Expedition 33 ist so gut, weil es sich fast alle Inhalte „zusammengeklaut“ hat

Expedition 33 ist so gut, weil es sich fast alle Inhalte „zusammengeklaut“ hat

Expedition 33 ist ein starker Anwärter auf das Spiel des Jahres 2025. Dabei hat es sich sehr viel zusammengeklaut – aber das extrem gut.

Clair Obscur: Expedition 33 hat die Welt der RPG-Fans im Sturm erobert und ist ein richtig dicker Hit geworden. Besonders, wenn man bedenkt, dass das Spiel das Erstlingswerk von Sandfall Interactive und vielen der Mitarbeiter ist. Dabei scheint Expedition 33 in den Spielerinnen und Spielern eine Menge Emotionen auszulösen und flüssiges Gameplay mit toller Story und wunderbarem Art-Style zu vereinen.

Der Grund, warum das alles so gut funktioniert, ist der Umstand, dass so ziemlich jede Mechanik im Spiel „zusammengeklaut“ ist – allerdings auf die bestmöglichste Art und Weise.

Spoiler-Warnung: In dem Artikel werde ich auch etwas auf die Story von Clair Obscur: Expedition 33 eingehen. Wenn ihr die noch nicht abgeschlossen habt, kann es Spoiler geben.

Frei nach den Prinzen „Alles nur geklaut“, werden Gaming-Veteranen in Clair Obscur: Expedition 33 eine nahezu erdrückende Menge an Parallelen und Inspirationen erkennen, an denen sich das Spiel bedient hat. Besonders Final Fantasy und die Persona-Reihe kann man nicht von der Hand weisen.

Das grundsätzliche Design der Spielwelt, also dass es eine „Overworld“ gibt, auf der man herumreisen kann, um dann einzelne Orte zu besuchen, erinnert ebenfalls an RPGs von vor über 2 Jahrzehnten. Die ganze Final-Fantasy-Reihe hat das bis Teil 9 genutzt und auch sehr viele andere JRPGs haben sich daran bedient. Auch dort ist es so, dass man zu Beginn zu Fuß unterwegs ist und dann erst mit einem Schiff und später einem Luftschiff immer mehr Gebiete zur Auswahl hat und versteckte Orte entdecken kann.

Ungewöhnlich ist, dass Expedition 33 auf ein rundenbasiertes Kampfsystem setzt. Das gilt als „aus der Zeit gefallen“, sodass selbst Final Fantasy sich mit den letzten Teilen davon verabschiedet hat und lieber auf Action setzt. Eine Sache, die vielen Fans missfällt.

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Aber Clair Obscur hat sich nicht darauf ausgeruht, sondern das Ganze mit einem anderen System kombiniert, das extrem erfolgreich ist: Die Souls-Spiele. Mit knackigen Zeitfenstern von nur 150 Millisekunden zum Parieren, braucht man Geduld, Geschick und muss Kampfmuster auswendig lernen. Das ist anspruchsvoll, aber niemals überfordernd und immer fair.

Dabei hat Expedition 33 penibel darauf geachtet, all das zu beseitigen, was bei Metaphor oder Persona genervt hat. Ein Kampf läuft nicht nach Plan? Dann muss man nicht umständlich sterben, sondern kann direkt neu laden und erneut beginnen.

Speicherpunkte sind nicht selten verteilt, sondern das Spiel speichert jedes Mal, nachdem man die Ausrüstung der Charaktere im Menü auf irgendeine Weise angepasst hat.

Auch das Skill-System ist aus Final Fantasy IX übernommen. Die Lumina sind im Grunde 1:1 das Ability-System. Man legt Gegenstände an, bekommt dadurch passive Effekte und wenn man den Gegenstand lange genug getragen hat, „lernt“ man den passiven Effekt und kann ihn durch verteilbare Punkte aktivieren oder deaktivieren. Nur muss man das in Clair Obscur nicht für jeden Charakter wiederholen.

Selbst die Story hat stark bei Final Fantasy abgeschaut

Zuletzt möchte ich auf die Story eingehen. Denn auch wenn die absolut überragend, komplex und herzzerreißend ist, kann man hier ebenfalls eine Menge Inspiration aus Final Fantasy X finden. Ein paar Beispiele gefällt?

