl daran, dass Deutschland bei der Regulierungswut näher an China dran ist als andere Länder. Auf beängstigende Weise. Aktuelles Beispiel das Drama um Dying Lights 2. Kann man für den Rest der Welt ohne weiteres als unzensierten globalen Key bei beliebigen Keysellern kaufen und auch aktivieren, nur im kleinen gallischen Dor… Deutschland wird man daran gehindert. Selbst dann, wenn man über 18 ist.

Fusionbreak

P.S. In Deutschland wird man nur dran gehindert, weil Steam & Co. kein Bock auf Jugendschutz haben, um das Alter zu verifizieren.

N0ma

Danke für die ausführliche Erläuterung.
Zum Thema Chinesische Firmen haben Vorrang kann man noch anmerken America First geht btw in eine ähnliche Richtung.
China wurde lange Zeit vom Westen ausgebeutet, Stichwort Opiumkriege, denke daraus haben sie gelernt.

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