Aussterbende Dinosaurier? Wo sind nur all die MMORPGs hin?
Eine evolutionsbiologische Betrachtung

Ist es das Sterben eines Genres? Irgendwie sieht man kaum noch neue MMORPGs auf dem Markt und wenn doch, dann sind es lediglich Asia-Importe, die auf altbewährte Methoden setzen. Wo sind also all die Online-Rollenspiele hin?

Ich habe heute unter der Dusche über die Frage aus der Überschrift nachgedacht. „Wo sind sie alle hin?“ Früher gab es kein Jahr, in dem nicht mindestens ein großes neue AAA-MMORPG angekündigt wurde, doch dieses Jahr war bislang Pustekuchen. Weder auf der E3 noch sonst wo haben wir etwas von neuentwickelten großen Online-Rollenspielen gehört. Stirbt hier gerade ein Genre aus?

MMO Rückblick 2014

Gerade der Begriff „Aussterben“ hat mich dann aber auf eine Idee gebracht. Denn Biologen und Archäologen haben ja schon länger verschiedene Theorien zum Artensterben und eine davon besagt, dass nicht unbedingt jede Spezies, die heute nicht mehr existiert, zwangsweise den brutalen Weg des Aussterbens gegangen sein muss. Vielmehr geht man davon aus, dass das eine oder andere Viech durch Evolution und Anpassung in anderen Arten heute weiterlebt. Sogar der gute alte Neandertaler existiert laut modernen Forschungsergebnissen im Erbgut der modernen Menschen weiter.

Evolutionsnischen

Eine ähnliche Entwicklung wie in der biologischen Evolution geht derzeit auch im Genre der Online-Games vor. Denn das klassische AAA-MMORPG ist tatsächlich eine Spezies, die derzeit stagniert. Irgendwie hat man schon alles gesehen und echte Neuerungen sind mehr als rar. Was es dafür wieder öfter gibt: spezialisierte Produkte, die einen bestimmten Markt bedienen.

Kilrogg World of Warcraft
Den immensen Erfolg von World of Warcraft hat bis heute kein AAA-MMORPG mehr wiederholen können.

Beispielsweise PvP-Sandbox-MMORPGs wie das kommende Camelot Unchained. Aber auch Sandboxen im Allgemeinen, wie das vielversprechende Chronicles of Elyria oder kommende deutsche Projekt Albion Online. Letzteres läuft auch auf Android- und Apple-Tablets, was ebenfalls ein zukunftsweisendes Konzept ist.

Hybriden an die Macht

Ein weiteres biologisches Erfolgsmodell sind Hybriden, also Wesen, welche die Merkmale von mehreren Arten vereinen und so eine optimale Mischung bieten. Beispielsweise ein Maultier, das die Folgsamkeit eines Pferdes mit der hohen Ausdauer und Tragkraft eines Esels vereint. Im Fall der Online-Games sind solche Hybriden die gerade außerordentlich erfolgreichen Konzepte der MMO-Shooter, MOBA-Shooter, MOBA-Taktikspiele und MOBA-Top-Down-Coop-Shooter.

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MMO-Shooter wie The Division sind eine sehr erfolgreiche Evolutionslinie der Online-Rollenspiele.

Gerade MMO-Shooter wie The Division und Destiny sind dank actionreichem Gameplay, MMO-Komponente und Rollenspiel-Inhalten besonders gut bei den Spielern angekommen. Aber auch reine Shooter wie Overwatch haben mit zahlreichen einzigartigen Helden einen gewissen Rollenspiel-Touch. Wieder einen ganz anderen Weg geht Master X Master, das zwar vornehmlich eine MOBA ist, aber mit dem Coop-PvE-Modus und den mannigfaltigen Anpassungsmöglichkeiten für Helden einem Rollenspiel wieder sehr nahe kommt.

Neue Habitate

In der Natur gibt es immer wieder spezielle Lebensräume, so genannte Habitate, die so abgeschieden und isoliert sind, dass dort Arten überleben, die woanders längst verschwunden sind – beispielsweise die Galapagos-Inseln. Auch diese Entwicklung gibt es derzeit im MMO-Bereich, denn viele Online-Rollenspiele erleben derzeit eine zweite Blüte in einem völlig neuen Lebensraum: den Konsolen!

The Elder Scrolls Online Kaiserstadt Gegner
The Elders Scrolls Online ist auf der Konsole sehr erfolgreich, was nicht zuletzt auch an dem bislang eher dünnen Angebot an MMORPGs auf diesen Plattformen liegt.

Spiele wie The Elder Scrolls Online und Final Fantasy 14 – letzteres sogar mit klassischem Abo-Modell – florieren auf der Playstation 4 und der Xbox One. Der Erfolg dieser Games führt derzeit auch dazu, dass auf dem PC eher mittelmäßig erfolgreiche MMORPGs wie Neverwinter, Star Trek Online und TERA demnächst eine Konsolen-Renaissance feiern dürften, denn gerade eingefleischte Konsoleros hatten bislang wenig mit MMORPGs zu tun gehabt und begrüßen die Neuankömmlinge mit offenen Armen.

