Steam-Spiel verspricht, dass es euch in allen anderen Shootern besser macht – Wie soll das gehen?

Steam-Spiel verspricht, dass es euch in allen anderen Shootern besser macht – Wie soll das gehen?

In Kreisen von Shooter-Fans macht das kleine Steam-Spiel Oblivity gerade die Runden. Dieser Aim-Trainer will nämlich einen Schritt weiter gehen als Kovaak’s oder Aim Lab: Es verspricht, dass es für euch die perfekten Maus-Einstellungen findet. Wie soll das funktionieren, und kann das Spiel halten, was es verspricht? MeinMMOs Shooter-Experte Marko Jevtic ordnet das für euch ein.

Der vielleicht wichtigste Aspekt für gutes Shooter-Gameplay ist die Geschwindigkeit, mit der ihr euer Fadenkreuz über den Bildschirm bewegt – die sogenannte Maus-Empfindlichkeit (engl.: Mouse Sensitivity) für PC-Shooter.

Denn wenn ihr eine Einstellung findet, die quasi perfekt auf eure eigenen Gewohnheiten beim Aiming passt, könnt ihr automatisch besser die Headshots in euren Lieblings-Shootern landen.

Das neue Steam-Spiel Oblivity ist ein Shooter mit einem extra Versprechen, der sehr interessant klingt: Es will für euch die perfekte Maus-Empfindlichkeit ermitteln, damit ihr in allen anderen Shootern besser werdet.

Über den Autor: Seit Marko in einem Internet-Café (viel zu jung) Counter-Strike 1.6 gespielt hat, ist er ein riesiger Fan von kompetitiven Shootern. Von Quake über Call of Duty bis Halo – quasi alle namhaften Ballerspiele auf dem Markt hat er gezockt und gemeistert.

Als Moderator von Discord- und Reddit-Communitys hilft er PC-Neulingen, Streamern und E-Sports-Profis dabei, besser in Shootern zu werden und die richtigen Einstellungen zu finden. Auch mit dem ehemaligen Quake-Profi Kovaak (vom gleichnamigen, beliebten Aim Trainer) ist er dadurch in fast täglichem Kontakt.

Doch klappt das überhaupt? Und lohnt sich der Preis von 7,99 € für Oblivity (via Steam)? Das möchte ich euch hier erklären.

Seht hier den Trailer zu Oblivity – Find Your Perfect Sensitivity:

Oblivity im Trailer

Oblivity ist ein Shooter, den ihr nur für andere Shooter spielt

Wer Shooter auf einem hohen Niveau spielt, weiß, wie wichtig gute Einstellungen und Peripherie sein kann. Nach einer jahrelangen Suche nach dem perfekten Mauspad bin ich bei einem Glas-Pad gelandet, und auch meine teuren Xbox-Controller will ich perfekt ausstatten.

Auch die Frage nach der richtigen Maus-Empfindlichkeit für jeden Spieler beschäftigt mich seit Jahren. Wie findet man am besten etwas so Wichtiges heraus – vor allem, wenn jeder Spieler andere Gewohnheiten hat und unterschiedliche Spiele zockt? Oblivity will diese Frage spielerisch beantworten.

Oblivity ist ebenfalls ein Aim-Trainer, wie etwa das kostenlose Aim Labs oder das etablierte Kovaak’s. Hier können Spieler in einer virtuellen Schießbude an ihren Shooter-Skills arbeiten und sich mit Highscores verewigen lassen.

Tüftler baut einen echten Aimbot, der besser zielt als Profis

Oblivity hat aber einen ganz anderen Fokus, den der komplette Titel des Spiels schon verrät: „Oblivity – Find your Perfect Sensitivity“.

Statt einfach verschiedene Schießstände anzubieten, will das Spiel mit mathematischen Algorithmen und reglementierten Trainings-Szenarios für euch die perfekten Maus-Settings herausfinden. Ihr spielt Oblivity also idealerweise nur, um besser andere Shooter zocken zu können.

