Auf Steam ist gerade ein MMORPG erfolgreich, das sich aber gar nicht an typische MMORPG-Spieler richtet

Auf Steam ist gerade ein MMORPG erfolgreich, das sich aber gar nicht an typische MMORPG-Spieler richtet

Seit dem 6. März können Spieler aus Europa, Amerika und Japan das MMORPG Summoners War: Chronicles auf Steam spielen. Dort kommt es gut an. Über 35.000 Spieler waren bisher gleichzeitig online – Tendenz steigend – und insgesamt bekam es 73 % positive Reviews. Mit seinen Inhalten richtet sich das Spiel aber eher an Monster- und Heldensammler als an eingefleischte MMORPG-Spieler, meint MeinMMO-Redakteur Alexander Leitsch.

Was ist das für ein Spiel? In Summoners War: Chronicles dreht sich alles darum, Monster zu sammeln, die ihr dann beschwören könnt. An diese Monster kommt ihr, indem ihr sie über Beschwörungen freischaltet. Diese könnt ihr euch zwar bis zu einem gewissen Grad erspielen, primär jedoch erkaufen. Das gewonnene Monster ist dann zufällig – eben ein typisches Gacha-System wie in Genshin Impact.

Die Spieler von Genshin und vor allem der anderen Teile von Summoners War sind auch viel eher die Zielgruppe als typische MMORPG-Spieler. Denn das Spiel setzt auf eine quietschbunte Anime-Grafik, viele Aufwertungen und viel Zufall. Hinzu kommt eine Menge Autoplay, vor allem für die Story und das Questing. Kein Wunder, denn primär ist es ein Mobile-Game.

Wer spricht hier? Alex ist der MMORPG-Experte auf MeinMMO. Normalerweise spielt er am liebsten Guild Wars 2, New World und ESO. Für diesen kurzen Einblick hat er rund 6 Stunden Summoners War: Chronicles gespielt.

Summoners War: Chronicles macht zu Anfang all das, was eingefleischte MMORPG-Fans hassen

Summoners War: Chronicles beeindruckt mit seinen Zahlen. Über eine Million aktive Spieler pro Tag konnte es zuletzt in Asien+Europa verzeichnen (via Summoners War). Da war es für mich natürlich Pflicht, auch mal in das MMORPG reinzuschauen.

Bei der Charaktererstellung habe ich die Wahl aus drei Charakteren:

  • Cleave ist ein Tank und kämpft im Nahkampf
  • Oriba ist ein Fernkampf-DD
  • Kina übernimmt die Rolle als Heilerin

Im Editor kann ich dann noch einige Optionen am Aussehen anpassen, um nicht direkt jedem anderen Cleave auf dem Server zu gleichen. Die Cutscene am Anfang (englisch vertont) und die Grafik machen direkt einen positiven Eindruck. Doch das änderte sich schnell.

Schon im Tutorial werde ich an die Hand genommen, als hätte ich noch nie ein Spiel geöffnet. Jeder Klick wird mit Markierungen vorgegeben, jeder einzelne Schritt erklärt. Freiheit und Entdeckerdrang werden direkt im Keim erstickt – auch weil ihr die ersten Stunden nur stumpf einer Hauptquest folgt.

Zudem fallen mir das vollgepackte Interface, ständige Pop-Ups für den Shop und viel zu viele Belohnungen negativ auf. So starte ich direkt mit 22 Nachrichten im Postkasten, die allesamt Loot enthalten, mit dem ich noch gar nichts anfangen kann.

Auch die Steuerung ist anfangs gewöhnungsbedürftig. Ich drehe die Kamera mit der linken Maustaste und greife mit der rechten an. Intuitiv müsste es für mich genau andersherum sein. Zum Glück kann ich zumindest einstellen, dass die Kamera von nun an mit der rechten Maustaste gedreht wird.

Auch die Kämpfe sind anfangs noch etwas lieblos. Ich bekomme schnell zwei Monster zum Beschwören an die Hand, die jedoch kaum Schaden verursachen. Ich selbst habe drei Angriffe und einen Auto-Attack. Diese wirken jedoch nicht sonderlich wuchtig. Ich habe das Gefühl, dass mir ein actionreiches Kampfsystem nur vorgegaukelt wird. Vielleicht wäre an dieser Stelle ein rundenbasiertes Kampfsystem wie in Summoners War: Sky Arena besser gewesen.

