So ist Anthem aus der Sicht eines langjährigen BioWare-Fans

Anthem ist das neue große Spiel von BioWare. Aber stellt es auch BioWare-Fans zufrieden? Cortyn versucht die Frage zu beantworten.

Anthem ist das große Spiel von BioWare im Jahr 2019. Doch wie schlägt sich Anthem in der Erwartungshaltung eines BioWare-Fans? Lohnt sich das Spiel für jemanden, der Mass Effect mochte oder sich in die Dragon-Age-Reihe verliebt hat?

Um das vorwegzunehmen: Ich habe die meisten Spiele von BioWare geliebt, sogar die eher kontrovers diskutierten Titel. Ich mochte Dragon Age, Star Wars: The Old Republic und auch die komplette Mass-Effect-Reihe.

Sogar an Andromeda hatte ich meinen Spaß und halte es für ein grundsätzlich solides Spiel. Ich fand sogar das äußerst kontrovers diskutierte Ende von Mass Effect 3 toll, weil ich die Indoktrinationstheorie unterstütze.

Hawke und ihre Schwester Bethany aus Dragon Age 2.

Was ich sagen will: Ich kann mich auf Vieles bei BioWare-Spielen einlassen und Freude daran finden, selbst wenn die Erwartungen so manch eines Fans enttäuscht wurden.

In der Woche des „Early Access“ habe ich Anthem ausführlich gespielt und mir meine Meinung zum Spiel längst gebildet.

Anthem ist kein typisches BioWare-Spiel

Das wichtigste vorweg: Anthem ist kein typisches BioWare-Spiel. Es gibt keine verzweigten Dialoge mit großen Story-Entscheidungen oder ergreifenden Romanzen.

Ein Begleiter-System wird man genau so wenig finden, wie moralische Entscheidungen, die zu unterschiedlichen Enden in der Handlung führen. Wer das von Anthem erwartet hat, der wird bitter enttäuscht.

Es gibt Monster zu bekämpfen, Freelancer!

Und doch hat sich BioWare an vielem bedient, was vor allem Mass Effect groß gemacht hat. Dass das Kombo-System und ganze Gegnertypen 1:1 aus Mass Effect stammen, hatten wir in diesem Artikel bereits erläutert.

Auch das reine Gameplay erinnert stark an den letzten Ableger von Mass Effect, bietet aber durch die Option des Fliegens viel mehr Möglichkeiten.

Und man kann es nicht abstreiten: Das Fliegen mit den Javelins macht Laune. Das Herabstürzen auf Feinde, das Schleudern von Blitzen oder Feuerbällen, das Ballern mit den verschiedenen Wummen – das alles macht viel Spaß. Der Fokus liegt hier klar auf den Fähigkeiten der einzelnen Javelins, aber das Zusammenspiel in der Gruppe ist richtig, richtig gut.

Und doch werden langjährige BioWare-Fans etwas vermissen, denn …

Viele Parallelen, aber das Herzstück fehlt

BioWare-Spiele hatten in der Vergangenheit einen zumeist sehr klaren Fokus: Die Story. Die Handlung des Spiels stand stets im Vordergrund und half, eine überzeugende Welt zu erschaffen. Das tatsächliche Gameplay, also die Kämpfe und RPG-Systeme, waren dabei zumeist nur Hilfsmittel, um die Story zu unterstützen.

Man spiele für die nächste Cutscene, den nächsten tollen Dialog oder darum, endlich diese eine Geschichte eines Begleiters zum Abschluss zu bringen.

In Anthem ist das anders. Das Gameplay steht im Vordergrund und die Story ist zweitrangig. Wer aufmerksam durch Fort Tarsis (die „Basis“ des Spiels) geht, der entdeckt zwar einige Hintergrund-Informationen, aber das alles fällt weniger reichhaltig aus als bei anderen Spielen von BioWare.

Schlimmer noch, in manchen Augenblicken ist die Story für mich ein störendes Element gewesen, das mich von der Action abgehalten hat.

Dass BioWare es geschafft hat, dass ich die Action in einem Spiel interessanter finde als die Story ist schön und traurig zugleich.

Das Gefallen einer Story ist Geschmackssache und sicher kein objektiver Bewertungsgrund. Mir persönlich hat die Geschichte gut gefallen, war an einigen Passagen jedoch etwas zu dünn und war mir zu oft ein Stolperstein, der gemeinsames Spielen erschwerte oder mich zu langen Dialogen zwang, wenn ich doch eigentlich mehr der Spielwelt erkunden wollte.

Anthem Ticker Server
Haluk, einer der NPCs in Anthem.

Fazit: Anthem ist ein tolles Spiel, aber nicht für jeden

Anthem ist für mich nicht die große Gaming-Offenbarung 2019 – schon gar nicht als BioWare-Fan. Ich befürchte, dass Anthem in nur wenigen Wochen bereits viele Spieler wieder verlieren wird, die sich satt gesehen haben.

Aber das ist auch vollkommen in Ordnung. Anthem ist ein durchaus solides Spiel, das über 20 bis 30 Stunden definitiv Freude bereitet und danach noch so manch einen Spieler länger fesseln wird.

Ich bezweifle jedoch, dass es Hardcore-Zocker über Wochen und Monate bei Laune hält. Mal am Wochenende ein paar Stündchen mit Freunden, okay.

Aber viel mehr würde ich von Anthem nicht erwarten, sollten die Entwickler nicht noch ein paar große Überraschungen aus dem Hut zaubern.

Teilt ihr diese Meinung? Wie nehmt ihr Anthem als „BioWare-Fan“ wahr?

Warum unser Schuhmann von Anthem begeistert ist, verrät er hier:

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