Wenn ihr das Spiel startet, müsst ihr zunächst ein Spieler-Profil erstellen. Hier geht es aber nicht um das Aussehen eines Avatars, sondern um eure eigenen Aiming-Gewohnheiten in Shootern. Um die richtig herauszufinden, müsst ihr dem Spiel ein paar Fragen beantworten.

Hier sind manche dieser Fragen:

  • Welche Shooter spielt ihr?
  • Welche Settings benutzt ihr in diesen Shootern?
  • Wie bewegt ihr eure Maus – nur mit dem Handgelenk, mit dem ganzen Arm, oder einer Mischung aus beidem?
  • Wie viel Platz habt ihr auf dem Mauspad?
  • Wie gut schätzt ihr euch in Shootern ein?
  • Wie lange wollt ihr spielen, bis euch Oblivity die „perfekte Einstellung“ verrät?

Sobald ihr diese Fragen beantwortet habt, wählt ihr eine Playlist von verschiedenen Schießbuden-Szenarien, die zu eurem Lieblingsspiel passen. Mal müsst ihr hin- und herwandernde Ziele präzise verfolgen, andere Male schnell zwischen mehreren Zielscheiben springen.

Das klingt so weit zwar nach den üblichen Aim-Trainern, doch Oblivity nutzt einen Trick: Es ändert immer wieder eure Maus-Geschwindigkeit und lässt euch dieselben Szenarien mit den neuen Einstellungen probieren.

Mit einer festen Anzahl von Wiederholungen an jedem Tag sollt ihr so ganz viele verschiedene Maus-Empfindlichkeiten ausprobieren. Das Spiel berechnet dann im Hintergrund für euch, mit welcher ihr am besten getroffen habt. Am Ende spukt es euch das dann als „perfekte“ Einstellung aus.

Abhängig davon, wie ihr bei der Frage „Wie viel Zeit habt ihr?“ geantwortet habt, müsst ihr das unterschiedlich oft und lange wiederholen. Das sind eure Möglichkeiten:

  • 1 Tag mit 120 Übungen.
  • 3 Tage mit insgesamt 225 Übungen, 50 am Tag.
  • 4 Tage mit insgesamt 325 Übungen, 50 am Tag.
  • 7 Tage mit insgesamt 630 Übungen, 75 am Tag.
Oblivity Erfolgs-Programm

Je öfter und länger ihr diese Übungen macht, umso besser soll das Ergebnis sein, sagt Oblivity.

Das klingt nach viel Arbeit und dem Nerd-Äquivalent zu einem harten Workout-Programm in der Mucki-Bude. Aber bringt das überhaupt was?

„Finde deine perfekte Empfindlichkeit“ – Geht das überhaupt?

So wichtig ich es auch finde, dass man sich über die genutzten Settings mal Gedanken macht, wenn man besser werden will – die Idee nach den „perfekten Einstellungen“ ist meiner Meinung nach Humbug. Es ist Schlangenöl für Leute, die nach einer schnellen Lösung für grundlegende, komplexe Probleme suchen.

Denn präzises Ballern in Shootern passiert nicht, wenn man die genau richtige Zahl findet oder wenn man das „Muskelgedächtnis“ ausreichend trainiert und stimuliert. Aiming ist nichts weiter als gute Hand-Augen-Koordination und schnelle Reaktion – und dafür gibt es keine „perfekten Einstellungen“. Es ist stattdessen einfach eine Sache der Übung, Gewohnheit und Anpassungsfähigkeit.

Ich verwende für fast jeden Shooter eine ganz andere Einstellung, ändere auch täglich etwas – wenn ich mich etwa schlapp fühle, setze ich die Mausgeschwindigkeit paar Prozentpunkte höher als am Vortag. Schaden tut mir das nicht, ganz im Gegenteil.