Am meisten irritiert mich aber, dass ich nicht springen oder sprinten kann. Beides fühlt sich, gerade bei den uninspirierten Lauf- und Kill-Quests zwingend erforderlich an. Vor allem das Springen fehlt mir. Dafür liegt eine Ausweichrolle standardmäßig auf der Leertaste.

Richtig nervig ist, dass ich oft eine Quest beende, dann rechts im Interface auf “Quest fortsetzen” klicken muss, um dann direkt wieder mit dem NPC zu sprechen, bei dem ich die Quest vorher abgegeben habe. Das fühlt sich wie ein unnötiger Zwischenschritt an.

Schnell finde ich heraus, warum das Questen nicht sonderlich abwechslungsreich gestaltet wurde. Ab Level 5 gibt es nämlich Auto-Questing und Auto-Kämpfe. Ich spiele also gar nicht mehr selbst, sondern lasse spielen. Hier kommt das Mobile-Spiel jetzt endgültig zum Vorschein.

Monster sammeln und das coole Element-System

Im Laufe der Zeit, in denen sich das MMORPG selber spielt, werden dann immer mehr Systeme erklärt. Im Wesentlichen dreht sich vieles darum, die richtigen Monster zu sammeln, daraus ein solides 3er-Team zu erstellen und diese dann ständig aufzuwerten und mit Runen auszustatten.

Hinzu kommt die persönliche Ausrüstung, die ebenfalls aufgewertet werden kann. Hier kommt es zum ersten Lichtblick. Mein Charakter trägt eine Waffe, die jedoch verschiedene Elemente repräsentieren kann. Jedes Element verändert meine Fähigkeiten leicht und ist entscheidend dafür, bei Feinden unterschiedlich viel Schaden zuzufügen. Wasser schlägt Feuer, Feuer schlägt Natur und so weiter.

Ich kann während des Kampfes jedoch durch alle verschiedenen Waffentypen wechseln. So habe ich Zugriff auf mehrere Fertigkeiten aus meiner Waffe und zusätzlich die zwei Fähigkeiten pro Monster in meinem Team. Das bringt ein bisschen Abwechslung.

Zudem muss ich vereinzelt doch selber spielen, etwa in den Solo-Dungeons und den Gruppen-Raids. Den ersten Raid erlebt man auf Stufe 14 und er ist zugegebenermaßen sehr simpel. Im Endgame soll es jedoch deutlich komplexer werden. Da spielen dann das richtige Team aus Monstern und Mitspielern sowie das richtige Element bei der Waffe eine entscheidende Rolle.

Gacha und teure Preise im Shop, doch trotzdem hagelt es gute Bewertungen

Trotz der vorhandenen Gruppen-Inhalte kam in meinen ersten 6 Spielstunden nur wenig MMORPG-Feeling auf. An vielen Stellen fühlte ich mich an Genshin Impact erinnert, was wohl neben dem Gacha auch an dem Element-System, der Grafik und dem Foto-Modus liegt.

Natürlich gibt es dutzende Easter Eggs und Inhalte, die man schon aus Summoners War: Sky Arena kennt. Dabei handelt es sich um ein Online-Game vom gleichen Entwickler Com2us, das auf ein sehr ähnliches Spielprinzip, aber rundenbasierte Kämpfe setzt.

Allerdings empfinde ich die Vehemenz, mit der mir irgendwelche Belohnungen und Pop-Ups präsentiert werden, hier noch viel anstrengender. So gibt es automatische Belohnungen für:

  • Den täglichen und den monatlichen Login
  • Tägliche Spielzeit (5, 15, 30, 60 und von da an alle 60 Minuten)
  • Verschiedene saisonale Events
  • Verschiedene Achievements
  • Ein zweites Achievement-System (warum auch immer)
  • Level-Ups von meinem Charakter
  • Level-Ups von meinem Account
  • Tägliche und wöchentliche Herausforderungen
  • Einen Battle Pass mit kostenlosem und kostenpflichtigen Pfad
  • Einen zweiten kostenlosen und kostenpflichtigen Battle Pass

Im Grunde drücke ich ständig Belohnungen weg, von denen ich bei der Hälfte gar nicht weiß, wofür ich den Loot eigentlich brauche. Noch mehr bekommt man über die Gutschein-Codes, die man einlösen kann.

