Twitch einigt sich mit Musik-Industrie auf halbherzigen Deal – Das ändert sich bei Musik

Auf der Streaming-Plattform Twitch lebten Streamer zuletzt in permanenter Angst vor einer plötzlichen Account-Sperre wegen der Nutzung von urheberrechtlich geschützter Musik. Diese Gefahr scheint jetzt gebannt. Twitch hat einen neuen Deal mit der Musik-Industrie (National Music Publishers’ Association) geschlossen. Es ändert sich wenig, aber die Bann-Gefahr sinkt.

Das ist das Problem mit urheberrechtlich geschützter Musik auf Twitch:

  • Über Jahre war Twitch eine Art „wilder Westen“, was Urheberrecht anging. Streamer ließen urheberrechtlich geschützte Musik im Hintergrund laufen oder sie dudelte als Soundtrack beim Spielen einfach so mit. Zwar war das eigentlich gegen die Regeln, kümmerte aber keinen groß.
  • Während der Corona-Pandemie begann die Musik-Industrie jedoch massig Copyright-Beschwerden (DMCA-Strikes) an Twitch zu versenden. Weil die Einnahmen durch Konzerte wegbrachen, musste man neue Einnahme-Quellen erschließen, um die Existenz der Künstler zu gewährleisten, hieß es. Twitch war daher gezwungen alte Videos der Streamer zu löschen, in denen Musik zu hören war.
  • Twitch musste zudem den Streamern mit Banns und der Löschung ihres Kanals drohen – das schrieb die Gesetzeslage so vor. Die Verwarnungen und Drohungen sorgten für viel Aufregung. Streamer wie der Deutsche MontanaBlack löschten ihre riesigen Bibliotheken an Videos und Clips.
  • Jetzt hat sich Twitch mit der Musik-Industrie auf einen Deal geeinigt: Es bleibt alles so wie es ist, aber die Bann-Gefahr sinkt.
Es hagelt Copyright-Strafen für Streamer – Twitch gibt zu: „Das geht auf uns“

Twitch sagt, man ist jetzt “flexibler und gnädiger” zu den Streamern

Was sagt der Deal? Laut US-Quellen hätten Twitch-Streamer die neuen Regeln in einer E-Mail am 21. September erfahren. Twitch verkündet stolz, sie hätten sich mit der “National Music Publishers’ Association” auf einen Deal geeinigt. Die Organisation vertritt die Musik-Verlage in den USA.

Im Großen und Ganzen ändert sich nichts für die Streamer. Es bleibt weiterhin verboten, Musik zu spielen, an der der Streamer keine Lizenz hält.

Aber: Wenn Streamer gegen diese Regeln verstoßen, bekommen sie jetzt keinen „DMCA-Strike“ mehr, sondern vorher eine Warnung.

Twitch sagt, der neue Prozess sei „flexibler und gnädiger“ gegenüber Creators, die unabsichtlich urheberrechtlich geschützte Musik in ihren Streams verwenden.

Nun bekämen Nutzer erstmal eine Warnung, statt gleich einen Strike:

  • Nach der Warnung würden die Videos gelöscht werden.
  • Wenn in einem Live-Stream deutlich gegen das Urheberrecht verstoßen wird, könnten aber weiter Warnungen und Strafen ausgesprochen werden.
  • Wenn jemand bekannt dafür ist, urheberrechtlich geschützte Musik zu verwenden, behält sich Twitch vor, weiter Strafen zu erteilen.

Es heißt aber klar:

„Der neue Prozess ändert nichts daran, wie Musik auf Twitch verwendet werden kann. Es ist niemals okay, Musik in eurem Kanal zu verwenden, wenn ihr euch nicht die Rechte daran gesichert habt.“

So wird das diskutiert: Die neue Regel wird in einer Diskussion auf reddit als „vernünftig, aber halbherzig“ angesehen (via reddit).

