Die seltenste Waffe in CoD: Vanguard hätte in Wahrheit kaum schlimmer sein können

Call of Duty: Vanguard bietet bei den Sturmgewehren eine verkehrte Welt. Denn eine der schlechtesten Waffen wird als Top-Tier-Waffe angepriesen. Erfahrt hier auf MeinMMO, welche tragische Geschichte hinter dem „Volkssturmgewehr“ steckt.

Im Multiplayer-Modus von CoD Vanguard gibt es sieben Sturmgewehre. Das letzte davon, das ihr auf der Maximalstufe der regulären Ränge freispielt, ist das „Volkssturmgewehr“. Es ist also die allerletzte Waffe in der Release-Version, die ihr im Spiel freischaltet.

Und in der Tat ist die von den Spielern liebevoll auch „Volk“ genannte Waffe recht solide. Sie spielt sich ein wenig wie ein Hybrid zwischen einem Sturmgewehr und einer Maschinenpistole, ist sehr mobil und hat lediglich mit einem mächtigen Rückstoß zu kämpfen.

Doch gerade bei dieser Top-Tier-Waffe haben sich die Entwickler sehr viel künstlerische Freiheit erlaubt. Denn die Waffe war in der Realität gänzlich anders, als sie im Spiel dargestellt wird. Außerdem hat sie auch mit einem der vielen tragischen Kapitel des 2. Weltkriegs zu tun. (Die Grundlage des Titelbildes stammt von Wikipedia)

Wer schreibt hier? Jürgen Horn ist nicht nur Shooter-Fan, sondern auch großer History-Nerd. Gerade die Geschichte des 2. Weltkriegs ist ihm wohlvertraut und daher hat sich Jürgen schon von Anfang an über die seltsamen Design-Entscheidungen bei den Waffen in CoD Vanguard gewundert. Der Artikel hier soll etwas Licht auf die Hintergründe zu einer der Waffen im Spiel werfen.
Alles, was ihr zum neuen Call of Duty: Vanguard wissen müsst – in 2 Minuten

Top-Gun in Vanguard war in Wahrheit Billig-Waffe für das tragische, letzte Aufgebot

Wie sah die Waffe in echt aus? Die Abweichungen von der echten Version der Waffe gehen schon damit los, dass es gar kein konkretes „Volkssturmgewehr“ gab.

Vielmehr wurden mehrere Varianten mit diesem Namen gefertigt, darunter vereinfachte Varianten des Karabiners Kar98 (der „Volkskarabiner“) und sogar billige Nachbauten der britischen Maschinenpistole Sten (MP 3008).

Das, was im Spiel als „Volkssturmgewehr“ bekannt ist, war in Wahrheit das sogenannte „Volkssturmgewehr-Spezial“, auch bekannt als Volksgewehr, „VG 1-5“ oder „VG-45“, wobei VG sowohl für „Volksgewehr“ als auch „Versuchsgerät“ stehen kann. Es wurde ab Ende 1944 von der NS-Waffenschmiede der Willhelm-Gustloff-Werke in Berlin gefertigt.

Absurd: In CoD Vanguard rennen Soldaten der Wehrmacht mit dem Gewehr aber in Stalingrad und im Afrikafeldzug herum, was ohne Zeitmaschine definitiv nicht möglich sein sollte.

Die Waffe war auch – anders als im Spiel dargestellt – kein richtiges Sturmgewehr, sondern eher ein „Sturmkarabiner“. Also eine halbautomatische Waffe, die mehrere schnelle Einzelschüsse ohne manuelles Nachladen ermöglichen sollte.

Vollautomatisches Schießen, wie bei der MP40 oder dem STG44 (das erste echte Sturmgewehr), war schon aufgrund des hohen Rückstoßes bei dieser Waffe keine allzu gute Idee. Der Name „Volkssturmgewehr“ ist also eher als „Volkssturm-Gewehr“ statt „Volks-Sturmgewehr“ zu lesen.

cod-vanguard-Volkssturmgewehr-ingame
Mit der peppigen Version des Volkssturmgewehrs aus dem Spiel hat das echte Vorbild nicht viel gemein.

Das Volkssturmgewehr sollte aber auch keine neue Wunderwaffe werden, sondern war Teil des sogenannten „Primitiv-Waffen-Programms“. Das sah vor, dass im Falle von extremer Ressourcenknappheit trotzdem noch einfache, aber funktionstüchtige Waffen in Serie gebaut werden konnten.

Daher wurden diverse „Volkssturmgewehre“ gebaut, die größtenteils aus Teilen bestehender Waffen mit möglichst wenig Fertigungsaufwand in großer Zahl erzeugt werden sollten.

