Gestern Abend, am 12. Juni 2025, ist das Embargo für die vielen YouTuber und Streamer gefallen, die Chrono Odyssey über zwei Tage hinweg spielen durften. Ihre Berichte zeigen: Das MMORPG hat Potenzial, aber auch noch viele Baustellen.
Wer durfte Chrono Odyssey wie lange zocken? Bislang gab’s für das neue MMORPG von Chrono Studio nur exklusive Fokusgruppentests, wobei zuletzt eine ausgewählte Gruppe von YouTubern und Streamern Chrono Odyssey zwei Tage lang spielen durfte.
Eingeladen waren vor allem englischsprachige Content-Schaffende, die sich auf MMOs und MMORPGs spezialisiert haben – etwa Kanon (YouTube), der bereits an zwei Tests teilgenommen hat und um die 70 Spielstunden vorweisen kann, aber auch MMOByte (YouTube) oder BagginsTV (Youtube). Aus der deutschen Szene war Entenburg eingeladen, seinen Anspielbericht findet ihr ebenfalls auf YouTube.
Der jüngste Trailer zu Chrono Odyssey vom Summer Game Fest 2025:
Großes Potenzial, aber auch noch viele Baustellen
Was berichten die Tester? Viele der Genre-Fans ziehen unterm Strich ein positives Fazit unter ihre Erfahrungen mit dem „Early Game“ von Chrono Odyssey, betonen aber auch, dass vor den Entwicklern noch viel Arbeit liegt.
Entenburg beschreibt es in seinem Video beispielsweise als ein Spiel, das ein AAA-MMORPG sein möchte, aber von einem Indie-Studio kommt und daher (noch) nicht den Feinschliff und die Qualitäten in der Spitze besitzt, die man von einem AAA-Produkt erwarten würde.
Im Folgenden gehen wir die wichtigsten Bereiche durch und fassen euch den grundsätzlichen Tenor der Tester zusammen.
Charaktererstellung
- Besitzt sehr viele Optionen, kommt aber wohl nicht ganz an die Klasse von Baukästen wie dem aus Black Desert heran.
- Kein Genderlock für die 6 Klassen, ihr könnt frei das Geschlecht wählen.
- Teils sind die Charaktermodelle im Spiel dann aber wohl deutlich hässlicher als in der Charaktererstellung.
Struktur vom Early Game
- Anfangs werdet ihr kurz an die Hand genommen, um grundlegende Systeme und Mechaniken zu verinnerlichen.
- Bereits recht früh (mit Level 3 oder 4) landet ihr so beim ersten Chaos Gate, in dem euch ein knackiger Bosskampf erwartet. Viele sind dort erstmal gescheitert und mussten sich dann andere Inhalte beziehungsweise Aktivitäten suchen, um zu leveln und die Ausrüstung zu verbessern.
- Für den Charakterfortschritt habt ihr die freie Wahl aus Life Skills (Sammeln und Herstellen), Kopfgeldjagden, Welt-Events, Quests, Gegner-Drops, Dungeon-Inhalte oder Erkundung der Spielwelt. Dabei trefft ihr beim Erkunden der Welt auch immer wieder auf Feinde, die deutlich stärker sind als ihr.
- Wenn ihr das erste Chaos Gate gemeistert habt, erhaltet ihr als Belohnung die erste Fähigkeit, um die Zeit zu manipulieren. Im Anschluss sollt ihr das nächste Chaos Gate finden und meistern. Wann ihr euch daran versucht, ist euch überlassen.
- Da nicht viele Spieler an dem Test teilgenommen haben, war die Welt recht leer, und es war schwierig, Mitspieler für die Gruppeninhalte zu finden. Viele Aktivitäten lassen sich aber eh gut solo machen – trotz des hohen Schwierigkeitsgrads (dazu später mehr).
Hier könnt ihr euch das Video von Entenburg anschauen:
Grafik, Technik und Design der Welt
- Die Grafik ist in der Beta-Version lange nicht so hübsch, wie in den ersten Trailern gezeigt. Ein Throne and Liberty besitzt etwa eine spürbar höhere Grafikqualität.
- Die Welt ist jedoch stimmungsvoll und ungewöhnlich düster inszeniert, das Erkunden der Welt fühlt sich spannend und belohnend an – was auch an den dynamischen Ereignissen und Zufallsbegegnungen liegt und an der ständigen Gefahr durch starke Feinde. Teils müsst ihr Sprungpassagen meistern, um an beispielsweise eine versteckte Truhe zu kommen.
- Die Karte der Welt öffnet sich erst nach und nach. Besondere Orte könnt ihr mit eigenen Markierungen hervorheben. Eine Minikarte gibt es nicht, ihr orientiert euch mit einem Kompass.
- Es gibt noch viele Grafikfehler, vor allem bei der Beleuchtung vieler Regionen. Einige Bereiche sind viel zu dunkel, andere unschön hell beleuchtet oder der Bildschirm flackert die ganze Zeit.
