Der britische Retro-Sammler Darius Khan investierte eine fünfstellige Summe in seltene Entwickler-Hardware von Sega. Was für ihn wie ein legaler Glücksgriff wirkte, endete unverhofft in einer Hausdurchsuchung und einer Beschlagnahmung seiner Sammlung.
Wie konnte es dazu kommen? Der 32-jährige Darius Khan aus Stratford im Osten Londons hätte nach eigenen Angaben fast 10.000 Pfund (ca. 11.500 Euro) für Prototypen, Spiele und weitere Hardware gezahlt, die im früheren Sega-Hauptsitz in Brentford zurückgeblieben waren.
Eine mit der Räumung beauftragte Umzugsfirma habe ihm die Geräte nach dem Umzug des Unternehmens nach Chiswick angeboten. Darunter hätten sich Devkits zur Spieleentwicklung sowie teils unveröffentlichte Titel befunden (Daily Mail).
Khan, der sonst Möbel und Haushaltsgeräte für den Export nach Westafrika ankaufe, hätte in Teilen einen gewinnbringenden Weiterverkauf geplant. Doch kurz nachdem der Sammler begonnen habe, Teile der Hardware weiterzuverkaufen, stand wohl die Polizei vor seiner Tür (PCGamer).
City of London Police, Open up!
Warum interessiert sich die Polizei für alte Entwicklerkits? Der Auslöser war offenbar nicht allein der Besitz der Hardware, sondern ihr Weg über mehrere Stationen – und der geplante Weiterverkauf.
Wie PC Gamer sowie Khan selbst (Gamers Nexus) schildern, gerieten die Devkits ins Blickfeld eines Videospielmuseums, das ein besonderes Interesse an der Hardware zeigte.
In diesem Zeitraum tauchte ebenfalls eine Person namens „Paul“ auf, die eine zentrale Rolle spielte. Nach Darstellung Khans soll dieser „Paul“ Kontakt aufgenommen und Interesse an den Geräten signalisiert haben.
Im weiteren Verlauf hätte sich daraus jedoch kein normaler Kaufprozess entwickelt. Stattdessen wären offenbar Behörden eingeschaltet worden. Laut Daily Mail war „Paul“ kein gewöhnlicher Interessent, sondern Privatermittler einer auf geistiges Eigentum spezialisierten Firma.
Das Videospielmuseum startete indes eine Online-Spendenaktion, um die gesamte Sammlung zu erwerben. Wie PCGamer vermutet, könnte die Aktion in Kombination mit den Ermittlungen des Privatdetektivs die Polizei veranlasst haben, sich einzuschalten. Die Polizei führte schließlich eine Hausdurchsuchung durch und beschlagnahmte die Hardware (Daily Mail).
Im Raum standen laut Bericht unter anderem Vorwürfe im Zusammenhang mit möglichen Eigentumsrechten an den Devkits. Entwicklerkits werden üblicherweise nur leihweise ausgegeben. Selbst wenn sie später entsorgt oder abgeschrieben werden, kann unklar sein, ob sie rechtlich tatsächlich in den freien Besitz übergehen dürfen (Encyclopedia).
Vierstellige Summe konfisziert
Wie reagierte der Sammler? Der Betroffene äußerte sich öffentlich zu dem Vorfall und zeigte sich schockiert über das Vorgehen. Für ihn seien die Devkits Teil der Videospielgeschichte gewesen, die er einerseits bewahren und in Teilen weiterverkaufen wollte.
Mit der Beschlagnahmung verlor Darius Khan somit Hardware im Wert von über 11.000 Euro.
Der Fall zog so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass inzwischen eine ausführliche Dokumentation dazu veröffentlicht wurde. In der YouTube-Doku wird der gesamte Ablauf rekonstruiert – vom Kauf der Geräte bis zur Hausdurchsuchung.
Hier seht ihr die vollständige Dokumentation zum Fall:
Wie geht es nun weiter? Versehentlich an das Portal Gamers Nexus gesendete E-Mails legen mittlerweile nahe, dass Sega die Firma Waste to Wonder mit der Entsorgung von Elektroschrott aus den Büroräumen beauftragte. Der Auftrag wurde wiederum an einen Subunternehmer weitergegeben, der alles zu einer Entsorgungsanlage bringen sollte.
Für sensible Gegenstände war jedoch ein anderes Unternehmen vorgesehen – diese Abholung fand offenbar nicht statt. So könnte es letztlich dazu gekommen sein, dass Darius Khan die Hardware überhaupt hat kaufen können.
In jedem Fall wird gegen Khan inzwischen ermittelt. Sollten die E-Mails jedoch authentisch sein, spreche vieles dafür, dass er sich nicht strafbar gemacht habe (Kotaku).
Solche kuriosen und zugleich heiklen Fälle sind im Hardware-Bereich übrigens keine Seltenheit. Erst kürzlich sorgte eine ungewöhnliche Entwickler-Grafikkarte auf eBay für Schlagzeilen, bei der ebenfalls unklar war, wie sie überhaupt in private Hände gelangen konnte: Deal auf eBay erstaunt Nutzer, bestellt eine Grafikkarte, die gar nicht verkauft werden darf
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