Empfänger dieser Waffen war der sogenannte Volkssturm, eines der letzten, tragischen Kapitel des 2. Weltkriegs.

Eine der seltensten Waffen der Welt hat in CoD Vanguard jeder Anfänger

Die traurige Story hinter dem Volkssturmgewehr

Was war der Volkssturm? Der sogenannte „Volkssturm“ war einer der letzten verzweifelten Versuche der Nazis, die bevorstehende Niederlage noch irgendwie in eine Art „Unentschieden“ zu verwandeln.

Durch ein Reichsgesetz wurden stufenweise alle noch waffenfähigen männlichen Personen des Reichs im Alter von 16 (!) bis 60 verpflichtet, sich einer Art nationaler Miliz anzuschließen.

Der Volkssturm sollte laut Reichspropagandaminister Joseph Goebbels in einem letzten, heroischen Aufbäumen den an allen Fronten vorrückenden Alliierten noch einmal den „fanatischen Siegeswillen des deutschen Volkes“ vor Augen führen.

Man sollte den Feinden so herbe Verluste zufügen, dass diese sich am Ende noch auf für das Reich profitable Friedensverhandlungen einlassen würden.

Um dieses absurde Ziel noch zu erreichen, wurden die Volkssturm-Aufgebote mit allem bewaffnet, was die Rüstungsindustrie des 3. Reiches noch hergab.

Volkssturm-Ausbildung
Ein Originalbild aus dem 2. Weltkrieg. Ein regulärer Soldat der Wehrmacht bildet Männer des Volkssturms an einem MG42 aus. Quelle: Wikipedia

Die Wehrmacht weigerte sich allerdings, ihre ohnehin schon knappen, hochwertigen Waffen an schlecht ausgebildete und militärisch wenig nützliche Milizen aus Jugendlichen und alten Männern zu verschwenden.

Daher mussten die oben erwähnten „Volkssturmgewehre“ als Bewaffnung für diese zum Untergang verurteile letzte Unternehmung eines sterbenden Regimes herhalten.

Denn natürlich ging der Plan der Nazis in keiner Weise auf. Die schlecht ausgebildeten und ausgerüsteten Aufgebote des Volkssturms konnten fast keine militärischen Erfolge erzielen. Viele Milizen warfen schon oft nach ersten Schusswechseln mit den vorrückenden Alliierten ihre Volkssturmgewehre weg und ergaben sich.

Das Ziel, eine „heroisches letztes Aufgebot“ zu schaffen, das im Augenblick des Untergangs noch die Kriegswende erstreitet, konnte in keiner Weise erreicht werden. Dafür verloren noch Tausende ihr Leben in einer Zeit des Krieges, als eigentlich schon alles verloren war.

Über 170.000 Volkssturmmänner sind vermutlich gefallen und da viele sich weigerten, sinnlos ihr Leben für eine verlorene Sache zu opfern, gab es auch noch viele Hinrichtungen kurz vor Kriegsende.

Vor diesem Hintergrund ist die „Ehrung“ des Volkssturmgewehrs als vermeintliche Top-Waffe in CoD Vanguard eigentlich ziemlich makaber.

Quelle(n): Wikipedia-Vokssturmgewehr, Wikipedia-Volkssturm, MilitaryFactory.com
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Lieblingsleguan

Zur Ehrenrettung der Entwickler könnte man ins Feld führen, dass es anscheinend ein paar Prototypen des Gewehrs gab, die man vollautomatisch schießen konnte und CoD verwendet ja wie andere Shooter auch gerne experimentelle Waffen (das AS-44 hat die Prototypenphase auch nie verlassen).

Wahrscheinlicher ist aber, dass sie dahingehend einfach schlampig waren. Das sieht man schön im zweiten Video von Gamespot mit Jonathan Ferguson über das Spiel. Und es gibt noch weitere Beispiele, z.B. hat das Arisaka Typ 99 das falsche Kaliber (6,5×50 wie das Typ 97 statt 7,7×58) und der Gummi-Augenschutz am Zielfernrohr fehlt. Der fehlt bei erhaltenen Waffen oft, da er über die Jahrzehnte spröde und kaputt gegangen ist – heißt, die Entwickler haben sich einfach nicht informiert.

Aber ein Spiel für Gun Nerds ist das eh nicht, eher ein Unreal Tournament im WWII Look, so sehe (und spiele) ich das… 🤷🏻‍♂️

Threepwood

Die Geschichtsstunden mit Jürgen und Anna zu CoD gefallen mir!

Die Waffe nicht. Weder die Geschichte dahinter, noch ingame.

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