In Final Fantasy X versuchen die Menschen gegen eine Bedrohung anzukämpfen, die in regelmäßigen Abständen ganze Städte auslöscht. Das ist hier die Bestie „Sin“, was in Expedition 33 die Malerin ist.

Am Ende stellt sich heraus, dass Sin nicht einfach ein Bösewicht ist (genau wie die riesige Malerin), sondern Sin im Auftrag einer anderen Person handelt – so wie die Malerin auch.

Vernichtet man Sin, besiegt man nicht einfach nur die Bedrohung für die Welt, sondern gleich eine ganze Welt und alle die dort leben. Exakt das gleiche trifft auf die Malerin zu, deren Bezwingen (beinahe) sämtliche Menschen auf der Welt auslöscht.

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Deepe Monologe, die man erst nach dem Ende versteht, gibt’s natürlich auch. Wie es sich gehört.

Der Vater des Protagonisten, also Renoir für Verso und Jekkt für Tidus, ist am Anfang ein Bösewicht, der irrational, selbstgefällig und bösartig wirkt. Erst am Ende wird klar, wie sehr ihm die eigene Familie am Herzen liegt.

Einer der Protagonisten in beiden Spielen (Tidus und Verso) existiert gar nicht. Während Tidus nur ein „Traum der Vergangenheit“ ist, ist Verso nur das gemalte Abbild einer Erinnerung an den echten Verso, der gestorben ist. Den Kreislauf zu durchbrechen und den Antagonisten zu vernichten, führt zum Tod des Protagonisten.

Ich könnte damit noch lange weitermachen. Fast jeder große „Story Beat“ kam in abgewandelter Form in Final Fantasy X ebenfalls vor.

Geklaut, verbessert und ein Meisterwerk erschaffen

Dabei meine ich all diese Punkte gar nicht als Kritik. Denn die Art, wie Clair Obscur all diese Elemente miteinander kombiniert – von der Story über das Kampfsystem und die Atmosphäre – und daraus etwas Neues erschafft, ist nicht weniger als phänomenal. Ich würde hier sogar fast von dem „Blizzard-Prinzip“ sprechen, bei dem man erfolgreiche Systeme übernimmt und verfeinert, bis sie nahezu perfekt sind. Das ist Sandfall Interactive mit Clair Obscur: Expedition 33 ganz eindeutig gelungen.

Ich bin dem Entwickler-Team sehr dankbar, dass sie Inspiration aus so vielen alten JRPGs der Final-Fantasy-Reihe gezogen haben und diese mit modernen Mechaniken aus Action-Games wie Dark Souls oder Elden Ring kombiniert haben.

Ich habe mich während der rund 50 Stunden Spielzeit wieder gefühlt, als wäre ich 20 Jahre jünger. Als würde ich eine Welt erkunden, die mich so sehr in den Bann gezogen hat, wie Final Fantasy X es damals getan hat. Bei der jedes einzelne Level ein Kunstwerk war, voller Geheimnisse, die man ergründen und begreifen will.

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Die Cutscenes sind allesamt ein Kunstwerk.

Clair Obscur: Expedition 33 hat diese Nostalgie genommen, sie in ein neues Antlitz gegossen und damit ein Kunstwerk geschaffen, von dem ich dachte, dass es in der heutigen Gaming-Welt gar nicht mehr vorkommen würde. Es hat nur sehr wenig Ideen, die wirklich „neu“ sind. Lediglich die Kombination all der Spielelemente gab es in dieser Form noch nicht. Genau das reicht aus. Das und die aus jeder Minute spürbare Leidenschaft der Entwickler, dass sie ein Spiel erschaffen haben, das sie selbst gerne spielen wollen.

Expedition 33 ist für mich schon jetzt das Spiel des Jahres und eines, zu dem ich noch sehr, sehr, sehr oft zurückkehren würde. Das wird mein neues „Wohlfühl“-Spiel, auf das ich alle 1-2 Jahre zurückgreife, wenn ich mal ein Wochenende für mich sein will und einfach eine gute Zeit haben will und mich nicht darüber aufrege, wie ätzend moderne Spiele doch in vielen Belangen sind. Danke dafür. Dieses Spiel ist eine wahre Bereicherung für mein Leben gewesen.
Auch, wenn ich viele Geheimnisse am Anfang übersehen habe …

