Unser Autor Schuhmann blickt auf sein MMO-Jahr 2016 zurück. Zwischen Black Desert, The Division und Hearthstone stellt er fest: Hilfe, ich bin ein Casual.

2016 kommt mir mindestens vor wie drei Jahre, eher wie vier. Vielleicht liegt das daran, dass ich älter werde oder an Cortyn. Ziemlich sicher liegt es an Cortyn. Seit ich die kenne, zähl ich in Hundejahren. Und seit ich ihr das Rezensionsexemplar zu Overwatch weggeschnappt habe … aber dazu kommen wir später.

Mein Spiel des Jahres: The Division

Mit The Division wurde ich anfangs gar nicht warm, dann so ein bisschen, danach fand ich’s total doof und jetzt wieder super.

Zum Release war ich ziemlich gespannt, wie das Game laufen würde, ob es wirklich „Destiny für den PC“ oder „Diablo 3 als Shooter“ wäre: ein spannender Loot-Shooter, der mich auf ewig an sich binden würde.

division-agenten-darkAls ich’s dann wirklich spielte, hatte ich aber den Eindruck, ein mittelmäßiges Game streng nach der Ubisoft-Formel abzulaufen. RPG-Anteile und Lootfaktor fand ich nur in winzigen Dosen.

Was mir allerdings beim Hochleveln schon toll gefallen hat, war die Story und Atmosphäre des Spiels. Die kleinen Story-Schnipsel, die Collectibles – da hab ich gerne zugehört und den Untergang New Yorks in Anekdoten verfolgt.

Mit Level 30 und dem Enkampf war für mich The Division aber gegessen, auf das Sammeln von Items bei dem System hatte ich überhaupt keine Lust. Die Story und damit The Division waren für mich an der Stelle zu Ende. Genauso ging es mir zwei Jahre vorher mit The Elder Scrolls Online: Boss tot, Max-Level erreicht, Spiel zu Ende.

Ich hab dann während des Jahres immer mal wieder in The Division reingeschaut, konnte aber nie den Anschluss finden. Das änderte sich erst jetzt im Dezember nach all den Änderungen.

Da habe ich wieder angefangen, fand The Division plötzlich motivierend und spannend, bin an ein paar Abenden dann auf 256 Gear-Score hoch und schau jetzt regelmäßig rein, um mir die Sets zusammenzusuchen und bessere Waffen zu finden. Jetzt geben mir die Kämpfe den Adrenalinkick, den ich am Anfang des Jahres vermisst habe.

The Division ist für mich ein Beispiel, warum MMOs so was Tolles haben. Man kann nach einem halben Jahr wieder reinschauen und findet ein ganz anderes, meist viel besseres Spiel vor.

overwatch-widowmaker-mistletoeMein Spiel, das eigentlich gut ist, mit dem ich aber nix anfangen kann: Overwatch

Mit Overwatch wurd ich einfach nicht warm. Das mag daran liegen, dass mich Kollegin Cortyn ungefähr 400 Mal als „dreckigen Casual“ beschimpft hat, nachdem ich ein Rezensionsexemplar bekommen habe (und sie nicht, weil sie nicht warten konnte und sich selbst ein Spiel kaufte). Aber wahrscheinlich liegt’s einfach daran, dass mir diese Art von Spiel nicht richtig taugt.

Ich bin kein Shooter-Spieler. Während andere Counterstrike und Call of Duty gespielt haben, hab ich mir bei Crusader Kings den Kopf über Erbfolgen zerbrochen oder Baldur’s Gate noch mal rausgekramt, um es durchzuspielen. Beim Bund war ich dann ein absolut miserabler Schütze – das hat mir dann gereicht.

Overwatch RoadheadOverwatch macht sicher als Shooter alles richtig, mir fehlt aber irgendein Progress-System über das reine Sammeln von Skins und Emotes hinaus. Ich war schon früh satt. Hab es nicht über ein einstelliges Level hinausgeschafft, was mir von der lieben Kollegin Cortyn Mal um Mal vorgehalten wurde.

