Insider-Bericht enthüllt: Fortnite entsteht mit Druck und endlosen Überstunden

Ein Bericht wirft jetzt einen Blick hinter die Kulissen des Online-Shooters Fortnite. Anonyme Mitarbeiter berichten dort von brutalen Überstunden und heftigem Druck. Der Erfolg des Spiels kommt zu einem hohen Preis.

Woher stammt der Bericht? Die US-Seite Polygon hat mit ehemaligen und derzeitigen Angestellten von Epic und Vertragsarbeitern gesprochen. Polygon hat ebenfalls Aussagen eines Sprechers von Epic in seinem Insider-Bericht verwendet.

Das ist das Haupt-Problem: Die Mitarbeiter sagen, sie hätten regelmäßig mehr als 70 Stunden die Woche gearbeitet. Einige von ihnen sogar mehr als 100 Stunden. Eine Woche hat nur 168 Stunden.

Die Mitarbeiter in der Qualitätssicherung und im Kundendienst sprechen von einem stressigen und feindseligen Arbeitsumfeld, in dem freiwillige Überstunden erwartet wurden.

Thanos Fortnite
In einem Modus tauchte Thanos auf, passend zum Kinostart eines Marvel-Films – auch das dürfte Überstunden bedeutet haben.

Erfolg von Fortnite kommt mit hohem Preis

Woher kommt das? Das Problem sieht man im boomenden Erfolg von Fortnite. Auf den war die Firma offenbar nicht vorbereitet, wollte ihn aber um jeden Preis so lange am Laufen halten, wie es irgendwie möglich war.

Um diesen Erfolg zu halten, sollte Fortnite ständig mit neuen Modi, Skins und Waffen aktualisiert werden. So kam es dazu, dass ständig eine Deadline einzuhalten war und die Mitarbeiter nicht ausruhen konnten.

Ein Mitarbeiter sagt:

„Das größte Problem ist es, dass wir ständig einen Patch haben. Die Chefs konzentrieren sich darauf, dass Fortnite so lange beliebt bleibt, wie es irgendwie geht – gerade jetzt, wo neue Konkurrenz aufkommt.“

Das sagt ein Sprecher von Fortnite: Ein Repräsentant von Epic sagt Polygon, die Leute arbeiteten sehr hart an Fortnite. Aber Extrem-Situationen wie eine 100-Stunden-Woche seien wahnsinnig selten und man versuche zu vermeiden, dass sie regelmäßig vorkommen.

Fortnite kommt „mal eben“ aufs Handy – Warum geht das alles so schnell?

Alles muss sofort passieren

Woher kommt der Zeitdruck? Die Entwickler müssten ständig auf Dinge reagieren und sie ändern. Alles müsse sofort geschehen, für nichts lasse man den Mitarbeitern Zeit, heißt es.

Wenn irgendwas kaputt gehe, etwa eine Waffe, könne man sie nicht einfach abschalten und im nächsten Patch fixen. Man müsse die kaputte Waffe auf der Stelle reparieren.

Sobald es negative Reaktionen auf einen Patch gibt, sage jemand an der Spitze: „Das müssen wir ändern.“

Dann würden alle von dem abgezogen, was sie gerade machen und würden Überstunden schieben. Das sei toll für die Spieler und die Öffentlichkeit, aber es komme zu einem Preis.

Dazu sagt ein Sprecher: Fortnite wäre viel erfolgreicher gewesen, als man erwartet hat. Auf diesen Erfolg hätte jeder bei Epic mit unglaublicher Hingabe und Eifer reagiert. Das Team hätte Fortnite schnell erweitert, um das Publikum zu vergrößern.

Fortnite-Pilot-Schwert
Das Infinity Blade war eine umstrittene Waffe, die dann sofort aus Fortnite entfernt werden musste.

Deshalb kann kaum wer frei nehmen: Weiter heißt es, dass den Mitarbeitern zwar angeboten wird, frei zu nehmen, aber das könne in der Praxis kaum umgesetzt werden.

Denn niemand will der sein, der Urlaub macht, weil dann Kollegen die eigene Arbeit mitmachen müssen.

So gebe es etwa einen Fitness-Raum im Büro, den Mitarbeiter in ihrer Freizeit nutzen könnten. Aber niemand hätte je Freizeit, weil man ständig in der „Crunch“-Time sei. Man müsse immer mehr Inhalte und Kram entwickeln, heißt es.

