Eine Runde in Rainbow Six Extraction dauert keine 30 Minuten und genau das ist so gut daran

Eine Runde in Rainbow Six Extraction dauert keine 30 Minuten und genau das ist so gut daran

Mit Rainbow Six: Extraction versucht sich Ubisoft an einem Koop-PvE-Shooter. Dabei schaut es weitaus weniger auf andere AAA-Spiele, als man denken könnte. Stattdessen bedient sich Extraction clever bei den besten Mechaniken aus Indie-Spielen. MeinMMO-Autor Marko Jevtic ist im Ersteindruck begeistert.

Die besten Koop-Shooter auf dem Markt begeistern mich durch ihre Wiederholbarkeit und Wandelbarkeit. Ich liebe es, mich mit meinem Team immer wieder auf neue Bedingungen einzustellen. Die meisten Koop-Shooter leiden für mich aber auch unter demselben Problem: Sie sind ein großes Zeitinvestment. 

Deshalb spiele ich unendlich gerne Roguelites. Wie die besten Koop-Shooter brillieren sie durch ständige Wiederholbarkeit und begeistern dank wandelnder Gameplay-Konditionen. Sie sind aber deutlich einfacher in kürzeren Gameplay-Häppchen zu genießen.

Seit ein paar Tagen darf ich Rainbow Six Extraction schon vor Release spielen. Zu meiner großen Freude musste ich feststellen, dass das Spiel das beste aus Koop-Shootern und Indie-Roguelites verbindet. Egal, ob man im Team spielt, oder alleine.

Rainbow Six: Extraction im kurzen Check – Warum man es spielen sollte und für wen es sich lohnt

Rainbow Six: Extraction passt sich oft euren Bedürfnissen an

Wie die besten Indie-Roguelites auf dem Markt ist Rainbow Six Extraction kurzweilig, unvorhersehbar und ständig wiederholbar. Denn Extraction ist wie die Parasiten-Aliens, die ihr bekämpft: extrem anpassungsfähig. 

Die Missionen im Spiel sind unterteilt in 3 Sektionen. Jede davon findet auf je einem Drittel einer Map statt und ist zufällig generiert. Am Ende jeder Sektion habt ihr die Wahl:

  • Wollt ihr weitermachen mit schwierigeren Aufgaben und mehr Belohnungen?
  • Oder wollt ihr einen Rückzieher machen, um zu behalten, was ihr bisher ergattert habt?

Das ist nicht nur eine strategische Entscheidung. Es ist auch eine, die ihr an eure Launen und terminlichen Vereinbarungen anpassen könnt. 

Wenn ihr nur wenige Minuten spielen könnt oder wollt, könnt ihr nur die erste Sektion einer Mission machen und euch dann zurückziehen. Das dauert je nach Schwierigkeitsgrad wenige Minuten, und ihr bekommt in jedem Erfolgsfall eure Belohnung. Aber selbst eine ganze Mission auf dem zweiten Schwierigkeitsgrad dauert etwa 15 – 25 Minuten. 

Das ist eine sehr angenehme Zeitspanne für Kurzspieler. Aber auch Langspieler können so flexibel mehrere Missionen aneinanderreihen und so lang spielen, wie sie möchten. Diese Design-Entscheidung ist also für keinen Spielertyp ein Nachteil oder ein Kompromiss. 

Alles, was ihr zu Rainbow Six: Extraction wissen müsst – in 2 Minuten

Hades, mein Lieblings-Roguelite der letzten Jahre, funktioniert ähnlich: Ein erfolgreicher Run in Hades dauert bei mir inzwischen etwa 25 – 30 Minuten. Das ist kurz genug, um in einer Mittagspause schnell einen Run zu zocken. Aber es hält mich auch keiner auf, mehrere Runs hintereinander zu machen und so stundenlang zu daddeln.

Rainbow Six Extraction funktioniert nach demselben Prinzip – und ich bin sehr froh darüber. 