- Von Performance-Problemen hat niemand berichtet. Die Gegner bewegen sich teils jedoch sehr ruckartig und laggy, wodurch sich die Kämpfe suboptimal anfühlen können. Zudem wirken ihre Animationen teils seltsam gedrosselt und unrund.
- Das zurückhaltende User-Interface wird von vielen Spielern gelobt. Einzig die Skill-Icons könnten sich noch mehr unterscheiden.
- Die Charaktere sind recht mobil, können schwimmen, niedrige Vorsprünge erklettern, haben einen Doppelsprung.
Kämpfe
- Viele Tester hatten grundsätzlich Spaß mit den actionreichen Kämpfen, wobei etwa Entenburg betont, dass er das Pendant aus New World deutlich besser findet. Er kritisiert zudem, dass die Kamera so nah an der Figur ist, wodurch teils die Übersicht fehlt.
- Kanon erklärt wiederum, dass Chrono Odyssey so nah an ein „Dark Souls MMORPG“ kommt, wie es wohl möglich ist – was vor allem am Kampf und Setting liegen soll.
- Berserker und Schwertmeister sollen sich wunderbar wuchtig anfühlen und spaßige Skills besitzen.
- Der Ranger braucht indes noch einiges an Arbeit: Die Reichweite vom Bogen soll ungewöhnlich gering sein, eigentlich klare Treffer verfehlen das Ziel. Letzteres ist umso ärgerlicher, weil Kopftreffer mit erhöhtem Schaden belohnen.
- Die Soundeffekte von Armbrust und Degen wirken unpassend. Das Trefferfeedback ist durchwachsen, teils fühlen sich Angriffe sehr wuchtig an, teils reagieren Gegner gar nicht.
- Mit der Ausweichrolle lassen sich einmal gestartete Skill-Animationen nicht unterbrechen. Das kann gerade bei langsamen Waffen wie der Zweihandaxt schnell gefährlich werden.
- Die Abklingzeiten der Skills fallen anfangs ein bisschen zu lang aus.
- Überhaupt erklären viele Tester, dass der Schwierigkeitsgrad vieler Inhalte aus Chrono Odyssey ungewöhnlich hoch ausfällt. Es kommt immer wieder zu Charaktertoden. Man kann mit Skill und perfektem Ausweichen/Blocken vieles sehr früh schaffen, doch werden Fehler teils hart bestraft. Das bekommt jedoch viel Lob, weil es endlich mal wieder eine Herausforderung gibt.
Aktivitäten wie Dungeons, Crafting und Kopfgeldjagden
- Die Kopfgeldquests sind wohl nur simple: Finde den Boss X in Region Y, hau ihn um, bring den Kopf zu NPC Z. Das bringt Loot und Bounty-Tokens, die ihr gegen Ausrüstung eintauschen könnt.
- Das Crafting fühlt sich ähnlich gut und motivierend an wie in New World, wobei ihr mit jeder Werkzeugqualität alle zugehörigen Ressourcen abbauen könnt – es dauert halt nur lange, mit einer schlechten Axt einen riesigen Baum zu fällen. Das Leveln der Sammel-Skills wirkt sich nur auf das Tempo und die Effizienz des Abbaus aus. Es gibt kein bestrafendes Zufallssystem beim Crafting.
- Was PvP angeht, konnte man im Test nur Duelle machen oder sich in der offenen Welt für PvP markieren. Allzu gut ausbalanciert scheint das aber nicht zu sein.
- Der erste 3-Spieler-Dungeon des Spiels bietet solide PvE-Kost.
- Einige der Dungeon-Inhalte fallen sehr unspektakulär aus, weil sie nur aus ein paar Schalterrätseln oder Sprungpassagen bestehen.
- In den Labyrinthen müsst ihr häufig Sprungpassagen und Rätsel meistern, um zu einem Boss zu kommen. Die sind sehr lohnenswert, können aber nerven, weil sich einige Fallen nur schwer oder gar nicht vermeiden lassen und sich der Charakter nicht immer optimal genug steuern lässt.
- Die Weltbosse spielten sich im Test sehr knackig, auch mit mehreren Spielern.
- Die Trials sind Solo-Inhalte, für die ihr Schlüssel braucht und in denen ihr zwischen mehreren Türen wählt, um die dahinter liegenden Herausforderungen zu meistern. Das können Bosse sein, aber auch die Durchquerung eines Raums, etwa ein Wasserbecken voller Haie. Die Qualität dieser Inhalte schwankte wohl stark.
Der YouTuber Kanon deutete übrigens bereits an, dass einige der genannten Schwächen der Tester in einer neueren Version des Spiels bereits gefixt worden sein sollen. Details dazu durfte er aber keine verraten.
