„Animes werden immer langweiliger“, sagt ein Studio-Chef – Und wir sind schuld

„Animes werden immer langweiliger“, sagt ein Studio-Chef – Und wir sind schuld

Bevor Animeserien zu uns in den Westen schwappen, laufen sie zunächst im Produktionsland. Sobald eine Serie in Japan erfolgreich ist, wird sie auch im Rest der Welt veröffentlicht. Doch laut dem Chef des Animationsstudios Pierrot, das für Anime-Hits wie Naruto und Bleach verantwortlich ist, ist das Publikum im Westen ein großes Problem für die Anime-Branche.

Woran hat der Westen Schuld? Wie Studio-Chef Michiyuki Honma in einem Interview mit dem Natalie-Magazin erklärt, sei es schwierig, eine Anime-Serie zu produzieren, die im Ausland beliebt ist oder als langfristige Serie geplant ist. Er behauptet, dass Animes durch die Veröffentlichung im Westen, also außerhalb Japans, immer langweiliger werden.

Demnach müssten sich Animationsstudios bei einigen Punkten einschränken, wenn sie Animeserien erstellen, für die eine Veröffentlichung im Westen geplant ist:

  • Charaktere dürften nicht rauchen, damit sie im Ausland gezeigt werden dürften. Ein prominentes Beispiel dafür ist die 4Kids-Zensur von Sanji, der einen Lolli lutscht statt raucht (via One Piece Pedia).
  • Die Gewalt in actionreichen Animes muss abgeschwächt werden. Das Studio war sogar mit einem eigenen Anime von so einer Zensur betroffen. In Deutschland wurde Naruto in einer so stark geschnittenen Version gezeigt, dass Inhalte völlig aus dem Kontext gerissen wurden.
  • Laut Honma müssten „sexy Ausdrücke“ vermieden werden. Es kam bereits vor, dass ganze Serien und Filme in Ländern ausgelassen wurden, weil Szenen mit Nacktheit nicht entfernt wurden. Ein prominentes Beispiel ist der zweite Kinofilm zu Demon Slayer. Der Film wurde aus den Kinosälen in Saudi-Arabien aufgrund einer Badeszene von Mitsuri Kanroji, die auch als Liebessäule bekannt ist, verbannt (via X).

Ein ähnliches Phänomen ist in Videospielen zu beobachten. Ein Beispiel: Im Westen wurde durch IGN France bei Stellar Blade bemängelt, dass die Protagonistin „von jemandem sexualisiert werden würde, der noch nie eine echte Frau gesehen habe“. Die Diskussion fand ihren Weg nach Südkorea: Die koreanische Version des Maxim-Magazins fragte, wie ein Körper unrealistisch sein könne, wenn er auf einer echten Frau basiere.

Für Honma würde zu sehr bei der Gewalt gespart werden. Überzeugt euch selbst vom Gewaltgrad im folgenden Trailer:

Anime-Produzenten pendeln zwischen zwei Wegen

Honma glaube nicht, dass die Menschen im Westen Animes sehen wollen, die vieler solcher Ausdrücke enthielten. Doch das Problem sei, dass Animeserien, die in Japan ein Hit sind, auch in den Westen kommen. Und darauf ziele man schließlich ab.

Er fügt hinzu, dass die Produktionsstudios bei ihren Animes aufpassen sollten, nicht den falschen Ansatz zu wählen. Damit meint er wohl, dass die Serien nicht eingeschränkt werden sollten, nur damit sie im Rest der Welt beliebter sein könnten.

Seiner Aussage nach müssten die Studios egoistischer werden, damit Animes nicht „langweiliger“ werden würden. Vermutlich ist der goldene Mittelweg die perfekte Lösung, damit der Anime ein globaler Hit wird.

Woher kennt man das Studio Pierrot? Naruto und Bleach sind nicht die einzigen Animes des Studios. Das Unternehmen produziert seit 1979 Anime-Serien. Ihr erstes Werk wirkt vielleicht nicht auf den ersten Blick wie ein Anime, doch tatsächlich handelt es sich bei „Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ um eine Produktion aus dem japanischen Studio Pierrot.

