Lohnt sich TERA auf der PS4? Es macht Laune, aber es gibt einen Haken

TERA feiert seinen Release auf PS4 und Xbox One. Nach dem ersten Anspielen zeigt sich schnell, warum das Action-MMO schon immer wie gemacht für die Konsole war. Es ist aber längst nicht alles perfekt, sagt unser Autor und ehemaliger TERA-Veteran Dawid …

Am 3. April ist das MMORPG TERA der PUBG-Macher, Bluehole, offiziell als Free2Play-Titel auf der Konsole erschienen. Wir konnten schon ausgiebig beim Frühzugang in den neusten MMO-Titel auf der PS4 reinschnuppern. Lohnt sich die Konsolen-Version von TERA?

Kampfsystem ist top …

Der Fokus bei TERA liegt ganz klar auf das Kampfsystem, das absolute Herzstück des Spiels. Daran hat sich in den letzten Jahren wenig geändert.

Ich weiche roten Flächen aus, bringe mich als Zerstörer mit dem Fadenkreuz in eine optimale Position hinter dem Boss und zünde einen Skill-Opener. Als „Slayer“ und dem Volk der Castanics angehörend, ist alles darauf ausgerichtet, von hinten viel Schaden anzurichten. Danach nimmt alles mit einem intuitiven, direkten Kettensystem seinen Lauf. Dieser Lauf bringt mich manchmal sogar so in Ekstase, dass jeder Krit mich innerlich zucken lässt. Die Mechaniken bei den Bossen sind optimal mit den Möglichkeiten des aktiven Action-Kampfsystems abgestimmt und harmonieren prächtig.

Seht hier in unserem TERA-Guide alle Klassen und Völker mit ihren Vor- und Nachteilen

Das Treffer-Feedback befriedigt vor allem bei starken Skills und kritischen Treffern. Aber wehe, man zündet im Wahn einen Skill zu viel oder nimmt dem Tank die Aggro weg. Da kann es schon schnell vorkommen, dass der eigene Charakter im Dreck liegt. Als ehemaliger PC-Veteran kann ich schon sagen: Das wird noch weitaus intensiver in den Hardmodes im Endgame, sofern der Schwierigkeitsgrad auf der Konsole nicht zu stark heruntergeschraubt wurde. TERA hat mir eindeutig den Spaß an den konventionellen, halbrundenbasierten „Tab-Targetting-Kampfsystemen“, wir wir sie aus World of Warcraft und Co kennen, verdorben.

An sich gelungener Port

Und beim Kampf hat Bluehole für den Konsolen-Port ganze Arbeit geleistet. Die Kampf-Steuerung, die aufwendigen Skill-Animationen und die Kombos sind einfach super-smooth und greifen intelligent ineinander über. Das bekommt kein aktuelles Konsolen-MMORPG so gut hin.

TERA PS4 Kampfsystem

Die Konsolen-Menüs und das UI sind minimalistisch, eingängig gestaltet und in Bereiche gegliedert, die sich fix anwählen lassen. Und wenn man dann mal das Interface und Item-Management verstanden hat, erscheint alles logisch und vieles läuft in TERA heutzutage automatisiert ab. Etwa das Verzaubern der Ausrüstung, Herstellen von Verbrauchsmitteln oder Verstärken der Fähigkeiten mittels Glyphen. Das erinnert bisweilen fast schon an ein Mobile-MMO wie Lineage 2 Revolution. Das war früher zum PC-Release alles deutlich sperriger.

TERA PS4 Verzauberung

Auf PC gab es übrigens auch schon seit 2012 einen Controller-Support. Und man merkt einen großen Unterschied. Bei der Konsolenversion ist das komplette Spiel auf die Controller-Steuerung ausgerichtet worden, auch die Gegner wurden angepasst. Auf dem PC hielt der Controller höchstens für seichtes Grinden her, aber ansonsten ging nichts über Maus und Tastatur.

Dass die Konsolen-Steuerung so viel Spaß macht, hat sogar ein neues Feuer in mir entfacht, das mich antreibt. Ich versuchte letztens einen Neustart auf PC, den ich recht zügig wieder beendete. Auf der PS4 bin ich mittlerweile um einiges weiter und spiele immer noch. Auf der Couch mit dem PS4-Controller liegen und auf einem großen TV Bosse vermöbeln. Das passt perfekt zum actionlastigen Kampfsystem von TERA.