Dennoch bleibt der Eindruck, dass sich das unerfahrene Studio mit dem festgelegten Release im Jahr 2025 am Ende doch übernehmen könnte. Schließlich wurde bisher nur das „Early Game“ getestet, das vor allem technisch, aber auch bei konkreten Inhalten viele Baustellen offenbart hat.
Diese Fehler dürften sich auch durch spätere Regionen und Aktivitäten ziehen. Reichen wenige Monate, um all das zu fixen? Wir von der MeinMMO-Redaktion sind skeptisch, wollen uns beim kommenden Beta-Test aber natürlich noch selbst einen Eindruck vom Spiel machen.
Apropos: Vom 20. bis zum 22. Juni 2025 findet auf Steam die Closed-Beta für Chrono Odyssey statt, bei der ihr genau die Version spielen könnt, die auch die YouTuber gespielt haben. Etwa 1 Million Interessierte sollen auf die Server gelassen werden. Alles, was ihr zum Test wissen müsst, erfahrt ihr hier: Chrono Odyssey: Closed Beta startet bald – so macht ihr mit und das ist drin
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Oh da muß ich die Redaktion mal richtig loben, allen Respekt dass ihr tatsächlich dieses Video verlinkt habt. Chapeau!
Ausserdem hat mich dieser Artikel nun doch noch angefixt, könnte interessant werden insbesondere aus der Sicht eines Konsolenspielers, wo es ja nicht so arg viel Auswahl gibt. Als ewiger Bogenschütze hoffe ich natürlich dass die Reichweite nachgebessert wird, aber sieht soweit doch ganz gut aus. Bin gespannt (haha Wortwitz).
Wo ich mir bisschen Sorgen mache drum, man hat jeweils Pro Waffe nur 4 Skills- und man kann nur 2 Gleichzeitig benutzen. (Also 8 Skills nur)
Kann mir vorstellen das da die Abwechlung stark dran leidet.
Vorallem muss man mal schauen in wie fern sich die Skills unterscheiden, ob alle 4 Pro Kategorie auch Sinn machen bzw. Effektiv sind, und ob sie auch alle unterschiedlich und immersiv animiert sind.
Gibs ja bekanntlich einige Fantasy MMO wo es Sinnlose/Nutzlose skills gibt, und es nichtmal auffallen würde wenn es die nie gäbe weil man die eh nicht macht.
Also nicht das man ständig immer den ein und selben Skill hintereinander spamt und fertig…
Die 2te Sache ist: klar… Jeder schwört darauf das es kein P2W wird. Hat NCSoft mit B&S auch 2014 gesagt…
Oder andere Entwickler auch schon. Und dann wurde schleichend immer mehr und mehr doch rein gepatcht.
Auch die ganzen Trailer zum Spiel, wird vermutet das man Ubisoft Formel ausfährt hnd die Vorgerenderten Trailer besser aussehen als das eigentlich Game.
Also ich warte erst mal ab.
Wegen den 8 Fähigkeiten würd ich mir weniger Sorgen machen, sondern die Entwickler eher loben. New world hat bewiesen, dass diese absolut ausreichend sind für ein richtig gutes kampferlebnis (NW hatte 6 skills) und ist aus Erfahrung tausendmal besser, als unübersichtliche 80 skills in den leisten zu verpacken. Man definiert sich durch wenige skills besser als klasse und macht deutlich mehr Spaß!
Gibt es schon Kommunikation bzgl P2W? Ich wüsste nichts, wieso also sowas vorab in den Raum werfen? Versteh ich jetzt nicht ganz…
Grad mal Entenburg geguckt. Finde er hat das weitgehend gut kritisch eingeordnet, fand nur seinen ständigen Vergleich mit GW2 unpassend da TabTarget Game. Hat btw den Artikel von MeinMMO kritisiert 😉 , andere Gaming News Seiten kamen aber auch nicht gut weg, sollte man sich mal zu Gemüte führen. Einige Sachen waren mir schon bei dem IGN Video aufgefallen, leider auch ein unkritisches Video, u.a. die schlechtere Grafik gegenüber dem Trailer, dachte erst ist doch gar nicht daselbe Game, doch.
Die Zukunft des MMORPGs wirds wohl nicht, aber evtl ein besserer Ersatz für New World.
Die kopfgeldquest sind nicht nur da um Spieler einfach dahin zu schicken und den named zu hauen. Sondern laut Entwickler um sie in gewisse Bereiche zu führen und sie dann dort mehr entdecken können auf eigener Faust.
Das entenburg ein souls lite kampfsystem nicht beherrscht ist es klar das er es schlechter findet. Der hat die ganze Zeit Auto attacks gedrückt bzw seine skills auf CD…. Und wundert sich dann das man dann angegriffen wird in dem moment
Klar ist. Nicht alles rosig in dem Spiel bisher. Aber Ich vermute das Mobs auch bei EU Spielern gelangt haben da der Server für die paar tester sicherlich nur einer war