Nachdem Fans über mehr als eine Dekade hinweg unzählige Millionen in Star Citizen investiert haben, ziehen sie beim jüngsten Shop-Update eine Grenze. Dabei tragen sie eine Mitschuld daran, dass die Monetarisierung immer problematischer wird – meint zumindest MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz.
Ihr habt es vielleicht mitbekommen: Die Verantwortlichen von Star Citizen möchten jetzt auch bestimmte Komponenten von Raumschiffen zu Geld machen. Dabei handelt es sich beispielsweise um sogenannte „Flight Blades“, die das Flugverhalten der Schiffe beeinflussen, indem sie die maximale Geschwindigkeit erhöhen oder die Manövrierfähigkeit verbessern. Auch Waffen-Kits sind Teil des neuen Angebots.
Wer sich seit der Ankündigung in den Reddit-Bereich von Star Citizen traut, findet dort zahlreiche Diskussionen rund um die jüngste Ausweitung des Shops. Es geht mal wieder um Pay2Win-Vorwürfe, um die vermeintliche Gier der Entwickler und um Ideen für viele weitere (sarkastische) Vorschläge für Mikrotransaktionen, die Cloud Imperium in Zukunft anbieten könnte.
Kritisiert wird dabei auch die erste Reaktion der Entwickler auf das harsche Feedback: Man möchte kleinere Komponenten wie die „Flight Blades“ oder Bombengestelle trotz der Kritik ab Juni weiterhin über den Shop verkaufen, sie – als Kompromiss – zeitgleich aber auch erspielbar machen (via robertsspaceindustries.com).
Obwohl die Polaris fast 1.000 Euro gekostet hat, ist sie zu günstig, um in der Top 5 der teuersten Raumschiffe aus Star Citizen zu landen. Hier der Trailer:
Der Geldbeutel steuert, was sich Entwickler trauen
Grundsätzlich kritisiere ich diese jüngste Ankündigung auch. Je mehr Gameplay-relevante Inhalte in einem Shop landen, desto negativer wirkt sich das auf die Spielerfahrung aus – immer. Und sobald die Käufe potenziell die Stärke eigener Charaktere oder Raumschiffe beeinflussen, ist es aus meiner Sicht Pay2Win, und dabei spielt es keine Rolle, ob man sich diese Dinge wahlweise auch erspielen kann.
Gleichzeitig schießen mir gerade aber auch einige Fragen in den Kopf:
- Warum ziehen die Fans jetzt eine Grenze und nicht schon vorher?
- Und was haben die Fans bitte erwartet, was passieren wird?
Schließlich haben mehr als 5,6 Millionen Unterstützer mit ihrem Geldbeutel den Entwicklern in den vergangenen 14 Jahren klar zu verstehen gegeben, dass die Bereitschaft, immer mehr Scheine nachzulegen, rekordverdächtig hoch ist, und das auch im Jahr 2025.
Nur ein Ergebnis von den bisher durch die Spieler zusammengekommenen fast 820 Millionen US-Dollar: Cloud Imperium ist über die Jahre zu einem riesigen AAA-Studio angewachsen und verbrennt allein durch Gehälter jedes Jahr ein Vermögen. Das ist Geld, das regelmäßig irgendwie reinkommen muss, und das, obwohl man noch kein einziges Spiel veröffentlicht hat.
Es war aus meiner Sicht daher klar, dass die Entwickler den Shop mit der Zeit weiter ausbauen werden. Spätestens, wenn der Verkauf von immer neuen Schiffen oder Starterpaketen nicht mehr die angepeilten Umsatzziele erreicht. Wobei man auch argumentieren könnte, dass die Entwickler jetzt eine bereits bekannte Monetarisierungsstrategie einfach nur ausweiten.
Das eingangs erwähnte, offizielle Statement der Entwickler auf die Kritik unterstreicht das: Man mache mit den Komponenten jetzt quasi das, was man vorher schon bei anderen Angeboten getan habe, man sei dem üblichen Ansatz gefolgt, damit Fans, die das möchten, die Entwicklung zusätzlich unterstützen können. Ist ja keine Pflicht und so. Das Spiel ist ja nicht einmal veröffentlicht. Warum also die Aufregung?
Was könnte noch im Shop von Star Citizen landen?
Zahlungsbereitschaft mit 7 Siegeln
Genau die Kritik, die jetzt auf Reddit stattfindet, hätte schon vor vielen Jahren im großen Stil stattfinden müssen. So toll das Versprechen hinter Star Citizen – auch für meine Ohren übrigens – klingt, so viele „rote Flaggen“ gibt es rund um das Projekt – und das seit vielen Jahren schon.