… Rest ist MMORPG-Standard-Kost aus 2010

So schön das Kampfsystem sein mag, steht und fällt TERA auch damit. Der Kampf gibt einem zwar immer wieder Motivationsschübe, vor allem wenn neue Skills oder Waffen hinzukommen. Aber sobald sich das abnutzt, erwartet den Spielern eine eintönige Symphonie aus 08 / 15 Quests a la „Repariere den Teddy, hole uns dafür 5 Nadeln“ oder „Töte 7 Banditen und bringe die Güter zurück“. Moderne Quests sind in der Levelphase Mangelware und die Story ist schwierig zu greifen.

TERA PS4 Quest Hub

Es handelt sich eben um ein Asia-MMO, das schon einige Jahre auf dem Buckel hat. Seit dem Release brachte Bluehole in den letzten Jahren mehr vom Gleichen, erhöhte den Komfort, streichte nicht funktionierende Inhalte und lenkte den Fokus noch weiter auf das Endgame. Neue Dungeons, Raids, Klassen und so weiter. Das, was die Spieler an TERA schon vorher schätzten, wurde im großen Stil erweitert. Doch die Schwächen blieben. Blöderweise fehlen noch beliebte, neu hinzugekommene Klassen wie die Mondtänzerin und der Ninja in der Konsolen-Version.

Und leider gehört zum Tera von 2018 auch, dass es stark vereinfacht wurde, was gleichermaßen für die PC-Version gilt. Sinnbildlich dafür stehen die BAMS, die sogenannten Big-Ass-Monster, die früher eigentlich nur in Gruppen angegangen wurden. Sie lassen sich heute mit wenigen Schlägen ins Nirvana klatschen. Alleine. Der Adrenalinspiegel bleibt im Gegensatz zu früher unten.

Ein sehr langes Tutorial

Im Forum von EnMasse gab es letztens eine treffende Anekdote zur Umschreibung der Levelphase: Bis Level 64 ist es ein Tutorial, danach beginnt mit Level 65 auf der Endstufe das Spiel. Das Leveln bis auf 65 ist vor allem dazu da, um zu lernen, mit den neuen Skills umzugehen. Man merkt auch, dass Bluehole einiges dafür getan hat, dass das „unliebsame Anhängsel“ zügig vorangeht. Die Töte-und-Sammel-Quests wurden stark reduziert und man braucht eigentlich nur noch den roten Hauptquests zu folgen.

TERA Bosskampf PS4

Das war jedoch schon bekannt und auch wenn TERA unter anderem ein komfortables Quest-Belohnungssystem eingeführt hat, bei dem man Aufgaben angezeigt bekommt, zu denen man sich gemütlich transportieren lassen kann und für die es im Anschluss tägliche- und wöchentliche Belohnungen gibt, so bleibt es dabei: Die Kämpfe, Bosse und Dungeons bzw. Raids sind super. Als Gesamtpaket bietet es jedoch deutlich weniger, als ein WoW, ESO oder Final Fantasy XIV.

Das lässt sich schon aufgrund Erfahrungen bei der PC-Version sagen: Das Endgame besteht hauptsächlich aus dem Grind nach einer immer besseren Ausrüstung, das aufgrund der Progressions-Möglichkeiten durchaus seinen Reiz haben kann. Ihr sammelt bei Quest-Events Ruf und lauft oft die gleichen Dungeons, PvP-Schlachtfelder sowie Raids ab.

Und jetzt der Haken mit der PS4: Grafik und Performance lassen zu wünschen übrig

Es zieht sich wie ein roter Faden durch so gut wie alle PC-MMORPG-Ports. FPS-Einbrüche, reduzierte Grafik-Details oder eine geringe Sichtweite trüben den Spielspaß. Auch in TERA bleibt ihr davon nicht verschont und das MMO setzt trotz einiger Last-Minute-Optimierungen sogar noch einen drauf. Dabei ist das Spiel Anfang 2011 in Korea erschienen.

Im Vergleich zum PC-Pendant muss man auf der PS4 oder Xbox One mit einer signifikant schlechteren Optik leben können. Die Konsolen-Hardware kommt bei MMORPGs und beim ohnehin Performance-lastigen TERA schnell an ihre Grenzen. Die PS4 ist einfach nicht stark genug, die teils schlechte Optimierung aufzufangen, wenn selbst die PC-Version manchmal schon starke Rechner ins Wanken bringt. Wahrscheinlich hat Bluehole aufgegeben, diese Probleme vollends in den Griff zu bekommen. Anders kann ich mir nicht erklären, warum das Spiel nach der letzten Open-Beta so plötzlich in den Headstart ging. Über eine PS4 Pro Version ist nichts bekannt.

