Activision Blizzard will divers sein, gibt Arabern 7 von 10 Punkten – Löst eine katastrophale Reaktion aus

Activision Blizzard will divers sein, gibt Arabern 7 von 10 Punkten – Löst eine katastrophale Reaktion aus

Der Entwickler Activision Blizzard (WoW, Call of Duty, Diablo) haben ein Tool vorgestellt, mit dem sich die Diversität von Charakteren in Videospielen darstellen lässt. Als Beispiel nimmt man Figuren aus Overwatch und Call of Duty: Vanguard. Was offenbar gut gemeint war, löst ein katastrophales Feedback aus. Denn Activision Blizzard weist Eigenschaften wie Rasse, Kultur oder sexuelle Orientierung direkte Punktwerte zu.

Das ist das Tool, das Activision Blizzard zeigt: Am 12. Mai veröffentlichte Activision Blizzard einen Blogpost, in dem man ein Modell vorstellt, das der Mobile-Entwickler King bereits 2016 etablierte. Das Tool soll im Beta-Test nun in der ganzen Firma verwendet worden sein.

Der Original-Blogpost wurde mittlerweile stark verändert, ist aber noch im Web-Archiv zu sehen (via web.archige.org).

Das Modell soll dazu dienen:

„Vor unbewussten Vorurteilen und Exklusion zu schützen, die bei der Entwicklung von Spielen und ihren Charakteren auftreten“.

Es heißt: Dieses Tool solle allen Entwicklern bei Activision Blizzard dabei helfen, die festsitzenden Ideen darüber zu hinterfragen, wie Figuren in Videospielen aussehen müssten. So will man Figuren erschaffen, die aus dem Klischee herausbrechen, und auf diese Weise besser Frauen, nicht-binäre Menschen und unterrepräsentierte Minderheiten in den Spielen darstellen.

Das sei auch bitter nötig, denn zwischen 2017 und 2021 seien in 80 % der bestverkauften Videospiele die Protagonisten männlich und weiß gewesen.

Als Beispiel dafür, wie das Tool schon im Einsatz wirkt, zeigt Activision Blizzard den diversen Cast von Call of Duty: Vanguard. Es heißt, die Resultate des Tools seien „sofort festzustellen“ und lösten „Enthusiasmus“ aus.

Auch das Team von Overwatch 2 habe das Tool schon getestet und sei ebenfalls „enthusiastisch“, nach den ersten Eindrücken.

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Das Bild soll zeigen, wie divers der Cast von Call of Duty: Vanguard ist.

Activision Blizzard gibt Punkte für Alter, Aussehen, Rasse

Was für ein Bild regte die Leute auf? Man veröffentlichte ein Bild der Heldin Ana aus Overwatch mit einem Punkte-System:

  • Ana bekam 7 von 10 Punkten, weil ihre Kultur mit „ägyptisch“ wohl divers genug ist
  • „Arabisch“ bei Rasse kriegt 7 Punkte
  • Für ihr Alter „60“ erhält sie ebenfalls 6 Punkte
  • Der körperliche Makel „Hat nur ein Auge“ kriegt immerhin noch 4 Punkte
  • Aber bei Körperform geht sie leer aus, denn sie wird als „schlank und kurvig“ beschrieben
  • Ebenfalls 0 Punkte gibt es für ihre soziale Stellung (Mittelklasse) und ihre sexuelle Orientierung (heterosexuell)
  • Dass sie eine Frau ist, ist immerhin noch 5 Punkte wert.

In einem Diagramm, das ihre Punkte darstellt, sieht man dann: Sie brilliert mit Punkten bei Kultur, Rasse und Alter, sonst ist sie eher „nicht-divers“.

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Gerade dieses Bild löst eine extrem negative Reaktion im Netz aus.

„Was soll das überhaupt bedeuten, eine Figur hat eine höhere Rasse als die andere?“

Wie ist die Reaktion? Die Reaktion war schlimm. Auf Twitter sagten Leute (via twitter):

  • „Ihr setzt numerische Werte an Rasse und Kultur. Wie könnt ihr nur bis dahin kommen und nicht sehen, wie schräg das ist?“
  • „Wie könnt ihr Rasse und sexuelle Orientierung quantifizieren – Was soll es überhaupt bedeuten, dass eine Figur eine höhere Rasse als andere hat?“
  • „Das ist peinlich, stellt einfach diverse Menschen ein und ihr seht diverse Charaktere“

Blizzard wird außerdem dafür kritisiert, dass sie so etwas posten, sich öffentlich aber gegen die Gründung von Gewerkschaften stellen.

In einem Podcast haben wir uns kritisch mit der Situation von Blizzard nach dem Sexismus-Skandal 2021 beschäftigt:

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Mitarbeiter von Blizzard an Overwatch distanzieren sich von Tool

Wie ist die interne Reaktion? Die Reaktion auf den Post ist extrem negativ. Sogar die eigenen Mitarbeiter von Overwatch 2 distanzieren von dem Post. Dabei hieß es in dem Blogpost doch deren erster Eindruck sei „enthusiastisch“ gewesen.

Doch Entwicklerin Melissa Kelly schreibt (via twitter):

„Gott, ich schwöre, unsere eigene Firma versucht so hart jeden guten Willen zu schlachten, den die Devs aufgebaut haben, die das Spiel wirklich machen.

Overwatch nutzt nicht mal diesen gruseligen, dystopischen Chart. Unsere Autoren haben Augen. Unsere Künstler haben Augen.“

Kelly sagt: Was tatsächlich die Diversität von Overwatch vorantreibe, seien die Entwickler. Denn die seien wirklich aus diesen Kulturen: Das sei das ganze Geheimnis.

Kelly postete dann ein Schild, das andeutete, die eigene Firma mache gerade den Ruf von Activision Blizzard kaputt.

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Kelly arbeitet an den Figuren in Overwatch.

Auch die Kritik der Designerin läuft daraufhin hinaus, dass das Tool eine „bürokratisch-technische Lösung“ für einen offensichtlichen Miss-Stand ist.

Wie ein Autor von PC Gamer sagt: „Man braucht keine mathematische Lösung, um zu sehen, dass es zum Launch von Overwatch keine schwarze Frau in der Charakter-Auswahl gab.“

Hey, Blizzard! Erklär uns, warum du die Frauen in World of Warcraft änderst

Blizzard löscht alle Bilder

So reagiert Blizzard: Blizzard hat den Blogpost stark bearbeitet und alle Bilder aus dem Blogpost entfernt. Auch alle Hinweise auf die Verwendung des Tools in Overwatch oder Call of Duty: Vanguard wurden nachträglich entfernt.

Es heißt jetzt, man habe den Post bearbeitet, um zu zeigen, dass das Tool nicht in der aktiven Entwicklung genutzt wird.

Man betont, das Tool sei ein Hilfsmittel, kein Ersatz für „wichtige Bemühungen der Teams in dieser Angelegenheit“. Das Tool werde auch keinen Einfluss auf die Einstellungs-Ziele haben.

Gerade für Activision Blizzard ist das Thema „Diversität“ besonders wichtig:

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