Genialer Entwickler schmeißt hin, sagt: „Sie wollen mich vernichten“

Michel Ancel (48) gilt als genialer Designer von Computerspielen. Er hat die Serie Rayman und das Spiel Beyond Good & Evil für Ubisoft entworfen. Mit den neuen Spielen Beyond Good and Evil 2 und WiLD sorgte er für Schlagzeilen. Nun hört er überraschend auf. Sein Abgang ist unappetitlich. Leute wollten ihn und sein Projekt mit falschen Informationen vernichten, sagt er nach seinem Abgang.

Das ist Michel Ancel: Der Franzose ist heute 48 Jahre alt, er entwickelte mit 17 sein erstes Spiel. 1995 kam dann das erste Rayman. Mit dieser „Jump’n Run“ Serie wurde er berühmt.

Sein Meisterstück lieferte Ancel 2003 mit „Beyond Good & Evil“ ab, ein Action-Adventure, das von einigen kultisch verehrt wird. Ancel war seit Ewigkeiten bei Ubisoft in Frankreich. Der hat sich über die Jahrzehnte einen Ruf als kreativer Kopf mit eigener Handschrift aufgebaut wie nur wenige Designer-Legenden in der Videospiel-Industrie.

Rayman Legends Kick
Rayman ist die Reihe, die mit Ancels NAmen verbunden ist.

Zuletzt hatte er 2 Projekte in Entwicklung:

  • Beyond Good & Evil 2 – ein fantastisch aussehendes, futuristisches Spiel mit Tier-Menschwesen, das so aussah, als setzte es neues Maßstäbe im Erschaffen einer Videospiel-Welt. Das wurde auf der E3 2017 vorgestellt.
  • Wild – eine Art schamanistische Videospiel-Erfahrung, in der Spieler in Tiere schlüpfen können. Das sah ebenfalls so aus, als hätte jemand eine ambitionierte künstlerische Vision in ein Spiel gepresst. Atemberaubende Concept-Art, die zum Träumen einlud, kursiert bereits seit einigen Jahren.
WiLD-Schlafender-Koenig
WiLD lud zum Träumen ein.

Das war jetzt der Abgang: Vor knapp zwei Wochen verkündete Michel Ancel, dass er nach mehr als 30 Jahren jetzt mit Videospielen aufhört und sich seiner zweiten Leidenschaft, der Wildnis, widmet.

Die Fans sollten sich nicht sorgen, WiLD und Beyond Good & Evil 2 seien in guten Händen. Da arbeiteten tolle Teams dran.

Insider-Artikel stellt Ancel als toxischen Hitzkopf hin

Das war der Angriff: Eine große französisches Tageszeitung beschäftigt sich mit den Skandalen um Ubisoft: Dort soll eine sexistische Atmosphäre geherrscht haben. Die haben den Abgang von Michel Ancel jetzt direkt mit dem Skandal von Ubisoft zusammengebracht.

Es hieß, Ancel hätte einen „toxischen Management-Stil“ entwickelt. Ubisoft hat bestätigt, dass gegen ihn im Rahmen der großen, internen „Untersuchung“ bei Ubisoft ermittelt wird.

Die Spiele von Micheal Ancel wirken ideenreich und faszinierend.

Es heißt bei der französischen Tageszeitung (via liberation):

  • Beyond Good & Evil 2 sei seit 7 Jahren in Entwicklung – und die Entwicklung sei die Hölle.
  • Ancel würde ständig die Richtung ändern. Das führe beim Team zu Erschöpfung, Depressionen und Burnouts.
  • Ancel habe im Interview bestätigt, wie schwierig die Entwicklung von Beyond Good & Evil 2 laufe. Das sei ein großes Projekt, das erschöpfe auch ihn.
  • Der Designer habe dem Medium mitgeteilt, dass er aus freien Stücken jetzt von Ubisoft weggeht.

Das Bild, das der Artikel zeichnet, ist auf das eines toxischen, unberechenbaren Managers, der seine Angestellten tyrannisiert. Es gibt etwa ein Zitat einer Quelle:

Er kann dir erklären, dass du ein Genie bist, dass deine Idee wunderbar ist und dann nimmt er dich in einem Meeting auseinander. Er sagt dir, du bist nichts als ein Stück Scheiße und deine Arbeit sei nichts wert und dann spricht er mit dir für einen Monat nicht mehr.

