Nach 7 Jahren Entwicklung stellt Microsoft das neue MMORPG-Projekt des Studios hinter Elder Scrolls Online ein. Für MeinMMO-Redakteur Karsten Scholz spiegelt sich hier ein ganz grundsätzliches Problem des Genres wider.
Es ist mittlerweile etwas mehr als 6 Jahre her, dass ich erstmals über das neue MMORPG-Projekt von Zenimax geschrieben habe. Seinerzeit war es Studio-Chef Matt Firor höchst selbst, der von einem AAA-Spiel mit frischer IP sprach. Zahlreiche Job-Ausschreibungen flankierten damals die ersten Infos.
Seitdem nutzte ich jedes Treffen mit Matt, Rich (Lambert, Game Director für The Elder Scrolls Online) und Kai (Schober, Community Manager bei Bethesda), um zumindest mal nachzuhören: Wie geht’s dem Projekt? Ist eventuell schon klar, wann wir konkrete Details erfahren? Die Antwort war stets ein wissendes Lächeln und ein Schulterzucken.
Doch obwohl immer mehr Jahre ohne offizielle Vorstellung des Spiels ins Land gingen, war ich guter Dinge und extrem gespannt auf das Projekt. Schließlich gibt’s heutzutage kaum noch ambitionierte MMORPGs, die bei großen, erfahrenen, westlichen Teams entstehen.
Zenimax hat mit Elder Scrolls Online nicht nur einen der erfolgreichsten Genre-Vertreter überhaupt veröffentlicht, die Entwickler konnten über die vielen Jahre hinweg auch Erfahrungen mitnehmen, die sich auf kommende Projekte potenziell sehr positiv auswirken dürften. Und dann war da ja auch noch die Übernahme durch Microsoft, ein Tech-Riese, der Geld quasi drucken kann. Das muss doch klappen!
Während in ESO die erste Saison überhaupt läuft, ist das neue Zenimax-MMORPG am Ende …
7 Jahre für den Papierkorb
In der vergangenen Woche wurden dann vor allem die direkt von den Kündigungen bei Microsoft betroffenen Mitarbeiter von der bitteren Realität eingeholt. Das MMORPG mit dem Code-Namen „Blackbird“? Eingestellt. Fast alle, die an dem Spiel zuletzt gearbeitet hatten? Gefeuert.
Zur Einordnung: Um die 300 Kreativen sollen bis zur Einstellung an dem Spiel gearbeitet haben. Die Konzeptionsphase für „Blackbird“ begann bereits 2018. In den vergangenen 7 Jahren dürften viele Millionen Dollar und jede Menge Arbeitszeit, Herzblut, Nerven und Passion in die Entwicklung geflossen sein.
Jetzt liegt die bis dato erfolgte Arbeit im Papierkorb. Aufgrund mangelhafter Qualität und dem fehlenden Glauben, daraus noch ein tolles Spiel zu machen? Wenn man den Insider-Berichten glaubt, ist das nicht der Fall. Obwohl „Blackbird“ noch 3 Jahre von einem Release entfernt gewesen sein soll, hatten viele wohl schon jetzt großen Spaß mit dem Spiel – darunter auch Phil Spencer, der Chef von Team Xbox.

MMORPGs und ihr großes Problem
Meiner Ansicht nach spiegelt die Einstellung des Zenimax-MMORPGs ein ganz grundsätzliches Problem des meiner Meinung nach „besten Genres der Welt“ wider:
- Es dauert extrem lange, ein MMORPG zu entwickeln. Die Produktionskosten sind enorm, das Risiko hoch. Allein zwischen 2005 und 2014, also in der Hochphase des Genres, sind unzählige Versuche gescheitert, wurden Hunderte Millionen von Dollars verbrannt.
Selbst wenn man kleine Brötchen backt und das Team vergleichsweise klein hält, braucht man viele Jahre und einen hohen Millionen-Betrag für die Umsetzung. Bei einem ambitionierten Genre-Vertreter erreicht man schnell die Dimensionen der namhaftesten und teuersten AAA-Produktionen wie einem GTA oder The Last of Us.
Aufgrund der „Massively Multiplayer Online“-Ausrichtung ist es aber so gut wie unmöglich, einen vergleichbaren Feinschliff wie bei den Singleplayer-Blockbustern von Naughty Dog und Rockstar zu erreichen. Keine Alpha oder Beta kann einen Launch simulieren, bei dem Millionen Interessierte auf die Server stürmen.
Die Entwicklung von Star Wars: The Old Republic soll 150 bis 200 Millionen US-Dollar gekostet haben – das war vor 14 Jahren …
Die Zeit rennt
Wenn „Blackbird“ tatsächlich wie geplant 2028 erschienen wäre, hätte es sich 10 Jahre in der Entwicklung befunden. Das ist ein absurd langer Zeitraum, in dem sich (nicht nur) in der Spiele-Industrie unfassbar viel verändert.
Trends kommen und gehen. Neue Plattformen und Technologien etablieren sich. Mit etwas Pech erscheint ein direkter Konkurrenztitel, der etwas Vergleichbares bieten möchte, noch vor dem eigenen Release.
