Sollte Blizzard Classic-Server für World of Warcraft anbieten? Die Frage bewegt zurzeit viele.
Was soll das alles mit diesen Vanilla-Servern? So toll war das damalige WoW doch überhaupt nicht. Was die Leute wollen sind Gefühle, Erfahrungen und die zahlreichen Momente von damals, die World of Warcraft zu dem gemacht haben, was es heute ist, doch sind diese Zeiten nun mal vorbei. Man kann Bruchteile der Vergangenheit nicht einfach so noch einmal erleben.
Warum sollte jemand eine so veraltete Version von World of Warcraft spielen?
Das war meine ehrliche und unverblümte Meinung zum aktuell heiß diskutierten Thema rund um Legacy-Server und im Besonderen um Nostalrius, den nun heruntergefahrenen und wohl beliebtesten, privaten Vanilla-Server von World of Warcraft. Ich war der festen Überzeugung, dass World of Warcraft nun mal mit der Zeit gegangen ist und sich entwickelt hat. Wem das nicht passt, tja, der kann gucken, wo er bleibt. Mir kam das alles einfach nur hysterisch und falsch vor.
Bei WildStar haben noch alle gefeiert, dass es 40er Raids mit einem knackigen Schwierigkeitsgrad geben soll, so wie damals bei WoW, hieß es dort. Am Ende hatten die jubelnden Massen dann irgendwie doch herzlich wenig für all die “super coolen” Sachen übrig, die sie sich so lauthals gewünscht haben. Was macht also bei WoW den Unterschied? Warum sind Legacy-Server und damit eine absolut veraltete Version heutzutage noch so beliebt und heiß begehrt?
Meine Eltern hatten ein Problem mit dem Abo-Ding
Nun, ich sagte bewusst, dass das meine ehrliche und unverblümte Meinung “war”, denn die hat sich in den letzten Tagen ganz schön verändert, um nicht zu sagen, einmal im Kreis gedreht und dann beide Füße straight in der entgegengesetzten Richtung platziert. Ihr müsst wissen, dass ich damals in jungen Jahren (die zum Glück noch nicht vorbei sind) nicht auf einem offiziellen, sondern auf einem privaten Server meinen Anfang in Azeroth gemacht habe.
Meine Eltern standen dem ganzen Abo-Ding nämlich mehr als misstrauisch gegenüber, also suchte ich mir eine Alternative. Zu diesem Zeitpunkt war eine frühe Version von The Burning Crusade verfügbar, noch gänzlich ohne schwarzen Tempel.

Bevor ich auf diesen Server aufmerksam wurde, hatte ich bereits viele Stunden Testversion auf den offiziellen Servern hinter mir, alle möglichen Völker und Klassen bis Stufe 10 durchprobiert und Blut geleckt. Ich wollte dieses Spiel unbedingt mal so richtig testen, vor allem hatte ich nach jahrelangem Guild Wars ganz einfach das massive Bedürfnis die Leertaste mindestens 200 Mal zu hämmern und wie wild durch die Gegend zu springen. Manche von euch werden mich da sicherlich gut verstehen können.
Meine Zeit auf einem TBC-Privat-Server war meine schönste in WoW
Auf diesem überschaubaren Server verbrachte ich viele Monate voller Spaß und Spannung, lernte nette Leute kennen, freundete mich mit ihnen an. Wir zockten Stunden um Stunden gemeinsam, meisterten Herausforderungen, ergründeten Mysterien, lüfteten Geheimnisse und wuchsen schlussendlich immer mehr zusammen. Noch heute erinnere ich mich durchweg positiv an diese Zeit und kann mit Gewissheit sagen: Eine schönere hatte ich in World of Warcraft nie wieder.

Nicht einmal dann, als ich vom privaten Server endlich auf einen offiziellen wechseln konnte. Klar, The Burning Crusade ohne Bugs, ohne stündliche Disconnects und mit der breiten, bunten Spielerschaft der offiziellen Server war genial und Wrath of the Lich King bezeichne ich jetzt noch als Sternstunde meiner “WoW-Karriere”, doch das entscheidene Etwas fehlte mir irgendwie die ganze Zeit über.
Auf der Suche nach dem Etwas in WoW
Dieses Etwas, nachdem ich ehrlich gesagt bis heute suche, wird wohl so schnell nicht wieder zurückkommen. Dieses Etwas, dass so vielen fehlt, ist vielleicht auf ewig verloren. Das gemeinsame Erleben, Erforschen und Entdecken einer unbekannten Welt in einer Zeit, die besser dafür nicht sein könnte.
Das gemeinsame Bestreiten von Herausforderungen und Gefahren mit Leuten, die man tagtäglich im Teamspeak antraf, Leute, die über einen großen Zeitraum hinweg eben nicht nur noch “Online-Kontakte” waren, sondern zu Freunden wurden. Mit eben diesen Freunden teilte man Freude, Frust, Ehrgeiz und schlussendlich Erfolg.
Das, was meine erste und bis heute beste Zeit in World of Warcraft (The Burning Crusade) ausmacht, war die Mischung aus Geschichte, Gameplay und den Menschen, mit denen ich all diese Dinge genießen konnte.