- Das SciFi-MMO befindet sich mittlerweile länger als Duke Nukem Forever in der Entwicklung und ein finaler Release ist weiterhin nicht in Sicht.
- Mit der ursprünglichen Version aus der ersten Kickstarter-Kampagne aus 2012 hat Star Citizen kaum noch etwas zu tun. Damals wurde als voraussichtliche Lieferung der digitalen Kopie des Spiels übrigens der November 2014 angegeben. Als Unterstützer dieser Kampagne würde ich mir leicht verarscht vorkommen.
- Obwohl Star Citizen noch in der Alpha steckt, hat sich eine Art funktionierendes Service-Modell rund um den Verkauf immer neuer Raumschiffe etabliert, die teils vierstellige Dollar-Summen kosten. Dadurch fehlt der Zwang für die Entwickler, das Spiel final veröffentlichen zu müssen.
- Statt Star Citizen zuerst fertigzustellen, hat man sich zwischendurch mit Squadron 42 einem zweiten, ambitionierten Projekt angenommen, das seit Oktober 2023 „feature complete“ sein soll, aber wohl erst 2026 erscheint.
- Aufgrund diverser verpasster Release-Zeitfenster und zahlreicher Insider-Berichte scheint es sicher, dass das Management hinter Star Citizen seit mehr als einer Dekade einen katastrophalen Job mache und eine Menge Geld verbrannt haben dürfte.
- Immer wieder gab es in der Vergangenheit Berichte über Entlassungen ohne Abfindung sowie lange Überstunden-Phasen.
Dazu kommt, dass es ganz grundsätzlich eine schlechte Idee ist, Geld in ein MMO zu investieren, das noch nicht final erschienen ist. Die vernichtend schlechte Bilanz der Kickstarter-MMOs aus den vergangenen 13 Jahren unterstreicht das.
Kurzum: Ich verstehe nicht, warum Spieler horrende Summen in ein Projekt wie Star Citizen investieren, bei dem man nicht weiß, ob, wann und in welcher Form es final erscheinen wird. Genauso wenig verstehe ich, warum es gerade jetzt zum Aufschrei kommt. Die Unterstützer haben mit ihrem Geldbeutel das Finanzierungsmodell von Star Citizen erst möglich gemacht. Man erntet, was man zahlt … oder so.
Die Entwickler schaffen sich übrigens auch ein Problem: Je vollgepackter der Shop und je mehr es den Groß-Investoren möglich ist, sich ihre Macht in Star Citizen einfach zu kaufen, desto abschreckender dürfte die „Paywall“ für alle potenziellen Neueinsteiger beim Launch sein.
Immerhin scheint Star Citizen langsam, aber sicher ein richtiges Spiel zu werden, mit dem man tatsächlich Spaß haben kann – es ist also kein Scam, mit dem man Spieler ganz bewusst das Geld aus den Taschen ziehen möchte, ohne am Ende ein spielbares Produkt abliefern zu können: Spieler probierte Star Citizen vor Jahren aus, kam nicht mal aus dem Tutorial – Versucht es jetzt erneut, ist verliebt
Bitte lies unsere Kommentar-Regeln, bevor Du einen Kommentar verfasst.
Spiele es seit ca. 1 Monat und finde es klasse. Darf ja zum Glück jeder selber entscheiden, in was er sein Geld investiert.
Alles sehr subjektiv.
Deshalb:
https://youtu.be/_goMQolXcbs?si=2k3PILKyRYVrm7ia
Also insgesamt kann ich ja beide Seiten verstehen, aber warum sollte das ne Hürde sein für Neueinsteiger? Gerade mit Hinblick aufn Release ist das doch wurscht, weil zum Release werden doch eh alle Spieler zurückgesetzt und jeder fängt bei Null an. Bei Kickstarter steht doch immer dabei, dass es um die Projektunterstützung geht und man keinen Rechtsanspruch auf die Waren hat. Man gibt doch als Spieler während der Alpha einfach sein Geld an CIG ab und als Dankeschön, dass man sie unterstützt, erhält man halt für die Dauer der Alpha son Schiff oder hab ich da was durcheinander gebracht?
Das was Du jetzt kaufst, behälst Du auch.
Ich persönlich bezweifle allerdings, dass es jemals richtig auf dem Markt kommt.
Erstmal Danke für die gute Moderation ich lese hier viel, aber schreibe das erste mal.
Aus meiner Sicht wird mit diesem Artikel eine Community gespalten die zu einem Zeitpunkt in dem Star Citizen schon besser war als viele andere Games Schiffe gekauft haben die trotz der vielen Bugs das immersivste Spielerlebnis geboten haben das ich kenne.