Artikel-Auszug über Michel Ancelt

Fake News – Neider wollen ihn vernichten, sagt Ancel

So reagiert Ancel nun: Der wehrt sich auf Instagram entschieden gegen den Artikel über ihn in. Er nennt die Schilderung der Umstände seines Abgangs „Fake News“. Er hat wohl Probleme mit dem Bild, das über ihn von anderen gezeichnet wird:

  • Da hätten wohl einige wenige Neider voller Wut über ihn gelästert.
  • Die News sei jetzt so rübergekommen, als stehe sie mit den Vorgängen um sexuelle Belästigung bei Ubisoft in Verbindung – solche Anschuldigungen seien eine Schande.
  • Er sei überhaupt nicht toxisch, sondern habe seine Mitarbeiter immer respektiert. Er manage das Projekt auch nicht, sondern er gebe nur Ideen rein. Wichtige Manager würden das dann managen. Journalisten sollten über die sprechen.
Beyond Good and Evil 2 Shooting monkey wtfisthisgame
Auch in Beyond Good and Evil 2 sieht man den eigenwilligen Stil.
  • Er habe aus Erschöpfung mit seinem Job aufgehört, und es gäbe sonst keine Gründe. Er habe nicht versucht, seiner Verantwortung zu entkommen. Er nehme an der Untersuchung teil, weil er noch immer an Wahrheit und Gerechtigkeit glaube.
  • Der Artikel der Tageszeitung enthalte „falsche Informationen, die von einigen, wenigen Leuten kommen, die ihn und sein Projekt zerstören wollen“ (via instagram).
  • Er kritisiert die Tageszeitung scharf: Die hätten sich mehr Zeit mit ihrer Berichterstattung lassen sollen und hätten ihn nach den Vorwürfen befragen müssen.

Fans reagieren bestürzt auf die Entwicklung. Einer schreibt ihm: Zum Abschied hätte er ihnen wenigstens noch ein letztes Rayman dalassen können.

Ubisoft-Assassins_Creed-Valhalla
Bei Ubisoft rollen grade Köpfe.

Der französische Publisher Ubisoft gilt als die Software-Firma in Europa. Ubisoft wird aber seit einigen Wochen von schweren Vorwürfen gegen einige Manager der Firma hart durchgerüttelt. Da soll über die Jahre eine toxische Atmosphäre entstanden sein. Der Chef von Ubisoft hat nun eine Wende in der Kultur angekündigt und es wurden einige zentrale Mitarbeiter entlassen.

Ein Insider-Bericht gab Einblick in die Probleme der Firmenkultur:

Insider-Bericht zeichnet übles Bild von Ubisoft – Sexismus als System

Quelle(n): Kotaku (Auch Titelbild), Instagram (Michel Ancel)
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Inque Müller

Finde ich aber cool, das Ubi-Soft bei seiner Umsetzung zur Work Balance, so strickt durchgreift. Habe zwar den größten Teil des Artikels, schon vor zwei Tage auf einer anderen Seite gelesen. Hofe doch stark, das Wild noch rauskommt, das Game sah wirklich interessant aus.  https://www.playstationlifestyle.net/2020/09/26/beyond-good-and-evil-2-creator-investigation/

Zuletzt bearbeitet vor 1 Monat von Inque Müller
Alitsch

Es ist schwierig,
Ich hoffte wir sind darüber gewachsen , als Zweck rechtfertigt die Mitteln.
So lange die Spiele/Produkt gut sind, sind die Zustände in den Studios egal?
Ob er freiwillig geht oder gefeuert wurde spielt im Grunde wenig Rolle.
Freiwilliger Abgang ist voll oder Teil Schuldbekenntnis.
Finanzielle Hilfe um sich rechtlich zu schützen hatte er.
Für mich sieht es eher danach aus er möchte lieber leise abtreten bevor er die Lawine auslösen könnte und damit mehr den Spiel (Beyond Good & Evil 2 ) Image schaden könnte.
Nach 7 Jahre Arbeit an einem Projekt als Leiter, entweder wird es zur deinem Baby oder deinen Nemesis.
Für ihm ist es eher sein Baby da er den erste teil mit entwickelt hat.

