Alle kennen Michael Myers, aber die wenigsten wissen, was er wirklich ist

Alle kennen Michael Myers, aber die wenigsten wissen, was er wirklich ist

Michael Myers gehört zu den bekanntesten Schurken aus dem Horrorkino. Er ist einer der Mitbegründer des Slasher-Genres, aber hinter ihm steckt mehr als nur ein fieser Typ im blauen Overall.

Michael Myers trieb das erste Mal 1978 sein Unwesen. In Halloween von John Carpenter begab sich der stumme Killer auf seine erste Jagd. Aus einem Indie-Film wurde ein gigantisches Horror-Franchise, mit – bis heute – 13 Filmen.

Ob man es mag oder nicht: Michael Myers ist in jedem dieser Filme der große Schurke, auch wenn die Erklärungen nicht immer plausibel sind.

Der Anfang von Michael Myers war dabei gar nicht so spektakulär. Ein kleiner Junge ermordet seine Schwester und wird eingesperrt, doch sein Drang zu Morden erlischt nicht. Hinter der Maske steckt aber noch so viel mehr.

Schon als Kind der Teufel

Was ist Michael Myers? Der erste Halloween galt damals als Indie-Film. Er kostete nur 300.000 US-Dollar und man drehte den Film in 20 Tagen ab (via IMDB). Die Idee hinter der recht simplen Prämisse kam vom Produzenten Irwin Yablans. Durch das geringere Budget kam er auf die Idee, Babysitter als die Protagonisten des Films zu wählen. Jeder war mal ein Babysitter oder ein Baby (Quelle: YouTube).

Er fokussierte sich auf den Zeitraum einer Nacht und kam auf den Tag Halloween. Der große Star des Films war aber Michael Myers, der nicht einfach nur ein brutaler Killer sein sollte. Er ist die Personifikation des Bösen. Schon der Anfang des Films ist nicht nur filmisch gut gemacht, er inszeniert die Figur des Michael Myers perfekt.

Aus der Sicht einer Person sieht man, wie er seine Schwester heimlich beobachtet, sich ein Messer und eine Maske schnappt und seine Schwester tötet. Nach 5 Minuten stellt sich heraus, dass diese Person ein Kind war. Durch die Ego-Perspektive und ohne Schnitt ist man als Zuschauer mittendrin, doch die schreckliche Tat wirkt konträr zur Ego-Sicht, die eigentlich für Identifikation sorgt.

Das Attribut Unschuld muss man als Zuschauer direkt ablegen. Michael verhielt sich schon als Kind nicht wie ein Mensch und wird es auch später nicht tun. Im ersten Film beschreibt die Figur Dr. Loomis ihn mit folgenden Worten:

Ich traf dieses sechsjährige Kind mit seinem ausdruckslosen, blassen Gesicht und den pechschwarzen Augen, den Augen des Teufels […] Ich erkannte, dass hinter den Augen dieses Jungen nichts als das pure Böse steckte.

Dieses Gefühl des Bösen muss man auf die Leinwand transportieren können, und das schafft man mit Michael Myers durch sein Aussehen und die Inszenierung.

Horror durch Terror

Wieso ist Michael Myers gruselig? Michaels Aussehen ist simpel. Er ist groß, trägt einen blauen Overall und eine weiße Maske. Die Maske war ursprünglich eine Captain-Kirk-Maske (Star Trek). Man bearbeitete die Haare der Maske zuerst und formte sie nach oben. Zusätzlich entfernte man die Koteletten und die Augenbrauen. Die Augenlöcher vergrößerte man und das Gesicht bemalte man mit weißer Farbe. Es entstand der geisterhafte Look, der nur noch wenig Menschliches erkennen lässt (Quelle: YouTube).

In den ersten beiden Teilen (und in der letzten Reboot-Trilogie) verkörperte Nick Castle den Killer. Durch seine Statur und seine langsamen und steifen Bewegungen verlieh er der Figur eine drückende Präsenz. Auch wenn er nicht rennt, wird er dich kriegen.

Nick Castles Aufgabe war: Nichts zu tun, einfach nur laufen, nicht schauspielern (Quelle: YouTube). Und das tat er auch. Michael Myers spricht nicht, er beobachtet und verfolgt.

Den Grundstein der Figur legt also das Aussehen und die Präsenz. Doch um das atmosphärisch zu gestalten, fehlt noch die Inszenierung. Dafür orientierte man sich an einer wahren Filmlegende: Alfred Hitchcock, allen voran sein Film Psycho. Der erste Halloween setzt nicht auf explizite Gewalt, sondern auf Terror.