Migration aus dem Osten

Zuletzt gibt es in der Natur noch das Phänomen der Migration, also die Wanderung und Ausbreitung einer erfolgreichen Art in andere Lebensräume. Dies passiert bei den Online-Games gerade verstärkt aus dem asiatischen Raum nach Europa und Nordamerika. Denn die einzigen größeren, neuen Online-Rollenspiele 2016 stammen bisher aus Asien, nachdem vielversprechende westliche Projekte wie Everquest Next eingestellt wurden.

Revelation_Online_Screenshot
Hochwertige AAA-MMORPGs aus Asien – wie hier Revelation Online – drängen gerade verstärkt auf den westlichen Markt und sind trotz eher traditioneller Spielinhalte in ihren Ursprungsländern meist sehr erfolgreich.

Stattdessen erscheinen derzeit zahlreiche Asia-MMOs wie Blade & Soul, Black Desert Online, Riders of Icarus, Bless Online und Revelation Online im Westen und werben um die Gunst der Spieler. Dabei sind diese Games aber allesamt keine Neuerfindung des Genres, sondern setzen weitgehend auf altbekannte Tugenden, wenn auch oft ins abgewandelter Form – beispielsweise das Beat-em-Up-Gameplay von Blade & Soul oder die Luftkämpfe aus Riders of Icarus. Und kurioserweise haben die Asia-Spiele durchaus Erfolg im Westen, wie die Umsatzzahlen von Blade & Soul zeigen, die beispielsweise Guild Wars 2 längst übertrumpft haben.

Das Genre lebt!

Zum Abschluss kann man also nicht sagen, dass MMORPGs aussterben, vielmehr entwickelt sich das Gerne ganz natürlich weiter und spaltet sich in viele Teilaspekte auf, während aber nach wie vor die großen alten AAA-MMORPGs nicht völlig verschwinden, es kommen halt nur weniger gänzlich neue Konzepte nach. Aber alleine die große Anzahl an durchaus hochkarätigen Spielen aus Asien sollte bei Online-Rollenspieler auch in den kommenden Monaten für ordentlich Beschäftigung sorgen.

Interessant: MMO Releases 2016 und Diese 12 neuen MMORPGs kommen 2017.


Aber das sind jetzt erstmal nur meine Gedanken zu dem Thema. Was haltet ihr davon? Ist für euch die Zeit der großen MMORPGs dennoch Geschichte oder seht ihr die Sache ähnlich wie ich? Schreibt es in die Kommentare und lasst es mich wissen!

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Caldrus82

Interessant. Ich für meinen Teil denke, dass wir in Zukunft viel mehr Nischen-MMOs sehen werden, wie Jürgen oben ja schon aufgeführt hat (Camelot Unchained etc pp). Die richtig großen westlichen Releases sind vorbei, einige davon schon vorzeitig gestorben. Die Asia-MMOs werden weiterhin Spieler bedienen die auf Action-Kampf stehen und auf viel old-school PvE-Content.
Ich persönlich hoffe ja, dass mit Spielen wie zB Camelot Unchained die Community wieder besser wird, denn das ist es, was ich in einem MMO suche. Mir sind die aktuellen MMOs alle zu singleplayer- lastig. Zudem wurden in der Vergangenheit einfach zu viele Kompromisse eingegangen, egal ob ich mir jetzt den PvE oder PvP Content in manchen Spielen anschaue. Hier finde ich wiederrum den Weg, den CU einschlägt zukunftsweisend, denn hier macht man nur eines und versucht nicht beides halbherzig hinzuklatschen.
Man darf gespannt sein 😉

gamingmmo

Es wurde besonders bei West AAA-MMO´s auch viel Investorengeld versenkt, so dass sich die Branche generell schwerer tut, viel Geld in einen AAA-Titel zu investieren. Es hat auch einen Grund, warum Asia MMOs zur Zeit im Westen sehr beliebt sind: die Asiaten verstehen es, in einem MMO Kampfsysteme zu entwickeln, die einfach gut und actionreich sind und fesseln (BDO, Blade&Soul, Tera, Guild Wars 2). Selbst ein B-Titel wie Echo of Soul hat ein ansprechenderes Kampfsystem als SWTOR und das will schon was heißen.

Shiv0r

Guild Wars Franchise ist von einem westlichen Entwickler.