Im Idealfall hätten sich Twitch-Nutzer wohl gewünscht, dass Twitch wie Facebook einen „Lizenz-Deal“ abschließt, durch den Streamer generell auch urheberrechtlich geschützte Musik streamen können. Denn in der Logik der Twitch-Streamer hat das Spielen von Musik eher eine „werbende“ Wirkung: Zuschauer würden so neue Musik erkennen und kaufen.

Für die Musik-Industrie ist es aber wichtig, an den wachsenden Einnahmen von Twitch beteiligt zu werden.

Der neue Deal ist jetzt ein Kompromiss, der zumindest die ständige Bann-Gefahr reduziert, aber nicht wirklich was an der Situation ändert.

Neue Spiele gibt es schon im „Streamer-Modus“: Sie schaltet dann urheberrechtlich geschützte Musik, die im Soundtrack zu hören ist, einfach aus.

In der Vergangenheit kochte der Konflikt immer wieder hoch:

Twitch löscht tausende Clips, verwarnt hunderte Streamer – Die sind sauer und ratlos

Quelle(n): kotakzu, dexerto
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Goerke

Ich hätte da jetz mal ne Frage zu.wenn ich doch spotify benutze bekomm doch die künstler pro aufgerufenem song oder klick bei dem song sozusagen ihre ich sag mal Provision oder?warum kann ich dann zum streamen nich einfach spotify im Hintergrund laufen lassen,im Endeffekt bekommen sie doch dann trotzdem ihren Anteil dafür und wären doch nich benachteiligt oder sehe das falsch?

DanVibes

weil, sie nur einen Klick bekommen (von dir) und nicht für jeden deiner Zuseher

Erutan

So leicht ist das nicht… Wenn du es hörst zählt nur dein click dieser is so gut wie null Wert und gibt dennen null Cent.. Erst ab ner gewissen click Menge bekommen die Geld.

Nehmen wir mal an Du hast 200 Zuschauer.. Dennoch wird nur dein click gezählt auf Spotify und nicht die der restlichen 200 Zuhörer 🙂 In einer Kneipe usw ist es auch nicht anders da muss der Besitzer auch ne bestimmte Summe zahlen das er mit Musik alle unterhalten darf!

Phoesias

Absurd.

Also einen Song, der mir gefällt, habe ich noch nie NICHT gekauft – „weil er ja ausreichend oft in den streams zu hören ist“ Wasn das für nen selten dämlicher gedankengang.

Wohingegen ich bereits unzählige Songs gekauft habe – gerade WEIL ich sie per Zufall in nem Stream gehört habe

Den Werbeeffekt kann ich persönlich sehr deutlich bestätigen.

Zuletzt bearbeitet vor 28 Tagen von Phoesias
Mac31

Den Rechteverwertern geht es primär, darum Gebühren für Inhalte zu kassieren, für die sie die Lizenzen verwalten. Das ist durchaus legitim. Ob hier einzelne Künstler von Werbeeffekten profitieren, steht nicht in deren Fokus. Den Rechteverwertern geht es hier um die Masse des Umsatzes an Gebühren.

Phoesias

Verstehe ich, wenn jedoch Auswertungen ergeben, dass die Einnahmen durch etwaige Werbeeffekte im Rahmen des Abspielens der Musik in diversen Streams den erhobenen Gebühren – die ja genau das verhindern- überwiegen, dann führt das die Aktion doch ad absurdum ?

SOFERN es sich denn so darstellt, war jetzt nur mein persönlicher Eindruck. Ich denke der Mehrwert ist erheblich

Zuletzt bearbeitet vor 24 Tagen von Phoesias
Mac31

Für die Musiklabels sicherlich, aber hier klagen die Rechteverwerter. Ob nun Song A, B oder C gespielt wird, ist denen egal. Das Geld für die Lizenzen fließt auf jeden Fall durch deren Hände.
Das ist wie damals der Streit zwischen Gema und Youtube. Da hat sich am Ende selbst Sony beschwert, und auf schädliche Auswirkungen hingewiesen. Hat die Gema damals kein Stück interessiert.