Wenn ich mit mehreren, teilweise drastisch anderen Maus-Geschwindigkeiten umgehen kann, verbessere ich insgesamt meine Skills im Bewegen der Maus. Das bedeutet direkt, dass ich präziser Ballern kann – unabhängig von allen Einstellungen und Spiel-Situationen. Das Ausprobieren von vielen verschiedenen Einstellung ist meiner Meinung nach also der allerschnellste und beste Weg, sich in Shootern zu verbessern.

Das sagen Experten wie Kovaak zu Oblivity

Als ‚Quacksalberprodukt‘ will ich Oblivity trotzdem nicht bezeichnen. Denn der grundlegende Ansatz von diesem Programm ist komplett in Ordnung.

Das Spiel automatisiert nämlich das, was ich allen interessierten Neulingen empfehle: Teste viele verschiedene Einstellungen aus, und schau, welche sich am besten anfühlt.

Ich habe KovaaK auch in einem meiner Gespräche mit ihm nach seiner Meinung zu Oblivity gefragt. Es handelt sich zwar in gewisser Weise um ein Konkurrenzprodukt zu seinem eigenen Aim-Trainer, doch ich habe ihn nicht als Person kennengelernt, die alternative Herangehensweisen schlechtredet.

KovaaKs Antwort war, dass das Spiel als Aim-Trainer eine sehr gute Basis hat, aber die Idee einer perfekten Empfindlichkeit schwierig sei:

Ich bin allerdings kein Fan des Konzepts der „perfekten Empfindlichkeit“. Man kann optimale Hand-, Handgelenk- und Armbewegungen finden, die gut funktionieren und eine perfekte Kontrolle ermöglichen, aber die Umsetzung im Spiel ist eine Funktion der Entfernung zum Ziel und der Mausgeschwindigkeit. Solange man also keine statische Entfernung zum Ziel hat, gibt es so etwas wie eine perfekte Empfindlichkeit nicht.

KovaaK über Oblivity
Oblivity Kovaak Antwort Discord
KovaaKs Antwort auf meine Nachfrage, was er von Oblivity hält

Ein Programm, das automatisch die Empfindlichkeit variiert und eure Leistung festhält und analysiert, halte also nicht nur ich für eine großartige Idee. Hier kann Oblivity wirklich punkten.

Doch das Versprechen nach „Perfektion“ ist trügerisches Marketing, was leider genau die falschen und irreführenden Ideen verkauft, vor denen ich und Leute wie Kovaak warnen.

Dazu hat das Spiel ein weiteres fundamentales Problem in der Logik. Es ignoriert, dass ihr mit mehr Spielzeit in der digitalen Schießbude allgemein besser werdet – auch mit Einstellungen, die ihr schon lange nicht mehr probiert habt.

Der Algorithmus vom Trainings-Programm vergisst also, den Trainings-Effekt mitzuberechnen. Das Ergebnis wird also auf jeden Fall verfälscht. Das zeigt wieder, wie fehlgeleitet die Suche nach objektiv perfekten Einstellungen ist.

Wer also Oblivity holen will, um die perfekte Einstellung zu finden, dem würde ich aus Prinzip von dem Programm abraten. Falls ich aber einer einfachen Methode haben wollt, mehrere Einstellungen in einem soliden digitalen Trainings-Umfeld zu testen, kann sich Oblivity definitiv anschauen.

Ihr könnt das aber auch genauso gut in dem Spiel eurer Wahl ausprobieren, indem ihr einfach immer wieder die Einstellungen ändert.

Falls ihr übrigens wissen wollt, was für mich der wohl beste Shooter des Jahres 2022 sein wird, habe ich hier einen Artikel für euch:

Vergesst Steam oder PS5 – Der beste Shooter 2022 kommt auf die Switch

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Stimme aus dem Off

Wenn ihr euch mit einer „gewohnten“ Wischbewegung genau 180° dreht, dass ist die perfekte Einstellung für euch. Kann man sich die 8 Tacken sparen.

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