Nomad

Das Problem der Entwicklung neuer AAA-Titel mit neuen Mechaniken steht und fällt mit dem Knowhow der Entwickler KIs zu programmieren. Und da liegt der Hase im Pfeffer. Es gibt zu wenig gut ausgebildete Entwickler, die das beherrschen. Es wird wohl noch einige Zeit verstreichen müssen, bis sich in der Informatik dieses Themenfeld breiter durchgesetzt hat. Wenn dieser Stand erst einmal erreicht ist, wird es auch wieder richtig gute neue MMOs geben. die nicht mehr nur die althergebrachten Pfade anbieten.
Parallel dazu müssen Investoren lernen, dass man nicht ewig ohne langfristiges Denken die dicke Kohle scheffeln kann. Die fetten Zeiten sind mehr oder weniger vorbei.
Langfristige Pläne müssen her, mit denen man mit aktuell gewinnbringenden Spielen dien Grundstein, die Ausbildung für zukünftige Erfolge finanziert. Solange nur Gewinne abgeschröpft werden, ohne sie in Zukunftstechnologien wieder zu investieren. wird man auf niedrigem Niveau weiterdümpeln.
Glaubt denn wirklich einer, dass er mit Spielen auf Mobiltelefonen reich wird ? Irgendwann wirds auch der letzte kapiert haben, dass das ein Irrweg ist, wie dieser ganze App-Hype, der heute überall wie ein Virus grassiert.

Damian

Ich glaube auch nicht, dass das Genre ausstirbt, aber sich eben im evolutionären Sinne in verschiedene Arten aufspaltet.

WoW konnte nur diesen Status erreichen, weil es zum Zeitpunkt des Releases kaum Fressfeinde hatte. Ich glaube tatsächlich, dass WoW so gut wie gar keine neuen Abonnenten mehr findet, sondern dass 95% der Spieler WoW schon sehr lange spielen und zu jedem neuen Addon neu einsteigen.

Die meisten WoW-Spieler, die ich kenne, haben auch noch nie ein anderes MMO ausprobiert, einfach weil sie dazu zu strukturkonservativ sind (okay, viele der WoW-Spieler sind heute auch vermutlich schon älter als der Durchschnitt der Gamer an sich!).

Was mir wirklich fehlt, sind neue AAA-MMO-Titel aus dem Westen, allerdings sind die in der Entwicklung dermaßen teuer, dass sich kein Entwickler daran traut, zudem bindet sich kaum noch ein Spieler als Abonnent an ein Game, sondern viele wollen am liebsten kostenlos spielen. Die Einnahmen über F2P sind aber nunmal viel weniger konstant und sicher, wie die bei einem Abo-Game, auch deshalb gibt es kaum westliche Entwickler, die bereit sind die gigantischen Summen zu investieren, die nötig wären.

Es gab in den letzten jahren soviele interessante Ankündigungen, die sich alle in Luft aufgelöst haben: World of Darkness online, Everquest next etc.

Was bleibt sind die extrem generischen Asia-MMO’s mit den immer gleichen Klischees (siehe Darstellung von weiblichen Charakteren in diesen Games) und Versatzstücken…

Guest

Aussterben wird die Genre nicht, aber sie ist halt nicht mehr so beliebt wie früher. Ist mit Jumpn’Runs oder Beat em ups nicht anders, vermutlich ist hier der Markt sogar weitaus stärker geschrumpft.

Theojin

Ich hätte ja gern mal ein MMO, was PvP absolut links liegen läßt und stattdessen bewußt auf einen starken PvE Anteil setzt.

Shiv0r

Naja das ist ja im Grunde genommen FF XIV ja es hat zwar PvP aber sonderlich beliebt ist es nicht und wird eigentlich von vielen komplett ignoriert.

Koronus

FF XIV hat PvP? Wow ist mir bis heute nie aufgefallen.

Psyclon

Ja, hat es. Square Enix hat lediglich stark versagt und es hat noch in der frühen Realm Reborn-Phase den Stempel “unspielbar” aufgedrückt bekommen. Klassen wurden etwa mit ihren normalen Fähigkeiten in den Kampf geschickt – welche auf PvE gemünzt wurden.

Psyclon

Exakt. Wer PvE liebt sollte sich FF14 ansehen. Was auch noch gut ist (in der Hinsicht) ist der von vielen gehasste hohe Instanz-Anteil.

Marc M

Dann empfehl ich dir einfach mal die guild wars 1 quadrologie, hat die beste story + pve die mir ein mmo bisher bieten konnte

Marc El Ho

Also grade GW1 war bekannt für sein PvP und PVE wird eher in swtor und TSW betont

Psyclon

Das halte ich für absolut gefährlich. Man sieht es an LoL; das Spiel wird hauptsächlich auf einer “Karte” gespielt, und das seit 7 (!) Jahren. Daran merkt man, dass PvP der Motor des Kühlschranks ist, ohne den die Lebensmittel daran langsam vergammeln würden. Egal, wie schön diese Features (“Lebensmittel”) designed worden sind, die Leute würden nach und nach gehen.

GW2 z.B. zieht stellenweise ausschließlich PvPler an, obwohl es angesichts des knapp 30-GByte-Games (sprich: Enorm viel PvE!) wirklich albern wirkt. Aber wenn es hilft, dass das Spiel seine Spieler abbekommt und diese Spaß haben (was bei PvP ja immer relativ ist. . .^^) sollte man nicht mit voller Absicht dieses Feature komplett außen vor lassen.

Atom

Sehr guter Artikel

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