YouTube-Kanal von Drachenlord gelöscht: Hater jubeln: „Besiegt“ – Aber er sagt: „Geh ich halt auf TikTok“

YouTube-Kanal von Drachenlord gelöscht: Hater jubeln: „Besiegt“ – Aber er sagt: „Geh ich halt auf TikTok“

Seit 8 Jahren gibt es im deutschsprachigen YouTube ein einzigartiges Phänomen: den YouTuber Rainer „Drachenlord“ Winkler (33) und den Hass auf ihn. Eine Gruppe von Menschen, bekannt als „Hater“, will den YouTuber zu Fall bringen, verstehen es als Spiel, als „Drachengame“, den Mann zu drangsalieren und zu bedrängen, bis er die Beherrschung verliert. Jetzt jubeln sie: Der Drachenlord sei „besiegt“, denn YouTube hat seine Kanäle gelöscht, doch Winkler sieht das anders. Denn mittlerweile gibt es zu YouTube einige Alternativen wie TikTok.

Was ist das für ein seltsames Phänomen?

  • Rainer „Drachenlord“ Winkler hat zu Beginn seiner Karriere über viele verschieden Themen gesprochen. Das tat er mit starkem Akzent, oft verletzend und unbedacht. Eine Gruppe von Leuten begann, sich offen über ihn im Netz lustig zu machen und sich zu empören.
  • Über Jahre hat sich ein Kampf zwischen dem Drachenlord und seinen „Hatern“ entwickelt. Leute fuhren zu ihm nach Hause und belästigten ihn vor Ort. Es kam zu Konflikten, Anzeigen und Gerichtsurteilen. Die Hater sehen Drachenlord als schlechten Menschen. Manche wünschen ihm das Gefängnis, andere sogar den Tod. Dabei werden sie selbst dafür kritisiert, längst jedes Maß verloren zu haben.
  • Der Fall „Drachenlord“ ist schon längst kein kleines YouTube-Phänomen mehr. Experten sehen darin ein Phänomen unseres Internet-Zeitalters. Sascha Lobo hat sich 2021 in einer Spiegel-Kolumne mit dem Fall „Drachenlord“ als kulturelles Phänomen beschäftigt. Er sieht den Fall als Beweis dafür, dass das deutsche Rechtssystems zu veraltet ist, um Konflikte im Internet zu verstehen (via spiegel.de).
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YouTube löscht Accounts des Drachenlords offenbar wegen „Ban Evasion“

Warum jubeln seine Feinde jetzt? YouTube hat die Kanäle des Drachenlords gelöscht. Grund dafür ist offenbar ein Verstoß gegen die Richtlinien der Plattform. Genaue Details sind offiziell nicht bekannt.

Man vermutet, es könnte eine Strafe für die „Umgehung einer Content-Sperre“ sein, eine sogenannte „Ban Evasion“:

  • Winkler hatte eine Verwarnung wegen einer Verletzung des Urheberrechts erhalten, was normalerweise eine Zwangspause nach sich zieht (via watson).
  • Der Drachenlord war dann aber auf einem anderen YouTube-Kanal doch aktiv. Das ist gegen die Regeln.
  • Gut möglich, dass YouTube den Kontext des Verstoßes bedacht hat und entschied, den Dauer-Konfliktherd Drachenlord loszuwerden.

Die Hater im Netz jubilieren jedenfalls und erklären den Drachenlord für „besiegt.“

Ohne den YouTube-Kanal habe er seine Haupteinnahme-Quelle verloren und damit keine Ressourcen mehr. Einige scheinen sich den Bann auch als persönliche Leistung anheften zu wollen: Es wird gefrotzelt, man habe den Kanal in die Sperre „gemeldet“.