Rainbow Six: Extraction erzwingt clever und spaßig Gameplay-Vielfalt

Der spannendste Twist für mich ist aber, dass Rainbow Six Extraction diese Flexibilität nicht nur anbietet – sie verlangt selbige auch im Gegenzug. Wenn euer Charakter zu viel Schaden nimmt oder sogar in einer Mission „stirbt“, steht er für die nächste Mission nicht zur Verfügung. Erst, wenn ihr ihn befreit, ist er wieder spielbar. Ihr werdet also gezwungen, einen der anderen 18 Operator zu nutzen

Dass ihr eure Lieblings-Charaktere nicht mehr nutzen könnt, erinnert neben Spielen wie XCOM und Fire Emblem auch an Roguelite-Perlen wie Rogue Legacy oder Darkest Dungeon. In Extraction hat diese Mechanik denselben Effekt wie in den genannten Spielen: 

  • Zum einen geht ihr mit euren Favoriten sehr vorsichtig um, plant mit ihrer Verfügbarkeit und den Risiken eines Einsatzes strategisch und langfristig.
  • Zum anderen lernt ihr die Stärken und Finessen der anderen Operator zu schätzen, was die mechanische Tiefe des Spiels und eure eigene Flexibilität im Umgang mit eben diesen Mechaniken erhöht.

Ich musste nach einer Mission, die komplett in die Hose ging, auf meinen bisherigen Liebling Sledge verzichten. Also hab ich notgedrungen IQ genommen. Sie ist ein Operator, den ich in der Theorie zu schwach fand. In der Praxis hat sich dann herausgestellt, wie stark ihre Waffen sind. Auch ihr Gerät war deutlich nützlicher als gedacht, weil sie in bestimmten Missionstypen wie Seismic die Objectives markieren kann. 

Deshalb habe ich nicht nur einen Lieblingscharakter, sondern gleich mehrere. Und weil jeder Operator separat gelevelt wird, werde ich mich noch breiter aufstellen müssen. Das ist für mich eine deutlich abwechslungsreichere Lösung als etwa die Klassen in Deep Rock Galactic. Dort sehe ich nämlich keinen Grund, von meinem geliebten und aufgelevelten Bohr-Zwerg abzuweichen.

Auch andere Elemente erinnern mich an Indie-Hits. Was in Hades das Heat-System oder in Curse of the Dead Gods die Flüche sind, sind in Extraction die Mutationen. Diese verändern zufällig verschiedene Elemente an der Missionsstruktur oder dem Gegnerverhalten. So hatte ich gestern große Probleme mit der Mutation, mit der klebrige Minen an allen Gegnern haften. Deshalb durfte ich nicht ganz so aggressiv mit dem Vorschlaghammer von Sledge hantieren, wie noch die Mission davor.

Dass mich das Spiel dazu zwingt, hier Flexibilität zu zeigen, liebe ich. Davon profitieren nämlich Spiel und Spieler: Ich werde aus meiner Komfortzone gezwungen und lerne mehr über das Spiel und die Gameplay-Möglichkeiten; im Gegenzug gewinnt das Spiel an Tiefe und liefert mir mehr Motivation, es lange und oft zu spielen.

Rainbow Six Extraction: Ein Übersichtstrailer zeigt, was euch im Spiel erwartet

Fazit – Rainbow Six: Extraction ist ein flexibles Spielerlebnis, und deshalb deutlich spaßiger als gedacht

Sei es Left 4 Dead mit dem AI-Regisseur, GTFO mit den Rundowns oder Deep Rock Galactic mit den prozedural generierten Höhlensystemen – Koop-Shooter greifen häufig auf Roguelite-Tricks zurück. Aber kein Spiel hat das meiner Meinung nach so erfolgreich geschafft wie Rainbow Six Extraction. 

Das Spiel vereint die Kurzweiligkeit und Wandelbarkeit der besten Roguelites mit grundsolidem Gameplay. Dazu hat es keine Angst davor, mit absichtlich frustrierenden Mechaniken den Spieler aus der Komfortzone zu locken. Damit zeigt das Spiel vollkommen zurecht, dass es großes Vertrauen in seine eigenen Design-Strukturen hat.

In Spielen wie Left 4 Dead, GTFO oder Deep Rock Galactic sind die Missionen meistens sehr umfangreich. Dazu kommt noch der Planungsaufwand, wenn es darum geht, ein Team zusammenzustellen. Technische Probleme und Settings-Spielereien verzögern die Action auch regelmäßig immer mal wieder, wie auch Trink- und Toilettenpausen.

Rainbow Six: Extraction: Alles, was ihr zu Crossplay, Cross-Progression und Koop wissen müsst

Bis dann endlich ein größerer Content-Batzen geschafft ist, ist gut und gerne mindestens eine Stunde vorbei. Häufig sogar mehr. Das macht zwischenzeitlich zwar sehr viel Spaß, geht aber besser.