Threepwood

Es geht also weiterhin an den Künstlern vorbei, während von ihnen (mit)profitiert wird. Bravo. 🤐

Wobei das den Leuten heute auch egal zu sein scheint, sonst würden Spotify und Co nicht so boomen.
Auch wenn die Trendcharts nur mit ganz viel wohlwollender Fantasie als Musik bezeichnet werden können, müssten eigentlich gerade die Streamer, die bezüglich eigenem Copyright direkt hyperventilieren, ein anderes Verständnis für die Situation haben und entsprechend handeln. Ooooder man reizt es weiterhin aus. Ja, ist lukrativer.

swisslink420

Wer geht den in streams um musik zu hören?

Wenn einem ein Lied gefällt das im Hintergund läuft geht man das evtl streamen oder kaufen. Ist doch gratis Werbung? seh nicht was dadran schlecht sein soll?

McPhil

Es gibt auch ganze Musik Streams wo Musik gespielt oder live gemixt wird.

Zuletzt bearbeitet vor 28 Tagen von McPhil
Threepwood

Zum Thema Mucke streamen schau dir mal die Arte Doku an, die seit Jahren überfällig war und abseits der oberen 5% der Musiker bzw. eher Unternehmer erwartet wurde.

Wird vielleicht nicht deine Lieblingsmucke betreffen bzw. vielleicht gehören die sogar zu den Profiteuren, aber sehenswert.
Wenn du selbst mal Mucke, Kunst o.ä. machst, kannst du von Werbung bei einem nicht wirklich zahlungskräftigen Publikum keine Miete zahlen. Trägst aber nicht selten zur Unterhaltung bei, was dem Streamer finanziell zu gute kommt. Im Bestfall reißen die Kids vielleicht Spotify an, ja. Dort geht das Drama weiter, wenn man nicht Beyonce oder sonst wie heißt und es eh schon nicht nötig hat.

Sprich, die Künstler sind auf faire Deals angewiesen.

outi

Ich versteh es nicht so ganz… Monte lässt quasi immer geschützte Musik laufen und keinen juckts. Wieso jetzt so ein Stesss.

Zuletzt bearbeitet vor 28 Tagen von outi
MB

Die Streamer sollen für die Musik genauso bezahlen wie ich zu Hause. Oder ich höre Radio, das könnten die auch nebenher laufen lassen. xD

monk

das könnten die auch nebenher laufen lassen. xD

nein

Mac31

Das Problem für Streamer ist, das Gema & Co aktuell überhaupt keine Tarife für sie anbieten. Die Gema z.B., ist der Meinung das dies eine Aufgabe der Plattform ist. Daran widerum zeigt Twitch kein Interesse.
Aktuell ist die sicherste Lösung für Streamer, auf lizenzfreie Musik auszuweichen, was aber die Auswahl an Musik sehr einschränkt.
Der aktuelle Deal löst hierbei eigentlich kein Problem.

Hamurator

Die Frage, die sich mir dabei stellt: Warum kann die DMCA bspw. einen Deutschen anklagen, wenn der Deutsche gar nicht in ihren Zuständigkeitsbereich fällt und theoretisch gar nicht um den Rechtestatus wissen kann. Denn in Deutschland werden die Rechte, wie von dir angesprochen, von der GEMA vergeben.

monk

warum sollte das nicht in deren zuständigkeit fallen, wenn der deutsche auf twitch international tätig ist?

Hamurator

Das wäre ein Argument. Dann sehe ich aber wiederum die Plattform in Zugzwang. Wenn ich mir für Deutschland oder von mir aus für die DACH-Region eine Lizenz erwerbe und dann Amerikaner oder Koreaner einschalten, obwohl ich deutschsprachig unterwegs bin, dann kann ich recht wenig dafür.

Zuletzt bearbeitet vor 28 Tagen von Hamurator
Mac31

Nun das tun sie auch nicht, die Urheberrechtsbeschwerde geht an Twitch. Und Twitch sanktioniert das gegenüber dem Streamer, der damit gegen die Regeln der Plattform verstoßen hat.

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