Darum sollte jeder, der eine PS4 hat, Detroit Become Human spielen

Cortyn hat Detroit Become Human gezockt und es verschlungen. Cortyn glaubt: Jeder, der eine PS4 besitzt, sollte „Detroit Become Human“ spielen. Warum das Spiel so begeistert, verraten wir hier.

Es ist schon eine Weile her, dass ich ein PlayStation-Spiel so verschlungen habe, wie Detroit Become Human. Streng genommen war der letzte Titel der Vorgänger Beyond: Two Souls, sodass ich meiner Tradition treu bleibe, die Spiele von Quantic Dream „durchzusuchten“. Und es hat sich gelohnt.

Als erstes eine kleine Entwarnung: In diesem Artikel werden keine besonderen Wendungen der Story von Detroit Become Human verraten. Es geht lediglich um das Grundsetting, die generelle Entscheidungsfreiheit und einzelne Details und ihre Auswirkungen.Detroit: Become Human™_20180529235506

Detroit Become Human spielt in der nicht so fernen Zukunft des Jahres 2038. Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz ist inzwischen so weit vorangeschritten, dass Androiden kaum noch aus dem Alltag wegzudenken sind. Sie haben Arbeiter ersetzt, übernehmen Büro-Tätigkeiten, dienen im Haushalt als Assistent oder gar als Sexualpartner, der jede Sehnsucht erfüllt, ohne sich zu beschweren.

Im Spiel übernehmen wir abwechselnd die Kontrolle über drei Androiden:

  • Den Haushaltandroiden Kara, den man schon aus dem alten Technik-Trailer von Quantic Dream kennt.
  • Den Ermittler-Prototypen Connor, der im Polizeidienst seine Hilfe anbietet.
  • Marcus, der einen alten Mann pflegt und als Ersatz für einen Sohn dient.

Androiden proben den Aufstand – Defekte Maschinen oder Lebendiges Volk?

Die Story dreht sich im weitesten Sinn um philosophische Fragen: Was passiert, wenn Maschinen ein Bewusstsein entwickeln und zu dem Schluss kommen, dass sie selbst lebendig sind? Denn immer mehr Androiden werden zu sogenannten „Abweichlern“ und wenden sich gegen ihre Besitzer oder verschwinden einfach spurlos.

Wie schon so oft in Filmen und Bücher behandelt, geht es um den Zeitpunkt, an dem Androiden sich als „menschlich“ herausstellen. Und das wirft die Frage auf, was genau Menschlichkeit eigentlich definiert. Sind die Androiden nur ein Haufen Plastik, der verschrottet werden sollte? Oder sind das die ersten Schritte einer neuen, überlegenen Spezies, geschaffen von der Menschheit?

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Die Androiden „erwachen“ – Gefahr oder friedliche, neue Spezies?

Entscheidungen die endlich Konsequenzen haben

Ich hasse nichts weniger als Entscheidungen in Spielen, die gar keine sind. Wenn ich zwar unterschiedliche Antworten wählen kann, das Endergebnis aber stets das gleiche ist. „Will ich mit dem Bösewicht verhandeln, ihn überwältigen oder ihm ausweichen? Ach, egal – am Ende erschießt er die Geisel sowieso.“ Genau so etwas findet man in Detroit nicht.

Die meisten Entscheidungen haben Konsequenzen und das mitunter heftig. So kann es durchaus sein, dass ein Charakter schon früh in der Handlung ausscheidet oder ein einziger Fehler sorgt erst weit in der Zukunft für schwere Konsequenzen.

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Manche Entscheidungen sind nicht wählbar – etwa weil bestimmte Hinweise nicht gefunden wurden.

Ein kleines Beispiel: Als Kara hat man früh in der Handlung die Möglichkeit, eine Schusswaffe zu finden und an sich zu nehmen. Nimmt man die Pistole an sich, dann hat Kara in fast allen kommenden „kritischen Momenten“ immer die Möglichkeit, zur Waffe zu greifen, um die Situation noch zu retten. Allerdings könnte die Waffe auch dafür sorgen, dass man durch bestimmte Kontrollen nicht kommt oder als besonders auffällig eingestuft wird.

Oft bleiben nur wenige Sekunden, um eine Entscheidung zu fällen. Und manchmal wünscht man sich viele Stunden später, einen anderen Weg eingeschlagen zu haben.

Nichts für Gameplay-Fetischisten

Doch nicht alles ist objektiv „gut“ an Detroit Become Human. Das Gameplay ist, wie man es aus den Vorgängern kennt, nicht sonderlich anspruchsvoll. Im Regelfall geht es nur um das Treffen von Entscheidungen oder Quick Time Events, bei denen die richtigen Tasten gehämmert werden müssen, denn Fehler können tödliche Konsequenzen nach sich ziehen – für Haupt- und Nebencharaktere.Detroit: Become Human™_20180530033516

Das passt hervorragend zum Spiel, könnte aber all jene stören, die auf ausgereifte Kampfsysteme stehen. Das sollte man bei Detroit nicht erwarten.