Außerdem haben Leute das Gefühl, dass ihre Entlassung droht, wenn sie nicht voll durchziehen. Es heißt, man habe Mitarbeiter gekannt, die sich geweigert hatten, an Wochenenden zu arbeiten. Wenn dann eine Deadline verpasst wurde, weil ihr Teil der Aufgabe nicht gelöst war, wurden sie gefeuert.

Ladebildschirm Season 8 Fortnite
Mit jeder Saison, alle 10 Wochen, soll sich Fortnite gravierend ändern, um frisch zu bleiben.

Am Schlimmsten würde es Vertragsarbeiter treffen, die zwischen 6 und 12 Monaten angestellt seien. Wenn die nicht bereit wären, mehr zu arbeiten als eigentlich geplant, würden ihre Verträge nicht verlängert und neue eingestellt.

Einer der Vorgesetzten soll gesagt haben: „Bringt mir einfach mehr Körper!“ So würde man die Vertragsarbeiter sehen: als „Bodies“.

Warum beschwert sich keiner? Versuche, sich bei Vorgesetzten oder der Personalabteilung zu beschweren, würden nichts bringen. Die Vorgesetzten würden vor solchen Diskussionen zurückschrecken. Die direkten Vorgesetzten hätten keine Antworten, sondern würden nur die Schultern zucken.

Wer aufbegehre, verlasse danach oft die Firma.

Mitarbeiter würden Monate lang alles runterschlucken, dann aber einfach aufstehen und verschwinden. Wer sich danach erkundige, ob der Mitarbeiter denn wiederkomme, werde nur schräg angeschaut.

Marshmello-Fortnite-Event
Spontane Events, wie hier mit Marshmello, bringen Fortnite viel Lob ein.

Darum ist das Problem so hartnäckig: Die naheliegende Lösung für Epic, die so viel Geld verdienen, ist es, mehr Leute einzustellen. Aber das stößt an Grenzen.

Der Sprecher sagt, man habe ständig mehr Leute eingestellt. Die Anzahl der Vollzeitangestellten von Epic habe sich seit dem Launch von Fortnite verdoppelt. Das Problem sei nicht das Geld, sondern die Geschwindigkeit, mit der man neue, hoch qualifizierte Leute finden und an Bord bringen kann:

  • Daher habe man mit Vertragsarbeitern und unabhängigen Studios zusammengearbeitet, um die Arbeit besser zu verteilen.
  • Dazu habe man die Arbeitsweise umgestellt, damit mehrere Teams parallel arbeiten können.
  • Es sind auch zweiwöchige Zwangspausen für alle im Winter und Sommer eingeführt worden.

Gibt es auch gute Nachrichten? Polygon zitiert auch eine Gruppe von Mitarbeitern, mit denen man gesprochen hat, denen die Arbeit bei Epic exzellent gefällt. Es heißt:

  • es gebe gutes Geld
  • ein hervorragendes Bonus-System
  • man könne karrieremäßig vorankommen
  • und manche sagen, sie hätten persönlich nie Überstunden gemacht, obwohl sie an Fortnite arbeiten
Fortnite-Skin-Frozen
Während der Weihnachtszeit blieb Fortnite ruhig, während vorbereitete Events liefen.

„Freiwillige Überstunden“

Es heißt, Epic hätte mehrere Memos rausgesendet, dass Überstunden freiwillig seien – aber das sehen Mitarbeiter wohl nur als „theoretisch“ an.

Gerade junge Mitarbeiter glaubten, so viel arbeiten zu müssen, um voran zu kommen, sagt eine der Quellen.

Der Bericht von Polygon endet mit der Aussage eines Mitarbeiters:

„Es bringt die Leute um. Irgendwas muss sich ändern. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir das noch ein Jahr durchhalten sollen. Am Anfang war es okay, weil Fortnite ein großer Erfolg war und sich das gut anfühlte. Wir lösten Probleme, die neu für Epic waren: Wie man ein großes, weltweites Spiel als ein Online-Game leitet. Aber jetzt ist die Arbeit einfach nur endlos.“

Das steckt dahinter: Ähnliche Berichte haben wir in den letzten Jahren über massive Überstunden bei Red Dead Redemption 2 und viel Druck und Produktionsprobleme bei Anthem gelesen.

Die Überstunden-Kultur in der Videospiel-Industrie wird als „Crunch“-Kultur bezeichnet und ist seit Jahren offenbar ein großes Problem.

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