Friday the 13th: Zum Millionen-Hit gestolpert – Test? Egal, Twitch wichtiger

Der Slasher Friday the 13th: The Game hat 1,8 Millionen Spiele verkauft – trotz vieler Probleme und schlechter Presse. Ein ungewöhnlicher Indie-Hit, der den Zeitenwandel zeigt. Trotz Tests im 60er-Bereich hat Friday the 13th Millionen von Spiele verkauft. Jetzt geht es in den Laden. Das Release-Datum ist klar!

Friday the 13th ist ein Horror-Slasher zum Angucken und damit ein Hit auf Twitch – trotz schlechter Kritiken

Es ist wahrscheinlich der Überraschungshit des Sommers, der kein Battle-Royale-Shooter ist. Aber Friday the 13th setzt auf ähnliche Mechanismen. Der Slasher-Hit braucht keine gute Presse, braucht keine guten Kritiken, ihm reichen Streamer und YouTuber für den Erfolg.

Der Erfolg brachte aber Schwierigkeiten, denn das kleine Team war auf diesen Ansturm nicht vorbereitet. Der Verkaufserfolg hat das kleine Team überrannt und mit dem Geld, das plötzlich floss, musste man den wachsenden Anforderungen gerecht werden.

Vom Hit überrascht: Die Server schmolzen

Im Interview mit Gamesindustry spricht der Chef von Publisher „Gun Media“, Wes Keltner, über den Erfolg. So habe sich Friday the 13th: The Game in zwei Monaten über 1,8 Millionen Mal verkauft.

Es war von Beginn an ein wilder Ritt. Immerhin hat man ein kleines Studio, muss mit dem Bruchteil des Budgets von AAA-Titeln auskommen und man hatte auch alles viel kleiner geplant.

Friday the 13th jason

Gun Media hat zum Launch auf die Spielerzahlen aus der Beta geschaut und 30% Puffer draufgeschlagen. Auf diese Spielerzahl wurden Server und Database eingestellt. Zum Start kamen dann 100.000 Spieler allein in den ersten 20 Minuten und die Server schmolzen dahin.

Das erste Wochenende sei pures Chaos gewesen, das Team habe an den Schreibtischen geschlafen. Man hatte im Vorfeld kaum Geld für Tests, musste improvisieren. Als die Profite dann flossen, baute man die Qualitätsprüfung aus. Ein „Memory-Problem“ auf der Xbox One machte eine Menge Ärger.

Trotz schlechter Kritiken ein Riesen-Hit – Twitch statt Metacritic

Friday the 13th ist ein ungewöhnlicher Hit, denn vieles sprach gegen den Erfolg. Die 1,8 Millionen Verkäufe sind auch der neuen Zeit geschuldet.

Kelter sagt: Das Spiel stehe bei 61 auf Metacritic, manche Reviews gingen bis auf 40 runter und die Presse sei nicht gerade nett zu Friday the 13th gewesen. Aber das Spiel komme klar bei den Fans an.

Früher sei Metacritic das „Lebensblut“ der Kaufentscheidung gewesen. Heute nicht mehr so stark. Die Kaufentscheidung der Spieler funktioniere heute anders als noch vor wenigen Jahre. Das liege an YouTubern, Streamern und dem Early Access. Nun seien Influencer wichtiger als die klassischen Medien. 

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Die schwachen Reviews hingen oft an der schlechten Performance oder an den Server-Problemen, aber nicht am Gameplay, glaubt Kelter.

Test in Spielezeitschriften egal – Hauptsache es sieht gut auf Twitch aus

Kelter sagt: Früher hätten Publisher simulierte Tester angeheuert, um herrauszufinden, was man später für einen Wert auf Metacritic erhält. Auf Metacritic sind die Werte der internationalen Spielepresse aufgeführt und aus den Testwertungen wird ein Mittel gebildet.

Heute hätten die Publisher ein Meeting, bei dem sie das Team fragen: „Funktioniert unser Spiel gut als Stream?“

Auch der aktuelle 80er-Jahre-Boost durch Netflix-Serien wie „Stranger Things“ könnte Friday the 13th geholfen haben, glaubt Kelter.

Retail-Launch in den Läden – Release-Datum

Friday the 13th the Game wird am 13. Oktober 2017 – natürlich ein Freitag, der 13. – in die Läden gehen. Das Spiel erscheint für PS4 und Xbox One. Wer es auf dem PC spielen will, muss bei der digitalen Version bleiben.

Zwei parallele Spiele-Märkte: Multiplayer für Twitch, Singleplayer für Tests

Mein MMO meint: Da hängt viel dran. Die Art von Spiel, die auf Twitch gut funktioniert, setzt auf „emergent Gameplay“, also auf eine Dramaturgie, die aus der Situation entsteht, aus Zufallsfaktoren, aus Gegenspielern und aus Mitspielern. Das sind fast immer Multiplayer-Spiele. Mit denen tut sich die traditionelle Spielepresse schwer – deren Leser auch. Das ist eine Generationensache.

„Klassische Spiele“, die in Tests gut abschneiden, basieren oft auf einer festgelegten Story. Das sind meistens Singleplayer-Spiele. Jemandem dabei zuzuschauen, wie er ein Singleplayer-Spiel zockt, ist nur begrenzt interessant, weil es letztlich linear und immer das Gleiche ist.

Das sind zwei parallele Spiele-Märkte: Multiplayer und Singleplayer. Wer sich gerne 40 Stunden in The Witcher 3 oder Civilization VI verliert, der ist nicht unbedingt die Zielgruppe für 20 Minuten Häppchen „Friday the 13th“ oder „PlayerUnknown’s Battlegrounds“ und umgekehrt auch nicht. Die Spiele sprechen andere Instinkte bei den Gamern an, befriedigen andere Bedürfnisse.

PUBG Titel PlayerUnknown's Battleground

Es ist in jedem Fall ein Wandel, der uns die nächsten Jahre begleiten wird.

Wir haben das in diesem Artikel mal am Beispiel von Anthem und Destiny näher beleuchtet:

Anthem will wie Destiny mit BioWare-Story sein – Kann das gelingen?


Jetzt, wo Friday the 13th so viel Geld einspielt, ist es Kelter wichtig, den Fans zu sagen: Das Geld, das wir einnehmen, geht zurück ins Spiel. Wir beheben Bugs und wir bringen neue Spielinhalte.

Friday the 13th: Fans fürchten, Entwickler lässt sie für anderes Spiel sitzen

Autor(in)
Quelle(n): gamesindustry
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