Gesellschaftskritik gut verpackt

Die Zukunftsvision von Detroit ist so überzeugend, weil sie nicht so weit von unserer Realität weg ist und die Auswirkungen alle logisch erscheinen. Maschinen werden immer mehr Jobs verschwinden lassen und Androiden als Ziel von Frust erscheint logisch, wenn dadurch Existenzen bedroht werden.

Immer wieder wird im Spiel erwähnt, dass die Arbeitslosigkeit dank der Androiden auf 35% und höher angestiegen ist und mehr und mehr Menschen sich von den Maschinen ersetzt fühlen.Detroit: Become Human™_20180530041653

Kein Schwarz oder Weiß – aber verdammt viel grau

Wer schon andere Spiele von David Cage gespielt hat (Fahrenheit, Heavy Rain, Beyond: Two Souls), der kennt den Ablauf und auch die Art der Entscheidungen, vor die das Spiel einen stellt. Nur in den wenigsten Fällen gibt es eine klare „gute“ Lösung für ein Problem. Es gibt keinen Weg, bei dem alles gelingt.

Als Connor kann ich nicht alle Menschen beschützen, den Täter überlisten und gleichzeitig keinen Schaden davon tragen.

Als Kara kann ich nicht alle Menschen und Androiden verschonen, ohne selbst entdeckt zu werden. Ablenkungen sind notwendig und Opfer müssen gebracht werden.Detroit: Become Human™_20180530023539

Mehrfach saß ich hörbar schluckend vor dem Bildschirm und schaute mir die Auswirkungen meiner Entscheidungen an. Manchmal war ich zufrieden mit dem Ergebnis. Manchmal kamen mir die Tränen und ich schüttelte fassungslos den Kopf.

Es gibt kein schwarz und weiß in Detroit. Nur grau. So verdammt viel grau.

Wiederspielwert dank Entscheidungs-Diagramm

Am Ende jeder größeren Szene bekommt der Spieler ein Bild gezeigt, das alle Enscheidungen mit ihren unmittelbaren Konsequenzen auflistet (wohlgemerkt – die Auswirkungen in der Zukunft werden nicht gezeigt). Dabei wird auch schemenhaft angedeutet, welche alternativen Pfade man hätte einschlagen können. So manches Mal war ich erstaunt darüber, ganze Handlungsstränge wohl vollständig übersehen zu haben.

Detroit: Become Human™_20180528234913Dem Anschein nach variiert die Dauer einzelner Szenen um viele Minuten, je nach Entscheidung. Manche Szenen gibt es sogar nur zu sehen, wenn man einen bestimmten Pfad wählt. Das steigert den Drang des Wiederspielens ungemein.

Übrigens: Die deutsche Vertonung ist gelungen. Sie steht der englischen in nichts nach.

Das beste Hauptmenü aller Zeiten

Die Genialität von Detroit zeigt sich aber auch an vielen kleinen, anderen Stellen im Spiel. Nehmen wir etwa das Hauptmenü. Im Hintergrund ist ständig eine hübsche Androidin zu sehen, die uns bei jedem Starten des Spiels begrüßt. Sie fragt nach, ob wir bisher einen schönen Tag hatten, erklärt uns, dass ihr unsere Inneneinrichtung gefällt. Doch auch diese Androidin im Hauptmenü wandelt sich mit der Zeit. Gelegentlich stellt sie uns vor Umfragen oder erklärt, dass sie schon ganz gespannt sei, was für Entscheidungen wir dieses Mal treffen.Detroit: Become Human™_20180529003124

Auch ihre Mimik wandelt sich langsam. Aus dem freundlichen, erwartungsvollen Gesicht wird langsam etwas ahnendes, etwas wissendes. Man erkennt, wie die Gedanken in ihrem Kopf auf Wanderschaft gehen und wie sie sich die gleichen Fragen stellt, wie die Androiden im Spiel. Es ist ein kleines Detail, das vielen vermutlich entgehen wird – aber mich hat es hellauf begeistert.

Wer eine PlayStation 4 besitzt und endlich mal wieder eine grandiose Story mit hohem Wiederspielwert erleben will, der sollte sich Detroit Become Human schnellstens zulegen. Das Spiel hat mich einmal mehr daran erinnert, warum ich Videospiele so liebe.Detroit: Become Human™_20180530043257

Und jetzt entschuldigt mich bitte. Ich muss das Spiel noch einmal durchzocken …

Detroit: Become Human - [PlayStation 4]*
Sony Computer Entertainment - Videospiel
47,30 EUR

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