Michael lauert im Hintergrund und beobachtet. Man weiß, dass etwas zuschaut und irgendetwas passiert, man weiß aber nie, wann es passieren wird. Das war auch die große Stärke von Hitchcock. Die Zuschauer wissen mehr als die handelnden Figuren, und daraus entsteht Terror. Michael lauert im Schatten, attackiert aber nicht immer. Too Much Film School beschreibt es in seinem Video-Essay auf YouTube perfekt: Michael hat die meiste Power, wenn er ungesehen ist.

Untermalt wird das noch von dem simplen, aber effektiven Soundtrack von John Carpenter, der dafür ein elektrisches Keyboard genutzt hat. Das Hauptstück kennt bis heute jeder, weil es eben so ikonisch und einzigartig ist:

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Michael Myers ist nur der eine Part des Terrors

Laurie Strode ist eine perfekte Scream-Queen. Laurie wird von Jamie Lee Curtis gespielt, die damals noch eine unbekannte Darstellerin war. Im Vergleich zu ihren anderen Freundinnen ist Laurie eine unschuldigere Figur, und sie ist die Einzige, die Michael im gesamten Filmverlauf im Hintergrund sieht. John Carpenter selbst sagt in einer Doku (via YouTube):

Sie fügte etwas hinzu, das über sich selbst hinausging. Jamie war, wie ich schon sagte, sehr klug. Sie wuchs mit Eltern aus Hollywood auf, sie war nicht das kleine Mädchen, das sie spielte, das war ihre schauspielerische Fähigkeit, und sie war sehr, sehr gut.

Im Gegensatz zu Michael zeigt sie viele menschliche Emotionen, versucht sich zu wehren und andere zu retten. Sie wird von Anfang an von Michael terrorisiert. Als Zuschauer fühlt man mit ihr. Ironischerweise ist Jamie Lee Curtis auch die Tochter der Psycho-Darstellerin Janet Leigh, die im Hitchcock-Film leiden muss.

Michael Myers kann nur wegen Laurie Strode funktionieren. Das stellt auch Filmkritiker Mark Clark in seinem Buch Smirk, Sneer and Scream: Great Acting in Horror Cinema (via YouTube) fest:

Was die Macher dieser zweitklassigen Nachahmungen jedoch nicht begriffen haben, war, dass Halloween nicht wegen Michael Myers triumphierte, sondern wegen einer Kombination aus Michael Myers und Laurie Strode. Michael war leicht zu kopieren, aber Laurie war unmöglich zu duplizieren.

Die Verbindung der beiden wurde auch im Verlauf des Franchise innerhalb der Story repräsentiert, auch wenn dadurch die Herkunftsgeschichte von Michael verwässert wurde.

Michael und der Geschwister-Quatsch

Wie sieht es eigentlich mit der Lore von Michael und Laurie aus? Im 2. Teil führte man ein, dass Laurie die Schwester von Michael sei und er sie deshalb jagt. Das führte man auch von Teil 4 bis 6 fort und die familiäre Verbindung war ein wichtiger Teil der Reihe.

Im Reboot-Film, Halloween von 2018, ignorierte man diese Verbindung wieder und er jagt sie wegen der Geschichte der beiden. Innerhalb der Reihe widersprachen sich einige Ereignisse, unter anderem Lauries Tode. Auch absurdere Erklärungen für Michael wurden getätigt. Man führte etwa einen Kult ein, der Michael verehrt und verflucht hat.

Gab es da nicht noch etwas von Rob Zombie? 2007 verfilmte Rob Zombie die Reihe neu. Dort gab man Michael eine größere Hintergrundgeschichte über seine Kindheit und Eltern. Der Teil erhielt eine Fortsetzung 2009, doch der Film aus 2018 setzte die originalen zwei Teile fort.

Wie viele andere Horror-Reihen driftete das Franchise ins Absurde ab, doch der erste Halloween-Film gilt bis heute als Horrorklassiker, und das liegt vor allem an Michael Myers und seiner Darstellung. Auch ein anderes Horrormonster ist eine Ikone: Alien: Alles, was ihr zum legendären Xenomorph wissen müsst

Quelle(n): The Making of Halloween (YouTube), filmindependent.org, Too Much Filmschool auf YouTube, Titelbildquelle: Universal Pictures Germany
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Edthemolf

Schöner Artikel, hoffe jedenfalls auf mehr aus der Horrorsparte 😁

Buggi

Um mal den YouTuber DeeMon zu zitieren: “Bei Halloween ist es so, dass es verschiedene Timelines gibt.” Ausgang ist dabei, bis auf die Rob Zombie Filme, die für sich stehen, immer der erste Teil von Halloween. Einzige Ausnahme bildet Teil 3, der steht für sich und hat mit den anderen Teilen gar nichts zu tun 🙂

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