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Mecker Mittwoch: DLCs und Addons – Alles nur noch Abzocke! Oder?

Mecker Mittwoch: DLCs und Addons – Alles nur noch Abzocke! Oder?

Entwicklern geht es nur noch um Geld. DLCs, Addons und Ingame-Käufe. Das war damals nicht so! – Oder doch?

Einen schönen Mittwoch allen miteinander. Aus Ermangelung einer Einstiegsfloskel (die Schuhmann eh immer doof findet), komme ich einfach direkt zum Thema: Die Wahrnehmung von DLCs, Erweiterungen und deren Ankündigungen innerhalb der Spiele-Community.

Erinnert Ihr Euch noch an die glorreiche Zeit, als Blizzard „The Burning Crusade“ angekündigt hat? Oder Sacred eine Erweiterung namens „Underworld“ bekam? Oder gar die Freude, als wir Liara T’soni im „Shadowbroker“-DLC von Mass Effect 2 endlich wieder daten konnten?

Damals waren Ankündigungen von Erweiterungen und großen DLCs etwas Feines. Es war etwas Neues, auf das man sich gefreut hat. Es war „mehr“ von der bekannten Spielwelt, „mehr“ von dem, was man mochte. Dafür legte man gerne einige Euro (oder D-Mark – wenn die noch jemand kennt) auf den Tisch.

Mass Effect 2 Liara Tsoni

Der Shadowbroker-DLC – einer der coolsten DLCs, die es je gab.

Doch das hat sich gewandelt.

Besonders aufgefallen ist mir dieses Thema mit der Ankündigung des Planes für neue Hearthstone-Erweiterungen. In 2017 möchte Blizzard insgesamt 3 Erweiterungen herausbringen – alle 3 enthalten jeweils rund 130 Karten. Von den „Abenteuern“, die es zuvor gab, distanziert man sich und will stattdessen in den Erweiterungen PvE-Missionen kostenlos mit einbringen.

Mein erster Gedanke war „Cool, noch mehr neue Karten pro Jahr, noch mehr Veränderung, noch mehr Möglichkeiten“ – doch viele teilten meine Meinung nicht.

Schnell wurden Stimmen laut, dass das nur „Abzocke“ sei, Blizzard will den Kauf von Kartenpackungen anheizen, alles andere ist ihnen egal. Die „Gier“ steht ihnen ins Gesicht geschrieben. Dass ganz nebenbei die PvE-Missionen, deren Umfang und Design man bisher noch nicht abschätzen kann, ab Sommer „mitgeliefert“ werden, das blenden viele Spieler aus.

Für mich ist eine neue Erweiterung mit vielen Karten klasse. Nicht weil ich viel Geld hineinstecken werde – mein Account ist bis auf die Forscherliga-Erweiterung ohne Echtgeld ausgekommen, sondern weil ich viel zum Freispielen habe. Für mich sind neue Karten in Hearthstone das, was Achievements für andere Spieler sind. Ich kann sie sammeln, sie sind eine Belohnung in der Arena oder fürs Spielen und erlauben mir neue Decks, die ich langsam bastel. Ich will nicht an Tag 1 alle Karten haben – ich will Ziele, auf die ich hinarbeiten kann.Hearthstone Ungoro Header

Ich möchte aber auch nicht einseitig sein. Es gibt einige Fälle, in denen DLCs tatsächlich nur „Abzocke“ gewesen sind. Ein prominentes Beispiel ist hier etwa Mass Effect 3 gewesen. Dieses Spiel hatte zeitgleich zum Launch direkt den ersten Story-DLC „Aus der Asche“ angeboten – die darin enthaltene Handlung war sogar relativ wichtig für die Hauptstory und brachte wertvolle Infos.

Von den Entwicklern gab es damals die Aussage, dass das Team, welches für den DLC verantwortlich war „früher als geplant“ fertig geworden war, weshalb der Release des DLCs auf das Veröffentlichungsdatum des Spiels gefallen sei. Kurz darauf wurde jedoch publik, dass fast der gesamte DLC bereits in den Spieldateien vorhanden war – eine dreiste Lüge also? So ganz aufgeklärt wurde das nie, auch wenn EA versuchte, die Fans zu beschwichtigen.

