6 gescheiterte MMOs und MMORPGs – Bei diesen Games lief was schief

Zu wenig Spieler, eingestellte Projekte und fragwürdige Releases von MMOs. Die Welt der MMORPGs kann traurig und deprimierend sein. Neben Erfolgs-Geschichten gibt’s immer wieder Fehlschläge. Die schauen wir uns heute an.

Die Entwicklung jedes MMOs erzählt im Laufe seines „Lebens“ eine ganz eigene Geschichte. Viele davon verlaufen positiv, die Spiele entwickeln sich weiter und die Gamer sind zufrieden. Weit vorne mit dabei ist Ultima Online, das 1997 startete und damit den Weg für ein gesamtes Genre ebnete. Andere MMOs waren zumindest für eine Zeit sogar die angesagtesten Spiele auf dem Planeten. Dazu gehört World of Warcraft, das zwischenzeitlich DAS Game war.

Dann gibt es aber noch unsere Auswahl dieser sechs Titel, deren Geschichte von „Oh mein Gott, wie konnte das nur passieren?“ bis zu „Das musste ja so kommen“ reichen.

Tabula Rasa, ein Entwickler fliegt ins All

Die Geschichte von Tabula Rasa ist das, was man wortwörtlich als „abgespaced“ bezeichnen kann. Eigentlich hatte das Game alle Zutaten, um erfolgreich zu werden: Einen Publisher mit viel Kohle, einen Entwickler mit bemerkenswertem Portfolio und eine originelle Idee. Loyale Fans saßen auch mit im Boot. Also wie konnte das Ganze schief gehen und warum flog der Entwickler in den Weltraum?

Etwa im Jahr 2000 wusste Entwickler Richard Garriott bereits, dass MMOs einen festen Platz in der Zukunft des Gamings haben. Mit einer guten Idee und viel Kapital ebnet man den Weg für einen potentiellen Videospiel-Hit. Seine Erfahrung sammelte Garriott als Entwickler von Ultima Online, dem großen MMO-Vorreiter.

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Nachdem Garriott sein Unternehmen Origin Systems an EA verkaufte und dort kaum jemand an MMOs glaubte, war es Zeit für ihn, selbst weiterzumachen. Er gründete ein neues Unternehmen und schnappte sich den überaus erfolgreichen Publisher NCSoft. Die hatten mit Lineage bereits ein irrsinnig erfolgreiches MMORPG in Südkorea am Start. NCSoft freuten sich darüber, mit Garriott noch einen Schritt tiefer in den US-Markt vorzudringen. Gemeinsam arbeiteten sie am MMO Tabula Rasa.

Dass daraus eine Geschichte entsteht, die sich zäh wie Kaugummi über sieben Jahre hin und her zieht, konnte ja damals noch keiner ahnen.

Tabula Rasa

Quelle: PCGamesN

Tabula Rasa war ein Sci-Fi MMO mit einem futuristischen Setting auf zwei Planeten. Es kämpften die Guten (Allied Free Sentients) gegen die Bösen (Bane). Auf den ersten Blick ein interessantes Konzept. Die Lore war tiefgründig, es gab dynamische Missionen, ausgeklügelte Skill-Trees, Clan-Wars und ein anspruchsvolles PvP-System. Das alles versuchten die Entwickler in einem Spiel unterzubringen und das brauchte Zeit – viel Zeit.

Als 2004 World of Warcraft veröffentlicht wurde, waren WoW und MMORPGs in aller Munde. Quasi jeder sprach über das MMO von Blizzard und fast jeder spielte es. Das gab dem Team, das immer noch an Tabula Rasa arbeitete, einen neuen Fokus. Endlich mussten Ideen umgesetzt werden.

Der Release von Tabula Rasa kam dann erst im November 2007. Spät für die Community, die bereits mit anderen MMORPGs bedient waren und viel zu früh für das Game. Denn eigentlich war 2007 Tabula Rasa da, laut Entwicklern, nicht einmal bereit für ein Beta-Testen.

Deshalb schufteten die Entwickler in den nächsten Wochen schwer, um die versprochenen Features ins Spiel zu bringen. In 2008, als viele MMOs crashten, sah Tabula Rasa dann wirklich nach einem guten, originellen MMO aus, aber das war dann auch schon zu spät.

tombstone Grabstein

Am 21. November 2008 teilte NCSoft mit, dass Tabula Rasa zum 28. Februar 2009 abgeschaltet wird: Grund dafür? Zu wenig Spieler. Nach sieben Jahren hatte NCSoft genug vom Spiel und beendete die Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse mit einer riesigen Ingame-Schlacht. Aber das ist noch nicht so ganz das Ende der Geschichte.

Die Begeisterung für den Weltraum und ein offener Brief

Richard Garriott entwickelte in der Zeit, als an Tabula Rasa gearbeitet wurde, eine Begeisterung für das Weltall. Das ging so weit, dass er das erste Space-Tourist-Ticket kaufte. Persönliche Probleme brachten ihn dazu, das Ticket im Jahr 2001 zu verkaufen. Es dauerte bis ins Jahr 2008 – Dann flog Garriott selbst zur Internationalen Raumstation, als sechster Weltraumtourist.

Richard Garriot

Garriott als Weltraumtourist – Quelle TimeMagazine

Als er nach seinem Besuch im All wieder auf der Erde war, wurde alles komisch. Ein offener Brief, der angeblich von Garriott war, teilt der Community auf der Homepage von Tabula Rasa mit, dass er aus dem Unternehmen ausgetreten ist, weil ihn sein Weltraumbesuch dazu inspirierte „andere Interessen zu verfolgen“. Doch Garriott bestritt, der Verfasser des Posts zu sein.

Kurz darauf folgte die Nachricht von NCSoft, dass Tabula Rasa beendet wird.

geld

Garriott verklagte NCSoft anschließend auf 24 Millionen Dollar. Angeblich nutzte NCSoft die Ankündigung seines Austritt dafür, um ihn zu zwingen seine NCSoft-Aktien zu verkaufen. Und das mit großem Verlust. Das Gericht sprach Garriott 28 Millionen Dollar zu, NCSoft war einverstanden – Fall geschlossen.

Vielleicht war man bei NCSoft einfach ziemlich genervt von der Tatsache, dass er seine Kohle aus Tabula Rasa nutzte, um ins All zu fliegen. Doch das Ende vom Lied könnte kaum ironischer sein: Garriott verdiente genug Geld, um ins All zu fliegen, flog dann tatsächlich ins All und bekam dann zum Schluss auch noch etwa die Kohle von NCSoft zurück, die er ins Ticket investierte.

Auf der nächsten Seite geht es um einen Mix aus MMO und Shooter, der lange zwischen Leben und Tod hing

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