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OMWG

Hab jetzt auch vor Kurzem angefangen das Spiel zu spielen. Die Umsetzung, Story, Grafik usw. finde ich bisher gelungen. Was mir allerdings weniger gefällt ist das Kampfsystem. Rundenbasiert liegt mir so garnicht und dann noch mit diesem Quicktime-Parieren und Ausweichen wird es nicht besser, ganz im Gegenteil, das macht das ganze noch schlimmer.
Was mir auch ein wenig negativ aufstößt, sind die Untertitel, die je nach Situation völlig anders präsentiert werden. Warum werden die Untertitel in Zwischensequenzen am unteren Bildschirmrand angezeigt und während man sich bewegt dann am rechten Bildschirmrand? Warum zur Hölle macht man so einen inkonsequenten Mist? Mir wäre eine durchgängige Darstellung 1000 Mal lieber. Entweder IMMER unten oder IMMER am Bildschirmrand, aber nicht dieses mMn. dumme hin und her.

Rhasha
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Unknowncritic

Also jedes Autorennen hat auch geklaut, jedes MMORPG, jedes jump n run, jeder shooter der Waffen benutzt…. Was bitte ist das für ein Artikel?? Jedes Spiel eines Genres wird dadurch definiert, dass es bestimmte Bestandteile hat. Ein Shooter hat Waffen, ein Rennspiel Autos und Strecken…. Das hat nix mit klauen zu tun sondern wird vom Genre vorgeschrieben. Sowas sollte allgemein bekannt sein und ist bestimmt nicht mit “klauen” zu bezeichnen.

Fleischi

Also ich finden das picto System um Welten besser als z.b. das materia System in final fantasy 7 rebirth. 16 hab ich aktuell noch nicht gespielt.

Einzigsten Nachteil sehe ich darin das man halt irgendwann alles aktivieren könnte. Hier wäre es cool gewesen das man sagt Lumina-Farben upgraden die pictos oder man wendet sie auf ein char an um mehr passiv frei zu schalten.

Aber am ende spielt das keine Rolle. Die buildfreiheit die in diesem game entstanden ist, ist fast unübertroffen. Ich werde nich gezwungen die 4 vorgegeben skills zu spielen und bis ins endgame zu maximieren. Was heutzutage oft der Fall ist. Ok lass es 6 skills sein und 4 kann ich ausrüsten. Nein hier hat jeder char 20 skills(geraten) und hat das vollumfängliche picto System. Scaling passt nicht perfekt, aber die Freiheit ist einfach genial. Ach nicht zu vergessen die Waffen perks die dann eigentlich den grund spielstil vorgegeben und darauf man mehr oder weniger aufbaut.

Geklaut finde ich hier nicht wirklich etwas. Die Entwickler sind einfach ein kleines team und jeder kennt den anderen sogar privat. Die Zusammenarbeit findet einfach auf einem ganz anderen Level statt, als bei großen Unternehmen. Blizzard z.b. Entwicklt dinge sogar in unterschiedlichen Länder und am ende wird das halt “zusammen gebaut”. Hier klopft man im Büro neben an und sagt schau mal das passt so nicht und diskutiert in den Pausen überdie Entwicklung. Dadurch entsteht halt nicht die 180 Kopie mit 1 skill unterschied. Sondern etwas gut durch dachtes.

Persönlich gefällt mir halt die Story und die welt sowie Monstern Designs. Interessant erzählt ist es auch. Theoretisch spielt man ja eigentlich gustav und verso, aber maelle ist mehr oder weniger der hauptcharakter.

Achtung harter spoiler

Also zu dem Thema es werden nicht alle ausgelöscht, kommt darauf an mit wem du am ende das spiel beendest. Es gibt 2 endings! Eines davon zerstört die Leinwand und somit werden auch alle ausgelöscht unter anderm deine weggefährten.
Ist auch ein interessantes ende. Verso lebte von 1879 – 1905
1879 wurde auch einstein geboren die haben sein Datum geklaut xddd

Naja verso 22feb und einstein iwann im märz genau weis ich es nicht.