Unter die Pop-Ups mischen sich aber auch immer wieder Hinweise zum Shop. Dort bekomme ich nämlich extra Belohnungen für jeden Tag, an dem ich Geld ausgebe. Neue Items und Angebote werden zudem leuchtend rot markiert. Einige Pakete sind nämlich nur ein paar Stunden vorhanden und wechseln dann.

Preiswert ist der Shop auch nicht. Es gibt mehrere Pakete für 26,99 Dollar, 47,99 Dollar, vier Pakete für 99,99 Dollar (die man übrigens alle 3x pro Monat kaufen kann) und die beiden Battle-Pässe für je 9,99 Dollar.

Summoners War Shop 2

Trotzdem erfreut sich Summoners War: Chronicles derzeit vieler Spieler, sowohl auf dem Smartphone als auch auf Steam. Schaut man in die Reviews, werden vier Dinge recht schnell deutlich:

  • Der Shop wird selbst von den positiven Reviews als problematisch angesehen. Allerdings soll man alles irgendwann auch als Free2Play-Spieler erreichen können. ScarletHeart schreibt etwa: “Pay2Win, wenn du einen Sprint hinlegen möchtest, Free2Play, wenn du einen Marathon magst.”
  • Das ständige Aufwerten von Monstern und dem eigenen Charakter ist sehr befriedigend. Man hat ständig das Gefühl von Fortschritt.
  • Die Bosskämpfe sollen im Endgame durchaus anspruchsvoll sein.
  • Das Spiel wird vor allem von Fans der Reihe Summoners War gespielt.

Obwohl Summoners War: Chronicles also stark auf Multiplayer-Elemente setzt, richtet es sich für mein Gefühl nicht an klassische MMORPG-Fans, sondern eben an Leute, die Gacha und Hero-Collector mögen. Da macht es mit seinen über 100 Monstern, die allesamt gelevelt, verstärkt und entwickelt werden können, eine Menge richtig.

Dort scheinen die 73 % positiven Reviews wohl vertretbar zu sein. Trotzdem entspricht es nicht dem Niveau, das ich mir von Mobile-MMORPGs wünsche:

Mobile-MMORPGs sind die Zukunft des Genres und das ist großartig

Was sagt ihr zu Summoners War: Chronicles? Habt ihr selbst schon reingespielt? Werdet ihr das Spiel mal ausprobieren oder passt es einfach gar nicht zu euch? Schreibt es gerne in die Kommentare.

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Majora

Ich glaube das gerade solche Games ihre Bewertung größten Teil kaufen, gab ja schon etliche Dokus darüber wie manche daraus ein Geschäftsmodell machen. Google Play zb immer die selben Leute mit Bewertung 5* und Text “Top” oder “das Spiel ist so Hammer das beste das ich je gespielt habe” dazwischen dann 1* – 4* Bewertung die große ausführliche Wertungen geben, in der Bilanz stehen dann 70% 5*, 25% 1* 5% auf den Rest verteilt und Google wertet es trotzdem als 4* oder höher ein. Bei Steam ist es mittlerweile ganz ähnlich, 1 Std Spielzeit und Text “Das Spiel hat mein Leben verändert” lol.
Ich denke mittlerweile sollten Wertungen vorab fragen zum Spiel beantworten ehe sie Bewertungen abgeben dürfen dazu ein capacha lösen nein ich bin kein Roboter anklicken und dann bewerten, damit es Mal etwas transparent wird, zwischen den ganzen Müll der die Game Stores flutet.

PaDDyL

Hab Sw Sky Arena seit 2015 gespielt, und den teil jetzt auch, ist gut zum afk farmen 😀

Die gratis Belohnungen sind zum größten Teil eh eher Mau, aber ist in SW nicht anders gewesen, wobei schon einige Verbesserungen dazu gekommen sind.

Sayfty

Man kann Springen, ist nur auf Z gelegt ^^
Ansonsten find ichs eigentlich ganz nett aber Geld würde ich eher nicht liegen lassen. Nebenher laufen lassen während ich ein paar Exceltabellen schubse, auch nicht viel anders als die ganzen Idle Games die ich sonst so spiele.

Haha, das Menü sieht genauso aus wie bei Tower of Fantasy.
Weg mit diesem fast food mist.

Luripu

99,99$ ?
Spielst Du in Amerika?
Google hat hier vor paar Wochen die Preise erhöht
und so ein Paket würde bei uns 119,99€ kosten.
Nein Danke zur solcher Abzocke.

