YouTuber Drachenlord muss 2 Jahre ins Gefängnis – Hater loben „Staffelfinale der Show“

Nach 7 Jahren ist der Konflikt um den deutschen YouTuber Rainer „Drachenlord“ Winkler (32) eskaliert. Ein Gericht in Nürnberg hat ihn zu zwei Jahren Haft wegen gefährlicher Körperverletzung und anderen Straftaten verurteilt. Während Winkler das Urteil als ungerecht empfindet, er habe sich nur gewehrt – kommentieren andere das Urteil mit Hohn und Spott. Sie sehen das Leben Winklers als eine Mischung aus Reality-Show und Spiel, dem “Drachengame”.

Das ist der Konflikt:

  • Der YouTuber Drachenlord hat zu Beginn seiner Karriere über alles Mögliche gesprochen, mit starkem Dialekt, oft provozierend, verletzend und unbedacht. Das zog eine Gruppe von Leuten an, die sich offen über ihn lustig machte.
  • Als einer dieser „Hater“ ihm 2014 drohte, seine Adresse öffentlich zu machen, kam ihm Drachenlord zuvor: Winkler veröffentlichte die Adresse selbst und forderte Leute auf, doch zu ihm nach Hause zu fahren.
  • In den nächsten 7 Jahren entstand das „Drachengame“ – Menschen aus ganz Deutschland reisten zum Drachenlord, provozierten und belästigten ihn. Die Situation vor seinem Haus eskalierte immer häufiger. Nach Angaben der Polizei muss sie mehrfach täglich ausrücken. Es wurde zu einer Belastung für den ganzen Ort.

Dafür wurde er nun verurteilt: Das Gericht in Nürnberg sah es als erwiesen an, dass der 32-Jährige unter anderem einem Mann mit einer Taschenlampe auf die Stirn geschlagen hat. Zudem bewarf er einen anderen mit einem Backstein und beleidigte Polizisten.

Winkler war bereits 2019 wegen einer Pfefferspray-Attacke zu 7 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Einige der Taten, wegen derer er nun angeklagt war, beging er während der Bewährungszeit.

Die Staatsanwaltschaft hatte zwei Jahre und 6 Monate Haft gefordert. Sein Pflichtverteidiger hatte auf eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren und einer Geldstrafe plädiert.

Die Richterin entschied auf zwei Jahre Haft und lehnte eine doppelte Bewährung. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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YouTuber empfindet Haftstrafe als ungerecht, habe sich nur gewehrt

So reagiert Drachenlord auf das Urteil: In einem 15-minütigen Video setzt sich der YouTuber mit seiner Situation auseinander (via youtube). Er empfindet das Urteil als ungerecht. Denn er stehe unter enormen psychischen Druck, werde von seinen Hatern ständig körperlich und verbal angegriffen. Aus seiner Sicht habe er sich nur gegen Leute gewehrt, die auf sein Grundstück eingedrungen waren und ihn beleidigten.

Er sagt zudem: Die ihm auferlegten Sozialstunden konnte er nicht abarbeiten, weil keine Einrichtung wollte, dass er die staatlichen verordneten Sozialstunden bei ihnen ableiste. Man habe den „medialen Aufruhr“ gefürchtet.

Drachenlord plant jetzt, sein Leben umzukrempeln. Er habe sein Haus verkauft und wolle seine YouTube-Aktivitäten einschränken.

„War ein schönes Staffel-Finale, danke an alle“

So wird der Fall von den „Hatern“ kommentiert: Unter dem YouTube-Video finden sich einige Kommentare, die deutlich machen, dass man den Fall „Drachenlord“ als eine Art TV-Serie sieht und sich darüber amüsiert. Nutzer schreiben:

  • „Die Autoren sorgen immer wieder für Überraschungen im Game, wunderbar“
  • „Ein super Staffel-Finale.”
  • “Was ein schönes Staffelfinale, danke an alle.“

Viele machen sich fortwährend über den Dialekt von Drachenlord lustig und überschütten ihn mit Häme. Sie sprechen davon, er wäre nun „besigt“ und sehen sich als Gewinner des „Drachengames.“ (via twitter) Andere weisen daraufhin, was für ein schlimmer Mensch Drachenlord sei. Der habe das alles verdient. Damit wehren sie sich auch gegen Kritik an ihrem Verhalten.

Über den Prozess gegen Drachenlord twitterte man unter #NuernbergerProzess: Eine Anspielung, die von einigen als eklig und verharmlosend gegenüber den Gräueltaten der Nazis empfunden wurde.

Absolut herausragendes Beispiel von Hass im Netz

So sehen das andere: Der Deutschlandfunk zitiert den Medienwissenschaftler Christian Gürtler von der Universität Erlangen. Der nennt Drachenlord einen Einzelfall und ein Phänomen, das mit nichts vergleichbar sei. Er sagt, es sei ein absolut „herausragendes Beispiel von Hass im Netz“, weil der Hass auch offline weitergeht.

Auf Twitter prophezeit ein Nutzer: Die Hater würden bald merken, dass ihr ganzer Lebensinhalt für 2 Jahre im Gefängnis sitzt und sie sich mit ihrer eigenen jämmerlichen Existenz beschäftigen müssen.

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Während viele Häme auf Drachenlord einprasselt, gibt es auch Stimmen, die sagen, dass sie zwar Drachenlord schlimm finden, aber seine Hater hätten es über die Jahre geschafft, noch schlimmer als ihr Hassobjekt zu werden.

In der Tat gibt es wenig Vergleichbares zum Schicksal von Drachenlord. In den USA ist ein Konflikt einmal ähnlich eskaliert:

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Quelle(n): Spiegel, Deutschlandfunk, Nordbayern
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