Oder, und das ist in diesem Fall eben auch passiert: Das Unternehmen hinter dem Spiel wird von einem noch größeren Fisch geschluckt, der plötzlich die Zukunft vorgibt. Und wenn die neuen Verantwortlichen Pläne haben, in denen ein „Blackbird“, das erst in frühestens 3 Jahren erscheinen würde, nicht reinpasst, kommt (leider viel zu schnell und leicht) der Rotstift zum Einsatz.
Allein in der langen Entwicklungszeit steckt also so viel Risiko, dass ich alle Entscheider verstehen kann, die sich in den vergangenen Jahren auf andere, weniger risikoreiche, Aufwands-ärmere und dafür lukrativere Genres konzentriert haben, mehr dazu erfahrt ihr auch hier: Die große Dürre der MMORPGs und die Flucht in lukrativere Genres.
Ashes of Creation wechselte zwischenzeitlich von Unreal Engine 4 auf Unreal Engine 5 … um trotz der langen Entwicklungszeit die aktuellen Technologien nutzen zu können:
Gibt es keine andere Lösung? Auch wenn man kleinere Brötchen backen möchte, bleibt das grundsätzliche Problem bestehen: Die Entwicklung dauert vergleichsweise lange, ist teuer und vielen Teams geht frühzeitig das Geld aus. Daran sind seit 2012 beispielsweise reihenweise Kickstarter-MMOs gescheitert.
Und wenn sie doch rauskommen, sind sie dann halt ganz oft nur MMORPGs für eine gewisse Nische aus Sandbox- und/oder PvP-Fans, mit oldschooliger Grafik und vielen Kompromissen. Das kann man mögen, allzu viele tun das aber nicht.
Asiatische MMORPGs haben es auf dem westlichen Markt hingegen mit ihren Eigenheiten schwer. Eigenheiten wie Genderlock, Echtgeld-Auktionshäusern plus Free2Play-Modell, Zufallselementen beim Crafting, Grind-Faktor im Endgame, Mobile-Ausrichtung oder beim Design von Modellen und Völkern.
Immerhin: Kommende Asia-MMORPGs wie Chrono Odyssey, Aion 2 oder ArcheAge Chronicles setzen einen ungewohnt großen Fokus auf den globalen Launch und die westlichen Spieler. Zumindest Chrono Odyssey hatte in der Closed-Beta aber dafür ganz andere Probleme.
Schwierige Zukunft für ein tolles Genre
Es gibt zwar noch einige weitere so spannende wie ambitionierte MMORPG-Projekte von westlichen Studios, doch haben sie fast alle eines gemeinsam: Ein finaler Release ist noch viele Jahre entfernt. Entsprechend viel Positives oder Negatives kann bei diesen Entwicklungen noch passieren.
- Das MMORPG zu Herr der Ringe von Amazon Games? Da suchte man im vergangenen Jahr noch nach dem besonderen Dreh des Spiels.
- Das MMORPG zu League of Legends? Riot kündigte 2024 an, dass man die Entwicklung des Spiels neu gestartet habe.
- Das neue MMORPG zu EverQuest? Das soll eher ein Reboot für Teil 1 darstellen und ist erst dieses Jahr in die Entwicklung gestartet.
- Guild Wars 3? Wurde von Publisher NCsoft wohl ohne Rücksprache mit Arenanet im März 2024 angekündigt. Dürfte sich noch sehr früh in der Entwicklung befinden.
- Project Ghost? Macht Fortschritte, befindet sich aber noch in der Konzeptionsphase.
- Das MMORPG zu Warhammer? Im Februar 2025 gab’s den Bericht, dass sich Geldgeber NetEase aus dem Projekt gezogen haben soll.
Wenn wir sehr viel Pech haben, kommen die alle nicht raus. Diese Möglichkeit deprimiert sicherlich nicht nur mich, oder?
Einzig bei Ashes of Creation können Genre-Fans wohl sehr sicher einen finalen Release ins Auge fassen. Den Intrepid Studios geht’s laut den regelmäßigen Studio-Updates gut, das Spiel macht in der Alpha spürbare Fortschritte und kann bereits jetzt von zehntausenden Interessierten getestet werden. Im Mai 2025 konnte man dabei sogar einen starken Meilenstein erreichen und mehr als 8.000 Alpha-Tester zeitgleich auf einem Server begrüßen.
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Das Problem sehe ich eigentlich immer an den Versuchen perfekt zu sein. Sprich man programmiert von vorne nach hinten und da fängt schon der Fehler an. Ein mmo lebt vom endgame und das muss “perfekt” bzw gut sein. Alles dazwischen lässt sich ausbauen.
Aber in unsere heutigen Zeit halte ich mmo’s allgemein für schwierig. Früher hatte man dafür faszination und man hatte auch nicht die Möglichkeit überall zu spielen wie heute. Dank handy kannst du eh alles unterwegs spielen und musst dich gar nicht mehr so vertiefen. Was früher aufwendig war, hat heute auch jedes game. Tarisland hatte meiner Meinung nach einen sehr guten Ansatz, nur zu handy fokussiert.