Mit diesen 3 Problemen muss man leben können:

Problem 1: Pop-Ups kommen häufiger vor. Viele Objekte sind ergraut, werden erst im Nachhinein geladen oder erscheinen einem plötzlich, wenn man vor ihnen steht.

Problem 2: Normalerweise für eine heute noch schicke Grafik bekannt, kann man das auf der Konsole nicht immer behaupten. Die Details, selbst in Cinematics, sind an einigen Stellen im Vergleich zur PC-Version so heruntergedreht worden, dass aus ursprünglich hübschen Wesen, überspitzt gesagt, eine Minecraft-Armee aus Imperator Palpatines wird.

Problem 3: Am meisten stören die Framedrops. Beim Questen kommt es gelegentlich nur zum Micro-Ruckeln, das sich kaum negativ auf das Spielgeschehen auswirkt. Doch sobald es zu größeren Ansammlungen kommt, führt es zu Beeinträchtigungen beim Spielspaß.

Dicke Stein-Kolosse bringen die PS4-Hardware ins Schwitzen

Im ersten Schlachtfeld für 20 Spieler, der sinnentleerten Kumaskrippe, in der ihr dicke Steinklopse spielt, die nichts mit eurem Charakter gemein haben, und das Ziel darin besteht, einen noch dickeren Steinklops der Gegner zu besiegen, kommt es öfter zu Skill-Verzögerungen oder übersprungenen Bildern. Das ist besonders im PvP ärgerlich.

TERA Kumaskrippe

Der schrecklichste Battleground in TERA und leider auch gleich das erste Schlachtfeld, das Spielern begegnet.

Es gibt später sogar Raids und weitere Schlachtfelder mit noch mehr Spielern. Schwer vorstellbar, dass das viel besser abläuft, wenn nicht gerade Grafik-Details und Sichtweite noch weiter heruntergeregelt werden.

Für wen das Gameplay an erster Stelle steht, der kann darüber hinweg sehen

Unterm Strich fällt das allerdings nicht ganz so stark ins Gewicht, weil der Fokus auf das Gameplay liegt und dieses überzeugt. Die Gebiete bieten  immerhin abwechslungsreiche Kulissen, wirken recht belebt und sehen hin und wieder ja aus der Entfernung auch hübsch aus. Spieler dürfen hier nur keinen Augenschmaus erwarten.

TERA PS4 Grafik

Fazit zur PS4-Version von TERA

Mit TERA bekommen Konsolen-Spieler ein solides Themepark-MMORPG, das vor allem durch sein dynamisches Action-Kampfsystem besticht und sich daher perfekt für die PS4 und Xbox One eignet. Wer mit einer mittelmäßigen Grafik im asiatischen Stil und gelegentlichen Performance-Problemen leben kann, hat hier viele Stunden Spielspaß vor sich – sofern auch der Kampf an erster Stelle steht und Quests oder Nebenbeschäftigungen zweitrangig sind.TERA Leveln PS4

Gerade Liebhaber von Dungeon- und Raidläufen, die darüber hinaus gerne ihre Ausrüstung und ihren Charakter stetig verbessern möchten, könnten hier ein neues Zuhause finden. TERA entfaltet in der Gruppe sein ganzes Potenzial und die abwechslungsreichen sowie fordernden Boss-Mechaniken wissen zu überzeugen. Wer sich Dark Souls, Devil May Cry oder Monster Hunter World als vollwertiges MMO gewünscht hat, könnte hier fündig werden.

Eine große Auswahl an Free2Play-MMORPGs auf der Konsole gibt es ohnehin nicht und da ist TERA eine willkommene Abwechslung. Vor Skyforge, Neverwinter, Star Trek Online, Trove und DC Universe Online braucht sich TERA nicht zu verstecken, sondern im Gegenteil, es ist wohl das beste, kostenlose MMORPG auf der PS4 und Xbox One.

Der Shop und das Free2Play-Modell machen bisher einen fairen Eindruck. Vielspielern kann man den Elite-Status empfehlen, ein monatliches Abo, das einige Komfort-Vorteile bringt.


Kommt bald ein MMORPG auf die Konsole auf PC-Niveau? Die Xbox One X könnte da schon mehr möglich machen. Eine Hoffnung stellt Black Desert Online dar, das auf der stärksten Konsole der Welt laufen wird und laut ersten Angaben des Publishers die ganze Power zu Nutze macht. Screenshots und Videos der Konsolen-Version von Black Desert überzeugen hier mit einem höheren Detailgrad und flüssigeren Darstellungen. Ob auch die für alle zugängliche Release-Version das halten kann, bleibt abzuwarten.

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