Destiny 2: Halten die Guided Games, was Bungie verspricht?

Die Guided Games in Destiny 2 galten als versöhnliche Alternative für fehlendes End-Game Match-Making aus dem Vorgänger. Doch wurde dieses Feature seinem Ruf gerecht?

Die Guided Games waren bereits vor dem Release von Destiny 2 ein stark umworbenes Feature. Mit ihrer Hilfe sollten im zweiten Destiny-Ableger nun auch Solo-Spieler und Hüter ohne Clan in den Genuss von anspruchsvollen Endgame-Gruppen-Aktivitäten kommen – eine Erfahrung, die vielen Fans im ersten Teil der Spiele-Reihe aufgrund des fehlenden Match-Makings für derartige Inhalte verwehrt blieb.

Doch konnten sich die Guided Games im Alltag von Destiny 2 bewähren? Hält das Feature, was es verspricht?

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Was sind Guided Games?

Bei den Guided Games handelt es sich in Destiny 2 um eine Art Match-Making-System, das der Funktionsweise von Dating-Apps ähnelt:

Man wird nicht wahllos mit anderen Hütern zusammengewürfelt, sondern kann selbst entscheiden, mit wem man zusammenspielen möchte. Dem Solo-Hüter als Suchendem wird ein Clan mitsamt dessen Wappen und Beschreibung als Guide vorgeschlagen. Wenn ihm der Clan zusagt, kann er diesen Clan wählen und mit ihm zusammen die Herausforderung angehen. Wenn nicht, kann er sich einen neuen Clan anzeigen lassen. So sollen Spieler mit Clans zusammengebracht werden, die zueinander passen, um eine bestmögliche Spielerfahrung zu bieten. Bestenfalls sollen sich die Solo-Spieler schlussendlich dem Clan anschließen, wenn die Chemie beim Spielen gepasst hat.

Dieses Feature ist nur für Endgame-Gruppen-Aktivitäten wie den Dämmerungsstrike oder den Raid auf normalem Schwierigkeitsgrad vorgesehen. Da es bei diesen Gruppen-Inhalten in der Vergangenheit kein Matchmaking gab und Solo-Spieler quasi gezwungen waren, sich über externe Seiten wie DestinyLFG zu organisieren, konnten und wollten zahlreiche Hüter diese Aktivitäten entsprechend nicht spielen.

Die Guided Games bringen also bis zu zwei Einzel-Spieler mit Clans, die sich als Guides anbieten, zusammen, damit die Hüter gemeinsam die Gruppen-Herausforderungen angehen können.

Eine Teilnahme ist dabei nicht unbegrenzt möglich. Man erhält für die jeweilige Season 12 Tickets, die man als Solo-Spieler einlösen muss, um an einem Guided Game teilzunehmen. Sind die Tickets aufgebraucht, ist vorerst keine Teilnahme mehr möglich – neue Tickets erhält man erst zu Beginn der nächsten Season. Man sollte sich die Tickets also entsprechend einteilen.

Alle weiteren wichtigen Informationen zu den Guided Games findet Ihr hier.

Destiny 2 Raid Lair

Wie schlagen sich die Guided Games in der Praxis?

Wurden die Guided Games anfangs noch durchaus positiv von der Hüter-Gemeinschaft aufgenommen, so kristallisierten sich schnell auch eine Menge fundamentaler Probleme heraus, von denen Bungie’s Match-Making-System geplagt wird. In vielen Foren und auf Reddit werden unter anderem folgende schwerwiegende Aspekte durchgehend kritisiert:

  • Viele Hüter beschweren sich darüber, dass man bestraft wird, wenn ein Fehlercode auftritt und man so einen aus einem Guided Game gekickt wird. Denn wenn Ihr ein Guide-Spiel ohne Zustimmung der anderen Spieler verlasst, erhaltet Ihr eine Strafe und könnt eine Zeit lang an keinen Guide-Spielen mehr teilnehmen. Das Spiel unterscheidet dabei nicht, ob man selbst das Spiel verlässt oder ob Server-Fehler dafür verantwortlich sind.
  • Zudem klagen die suchenden Einzelspieler zunehmend über teils extreme Wartezeiten. Ein paar Minuten würde man durchaus in Kauf nehmen, die Regel sind jedoch mittlerweile 30-45 Minuten – teilweise auch länger. Das wollen sich die meisten dann doch nicht antun. Erschwerend kommt hinzu, dass man während der Wartezeit keinen anderen Ingame-Aktivitäten nachgehen kann.
  • Sollte man nach der langen Wartezeit als Solo-Spieler dann auch noch einen Clan vorgesetzt bekommen, der einem nicht zuspricht, kann es durchaus wieder genau so lange dauern, bis man die nächste Alternative präsentiert bekommt. Spätestens dann vergeht einem Großteil der Hüter jegliche Lust, dieses System zu nutzen.Destiny 2 Raid trakt
  • Das Guided-Games-Feature betreibt zudem kein regional begrenztes Match-Making. Filter-Optionen gibt es nicht. Es kann also durchaus sein, dass man einen Clan oder einzelne Spieler vorgesetzt bekommt, mit denen eine effektive Kommunikation aufgrund von Sprachbarrieren schlicht unmöglich ist. Viele Solo-Spieler sind ferner auch gar nicht gewillt, zu kommunizieren, was ein koordiniertes Vorgehen in den teils recht anspruchsvollen Gruppenaktivitäten fast unmöglich macht. Zwar kann man sich in so einem Fall auf erneute Suche begeben, diese Alternative kommt für viele Spieler aufgrund der hohen Wartezeiten jedoch nicht wirklich in Frage.
  • Bungie’s Match-Making-System lässt keine Rückschlüsse auf den Erfahrungsgrad eines Hüters zu. Eine Menge Spieler versuchen, dieses System auszunutzen und sich durch die Gruppen-Inhalte „ziehen“ zu lassen. Sie sind oftmals weder gewillt, noch daran interessiert, sich die teils sehr komplexen Mechaniken der Gruppen-Herausforderungen anzueignen und so ihren Anteil zum Erfolg beizutragen. Mit solchen Mitspielern sind anspruchsvolle Gruppen-Aktivitäten meistens von Beginn an zum Scheitern verurteilt. Dadurch verlieren auch viele Clan-Guides die Lust an den Guided Games.

Kurzum – die Guided Games sorgen zurzeit mehr für Frust und harsche Kritik, als dass sie ihren eigentlichen Zweck erfüllen – nämlich interessierte und lernwillige Solo-Spieler und hilfsbereite Clans zusammenzuführen. Laut Stimmen aus der Community ist das immer seltener der Fall.destiny-2-raid-lair-reactor

Halten die Guided Games, was sie versprechen?

Diese Frage lässt sich mit einem einfachen und deutlichen NEIN beantworten.

Bungie war durchaus zuversichtlich, dass sich die Guided Games in Destiny 2 als eine versöhnliche Alternative zum regulären Match-Making, wie es zum Beispiel in der Strike-List zum Einsatz kommt, etablieren werden. Externe Seiten wie DestinyLFG sollten der Vergangenheit angehören. Sowohl Solo-Spieler als auch Clans sollten fortan ingame nach passenden Mitstreitern suchen. Die Praxis zeichnet jedoch ein anderes Bild.

Am besten lassen sich Gruppen-Inhalte noch immer in einem eingeschworenen Trupp erleben. Verfügt man solo oder als Gruppe nicht über ausreichend Man-Power, erweist sich die „bewährte, alte Art“ in Form von LFG-Seiten oder Apps immer noch als weitaus effizienter und vor allem deutlich schneller, wenn es darum geht, geeignete Mitspieler oder Gruppen für Aktivitäten jeglicher Art zu finden. Hüter, die solche externen Hilfsmittel immer noch aus Überzeugung, Vorurteilen oder Ängsten meiden, wird mit den Guided Games leider keine wirklich gute Alternative geboten. Spieler, die sich auf externe Möglichkeiten einlassen, sind definitiv besser bedient als mit Bungies aktuellem Konzept.

Will man, dass das hauseigene Match-Making für Engame-Aktivitäten tatsächlich konkurrenzfähig wird und auf Augenhöhe mit externen Match-Making-Tools agiert, wird Bungie bei den Guided Games also noch immens nachbessern müssen. Bis dahin kann dafür keine wirkliche Empfehlung ausgesprochen werden.

Was denkt Ihr über das Guided-Games-Feature? Nutzt Ihr es als Solo-Spieler selbst oder helft Ihr mit Eurem Clan sogar anderen Leuten durch den Raid?


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