Nein

Man kann über Apple in Lira kaufen 😀 für 1/3

Mr.Reen

Summoners War Chronicles ist ein vermeintlicher MMORPG-Abklatsch von Summoners War: Sky Arena.
Sky Arena habe ich selber 7 Jahre gespielt. Beides sind Spiele die dir die leckere Karotte vor die Nase halten, die du aber nie bekommen wirst.

Bei beiden Spielen ist die “Story” nicht weiter als ein super langes Tutorial. Danach kommt langweiliger und frustrierender Grind und die Verlockung hunderte bis tausende Euro jeden Monat auszugeben.

Nur mal als Beispiel zu SW Sky Arena. Die Spieler die im PvP unter den Top 20 sind geben jeden Monat zwischen 2000€ und 5000€ aus.

Und genau das gleiche ist Chronicles.

Jeden ohne goldene Kreditkarte kann ich nur den Tipp geben, lasst es! Ihr werden entweder arm oder extrem frustriert, aber ihr werdet nie etwas erreichen in dem Spiel.

MathError

Kann ich dir teils zustimmen, wenn du hier in dem Spiel vor hast Top10/20 PvP zu ereichen, dann musst du tief in die Tasche greifen. Wenn dir das lange Warten/Grind/Sammeln auf starke Begleiter keine Probleme macht, kann man auch viel Spass haben. Die PvE Inhalte mit der Gilde/Freunden zusammen zu bestreiten macht auch sehr viel Spass, ohne wirklich Geld in die Hand zu nehmen.

Bin aktuell auch im “Endcontent” unterwegs. Betreibe nebenher auch etwas PvP (hatte auch Gacha-Luck) und kann bisher gut mit den BigWhales mithalten, aber falls irgendwann nicht mehr auch kein Drama, spiele es j4f mit unsere Gilde/Freunden. Glaube wenns hochkommt habe ich seit den November vllt 30-40 Euro ausgeben. Da zahl ich für andere Game bereits mehr für diese Spielzeit. 🙂

Zuletzt bearbeitet vor 11 Monaten von MathError
Finraen

Absolut keine Kritik jetzt oder irgendwie Böse gemeint jetzt..

Aber leider bist du und deine Freunde dann genau das worauf diese Spiele es abgesehen haben. Whales sind selten und wenn man dann welche geködert hat müssen diese gehalten warten werden, da kommen Spieler die es Casual und mit gratis “Luck” geschafft haben etwas zu Ziehen genau richtig. Du besiegst den Potentiellen Whale im PVP und er Casht erstmal richtig rein um besser zu sein und sich toll zu fühlen.
In PVE Inhalten freuen sie sich dann das sie 20% mehr DPS fahren als du .. oder irgendwelchen coolen Skins haben die der Gratis Spieler nicht hat.
Irgendwann macht Com2Us dann ein Event oder gibt Free Währung raus damit die Spieler mit niedrigen bis keinen Ausgaben die Großen Spender wieder Herausfordern können.

Und in dem glauben das mal 10€ dort und 5,99€ da ok sind weil ich sonst mehr zahle war ich auch mal. Damals beim Hamburger Lieblingsstudio der Deutschen.. Aus den 10€ sind dann irgendwann mal tausend geworden und ich habe leider erst dann die Reißleine gezogen und versucht mich sehr schnell zu ändern.
Und so gesehen.. 4 Monate FFXIV + Kauf vom Spiel (ok ich nehme gerade den Steam Preis im Sale..) sind 61,95€ (solltest ja 30 Tage kostenlos dazu bekommen also sind es 5 Monate für den preis gerade) und ich sag mal so.. wenn man nicht gerade Hemmungen hat sich die Spielzeit auf so Grauen Seiten zu holen kommt man da auch noch billiger weg im Notfall…
Ich kann da echt empfehlen mal den Youtube Account von Josh Strife Hayes durchzuschauen. Er hat ein Video wo er einen Wal fragen stellen kann und antworten bekommt die Ticken und warum Gratis Spieler wichtig sind für diese Art von Spielen.

MathError

Jo, nehme es nicht böse auf. Aber was interssiert mich der “Whale”, wenn der noch mehr Kohle reinsteckt und einfach nur “dumm” handelt, ist mir persönlich relativ egal. Ich (wir) haben unseren Spielspass. 🙂

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