Damit spielt man auf die Idee an, dass Plattformen wie YouTube und Twitch jeden Kanal automatisch bannen, wenn nur genügend Leute eine Meldung einreichen. Plattformen leugnen aber, dass der Melde-Algorithmus so missbraucht werden kann.

https://twitter.com/WaterWhen/status/1557428964108500992

„Besiegt bin ich deswegen noch lange nicht!“

Wie sieht Winkler das selbst? Der reagiert erstaunlich entspannt. In zwei Videos auf TikTok erklärt Drachenlord vor einem Greenscreen, er sei überhaupt nicht „besiegt“ – den Bann auf YouTube hält Winkler für ein kleines Problem, das sich bald aus der Welt schaffen lasse. Er habe seinen Kanal bislang noch immer zurückbekommen. So sei es schon seit Jahren.

Zuerst einmal: Ja, mein YouTube-Account ist gelöscht worden. Nein, ich mach mir keine Sorgen, denn es ist immer noch so, dass es bearbeitet wird […] Ich warte auf die Antwort von YouTube, das kann eine Weile dauern. Ich krieg Milliarden Nachrichten auf Whatsapp: Höhöhö besiegt! – Schau‘ ich aus, als würd‘ ich mir Sorgen machen?

Selbst, wenn der YouTube-Account weg ist, besiegt bin ich deswegen noch lange nicht. Erstens hab ich hier auf TikTok noch mehr als 200.000 Follower und selbst wenn nicht, muss ich halt mein OnlyFans noch ein bisschen umarbeiten.

Er habe da einen „kleinen Fehler“ begangen, der jetzt geprüft werde und dann gehe es für ihn auf YouTube weiter.

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Winkler glaubt, dass er auf YouTube zurückkommt und selbst wenn nicht, „dann gehe er halt auf TikTok“. Zudem zieht er OnlyFans als Alternative zu YouTube in Betracht, eine Plattform über die eigentlich andere Formen von Creators viel Geld verdienen können:

Aus seiner Sicht sei alles geklärt. Er zocke jetzt Fable 2 auf der Xbox und mache sich kein Stress darum.

Dann mach ich halt in Zukunft TikTok-Videos und nur das. Dann mach ich 5 TikTok-Videos am Tag statt 3 Videos – Scheiß doch drauf.

Leute im Internet wollen nächstes Melde-System missbrauchen – Sehen Drachenlord wie einen NPC

Wie geht das weiter? Offenbar leider genauso wie die ganze Zeit. Auf Twitter kursieren sofort Aufrufe, das Melde-System von TikTok zu missbrauchen, damit der Drachenlord auch dort seinen Kanal verliert.

Das steckt dahinter: Was auffällt, ist, dass Winkler mittlerweile genau die Rolle spielt, die ihm von den „Hatern“ zugedacht wird. Das sieht man daran, wie sich das Vokabular angleicht. Da wo Hater jubeln, er sei „besiegt“, wie ein NPC in einem Videospiel, erklärt er sich selbst als „noch lange nicht besiegt“.

Der Gebrauch des „Besiegens“ um den Drachelord stammt ursprünglich sogar von einem Ausschrei Winkler selbst. In den Anfängen des gesamten Falles schrie er in einem seiner Live-Streams: „Ihr werdet mich niemals besiegen!“ Zusammen mit einem Shirt mit der Aufschrift „Unbesiegt auf ewig“ entstand daraus das Verlangen der Hater, den Drachenlord tatsächlich zu besiegen.

Schon bei früheren Vorfällen fiel auf, dass Hater im Drachenlord eine Art fiktionalisierte Figur sehen, wie in einer Fernseh-Show:

  • So sprachen von der letzten Gerichts-Verhandlung einige als „Staffel-Finale“.
  • Jetzt liest man, die Leute freuten sich schon auf „Die TikTok-Staffel“.

Tatsächlich ist nicht mal aus den USA ein populärer Fall bekannt, wo ein Content-Creator über lange Zeit derart bedrängt und dämonisiert wird wie Winkler in Deutschland. Aber auch in den USA sind Konflikte um Content-Creator schon eskaliert:

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