Auch Yu Yu Hakusho, zu dem aktuell eine Netflix-Realverfilmung zu sehen ist, stammt ursprünglich aus Studio Pierrot. Daneben entstanden Serien wie Kickers,Tokyo Ghoul, Black Clover und Great Teacher Onizuka in dem Studio. Honma selbst ist seit 2012 als Präsident des Unternehmens tätig, er bringt also einige Jahre an Erfahrung mit.

Mittlerweile hat Naruto den Staffelstab an seinen Sohn Boruto weitergegeben. Der Anime dazu wird ebenfalls bei Pierrot animiert. Es deutet sich an, dass Borutos Schwester Himawari bald eine ebenso große Rolle spielen wird:

Boruto: Der Manga enthüllt, wieso Narutos Tochter eine der stärksten Ninjas werden könnte

Quelle(n): Jeux Video
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Lex Ultima Ratio
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Walez

Angesichts von Crunchyroll und der Bedeutung von Anime-Streamingdiensten allgemein (zBsp Simulcast, weltweite gleichzeitige VÖ) wirkt seine Aussage ein wenig aus der Zeit gefallen. Ich habe nicht das Gefühl, lese aktuell auch die neusten Mangas von Jujutsen Kaisen und sehe keine gravierenden Abweichungen zum Anime, das sich Wit Studio, Studio Deen oder Mappa bei zBsp „Anzüglichkeiten“ in Konosuba, bei Gewaltdarstellungen in AoT oder Chainsaw Man, zurückhalten würden oder sich einschränken müssten. Das Länder, in denen es keine Trennung Staat/Kirche gibt, bei Sexthemen pikiert reagieren, ist dazu kein Novum und kann sicherlich nicht allgemeingültig „für den Westen“ behandelt werden. Ich habe bei der sehr verallgemeinernden, pauschalen Aussage von Honma vielmehr das Gefühl, das sie seit Black Clover ein wenig den Erfolg hinterher rennen, von Mappa und A-1 Pictures abhängt werden und nun einen Schuldigen suchen. Das in den 80-90iger Jahren Anime, für Jugendschutz und Werbeblöcke zerschnippelt und zerstört wurden, sich Progammdirektoren nicht für die richtige Reihenfolge der Geschichte interessierten, ist unbestreitbar, doch heutzutage darüber zu jammern, das sie nicht alles zeigen dürften, finde ich merkwürdig.

Ragna

Doch. Wir (wenigstens) ich wollen/will die Animes genau so haben, wie die Mangaka und Studios es sich vorstellen. Mit allem drum und dran. Allen Ideen und allen Vorstellungen. Mir ist nie aufgefallen, dass die breite Masse es toll gefunden hätte, dass soviele Animes, teilweise so stark zensiert raus kamen, dass selbst der Kontext teilweise nicht mehr verstanden wird. Das sind irgendwelche Menschen, die das entscheiden die leider die Essenz der anime/games nicht verstehen und lieber ihre Agenda durchdrücken.

Und das alles natürlich im Namen der Gleichberechtigung, Kinderschutz, Terrorismusschutz, Jugendschutz, Schutz vor Jungen Männern die Frauen aufgrund eines Animes nurnoch als Fleischobjekte sehen und weiß nicht, was die sich da alles noch auf die Fahne schreiben.

Einfach nur nervig.

Aber das kann der Westen sowieso am besten. Anderen Kulturen und Menschen sagen, was gut ist, was ethisch ist, was moralisch ist und wie man sich zu verhalten hat. Das hat der Westen schon damals mit den Kreuzzügen gemacht und immer und immer wieder in der Geschichte. Ständig versucht der Westen seine Werte anderen Kulturen aufzuzwingen.
Wir wollen alles haben, aber bitte so, dass es uns gefällt. Wie könnten wir Kunst nur so akzeptieren, wie sie eigentlich geschaffen worden ist?

Das ist das was ich kulturelle Aneignung nenne. Ohne Respekt vor den Erschaffern dieser Medien.

Zuletzt bearbeitet vor 24 Tagen von Ragna
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