Einige Spieler von Anthem glauben BioWare gar nichts mehr

Der Online-Shooter Anthem befindet sich zwei Monate nach Release in einer schwierigen Situation. Unserem Autor Schuhmann fällt auf: Am schlimmsten ist es gerade, wie tief das Misstrauen der Spieler gegenüber BioWare sitzt. Nach dem Insider-Report ist die Glaubwürdigkeit der Entwickler an einem Tiefpunkt angelangt.

So war das Verhältnis der Fans zu BioWare zu Beginn: Es fing so gut an – die Kommunikation von BioWare im Vorfeld des Launches war echt gut, etwas unkonventionell, aber okay.

Die Producer von Anthem wie Ben Irving, Mike Gamble oder Mark Darrah twitterten regelmäßig, zeigten sich in den Foren, diskutierten mit den Fans und wirkten authentisch und nahe.

Es war ein bisschen schwierig, dem Informationsfluss zu Anthem zu folgen, weil die Tweets vereinzelt und zu vielen Themen kamen, aber die Beziehung von BioWare zu den Spielern war vorm Release und noch während der Demo völlig okay und intakt.

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Auch in den ersten Wochen, als es zu Schwierigkeiten kam, etwa bei der Demo, war eigentlich alles noch okay.

BioWare verhielt sich authentisch, man gestand Probleme ein und versprach Lösungen.

Die Fans zeigten Verständnis: Aller Anfang ist schwer, das ist ja auch ein riesen Projekt, lasst Euch ruhig Zeit, Hauptsache es ist hinterher gut. So war der Tenor.

So ist das Verhältnis jetzt: Diese Stimmung ist mittlerweile völlig gekippt. Die Entwickler haben sich in den letzten Wochen rar gemacht – nach dem großen „Enthüllungs-Bericht“, was da Jahre lang bei BioWare schief lief, schien fast Funkstille zu herrschen. Dabei wäre genau dann ein starkes Signal so wichtig gewesen.

Diese Funkstille nimmt negative Auswirkungen auf die Stimmung.

Als gestern BioWare den Live-Stream verschob, angeblich aufgrund technischer Probleme, merkte man, dass viele in der Community den Grund der Absage einfach nicht glauben.

Sie bezichtigten BioWare hier, glatt zu lügen und sich eine Ausrede einfallen zu lassen, um nicht streamen zu müssen.

Reaktionen wie diese sah man häufig gestern Abend.

So reagierten Fans auf die Absage des Streams:

  • Unter dem Tweet waren zahllose Gifs, die eine Art „Überdruss“ und ein „Typisch BioWare“ signalisierten.
  • Ein Nutzer von reddit rief sogar im Gebäude von BioWare an und fragte den Office Manager einer anderen Firma, ob er denn Internet hatte. Sie hatten – und im Forum machte man sich darüber lustig. (via reddit)
  • Andere verglichen die Aussage: „Wir müssen den Stream um eine Woche verschieben, wir haben kein Netz“ mit der schlechten Ausrede eines Schülers, der seine Hausaufgaben noch nicht fertig hat.

Für viele war klar: Internetausfall war eine lahme Ausrede von BioWare – die sind einfach noch nicht so weit, um den nächsten Patch vorzustellen.

BioWare sagte dann noch: Wir haben Internet, aber es ist nicht gut genug, um zu streamen.

Das ist das Problem: Ob BioWare jetzt Internet hatte oder nicht, ist letztlich egal. Wichtig ist, dass der Vorfall zeigt, wie sehr das Vertrauen mittlerweile erschüttert ist.

Nach den Enthüllungen der US-Seite Kotaku über die Produkt-Entwicklung von Anthem ist das Vertrauen nachhaltig gestört.

Denn nach dem Bericht haben viele den Eindruck, BioWare hätte um die Probleme von Anthem gewusst und die Spieler getäuscht. Das führt dazu, dass jetzt viele vom Schlimmsten ausgehen und BioWare üble Absichten unterstellen.

  • Die Entscheidung von Anthem, nun Content zu verschieben, um erstmal Probleme zu lösen, wird bei BioWare als „weiteres gebrochenes“ Versprechen ausgelegt.
  • Während sie bei Massive, die bei The Division 2 genau dasselbe machen, eher positiv aufgenommen wird.

Das zeigt, wie wichtig so ein Vertrauensverhältnis zwischen Entwicklern und Spielern ist und wie unangenehm es wird, wenn das gestört ist.

Ex-Chef von Anthem äußert sich zum schwierigen Launch: Ziemlich klar, was da abging

Was kann BioWare nun tun? Es wird wohl dauern, bis sich diese Beziehung wieder normalisiert und Vertrauen aufgebaut wird.

Dafür ist es notwendig, dass BioWare wieder mehr mit den Fans kommuniziert, auch wenn man im Moment wenig zu sagen hat und die Wut der Spieler abbekommt.

Aber Schweigen macht die Situation nur noch schlimmer. Das Wichtigste ist jetzt den Fans das Gefühl zu geben, sie ernst zu nehmen und mit ihnen auf Augenhöhe zu kommunizieren.

Das war letztlich die Erfolgsformel für jedes Spiel, das sich aus einer so schwierigen Situation wieder befreien konnte.

Ein gutes Beispiel, wie man das machen kann, gab es hier bei Anthem:

Szene in Anthem ist so grausig, dass sich der Entwickler entschuldigt
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