In der Zeit, in der alle verrückt nach Overwatch waren, habe ich Battleborn durchgespielt. Das hatte auch seine Fehler, aber hat mich mit irren Spinnen-Robotern wenigstens zum Lachen gebracht. Bei Overwatch schmunzel ich nur über das Drama um das Spiel herum. Diesen ganzen Waifu- und Sex-Fimmel find ich saukomisch.

Battleborne DeandeMein Spiel, das mein Leben zerstören würde, wenn ich nicht zu casual dafür wäre: Black Desert

Das Spiel, mit dem ich vor 10 Jahren jede freie Minute verbracht hätte, war ganz klar Black Desert.

Das hat mir schon in der Beta wahnsinnig gut gefallen und zum Release noch einmal mehr. Black Desert war das erste MMORPG seit Jahren, bei dem ich das Gefühl hatte, mehr machen zu können als linear auf die Höchststufe zu spielen. Ich hab dann lange damit verbracht, „Wissen“ zu sammeln, an den „Handelswegen und Produktionsketten“ zu arbeiten, Bier gebraut, Leute irgendwas abbauen geschickt, Nebenquests erledigt und mich ins Spiel vertieft.

Black Desert KeysDas Problem: Mir wurde klar, wenn ich Black Desert mit Ehrgeiz spielen wollte – und das will ich bei solchen Spielen, allein schon weil es Ranglisten gibt – dann muss ich mich damit beschäftigen, am besten alle zwei Stunden zumindest kurz ins Spiel schauen und etwas machen. Ich muss Black Desert den ganzen Tag am Rechner laufen lassen, Guides und Tipps dazu lesen und mich gedanklich mit dem Spiel auseinandersetzen.

Und das funktioniert einfach nicht mit dem Job, den ich habe. Ich hab dann in den ersten Tagen gemerkt, dass mir der Chef auf den Geist ging, wenn er mich anschrieb und irgendwas von mir wollte, dass ich keine Lust mehr hatte, nach „anderen“ News zu MMOs zu schauen und dass die Aufgaben, die ich sonst hatte, darunter litten, dass ich grade Black Desert so toll fand.

Ninja-Black-DesertDer Ehrgeiz, Black Desert „richtig“ zu spielen, ließ sich nicht mit meinem Ehrgeiz vereinbaren, den „Job“ richtig zu machen. Denn der Job hier – das ist sicher Vorteil und Nachteil – ist nicht so klar abgegrenzt vom „eigenen Leben“ wie das ein traditioneller Bürojob wäre, sondern die Übergänge sind fließend. Das mag sich mancher ganz toll vorstellen: „Ganzen Tag zocken und noch Geld dafür kriegen“, in der Realität erfordert das aber Selbstdisziplin und Eigenmotivation.

Das ist bei Spielen wie The Division überhaupt kein Problem. Da hab ich nur zwei Stunden am Abend Lust drauf und sonst denke ich den ganzen Tag überhaupt nicht an meinen Agenten, sein Equipment und wie ich das umrollen soll. Bei Black Desert war das anders. Um ein derart uferloses Spiel „so nebenbei“ zu spielen, fehlt mir irgendwie das Gen. Sicher hätte sich da nach einer Weile, nach Wochen oder Monaten, auch eine Routine eingespielt und es wäre „nebenbei“ gegangen. Aber das Risiko wollte ich nicht eingehen.

Ich hab dann – wie bei The Division – nach Monaten mal wieder in Black Desert reingesehen, war dann aber dermaßen draußen, dass mich alles an Black Desert, allein schon das Ordnen der Post, total überfordert hat.

5 Spiele, zu denen ich auch noch was zu sagen habe, und WoW, zu dem ich nichts zu sagen habe

Ansonsten habe ich schon wegen des Jobs eine Menge MMOs und MMORPGs zumindest angespielt. Paar Anmerkungen noch:

Armored Warfare hat sich in 2016 toll gemacht. Schade, dass das Spiel so untergeht gegen World of Tanks. Für mich echt ein Überraschungshit. Eine Stunde lang auf Panzerjagd gehen, macht wirklich Laune. Auch ein faires Free2Play-System.