Mass Effect 3 From Ashes Javik

Der “From Ashes”-DLC für Mass Effect 3 ist berühmt-berüchtigt. Noch heute meinen viele, dass er “aus dem Spiel geschnitten wurde”.

Fälle wie diese gibt es einige und doch bin ich den Entwicklern nicht „böse“ im eigentlichen Sinne. Ich bin der festen Überzeugung, dass zusätzliche Spielinhalte heutzutage ein höheres Niveau haben und viel mehr Arbeit verschlingen, als es noch vor einem Jahrzehnt der Fall war. Ein „kostenloses Map-Pack“ für Call of Duty oder Battlefield lässt sich – meiner Meinung nach – einfach nicht mit einem Story-DLCs vergleichen, der voll vertonte Quests mit sich bringt.

Der Aufwand für die beteiligten Leute an solchen Inhalten ist viel größer und die Zahl der notwendigen Entwickler wohl auch drastisch höher. Daher finde ich es nur gerecht, für solche DLCs zu bezahlen und fühle mich nicht „abgezockt“ oder habe den Anspruch, dass „das doch kostenlos sein sollte“. Gerade wer die DLCs von Mass Effect 2 und 3 gespielt hat (auch „Aus der Asche“), der weiß, wie großartig sie waren. Jeden Cent wert.

Einer meiner Freunde schwört zum Beispiel auf die „Europa Universalis“-Reihe. Und das Spiel hat so viele Erweiterungen, dass ich verwirrt die Brauen heben muss. Dennoch ist er von jeder einzelnen Erweiterung begesitert und kann mich stundenlang zutexten, wie toll die neuen Features sind – eine seltene Begeisterung und eine, die ich nicht teilen kann, wenn ich sehe, dass das ganze Werk mehr als 200 € gekostet haben muss. Aber er liebt es – also ist es okay.Europa Universalis Art

Ebenfalls verwirrend finde ich Kommentare, die immer wieder meinen „Ja, früher hat Blizzard/EA/BioWare/Paradox/XYZ noch auf die Spieler gehört und war freundlich, heute geht es nur noch um Geld.“

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster und sage: Nein, das ist Unsinn.

Entwickler mussten schon immer Geld und Gewinn als Faktor einplanen, nicht erst seit ein paar Jahren, in denen Spiele zu einem Massenphänomen geworden sind. Wäre das nicht der Fall gewesen, dann wären EA, Blizzard und „die anderen“ heute nicht in der guten Position, in der sie sind. Sie haben wirtschaftlich gearbeitet. Auch damals haben die Entwickler nicht von Luft, Liebe und den endlosen Ressourcen der Publisher gelebt. Damals waren Spiele schlicht und ergreifend oft nach dem Release fertig. „Fertig“ im Sinne von „mehr als ein Bugfix-Patch kommt da nicht mehr“. Und das ist einfach anders geworden und entspricht auch dem „Games as a service“-Gedanken.

Dass Spiele immer komplexer werden und dadurch oft etwas „unfertig“ auf den Markt kommen, ist dabei ein anderes Thema, um das es hier nicht gehen soll (und um die allesamt gleichen Early-Access-Survival-Games ohnehin nicht).

Wie ist eure Meinung zu DLCs, Addons und den Einnahmequellen der Entwickler insgesamt? Ist alles so viel schlimmer geworden und alle Firmen sind nur noch geldgeil, obwohl sie damals nur das Wohl der Spieler im Sinn hatten? Oder ist eigentlich alles wie immer – nur die Wahrnehmung hat sich geändert?


In der letzten Woche ging es um Multiboxer im PvP – die Pest von World of Warcraft.

Cortyn
Dämon vom Dienst. Mit Herz und Seele dem Rollenspiel verschrieben. Achtung: Artikel könnten Spuren von Meinung enthalten!