GameStar.de
› Survival-MMOs liegen im Trend – Genau wie damals „WoW“-Klone …
Ark Survival Dinosaurier

Survival-MMOs liegen im Trend – Genau wie damals „WoW“-Klone …

Survival-MMORPGs scheinen sich zum nächsten großen Genre zu entwickeln, welches aber vielleicht gar nicht so groß sein wird. Zudem droht die Gefahr, dass den Spielen ein ähnliches Schicksal blüht wie den Klonen von World of Warcraft.

Wie ARK: Survival Evolved zeigt, können Survival-Spiele durchaus viel Spaß machen. Sich eigene Waffen zu bauen, Schutz zu finden, sich gegen Monster zu wehren und gemeinsam mit anderen Spielern zu interagieren oder sich dem Risiko von PvP zu stellen, das übt schon einen gewissen Reiz aus. Die Frage ist nur, ob man dies ständig braucht.

Die Spielmechaniken von Survival-Games unterscheiden sich kaum voneinander. Das zeigte nun die Ankündigung von New Dawn. Dessen Featureliste hört sich an, als wäre sie von Conan Exiles kopiert – inklusive Versklavung von NPCs. Doch anstatt in einer Fantasywelt agiert man in New Dawn auf einer Karibikinsel.

conan-exiles-alpha-kampfContent bringt Abwechslung

Survival-Games bieten in der Regel nicht mal Quests, was es für Entwickler einfacher macht, diese Spiele zu entwickeln. Es muss kein Content erstellt werden. Doch gerade dieser Content könnte für die nötige Abwechslung sorgen. Das ist es auch, was viele reguläre MMORPGs oder auch Single-Player-Spiele voneinander unterscheidet.

Man will die neue Story erleben, Quests absolvieren, an der Entwicklung einer Geschichte teilhaben. Das interessiert natürlich nicht jeden, stellt für viele Spieler aber dennoch einen Grund dar, neue Spiele auszuprobieren.

Fehlt dies in einem Survival-Game, bleiben die Mechaniken und das Szenario übrig. Das Szenario ist vielleicht noch vernachlässigbar. Ob man auf einer Karibikinsel versucht zu überleben oder in einem ähnlich aussehenden Spielgebiet einer Fantasywelt, macht keinen großen Unterschied.

Es kommt also zu einem großen Teil darauf an, wie sich das MMO spielt. Welche Möglichkeiten bietet es dem Spieler, welche Freiheiten? Was kann man erreichen, was kann man tun? Unterscheiden sich diese Mechaniken von Survival-Game zu Survival-Game kaum voneinander, dann kommt die Frage auf, warum jemand mehrere Survival-MMOs spielen oder wechseln sollte.

Das Klonen von WoW hat schon nicht geklappt

Ein ähnliches Problem trat Miite der 2000er auf, als Blizzards World of Warcraft den Markt aufmischte. Das Spielprinzip überzeugte und lockte die Spieler in Massen an. Andere Studios wollten ein Stück des Kuchens abhaben und entwickelten MMORPGs, die sich stark an WoW orientierten. Keines konnte an den Erfolg anknüpfen und es stellte sich bei den Spielern eine Übersättigung ein.

Ähnliches könnte bei den Survival-MMOs passieren. Entwicklerstudios sehen, dass dieses Untergenre derzeit gut ankommt, also will man ein eigenes Spiel entwickeln, das sich im Erfolg von ARK sonnen soll.

Dabei werden aber einige Dinge übersehen:

1. Hat man aus der Vergangenheit nichts gelernt? Dasselbe Spiel hatten wir doch bei WoW schon einmal und man hat gesehen, wohin das Klonen des Spielprinzips geführt hat.

2. Survival-MMOs bedienen bereits eine Nische des MMORPGs-Genres. Macht es Sinn, diese Nische noch weiter zu splitten? 

H1z1-MacheteWer soll das spielen?

Die Frage ist: Werden Spieler von ARK zu Conan Exiles wechseln? Oder zu New Dawn? Zu Jurassic Park: Survivor? Können diese Spiele „eigene“ und neue Spieler anlocken? Wenn ja, warum haben diese bisher nicht ARK gespielt, wenn sich die Games kaum voneinander unterscheiden? Vielleicht werden sich mit der Zeit einige wenige Survival-MMOs auf dem Markt etablieren, so, wie das bei Fußball-Spielen der Fall ist.

Der Markt ist hier aufgeteilt zwischen FIFA und Pro Evolution Soccer. Mehr Fußball braucht die Computerspiele-Welt wohl einfach nicht. Ähnlich wird es wohl auch bei den Survival-MMOs sein, was aber auch bedeutet, dass der Großteil einfach verschwinden wird. Kommt dann der nächste Trend auf, wird man sehen, ob sich wieder alle Spielestudios darauf stürzen. Meine Einschätzung: Ja, das werden sie immer wieder tun.


Aus Sicht der Entwickler:

Funcom: Ex-MMO-Spezialist will mit Conan Exiles ins Trend-Genre Survival

Andreas Bertits blickt auf über 10 Jahre Berufserfahrung im Gaming-Journalismus zurück. Er war 6 Jahre Redakteur des Spielemagazins PC Games, bevor er sich selbstständig machte und ist nach wie vor leidenschaftlicher Gamer.