diesel

Toxisch ist vor allem Ubisoft selbst und in ihren eigenen Foren von Moderatorseite. Da werden Beiträge gesperrt und gelöscht die weder ausfallend waren noch gegen irgendwelche Etiketten verstießen. Kritik, wenn auch höflich und konstruktiv formuliert , wird da gleich garnicht gern gesehen. Für mich eines der mieserabelsten Entwickler der letzten Jahre. Dabei sah es erst so aus die würden sich wieder berappeln

Thomas Lauterbach

Also erstens hat nicht er hingeschmissen, sondern er wurde gefeuert. Ubisoft führt gerade eine Ermittlung gegen ihn im Rahmen der letzten Debatten und Anschuldigungen. Also ich weiß ja nicht… Nur anhand dieses Berichtes liest sich das als wäre der gute Ancel so ein Künstler vom Schlag eines Kubrick: Höchst eigen, perfektionistisch und immer neue erratische Ideen für seine Projekte, und dementsprechend auch kaum gut mit zu arbeiten, weil er deine Idee in einem Moment ultrageil finden kann und dich dann über den Klee lobt und ihm nächsten Moment bist du ein unfähiger Honk, weil du was vorschlägst, was ihm nicht passt…

Mit solchen Leute ist es grundsätzlich nicht einfach zum Arbeiten, weil man ihre ganze Exzentrizität und ja auch emotionale Ausbrüche aushalten muss. Aber oft werden solche Personen wegen ihrer Kreativität und Passion und ihrem Können von ihren jeweiligen Chefs ausgehalten, weil Zweck (gutes künsterlisches Endprodukt) heiligt die Mittel. Als deren Untergebener zu arbeiten ist dann je nach eigener Resilienz machbar bis nahezu unmöglich – aber sicher niemals lustig oder angenehm…

Jetzt ist halt die Frage… Will man das (als Unternehmen) oder nicht? Ich werd bei dem Triggerwort „toxisch“ halt immer seeeehr skeptisch, weil das leider immer wieder mitimpliziert, dass Leute Mimosen sind, die Eigenheiten – auch ungewöhnliche starke und anstrengende Eigenheiten – von anderen Leuten einfach nicht aushalten oder sich eine Person anders vorgestellt haben und dieses Bild dann durch die Realität enttäuscht wurde und das nicht verkraften können. Oder auch grundsätzlich keine Kritik aushalten und nur mit Samthandschuhen angegriffen werden können. Der Kampfbegriff „Snowflake“ drängt sich auf.

Und nein… Man muss nicht zu allen Leuten immer lieb und nett sein und sie verhätscheln. So zum Thema Menschenfreund.

Ich denke, wenn Ancel etwas schneller geliefert hätte und damit seinen künsterischen Anspruch auch gefestigt hätte, wäre er trotz dieses für seine Mitarbeiter Scheißverhalten nicht gegangen worden. Und natürlich spielt hier auch die Nervosität grad bei Ubisoft derzeit mit rein mit diversen zwischenmenschlichen Vorfällen in letzter Zeit, die meinem Urteil nach zu einem Großteil nur vershitstormt wurden und Ubisoft sich dann genötigt sah, etwas zu unternehmen. Ob dieser Schritt mit Ancel jetzt das letzte bisschen künstlerische Kraft aus Ubisoft getilgt haben mag, muss jetzt festgestellt werden.

Schlussendlich lässt sich sagen, es gibt Leute, mit denen lässt es sich leichter auskommen und welche, die überall und mit jedem anecken, weil sie „ungewöhnlich“ sind und das auch ausleben. Und grad letztere findet man in kreativ-künsterlischen Berufen ja angeblich gehäuft. Ich red als Nichtbetroffener natürlich leicht, weil ich selbst würde mir sowas auch nicht Ende nie bieten lassen, aber eben aus unbeteiligter Sicht: Naja, wo gehobelt wird, fallen eben Späne.

Weizen

Wenn man kein richtige Verteidigung hat, wird immer mit der „Ihr seid nur neidisch“ Keule geschwungen.

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