Marvel Heroes ist ein interessantes Spiel, zu dem ich mehrfach zurückgekommen bin. Da bin ich gespannt, ob das mit den „Vereinfachungen“ und einem PS4-Port noch den Durchbruch schafft. Die übertreiben es aber mit Events und Bonus-Sachen derart, dass ich das Gefühl habe, es lohnt nicht, es zu spielen, wenn grad kein „Super-Duper-Event“ aktiv ist.

Carnage-Marvel-HeroesBlade and Soul hat mich dann doch kalt gelassen. Da fand ich am Anfang den Asia-Ansatz und die andere Ästhetik interessant, aber der Reiz verflog dann schon im Mid-Level. Ich kann aber verstehen, dass Leute damit glücklich werden.

Bei Final Fantasy XIV nehme ich mir oft vor, das mal intensiv zu spielen, und wenn ich dann Lust drauf habe, merke ich, dass das Abo wieder abgelaufen ist. Ich denke, dafür braucht man wirklich eine Gilde und soziale Bindungen.

guild-wars-2-taimiGuild Wars 2 mit Heart of Thorns – Da bin ich in der Gruppe, die das „lineare“ Gameplay bei der Erweiterung kritisiert. Mir hat Guild Wars 2 immer am meisten Spaß gemacht, wenn ich ziellos und frei nach oben leveln konnte. Der ganze Kram mit „Jetzt kommt das Event und hier ist diese Sprungpassage“ fühlt sich für mich immer zu „gimmicky“ an. GW2 verlangt von mir, hab ich das Gefühl, mich auf das Spiel auf eine andere Art einzulassen, als ich eigentlich will.

Wow: Legion – da ist der Lockruf stark. Ich hab ihm widerstanden. Nach Draenor mit nur einem einzigen Content-Patch in der Expansion und einem weiteren Jahr „Wir machen jetzt einfach mal nix“, ist WoW bis auf Weiteres für mich gelaufen. Ich weiß, Legion ist jetzt toll und Blizzard macht vieles richtig, alle meine Guildies von früher spielen es wieder, aber … ich bin noch eingeschnappt.

wow-tcg-elfDas Spiel, mit dem ich wirklich viel Zeit verbracht habe: Hearthstone

Ich hab mich früher immer gefragt, wie meine Freunde über Jahre hinweg jeden Tag mehrere Stunden League of Legends spielen konnten, ohne je über das Mittelmaß hinauszukommen. Heute versteh ich das, denn ich spiel jeden Tag Hearthstone und hab nicht mal einen Funken Ehrgeiz, je wirklich besser zu werden als „Geht grad so.“

Hearthstone ist für mich das ultimative „Casual-Game“. Spaß für fünf, sechs Partien am Tag. Man macht seine Quests. Alle zwei Tage kann man ein Paket öffnen und jeden Tag sind Matches dabei, die wirklich Spaß machen. Wenn ich das Gefühl habe: Jetzt verlier ich jede Partie in 3 Runden, weil Pirate-Warriors grad durchdrehen, dann hör ich einfach damit auf und gut ist. Es belastet mich absolut null.

wow-hearthstone-harrison-jonesIch kauf mir auch keine Kartenpacks für Echtgeld, sondern bin da ganz diszipliniert und brav und allgemein zufrieden mit mir und dem Spiel.

CortynpicWobei Cortyn wiederum überhaupt nicht verstehen kann, wie ich mir „Decks von anderen Leuten holen kann.“ Sie baut ihre natürlich alle selbst … dieser Snob. Ich bin dafür mittlerweile wohl echt zu casual.

Aber … dafür hab ich das Overwatch-Rezensionsexemplar und bin ihr Chef … Hat halt auch seine Vorteile, ein Casual zu sein.


Im neuen Jahr … freu ich mich auf diese Spiele:

Die 7 aussichtsreichsten MMOs und MMORPGs in 2017

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