Man mag es mit der Monetarisierung halten wie man will, ich hoffe aber, dass man sich darauf einigen kann, dass der Verkauf von ingame erspielbaren items die bislang beste balance zwischen verkäufer und käufer interessen bietet. Gegenvergleich mit dem Asia/EA Gacha rotz.
Hätte Star Citizen nur kosmetische Gegenstände angeboten, währe auch nie so viel Geld zusammen gekommen für ein Spiel das so ambitioniert !GEWESEN! Ist.
Hier darf man gerne den Finger tiefer in die Wunde legen, denn die Community weiß wie Chris Roberts es mit der Verwendung der Finanziellen Mitteln hält.
Bevor man hier den Spielern einen Vorwurf macht, soll doch erstmal jemand ein besseres sci fi sim game entwickeln. Vor Chris Roberts ist dieses Genre von den Publishern wie die Pest behandelt worden und auch nach ihm sind einige kolossal gescheitert ausgenommen Digital Extremes Warframe (bestes Entwickler Studio) von dem sich unser Chris mal ne Scheibe abschneiden könnte.
Ganz schönes Fanboi getuhe. Wann war SC besser als andere Spiele in dem Genre? Immer der gleiche Spruch von den Fanbois den sie nie mit Fakten untermauern können.
Shooooow me the Money 😂oder so
Seit wann bitte ist die In-game Währung aUEC( Alpha United Earth Credits) eine Echtgeld-Währung?
Ja, das war ein Hirnfurz, da hatte ich was durcheinander gebracht. Ist angepasst. Dank dir!
Ein Artikel um sie alle zu knechten. Ich fasse mal zusammen. CIG ist doof und alle die dort bezahlen sind auch doof. Deshalb sind alle selbst schuld an der aktuellen Situation und sollten sich einfach entspannen statt etwas zu ändern. Guter Artikel…
Mal im Ernst, wenn du nichts konstruktives und nichts informatives anzubieten hast, was soll dieser Artikel dann, außer wirklich jeden zu triggern der ihn liest? Klar, bringt sicher Klicks.
Oh, man sollte was ändern. Keine Projekte mehr unterstützen, die einfach nur einen unfertigen Traum verkaufen wollen, zum Beispiel. Oder damit aufhören, Finanzierungsmodelle zu unterstützen, die sich negativ auf die Spielerfahrung auswirken.
Uff, da bleibt generell nicht mehr viel übrig was man spielen könnte.
Gerade in diesem Jahr gab es bereits ein paar richtig tolle Games, die sich einfach nur auf die bestmögliche Spielerfahrung konzentriert haben. Einige davon hab ich hier gewürdigt:
https://mein-mmo.de/besten-games-2025-aus-europa-dank-oldschool-gaming/
Und natürlich muss es auch nicht Schwarz und Weiß, dagegen oder dafür sein. Es gibt auch Service-Games, die sich durch ihr Bezahlmodell zwar ein bisschen was kaputt machen, aber unterm Strich lohnende Spielerfahrungen sind.
Vielleicht kann Star Citizen in seiner finalen Form irgendwann mal auch so ein Spiel sein. Mit Blick auf die aktuelle Monetarisierung bin ich da aber sehr skeptisch.
Dann hast du wohl den Artikel und die Botschaft nicht ganz verstanden…
Dieser Kommentar ist der beste Beweis dafür dass solche Artikel weiterhin wichtig sind.
Ich selbst bin Backer der ersten Stunde, und ich störe mich auch an der Monetarisierung mittlerweile. Schiffe von denen man damals dachte (weil von CIG so kommuniziert), das ist schon ein saftiger Preis, aber ok, damit hast du später einen schönen Start, sind auf einmal nur noch Altware!
Noch vor Release, weil ja schon ne MK2 Version davon drausen ist. Für die muss man natürlich wieder mehr zahlen als für ein reguläres Tripple A Game. Dann fängts jetzt mit den Flightblades an, und was kommt als nächstes? Tieferlegen, fetter Auspuff und noch bissl aggressives Motortuning, und schon zahlt man das doppelte oder dreifache für sein Schiff um später den Start zu haben den man sich damals erhofft hatte als man gepledget hat.
Somit bereue ich schon ein wenig meine “Spendenbereitschaft” denn ich habe das Gefühl das hier schlicht nicht mehr mit offenen Karten gespielt wird, und das war in den ersten Jahren nicht so. Dennoch freue ich mich seit 12 Jahren auf das Spiel und das bleibt auch hoffentlich so.