Erste Gewerkschaft großer Videospiel-Firmen in den USA gegründet – Das steckt dahinter

Erste Gewerkschaft großer Videospiel-Firmen in den USA gegründet – Das steckt dahinter

Vor einiger Zeit wurden beim Entwickler von Call of Duty: Warzone, Raven Software, Tester entlassen. Das sorgte für Aufruhr unter den Mitarbeitern. Nun haben diese eine Gewerkschaft gegründet und fordern bessere Arbeitsbedingungen. Das soll auch die Qualität der Spiele verbessern.

Das ist die Situation:

  • Ende 2021 hat Activision, die Mutter-Firma von Entwickler Raven Software, etliche Tester entlassen, obwohl diese „nichts falsch gemacht“ haben.
  • Die verbliebenen Mitarbeiter der Qualitätssicherung streikten daraufhin, haben aber lange keine Antwort erhalten.
  • Nun gründeten die Mitarbeiter eine Gewerkschaft, um bessere Arbeitsbedingungen zu fordern. Laut Bloomberg ist das die „erste Gewerkschaft bei großen Spiele-Firmen in den USA“. Zuvor habe es lediglich eine kleine Gewerkschaft von Indie-Entwicklern gegeben (via Washington Post).

„Kürzere Entwicklungszeit opfert die Qualität des Projekts“

Was ist das für eine Gewerkschaft? Die Game Workers Alliance (GWA) ist ein Zusammenschluss aus 34 Mitarbeitern von Activision und Raven Software. Sie sind Teil der Communitcation Workers of America (CWA), der größten Gewerkschaft der Medien-Industrie laut Bloomberg.

Die Mitarbeiter selbst sind 34 Mitglieder der Qualitätssicherung. Die Abteilung ist dafür zuständig, dass Spiele flüssig und ohne Fehler funktionieren – etwas, das gerade bei Call of Duty dringend notwendig zu sein scheint. Warzone und Vanguard waren Ende 2021 ein „Scherbenhaufen voller Bugs“ und die Season 2 von Vanguard wurde sogar verschoben, damit das Team an Bugs arbeiten kann.

MeinMMO-Autor Maik Schneider hat sich die ganze Situation genauer angesehen. Seine Einschätzung als CoD-Experte ist: Call of Duty ist im schlechtesten Zustand seit Jahren. Mit den Forderungen der GWA könnte sich das zumindest auf lange Sicht ändern.

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Was fordert die Gewerkschaft? Die Mitarbeiter bitten Activision erst einmal darum, die Gewerkschaft anzuerkennen. Das könnte sich jedoch als schwierig erweisen, denn Gewerkschaften sind in den USA nicht gerne gesehen und erst kurz zuvor kündigte Tech-Riese Microsoft an, Activision Blizzard kaufen zu wollen. Eine Gewerkschaft steht dem möglicherweise im Weg.

Die Gewerkschaft will erreichen, dass Führung und Arbeiter gemeinsam eine „gesunde und erfolgreiche Arbeitsumgebung“ erschaffen. In einer Reihe von Tweets spricht die GWA von mehreren Zielen, die sie erreichen wollen. Darunter sind:

  • Nachhaltigkeit: Entwickler sollen nicht „crunchen“ müssen, um fertig zu werden.
  • Transparenz: Entscheidungen der Führung sollen klar kommuniziert werden.
  • Gleichheit: Die Qualitätssicherung soll den Respekt und den Ausgleich erhalten, den sie verdient.
  • Diversität: Minderheiten sollen eine Stimme bekommen.

Gerade, was die Diversität angeht, hab es bei Blizzard 2021 einen riesigen Skandal. Dort ging es um Sexismus und unangebrachtes Verhalten, eine sogenannte „Frat Boy Culture“. Die GWA will für Gleichberechtigung sorgen.

Besonders der Punkt der Nachhaltigkeit klingt hier jedoch wichtig. Die GWA betont, dass verkürzte Entwicklungszeit „die Qualität des Projekts“ opfert. Das bedeutet: je weniger Zeit bleibt, um ein Projekt fertigzustellen, desto gestresster sind die Mitarbeiter. Das wirkt sich auch aufs Spiel aus.

„Crunch“ als Problem bei der Entwicklung

Was genau ist das Problem? Oft sollen Spiele bestimmte Deadlines einhalten, um zu bestimmten Zeiten zu erscheinen. Beliebt sind hier die „Holidays“, also die Feiertage um Thanksgiving und Weihnachten. Publisher versprechen sich hier besonders gute Einnahmen.

Dadurch werden Entwickler jedoch immer wieder zu Überstunden gezwungen, sogenanntem „Crunch“. Ein besonders publiker Fall war etwa Cyberpunk 2077 (2020). Dort machten die Entwickler Überstunden und vielen Gamern war das egal.

Allerdings haben solche Umstände meist einen Einfluss auf die Siele selbst. Cyberpunk 2077 war zu Release so kaputt, dass der PS Store es aus dem Angebot nahm. Auch aktuellere Beispiele wie Battlefield 2042 zeigen, wie zu kurze Deadlines für unfertige Spiele, schlechte sorgen.

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Geht es auch anders? Viele Indie-Studios sorgen lieber dafür, dass ein Spiel gut wird, statt schnell zu erscheinen. Sie sind an keine Vorgaben von Publishern gebunden und können sich so viel Zeit lassen, wie sie wollen. Darum machen Indie-Games auch einige Sachen besser als AAA-Titel.

Aber selbst bei großen Studios lohnt es sich, mehr Zeit zu investieren. Das neuste Beispiel hier ist Rainbow Six: Extraction. Das kommt bei Spielern gut an, weil es sich einfach „fertig“ anfühlt. Anders als Call of Duty oder Battlefield gebe es kaum Bugs. Selbst, wenn das Spiel nicht viel „neues“ mit sich bringt, begeistert es die Fans allein dadurch, dass es sich gut spielt.

Hier zeigt sich allerdings auch die Kehrseite. Durch die Verschiebung von ehemals 2021 und den eher kleinen Release bekommt Extraction kaum Aufmerksamkeit. Gamer müssen sich vielleicht erst wieder daran gewöhnen, dass gute Spiele länger dauern. Oder wie seht ihr das?

Quelle(n): Bloomberg, GWA auf Twitter, Washington Post
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N0ma

Ist wie bei Stress, ist positiv außer es wird zur Dauereinrichtung.
Bei Software sind feste Termine schlecht, aber lassen sich manchmal schlecht verhindern, zB bei Krediten die laufen, PR Aktionen usw.
Wobei was mich etwas wundert das sich nur Tester melden und nicht Entwickler.

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