Fan will im Knast unbedingt D&D spielen, baut sich eigene Würfel aus Zahnpasta, hat damit dutzende Stunden Spaß mit seinen Mithäftlingen

Fan will im Knast unbedingt D&D spielen, baut sich eigene Würfel aus Zahnpasta, hat damit dutzende Stunden Spaß mit seinen Mithäftlingen

Wer Dungeons & Dragons spielen will, braucht eigentlich nur drei Dinge: Würfel, Mitspieler und Regelbücher. Im Gefängnis hat man zumindest auf zwei dieser Notwendigkeiten nahezu unbegrenzten Zugriff. Nur Würfel sind schwierig, wie ein ehemaliger Häftling erklärt und damit einen Einblick gibt, wie beliebt das Tabletop-RPG wirklich im Knast ist.

Trotz starker Konkurrenz ist Dungeons & Dragons das meistgespielte Rollenspiel der Welt, zumindest laut den Entwicklern selbst. Und klar, das System ist verständlich und gerade für Einsteiger bestens geeignet.

Für viele könnte nun dennoch überraschend sein, dass auch in Gefängnissen offenbar oft D&D gespielt wird, zumindest in den USA. Das erklärt ein Nutzer auf Reddit und auch die Kommentare lassen auf die Beliebtheit des System schließen.

Lediglich mit einer Sache hat der Nutzer Probleme: Würfel, denn die seien im Gefängnis verboten. Sie könnten für Glücksspiel genutzt werden. Seine Lösung: Einfach selbst machen. Dabei ist jedoch Kreativität gefragt …

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So hat der Nutzer die Würfel gebaut: Für gewöhnlich bestehen Würfel aus Plastik, früher auch Knochen, heute vermehrt Metall oder Holz. Ein Messer zum Schnitzen in der Zelle zu haben ist, je nach Gefängnis und Grund der Verurteilung, eher schwierig.

Der Nutzer cottoneyedtoe erklärt, wie er seine Würfel im Knast einfach selbst gemacht hat – mit Zahnpasta, seinem Ausweis und einem sehr verhassten Tisch:

Nimm extrem schlechte Zahnpasta. Verteile sie auf dem Tisch, den du am meisten in deinem Leben hasst, weil das Zeug unvorstellbare Dinge mit ihm anstellen wird. Verteile [die Paste] mit deinem Ausweis oder einer Kreditkarte, die du ebenfalls hasst, so dünn wie möglich. Lass sie trocknen für 1-2 Stunden, du willst sie kratzen wie Eiscreme von diesen gefrorenen Oberflächen, die man so sieht.

Rolle sie zu einem Ball, reiß Stücke heraus und tu so, als wäre das Lehm. Im Gefängnis habe ich die unter die Tür gelegt, wo leichter Zug herrscht, um sie über Nacht austrocknen zu lassen. Am nächsten Tag habe ich dann mein Bestes getan, sie zu formen.

Lasse sie dann für drei Wochen liegen, nimm einen Bleistift und male Punkte oder zahlen. Wir haben einen D12 gemacht, zwei Wochen bevor ich entlassen wurde. Der hat grauenhaft gewürfelt, aber es war wunderbar.

cottoneyedtoe auf Reddit
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Klappt das wirklich? Im Vergleich zu echten Würfeln seien die aus Zahnpasta natürlich miserabel gewesen. Dafür seien die Würfel immerhin essbar gewesen, auch wenn er nicht unbedingt dazu raten kann, das auszuprobieren.

Einen D20, den wichtigsten Würfel für D&D, konnte cottoneyedtoe zudem nicht machen, der habe nicht funktioniert. Hier hätten er und seine Gruppe sich mit einem modifizierten D8 in Kombination mit einem modifizierten D6 Abhilfe geschaffen.

Da er sowie seine Mitspieler ohnehin zusammen einsaßen, hatte seine Gruppe jedoch einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Gruppen: sie konnten jeden Tag 3 Stunden lang spielen. Die Grundregeln für D&D 3.5 und einzige Zusatz-Regelwerke seien einfach auf der App gewesen, die auf den Gefängnis-Tablets vorinstalliert war.

„D&D ist ein großartiges Spiel für Insassen“

Der Beitrag auf Reddit hat innerhalb weniger Stunden über 10.000 Upvotes und hunderte Kommentare erhalten. Insbesondere, dass D&D überhaupt in Gefängnissen gespielt wird, überrascht die Nutzer – aber irgendwie sei das auch sinnvoll.

Schließlich sei D&D ein soziales Spiel, bei dem man zusammenarbeiten muss. Gerade für die Resozialisierung können sich die Nutzer das Spiel gut vorstellen:

D&D ist ein großartiges Spiel für Insassen. Es kann mit mentalen Problemen helfen, denen Leute begegnen, die zu lange eingesperrt sind. Es nervt, dass man Würfel nicht kaufen oder Karten nutzen kann, weil die Wärter direkt ausrasten von dem, was ich gehört habe.

AnomalyInquirer auf Reddit

Sogar etliche andere Nutzer melden sich mit ähnlichen Erlebnissen ihrer Knast-Zeit und D&D sowie anderen Möglichkeiten, zu würfeln – etwa Kartendecks, von denen gezogen wird. Ein Nutzer, der laut eigenen Aussagen selbst einmal Gefängniswärter in Kanada war, beteuert, dass das Spiel dort verboten sei, weil es angeblich Gewalt und Gang-Bildung fördere. Er hätte das Konzept von TTRPGs den Insassen gerne näher gebracht.

Der Ersteller erklärt derweil, dass bestimmte Reibereien innerhalb der Gruppe leicht außerhalb des Spiels geklärt werden konnten, etwa eine Situation, in der ein Spieler sich an den weiblichen Charakter eines anderen Spielers herangemacht hat.

Vor allem die Würfel und die Kreativität, die an den Tag gelegt wurde, um überhaupt D&D im Knast spielen zu können, sorgen für Anerkennung aus der Community – auch wenn die Würfel wohl außer einem gewissen Kuriositäts-Faktor keinen größeren Nutzen haben. Denn so wie „echte“ Würfel werden sie wohl nie funktionieren: Spieler notiert sich alle 6.842 Würfe seiner 5-jährigen Kampagne in Dungeons & Dragons, präsentiert nun die Ergebnisse

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