Auch das alles in einer Leinwand spielt ist extrem cool gemacht und kenne ich jetzt so wie hier nicht nochmal. Zumindest fällt mir auf die schnelle nichts ein.
Das ein Bösewicht am ende nicht böse ist gibts genug…… marvele Studios kennt das auch xd

Alex293

Also mal ernsthaft, das mit dem alles geklaut ist mal totaler Blödsinn 🤦🏻
Wenn man anfängt mit so vergleichen, ist praktisch jedes spiel seit 10 Jahren ca alles nur geklaute mechaniken, ganz besonders die ganzen action RPG’s die sich fast alle 1 zu 1 gleich anfühlen beim spielen.

Story, gameplay, menü, skillung.
Es gibt nahezu kein einziges spiel das ein system hat, das komplett neu ist und auf keinen anderen spielen basiert.

Da die Spiele alle eine Inspiration haben, sind solche Gemeinsamkeiten vollkommen normal.

Dementsprechend ist das ziemlicher Blödsinn zu sagen ein spiel sei sehr viel “Zusammengeklaut” worden.

dredghawl
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KazakuraOne

Und jetzt stellt euch die schönen Welten mit NerveGear Technologie vor 🙂

usogul

Die haben nicht einfach nur geklaut. Die haben sich echt Gedanken gemacht und eine eigene Vision von einem Spiel entwickelt. Perfekt ist es nicht aber als Gesamtkunstwerk absolut überzeugend. Das Genre wird durch diese Perle belebt und bekommt frischen Wind eingehaucht. Gerne mehr davon!

usogul

Ich weiß, dass hast du auch im Artikel hervorgehoben. Falls du das als Kritik aufgefasst haben solltest, es war keine.

KenSasaki

“Klauen” und “Kopieren” finde ich generell schwierig zu sagen. Es gibt so viele Spiele und Filme, Bücher etc. jede Geschichte wurde irgendwie, irgendwo etc. schonmal erzählt. Sich groß was neues, einzigartiges ausdenken ist kaum möglich. Das es parallelen hat, will ich nicht bestreiten, nur wie geschrieben, wirklich was neues zu machen heutzutage ist schwer. Dann lieber wie hier in dem Fall sich davon nicht abschrecken lassen und die Story machen wie gewünscht. ob sie jetzt Kopiert etc. und abgewandelt wurde, unbewusst oder bewusst, ist da erstmal egal. Ich würde es eher als “Inspiration von XY” sagen, klingt mMn. besser.

Das gegenextrem wäre hier Palworld vs. Pokemon, es gibt wie viele Pokemon und dann soll man noch eigene Kreaturen erfinden die nicht ähnlich sind? Viel spaß. Hoffe man versteht den Gedankengang.

Nafintin

Im Endeffekt ist alles eine Kopie. Selbst du bist eine Kopie deiner Eltern 😉

Ich finde es total in Ordnung etwas zu nehmen, was schon da ist und eine eigene Interpretation zu machen.

Klauen ist in meinen Augen, wenn ich direkt die Arbeit der anderen nehme und als meine Verkaufe.
Andernfalls wäre ja jeder ein Dieb, der das Rad nicht erfunden hat…

Sveasy

Wenn er eine Kopie seiner Eltern wäre, wäre er ein entweder exakt sein Vater oder exakt seine Mutter. Bei einer Mischung aus zwei “Ausgangsvorlagen” kann keine exakte Kopie entstehen, außer die Eltern wären in dem Fall eineiige Zwillinge gewesen, was ich für sehr unwahrscheinlich halte. Eine Kopie im Beispiel von biologischen Formen wäre dann ein Klon. Dein Beispiel hinkt, auch wenn ich den Gedanken dahinter verstehe. 🙂
Mit dem Rest deines Beitrags hast du absolut recht.

Fleischi

Die Antwort ist top, musste schmunzeln. Aber ja ma versteht ja was er meint 😄

Nafintin

Chapeau!
dem ist einfach nichts hinzuzufügen 😄

Sveasy

Schön dass du meine kleine “Klugscheisserei” mit dem Humor und Augenzwinkern nimmst, mit dem ich sie geschrieben habe. Ist heutzutage ja auch nicht mehr unbedingt normal. Danke dafür 🙂

prally

Sehe ich ziemlich genauso. Mir ist sogar gut kopiert und seine eigene Würze dazu lieber als schlecht neu gemacht. Blizzard ist mit diesem Prinzip überhaupt erst so groß geworden. WoW bestes Beispiel. Hat vieles kopiert aber einfach besser und zugänglicher gemacht. Somit den Weg für mmorpgs in den Mainstream geebnet.

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