World of Warcraft hat sich weiterentwickelt
Ich selbst habe das klassische WoW nie spielen können, jedoch glaube ich zu verstehen, warum vielen (ehemaligen) Spielern so viel daran liegt, diese Version noch einmal offiziell erleben zu können. Auch, wenn man die epischen Abenteuer der Vergangenheit nicht zurückholen, das Rad der Zeit nicht zurückdrehen und unseren kindlichen Geist nicht zurückschicken kann, so könnte doch zumindest Blizzard diese mit so vielen Emotionen verbundene Version des liebsten Spieles von damals erneut auf einige Server aufspielen und den leidenschaftlichen Fans zur Verfügung stellen.
World of Warcraft hat sich nun mal tatsächlich entwickelt, ist mit der Zeit gegangen, hat vieles verändert, entfernt und hinzugefügt. Mit der ursprünglichen Fassung ist es wohl kaum noch zu vergleichen. Ich kann nachvollziehen, dass Blizzard mit all diesen Veränderungen einige Spieler am Ende verloren hat.

Eine Chance auf echte, offizielle Legacy-Server?

Das engagierte Team von Nostalrius hat genau das für viele Fans vollbracht. Ohne den Gedanken an Profit arbeiteten sie hart dafür, dass vielen Spielern dieser große Wunsch erfüllt werden konnte, zumindest für eine Zeit lang. Ich hege großen Respekt für eine solche Hingabe und Leidenschaft. Das ist wahrlich ein großes Kompliment an das Spiel selbst und natürlich all jene, die hinter der Entstehung und Entwicklung stecken.
Aktuell heißt es, dass Blizzard das Team hinter Nostalrius nun tatsächlich zu einem Gespräch eingeladen haben soll. Wann genau dieses Treffen stattfindet ist zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht bekannt. Ich drücke fest beide Daumen, dass am Ende alles gut wird und sich Blizzard vielleicht ja doch erweichen lässt und echte, offizielle Legacy-Server in Betracht zieht. Jedenfalls würde ich das jedem, der sich das von Herzen wünscht, gönnen.
Die Debatte um Nostalrius hat mich überzeugt
Auch, wenn ich die Vanilla-World of Warcraft nie selbst wirklich erleben konnte, glaube ich nachvollziehen zu können, warum euch so viel daran liegt. Obwohl ich die ganze Debatte anfangs eher skeptisch beäugt habe, bin ich nach so vielen Einblicken in die Community und der gelungenen Ansprache von Mike Kern davon überzeugt, dass Legacy-Server eine gute und vor allem mehr und mehr unverzichtbare Option für Blizzard darstellen. Sogar ich würde mal einen Blick riskieren, denn interessieren tut mich das ursprüngliche WoW definitiv.

Alles in Allem werden unsere positiven Erinnerungen wohl Erinnerungen bleiben. World of Warcraft hat sich verändert, hat sich angepasst, ist in vielerlei Hinsicht besser, aber sicherlich auch in mancher Hinsicht weniger gut geworden. Nichtsdestotrotz wird es so schnell wohl nicht von der Bildfläche verschwinden, ob mit Legacy-Server oder ohne.
Das Gute an dieser öffentlichen Diskussion und dem Fokus auf dem Team Nostalrius ist die Möglichkeit für Blizzard zu den Wurzeln zurückzukehren, sich mit Leuten auszutauschen, die offensichtlich von Anfang an mit dabei waren und zu überlegen, welche Wege man in Zukunft gehen kann.
Die geringeren Spielerzahlen sind nicht unbedingt fatal, doch fallen sie auf. Warlords of Draenor war alles andere als das, was sich viele gewünscht haben. Vielleicht ist die
Sehnsucht nach alt bewährtem gerade jetzt auch deshalb so groß, weil man wohl dieses Mal schwerer enttäuscht wurde, als die Male davor. Ob Legion den Spielern wieder genug von dem geben kann, was sie sich wünschen, bleibt abzuwarten. Ich bezweifle jedoch so oder so, dass die Debatte um Legacy-Server bald vorüber sein wird.
Wir alle können gespannt sein, was wohl noch bei der ganzen Sache rumkommen mag.
Diese Kolumne stammt von unserem Leser Julius Keusch.
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