Rainbow Six Extraction umgeht nicht all diese Probleme, weil es nicht alle davon nur über Gameplay-Ideen kontrollieren kann. Aber im Gegensatz zu anderen Koop-Shootern starte ich hier problemlos und gerne eine schnelle Solo-Mission, während ich auf mein Team warte. Ohne, dass ich Angst haben muss, nicht rechtzeitig fertig zu werden.

Dabei ist zu sagen, dass wir bisher lediglich zwei der 4 verschiedenen Schwierigkeitsgrade im Standard-Modus gespielt haben. Später könnte es durchaus länger dauern, selbst mit Übung. Und besonders das enorm harte Maelstrom-Protokoll, das Endgame von Extraction, könnte hier noch einmal eine Schippe drauflegen. Zum Glück ist das alles aber optional und möglicherweise ändert sich das auch zu Release oder kurz danach noch. Ich gehe aber nicht davon aus.

Über den Autor Marko Jevtic: Marko ist seit Oktober 2021 bei MeinMMO als Shooter-Experte tätig. Privat spielt er aber deutlich mehr als nur Shooter. Seit seiner frühesten Kindheit zockt er von jedem Genre alles, was annähernd interessant aussieht – und hat auf allen Plattformen viele Spiele sowohl casual als auch kompetitiv gespielt.

Zu seinen Lieblingsgenres gehören neben Shootern auch Metroidvanias, Immersive Sims und Roguelites. Deshalb versucht er, möglichst einmal die Woche ein neues Indie-Spiel zu entdecken und durchzuzocken. So kamen über die Jahre viele Spiele zusammen, die er absolut geliebt hat – und unter normalen Umständen wohl nicht gezockt hätte.

Alleine schon, dass ich diese Möglichkeit habe, macht das Spiel zu einem der besseren Koop-Shooter, die ich gespielt habe. Denn Rainbow Six Extraction hat verstanden, was Roguelites so beliebt macht, und ihre besten Mechaniken clever selbst verarbeitet.

Falls euch dieser Artikel Lust auf mehr gemacht habt, haben wir alle wichtigen Infos zum Release von Rainbow Six Extraction:

Der erste neue Koop-Shooter 2022 erscheint – Alles zum Release von Rainbow Six: Extraction

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Phoesias

Hab gelesen das Spiel entfaltet sein potential erst auf höheren Schwierigkeitsgrad

Benedict Grothaus

Kommt drauf an, was du machen willst. Auf höheren Schwierigkeitsgraden gibts mehr Gegner und merh, auf was man achten muss. Aber schon auf dem einfachsten Grad reicht ein Fehler und alles geht den Bach runter, da muss man echt super aufpassen. Eigentlich angenehm, wenn man nicht unbedingt Rambo spielen will.

Phoesias

Jo hab’s gester im Coop gespielt erst nur zu zweit und dann noch mit nem dritten Random (was deutlich mehr Spaß gemacht hat weil mehr Dynamik).

Hat uns super viel Spaß gemacht, es ist verdammt fordernd uns doch sehr überraschte und das bereits auf dem 2.Schwierigkeitsgrad. Wir sind öfter gescheitert oder mussten frühzeitig abbrechen als das wir die Missionen tatsächlich geschafft haben.

Wir hatten einige echt dramatische und spannende Momente in denen wir in der letzten Sekunde irgendwie noch entkommen sind.

Das Zusammenspiel ist super nice

Zuletzt bearbeitet vor 4 Monaten von Phoesias
skelli

Hat da Spiel auch ein Matchmaking, sollte man mal keine 2 Freunde zur Verfügung haben?

SoulPhenom

Denke schon sonst wärs ja Totaler RIP OFF . Bin schon Mega gespannt auf das Game ob das was kann.

Erzkanzler

Kannst dir mal das Video von SkillUp anschauen, dann schwindet die Begeisterung vielleicht ein wenig 😛

Benedict Grothaus

Ja, hat es. Du kannst sogar solo spielen, wenn du die Missionen direkt anwählst. Das Spiel passt dann die Schwierigkeit der Spieleranzahl an.

Ich fands Solo fast etwas entspannter als im Koop, spielt sich aber auch ganz anders. Mehr wie ein Hitman, weniger wie ein… nun, Koop-Shooter.

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