Allgemein betrachtet spiel ich aber heutzutage auch viel lieber singleplayer games als mmo’s. Ich denke halt auch das heutzutage schon nen trifftigen grund geben muss für ein mmo. Wie oben gesagt ein mmo lebt vom endgame. Das kann man aber auch schon mit coop Aspekten erreichen und man benötigt nicht immer extrem viele Leute. Man muss sich immer die frage stellen “weshalb oder wofür muss es den mmo sein?”. Welcher Aspekt in meinem spiel benötigt exakt dieses Feature?.
Ich werde mich definitiv über aoc oder das riot mmo freuen. Auch chrono hatte nen guten ansatz, aber bei allen 3 kann ichh jetzt dür mich jetzt schon sagen, das ich es früher oder später beiseite lege. Ich kann mir das gar nicht mehr vorstellen 15-20 jahre ein game zu zocken und wenn gibts 3 extrem starke Player auf dem markt. Wow/eso/ff sind alle 3 extrem gute mmo’s find ich und die haben sich nicht umsonst gehalten. Ich mein ein wow hat heutzutage auch keine 14 Millionen Spieler mehr….. schon lange nicht mehr.
Ein weiterer punkt ist auch die große Vielfalt heutzutage. Man muss sich nicht wirklich binden an games. Wieso sollte ich A spielen, wenn b,c,d das auch bietet nur leicht abgeändert. Auch erwarten alle Spieler etwas anders und heutzutage es allen recht mach bei x Millionen spielen. Mhhhh schwer.
Ich für mein Teil spiel viel lieber genshin impact und die geben dir eine multplyer möglichkeit, aber eher als zusatz. Ich feier an dem spiel den patch Rhythmus und das schaffst du z.b. nicht mit einem mmo.
Ich denke so richtig erfolgreich wirst du heutzutage nicht mehr mit einem mmo. Wobei ich schon viele Ansätze im kopf hätte, nur die bleiben da xd(hab nichts davon das zu teilen xd).
Bin immer noch der Meinung, 7 Jahre im stillen Kämmerlein ist zu lang. Ich denke das ist der falsche Weg ein MMORPG ausprogrammieren zu wollen. Man muss sich auf einen First Step konzentrieren, das rausbringen, zur Not als Dauer EA oder als Release 1. Dann sind auch die Kosten nicht uferlos und man hat vor allem Rückinfos. AoC dauert mMn auch schon zu lange.
Das MMORPG brauch dringend eine neu Erfindung für die nächste Generation.
Und nicht die immer gleichen System für mittelalte Typen die gar keine Zeit haben MMOs zu spielen und nur frustriert ihre Jugend versuchen einzufangen.
Aber so wie es die letzten 10 Jahre war ist einfach nur Trauer.
Und zu Zenimax/Bethesda schafft es auch nicht seine Single Player Titel zu polishen.
Und verdienen eigentlich den gleichen Ruf wie EA und Ubisoft. Und wäre besser wenn man die ganze schließt.
Mit Aion 2 und noch ein hundertstey Arche Age braucht keiner ankommen…
Aion 2 ist allein schon verdammt weil es NCSoft ist. Das kann das beste fantasy MMO sein, das wird mit pay 2 win, RNG und aufgezwungenem unfairen PVP eh komplett vernichtet..
Arche Age auch genau das gleiche immer…
Und da es schon etlich bekannt sind was man da machen kann, ist es eh auch nichts mehr neues, da fehlt dann auch einfach der Elan für solches Spiel.
Klar ist das Interesse noch von Spielerseite hoch auf ein neues tolles MMORPG aber sind wir doch mal ehrlich, wird nicht mehr kommen. Ist einfach viel zu Risikobehaftet. Fängt bei der Entwicklung und Finanzierung an und der Erfolg ist mehr als fraglich. Weil es eben noch die großen “alten” gibt und die Leute von denen wegzubekommen ist bei vielen Schier unmöglich. Alleine schon wenn man erstmal eine komplett neue IP einführen muss.
Content! Da wird nach 2 Wochen wieder geweint das es keinen Content mehr gibt. Auch ein großes Problem von neuen MMOs/MMORPGs.
Es darf auch nicht zu grindy sein um trotzdem Casuals abzuholen, muss aber gleichzeitig auch gut für nolifer sein. Das ist so ein schwieriger Spagat.
Merke selbst auch, länger als mal einen Monat kann ich selbst die Spiele nicht mehr Spielen weil sie sonst langweilig und eintönig werden.
Verfolge noch Ashes of Creation und wenn das auch nichts wird, dann hat sich das Thema für mich selbst ebenfalls erledigt. Kann aber verstehen wieso Entwickler/Publisher dieses Risiko nicht eingehen wollen, gerade in den aktuellen Zeiten.
Wenn dann noch ein Spiel was seit 5-6 Jahren in Entwicklung war eingestellt wird, dann kannst du dir ausmalen wie schlecht die Zeichen dafür stehen. Denn billig wird es auch nicht gewesen sein das Projekt einzustampfen.